Aus Karl Schmalz: Christentum und Kirche

Der 1966 gestorbene Heimatforscher Karl Schmalz hat mit seinen Beiträgen zur Bromer Geschichte ein umfangreiches Werk geschaffen, das in einer Sammlung von 3 neu aufgelegten Bänden im Archiv des Museums in Brome vorliegt. Quellen und Grundlagen für seine Forschungsarbeiten waren die Bibliotheken und Archive in Niedersachsen.

Einen breiten Raum bei seinen zahlreichen heimatkundlichen Aufsätzen nehmen „Christentum und Kirche“ ein.

Unter dieser Überschrift beschäftigte sich Karl Schmalz auch mit der Reformation und ihren Auswirkungen auf unsere engere Heimat.

Zu Beginn seines Aufsatzes über die Reformation schreibt Karl Schmalz über unsere Region:

„Wenn man Samuel Walther (1679 – 1754, Schriftsteller, Pädagoge und  Historiker) Glauben schenken darf, dann war der letzte katholische Geistliche zu Brome und hernach der erste lutherische, Peter Oldeland.“

Dieser ursprünglich katholische Bromer Geistliche Oldeland wechselte offenbar nahtlos vom katholischen zum evangelischen Glauben über. Wie aus der folgenden Aussage von S. Walther hervorgeht, konnte er sein Amt auch nach der Reformation als nunmehr evangelischer Pastor ausüben.

„…Wann Peter Oldeland der Ältere geboren und gestorben ist, steht nicht fest. Ein Pfründenregister von 1534 gibt ihn noch als Pastoren an und kennt seinen Sohn als Coadjutor…“

Demnach war Peter Oldeland der Jüngere Kirchengehilfe und Küster seines Vaters.

Trotz des auch damals bestehenden Zölibats für Priester, hatte Oldeland der Ältere als katholischer Geistlicher einen Sohn. Dazu kann man bei Schmalz wiederum Samuel Walthers Erklärung zu dieser Vaterschaft finden: „Nicht wenig Priester haben damals sich eine Konkubine“ gehalten. Tatsächlich kam es nicht selten vor, dass Priester offen mit Frauen zusammenlebten. Im Zuge der Reformation gab es schließlich Strömungen, die den Zölibat als christliche Lebensform generell ablehnten und sich damit von der römischen Kirche abgrenzten.

Oldelands Sohn studierte in Wittenberg Theologie, hatte dort Luther und Melanchthon gehört und so seinen Vater „auf andere Wege“ gebracht und ihn damit möglicherweise von der neuen Lehre überzeugt.

Schmalz lässt auch Pastor Salfeld zu Worte kommen. Der zitiert aus dem Pfründenregister (Pastor Salfeld. Das Lüneburgische Pfründenregister von 1534. Zeitschrift der Gesellschaft für nieders. Kirchengeschichte. Braunschweig 1934): „Kaum merken wir etwas vom Widerstand gegen die Einführung der Reformation…“ Karl Schmalz zieht daraus den Schluss, dass sich der Übergang in den meisten Fällen reibungslos vollzogen hat, wenn auch nicht überall, wie das Beispiel von Steimke zeigt, einem altmärkischen Nachbarort von Brome.

„Dort war“, schreibt Schmalz, „nach der Reformation wieder katholischer Gottesdienst eingeführt worden. Dazu hatte der Lehnsherr der Vogtei Steimke, der Kurfürst Joachim I. von Brandenburg /1499 – 1535) ein erbitterter Feind Luthers, seinem Sohn Joachim II. das Versprechen abgenommen, bei der alten Lehre zu bleiben. Erst am 1.11.1539 hat Joachim II. in dem ihm vererbten Teil Brandenburgs, wozu auch die Altmark mit der Vogtei Steimke zählte, die Reformation eingeführt.“

In den Klöstern war die Gegenwehr gegen die Reformation heftiger. Auch das Kloster Isenhagen in Hankensbüttel hat Widerstand geleistet, doch ist es dabei nach Schmalz nicht zu dramatischen Zuspitzungen gekommen.

Erstaunlich anders lief es bei den Bartenslebens auf der Burg Wolfsburg:

Der Bartenslebensche Toleranzvertrag vom 03.07.1555 bestimmte u.a., dass auf der Wolfsburg für die Angehörigen jedes der beiden Bekenntnisse ein Geistlicher unterhalten werden sollte. „Der evangelische Gottesdienst wird jeden Sonntag von 6 – 8 Uhr und am Nachmittag von 12 – 2 Uhr abgehalten. Jedenfalls die beiden folgenden Stunden steht die Burgkapelle den Katholiken für den Sonntagsgottesdienst zur Verfügung“. Damit sollten „Friede und Einigkeit erhalten und keine Zwietracht gestiftet werden“.

Dieses tolerante Verhalten könnte auch für das Zusammenleben der Religionen in der heutigen Zeit ein löbliches Vorhaben sein.

Messgewänder und katholische Kirchengerätschaften wurden anfänglich in den nun evangelischen Kirchen weiter verwendet. „Gold und Silbergeräte hat oft der Kirchenpatron an sich genommen.“

Viele Heiligenfiguren, Malereien oder Schnitzwerke, auch aus den hiesigen Kirchen, sind vermutlich in Museen oder Privathäuser gewandert, wenn sie nicht gleich dem reformatorischen Bildersturm zum Opfer gefallen sind.

Nachdem es den Geistlichen nun möglich geworden war, sich zu verehelichen, gab es in der Folge das Problem der Versorgung der Witwen. Solange diese Frauen von ihren Familien unterstützt werden konnten, drückte man sich besonders in Brome davor, ein Pfarrwitwentum einzurichten. Das war bitter für die Frauen, denn es bedeutete für sie, sich in große Abhängigkeit zu begeben und Bittstellerinnen zu werden. Erst ab 1736 kam es schließlich per amtlichem Befehl aus Fallersleben zum Bau eines Witwenhauses in Brome, womit die jahrzehntelange Zahlungsverweigerung mit immer neuen Finten und Prozessen endlich ein Ende fand.

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