Zum Bromer Schulwesen vom 16. Jahrhundert bis 1852

Die Anfänge des Schulwesens – Die Schule im Privathaus des Kantors

Über die Anfänge des Schulwesens im Flecken Brome sind nur sehr wenige In­formationen in den historischen Quellen überliefert. In einem Brief aus dem Jahr 1686 berichtet Pastor Ebeling über die Anfänge Folgendes: Peter Oldeland ist der erste lutherische Prediger in Brome gewesen von vor 1534-vor 1543). Wer das Küsteramt zu dieser Zeit innehatte, ist nicht überliefert. Aber zuletzt hatte es sein Sohn Joachim Olland übernommen. Im folgte sein Sohn Peter als Küster. Sie hatten ihr eigenes Haus gleich neben dem Kirchhof (heute: Drömling Apotheke), denn Pastor Peter Oldeland hatte den ehemaligen Sökeschuldschen Freihof gekauft und sich dort eingerichtet. Ein Pfarrhaus gab es zu der Zeit noch nicht in Brome. Auf Peter Olland folgte Güntzel Knorr als Küster, der auch sein eigenes Haus hatte und dort die Schüler unterrichtete. Als zur Zeit von Pastor Ebeling ein gewisser Diederich Röper Küster wurde, da musste ein neues Küs­ter- und Schulhaus errichtet werden. Den dazu notwendigen Bauplatz habe der Amtmann Witten und die von Bartensleben dazu ausgesucht. Die Auflistung von Pastor Ebeling ist mit Sicherheit unvollständig, denn im Zeitraum von fast 150 Jahren hat es sicherlich mehr als drei Küster hier in Brome gegeben. Zeitweise hat es einen Küster gegeben, der im Pfarrhaus mit gewohnt und dort die Kinder unterrichtet hat, wie wir von Pastor Boelsche erfahren.

Visitationsbericht 1657 – Lage des Schulhauses bis 1807

Im Jahr 1657 wird zum ersten Mal seit 1627 (also nach 30 Jahren) wieder eine Visitation in Brome durchgeführt. Leider gibt dieser Bericht nur eine vage Aus­kunft über den damaligen Zustand des Schulwesens in Brome. Aber den spärli­chen Angaben ist eindeutig zu entnehmen, dass das Schulwesen in keinem gu­ten Zustand war. Pastor Boelsche, der von 1627 bis 1676 Pastor in Brome war, beschwert sich, dass keine Küsterei vorhanden sei. „Der Interimsküster wohne in dem Seinigen [Haus], wehre undüchtig und halstarrig.“ Eine Besserung kön­ne laut Boelsche nur erreicht werden, wenn ein Küsterhaus gebaut würde. Da­zu müsste ein Platz gesucht und gekauft werden, um anschließend dort eine Küsterei zu errichten.

Interessant scheint mir diese Bemerkung im Visitationsbericht in zweierlei Hin­sicht: Zum einen gab es kein eigenes Haus für den Bromer Küster, in dem gere­gelter Unterricht abgehalten werden konnte. Zum anderen verfügte die Kirche nicht über ein geeignetes Grundstück im Flecken Brome, auf dem das Küster- und Schulhaus hätte gebaut werden können. Zwar wurde ein Grundstück ge­funden, aber dieses lag nicht innerhalb des Fleckens, weil dort mit Sicherheit kein freier Platz mehr für ein zusätzliches Gebäude war. Vermutlich lag es im Bereich der heutigen Steimker Straße, möglicherweise dort, wo heute die Häu­ser von Mosel und Buchmüller stehen. Auf diese Theorie werde ich später noch detailliert eingehen. Andreas Reucher geht davon aus, dass das Schulhaus in der heutigen Braunschweiger Straße gestanden hat.

In der Bromer Schulchronik heißt es zur Lage des alten Schulhauses: „In alten Zeiten stand das Schulhaus auf dem Hofraum, der zwischen dem Gaedeckschen (Meyer-Gaedecke) und dem Schuhmacher Lenkschen Hause liegt.“

Interessant scheint in diesem Zusammenhang auch die Auflistung der Grund­stücke, die zur Schule gehören. Dazu heißt es in der Bromer Schulchronik: „Die Grundstücke, die zur Schule gehören, liegen südlich vom Flecken in der soge­nannten Marsch (Damm) und sind 56 Ar 35qm groß.“ Könnte es sich bei diesem Grundstück um den Platz der alten Schule handeln? Zahlreiche Aussagen aus dem Jahr 1807 sprechen dafür, dass dem so gewesen ist. Aber dazu später mehr.

Einkünfte der Schullehrer 1664

Pastor Boelsche erstellt im Jahr 1664 auf Anforderung des Konsistoriums zu Celle einen „Bericht von den Kirchen und derselben Intraden und Gerechtigkeiten“ – also ein Verzeichnis über die Einkünfte von Pastor und Küs­ter in Brome. Uns soll an dieser Stelle nur interessieren, was die Entlohnung des Küsters und Schullehrers war.

Er bekam jährlich:

60 Himten reines Korn

70 Würste

70 Brote

380 Eier (6 Schock und 20 Eier)

von den Häuslern, die keinen Roggen geben, zusammen 1 1/2 Thaler  Vierzeitengeld in Brome zusammen 1 Thaler 19 1/2 Groschen; in Altendorf von jedem Haus an Pfingsten 6 Pfennig (insgesamt 5 1/2 Groschen)

von einer Hochzeit mit Mahlzeit 2 Pfennig,

ohne Mahlzeit 4 Pfennig

von einer Kindstaufe ebenso viel

für eine Beerdigung 2 Groschen

für einen Kranken, für den er berichtet, 2 Pfennig

„wann eine Fremde Kirch gengte gildt 6 Pfennig“

Diese Einnahmen betragen ungefähr 10 Thaler im Jahr. Dazu kommt das Schulgeld von ungefähr 20 Thalern im Jahr (Gesamteinahmen ca. 30 Thaler).

Hinzu kommt eine freie Wohnung, die sich vermutlich im Pfarrhaus befand, da mit dem Bau eines Küsterhauses erst 1675 begonnen wurde. Acker- und Gar­tenland kann der Küster günstig von der Kirche pachten. Er kann so viel Vieh halten, wie er möchte und muss nichts für den Gemeindehirten bezahlen.

Bau des ersten Schulhauses 1675

Pastor Boelsche war sehr um die Entwicklung des Schulwesens bemüht. Seinem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass das hiesige Schulwesen auf eine neue Grundlage gestellt wurde. So berichtet sein Nachfolger Pastor Ebeling (1676-1697) im Jahr 1677, dass die 15 Bromer Bürger auch schon Anstalten zum Schulbau gemacht hätten. Ein weiterer Beleg hierfür findet sich in der Abrechnung über den Neubau des Küsterhauses und die Renovierung des Pfarrhauses von 1672 bis 1678. Für den Bau des neuen Küsterhauses wurden 1675 von jedem Hausbesitzer im Kirchspiel Brome (also in Brome, Jahrstedt, Böckwitz, Voitze, Wiswedel, Tülau, Ehra, Wendischbrome, Nettgau, Kunrau und Steimke) 2 Pfennig eingesammelt, so dass eine Summe von 33 Thalern 11 Gro­ schen und 10 Pfennigen zur Verfügung stand. Allerdings reichte diese Summe noch nicht aus, so dass jeder Hausbesitzer noch einmal 2 Pfennig bezahlen musste. Hier seien nur einige mir interessant erscheinende Details aus den Ab­rechnungen genannt. So musste ein Glaser aus Wittingen geholt werden. Ein Ofensetzer wurde von Jürgen Niepert aus Gardelegen nach Brome geholt. Mit im Gepäck hatte dieser einen 45 Jahre alten Kachelofen, der nun im neuen Küs­terhaus wieder aufgebaut werden sollte, sowie Kacheln für einen weiteren Ofen. Einige alte Kacheln waren allerdings so kaputt, dass sie durch neue er­setzt werden mussten. Insgesamt verbrachte der Ofensetzer 3 1/2 Tage hier in Brome. Selbstverständlich erhielt er neben seinem Lohn auch Speis und Trank – und verzehrte dabei etliche Kannen Bier. Er setzte zwei Öfen für nicht einmal 4 Thaler, dazu kamen noch 11 Groschen 3 Pfennige für Speis und Trank. Mit auf den Weg bekam der Ofensetzer noch 2 Groschen Trinkgeld. Zum Vergleich be­kam Zimmermeister Jochem Knust für Holz und Zimmerlohn zusammen 24 Tha­ler. Insgesamt wurden für den Neubau des Küster- und Schulhauses 55 Thaler 4 Groschen 10 Pfennig ausgegeben.

Von überragender Qualität kann der Bau nicht gewesen sein, denn bereits im Jahr 1687 (also nicht einmal 12 Jahre nach dem Neubau) erwähnt Pastor Ebeling, dass der Giebel eingefallen sei und von den Bromern ausgebessert wurde.

Im September 1686 wird ein gewisser Johann Dieterich Wiedeburg, aus Lüchow gebürtig, in Brome als Schulmeister und Organist angenommen und nach einer Befragung der Gemeinde im Amt bestätigt.

Von Pastor Ebeling ist uns das älteste erhaltene Schulkinderregister aus dem Jahr 1694 für das Kirchspiel Brome erhalten. Aus diesem Bericht erfahren wir, dass der Bromer Organist von jedem Haus 12 Groschen als Schulgeld erhalten hat. Für Brome werden insgesamt 45 Kinder (14 Mädchen, 31 Jungen; Alten­dorf zum Vergleich: 25 Schüler; Zicherie: 17 Schüler) namentlich aufgezählt, die zwischen 4 und 14 Jahre alt sind. Nicht alle von diesen schulpflichtigen Kindern besuchen aber auch die Schule. So dient Hans Christoph Bammel (12 Jahre) bei Klopp in Altendorf, und August Friedrich Böfing (10 Jahre) dient bei Piper in Brome. Sieben weitere Kinder besuchen ebenfalls nicht die Schule, wobei allerdings keine Begründungen genannt werden. Drei Schüler haben zwar die Schule bereits abgeschlossen und dürfen am Tische des Herren teilnehmen, sollten aber auf Empfehlung des Superintendenten noch ein Jahr weiter die Schule be­suchen (Hans Heinrich Meineke, 14 Jahre; Christoff Niebur, 13 Jahre; Christoff Schultze, 13 Jahre).

Im Jahr 1700 beschwert sich der Bromer Organist, Kantor und Schulmeister Matthias Hermann Winckeler beim Knesebecker Amtmann und dem Patron, dem Grafen von der Schulenburg, über den eingefallenen Ofen in der Schulstu­be. Er schreibt, dass die Bromer sich der Reparatur verweigerten, weil sie sich dafür nicht zuständig sahen. Der Wolfsburger Amtmann Schröder nahm sich der Beschwerde an und befahl dem Bürgermeister und der Gemeinde unter Androhung von 5 Thaler Strafe, die Reparatur des eingefallenen Ofens unver­züglich vorzunehmen. Allerdings sahen sich die Knesebecker für zuständig und richteten einen bösen Brief an den Grafen von der Schulenburg, in dem sie sich jede Androhung von Strafe gegen den Bromer Bürgermeister bzw. die Gemein­de von Seiten des Grafen verbaten. Es gab also auch damals schon ein Geran­gel um Kompetenzen und Zuständigkeiten. Wie genau das Problem gelöst wur­de, ist in den vorliegenden Akten leider nicht ersichtlich, aber vermutlich muss­ten die Bromer die Reparaturkosten allein tragen.

Bereits im Jahr 1705 lässt Pastor Prätorius (von 1697-1706 in Brome) kleinere Reparaturen am Bromer Pfarrhaus und dem Küsterhaus vornehmen. So wur­den z.B. die Wände im Küsterhaus gekalkt. Für Arbeiten am Küsterhaus erhielt Karsten Behne einen Lohn von 12 Groschen. Bereits 1708 stehen weitere Re­paraturen an, die 16 Thaler 4 Groschen und 6 Schock Schöfen Stroh betragen. Der Wolfsburger Amtmann Schröter gibt dem Bromer Bürgermeister den Be­fehl, das Geld und Stroh einzutreiben. Aber auch hier kommt es wieder zu Kompetenzstreitigkeiten, so dass der Küster das Geld und Stroh am Ende selbst einsammeln musste. Die 29 Bromer Haushalte musste jeweils 2 Groschen und 2 Schöffe Stroh zahlen, also zusammen 2 Thaler 10 Groschen und 58 Schöfe Stroh.

Das Stroh diente vermutlich zum Dachdecken des Küster- und Schulhauses.  Dass die meisten Häuser im Flecken Brome mit Stroh gedeckt waren, begüns­tigte die schnelle Ausbreitung von Bränden. Im Jahr 1807 ist der gesamten Fle­cken Brome deshalb abgebrannt, darunter auch das Pfarrhaus und das Schul­haus.

Um das Bromer Schulhaus ist es auch in den kommenden Jahren nicht gut bestellt. Bei der Visitation im Jahr 1732 wird bemängelt, dass „des OrganistenWohnung nothwendig neu erbauet werde müste“. Außerdem müsste dem Organisten ein Lehrer zur Seite stehen, weil er „der Jugend nicht mehr vorstehen“ könne. Ob es an einer Arbeitsüberlastung des Organisten oder an seinem fortgeschrittenen Alter liegt, wird leider in diesem Brief nicht erwähnt.

Dass das Küsterhaus tatsächlich in einem erbärmlichen Zustand gewesen sein muss, zeigt sich daran, dass 1740 ein kompletter Neubau geplant wird. Natür­lich wurden zur Finanzierung wieder alle Haushalte im Kirchspiel Brome hinzu­gezogen. Zimmermann Heinrich Ruthern machte einen Vertrag, nach dem ein Gebäude von 8 Gebinden entstehen sollte zu einem Gesamtpreis von 80 Tha­lern (inklusive des Bieres). Die Gemeinde wurde verpflichtet, zur Kostener­sparnis das Holz selbst heranzufahren. Außerdem wurde dem Zimmermann Ruthern das alte Gebäude für 8 Thaler auf Abbruch verkauft. Das alte Gebäude hatte einen schweren Konstruktionsfehler, der schließlich mit zu dem maroden Zustand beigetragen hat. So wurde es aus sechs Gebinden gebaut, wobei aller­dings diese zu weit voneinander entfernt waren, so dass das Gebäude mittler­weile ganz marode wurde. Das neue Gebäude sollte die gleiche Größe haben wie das alte, aber aus acht Gebinden bestehen, um so die Haltbarkeit der Kon­struktion zu erhöhen. Wie bereits im alten Gebäude sollten Wohnung, Scheune und Stallungen unter einem Dach zusammengefasst werden. Natürlich versuch­te besonders Kunrau, sich vor einem Beitrag zum Bau des Küsterhauses zu wehren, letztlich aber ohne Erfolg, denn alle Gemeinden mussten zum Bau bei­tragen. Brome leistete darüber hinaus einen besonderen Beitrag, weil es ja das Gebäude als Schule nutzte, indem der Bauplatz von Brome zur Verfügung ge­stellt wurde und indem der Küster sein Vieh kostenfrei weiden darf.

Der Bau wurde aber dennoch nicht begonnen, weil die Kunrauer sich erfolgreich weigerten. Das Küsterhaus ist dann bis 1843 so weit heruntergekommen, dass der Küster aus dem Gebäude ausziehen musste. Der Bromer Amtmann Penne wies 1744 noch einmalauf die Notwendigkeit eines Neubaus hin. In der Folgezeit muss es zu einem Neubau gekommen sein. Wann genau, ist den vor­liegenden Quellen allerdings nicht zu entnehmen.

Im Jahr 1776 beschreibt Amtmann Kette den maroden Zustand der kirchlichen Gebäude in Brome, darunter auch das Küsterhaus. Dieses muss von sämtlichen Eingepfarrten neu gedeckt werden und jedes Dorf hat einen gewissen Anteil am Dach. Kantor Krull wird in dem Bericht beschuldigt, die Sommerschule sehr vernachlässigt zu haben. Krull erklärt, dass es sich diesen Sommer mit 2 Groschen aus jedem Haus begnügt habe, obwohl sogar die Dorfschulmeister 4 Groschen bekommen. Er war also alles andere als zufrieden mit der Zahlungs­moral der Bromer und seinem Dienst insgesamt. Er wird wohl nicht mehr lange in Brome geblieben sein. Im Jahr 1781 unterrichtet Küster Senf die Bromer Kin­der. Wenige Jahre später, im Jahr 1790, beschwert sich Pastor Lindes (1763-1802 Pastor in Brome) in seinem Schulbericht, dass „der enge Raum und die Dunckelheit der Schulstuben nicht gestatte, daß alle Kinder in den öffentlichen Stunden schreiben“. Es wäre unter diesen Umständen nicht gewährleistet, dass alle Kinder in der Schule Schreiben lernten. Er bittet darum, Abhilfe zu schaffen, was allerdings bis zum großen Brand 1807 nicht geschehen ist.

Im Visitationsbericht des Jahres 1800 sind alle Lehrer, die im Kirchspiel Brome unterrichten, aufgeführt. Diese Liste sei hier zum Vergleich vollständig wie­dergegeben:

Der Küster und Organist zu Brome Johann Christian Senff, 52 Jahre,  seit 19 Jahren in Brome.

Der Lehrer zu Altendorf und Benitz Johann Heinrich Meyer, 30 Jah­re, 6 Jahre dort Lehrer.

Der Lehrer zu Ehra Johann Georg Knigge, 44 Jahre, 21 Jahre dort.  Der Lehrer zu Voitze Christian Gruß, 25 Jahre, 3 Jahre dort.

Der Lehrer zu Zicherie Johann Daniel Kravehl, 40 Jahre, 24 Jahre dort.

Der Lehrer zu Croya Johann Christoph Reinecke, 42 Jahre, 18 Jahre dort.

Der Lehrer zu Tülau Johann Friedrich Mosel, 72 Jahre, 50 Jahre dort.

Der Lehrer zu Wiswedel Friedrich Gottlieb Isensee, 57 Jahre, 28 Jahre dort.

Johann Christian Senff war von 1781  bis zu seinem Tode 1804 Küster und Leh­rer in Brome, also insgesamt 23 Jahre. Leider werden keine weiteren Detail zu Schule und Unterricht in dem Bericht genannt.

Im Visitationsbericht 1813 findet sich wieder eine Liste der Schullehrer. Hier seien nur die Veränderungen zum Jahr 1800 aufgelistet:

Der Schullehrer zu Brome Johann Karl Wilken, 44 Jahre, 9 Jahre in Brome.

Der Lehrer zu Altendorf Johann Jakob Kranz, 22 Jahre, 3/4 Jahr dort. 

Der Lehrer zu Tülau Johann Christoph Kausche, 43 Jahre, 10 Jahre dort.

Der Lehrer zu Wiswedel Friedrich Reineke, 5 Jahre dort.

Johann Karl Wilken wurde nach dem Tode von Johann Senff im Jahr 1804 Küs­ter und Schullehrer in Brome. Er verließ Brome im Jahr 1816 wohl auch des­halb, weil ihm das neue Schulhaus im Flecken nicht zusagte.

Der große Brand im Flecken Brome 1807

Cantor Johann Gottlieb Mosel, der zwar nicht Augenzeuge des Brandes war, aber den Ort und den darauf folgenden Wiederaufbau miterlebt hatte, berich­tet über die fragliche Nacht:

Im Jahre 1807 in der unglücklichen Nacht vom 3ten auf den 4ten Julius um 12 Uhr entstand bei dem damaligen Schuhmacher Heinrich Isensee, jetzt das neue Pfarrwitwenhaus, oder bei Rademacher Meyer, welcher dann südlich daran wohnte, und welches unaufgeklärt geblieben ist, plötzlich Feuer, wodurch fast der ganze Flecken außer Remmler (Hagen) Mertens, Tesmer, die Mühle und die Gräfl. Grundsitzer oberhalb des Salzwedeler Weges und des Bullendammes ab­brannte. Auch die Kirche, Pfarre und das Schulhaus wurden in Asche verwan­delt, und da fast alle Häuser mit Stroh gedeckt waren, so wurde beinahe gar nichts gerettet.

Ein Neubau des Schulhauses wurde nach dem verheerenden Brand also not­wendig. Die Bromer Bürger haben sich dafür ausgesprochen, das neue Schul­haus auf dem Kirchhof (also dem Friedhof, der damals um die Kirche lag) zu er­richten und den Friedhof außerhalb des Fleckens neu anzulegen. Die Begrün­dung für diese Entscheidung ist im Bericht der Kirchen – Commissarien festge­halten:

Da nun meine Vorstellung Eingang fand und der Platz zum neuen Kirchhof be­stimmt war, so wünschte die versammelte Bürgerschaft, und ohne jemandts Widerspruch, daß es ihr vergönnet seyn mögte, das Schulhaus, welches sonst auf der Marsche, außerhalb dem Orte gestanden hatte und wohin der Zugang im Winter oder bey regnigter Witterung äußerst schmutzig war, auf dem Kirch­hofe aufbauen zu dürfen, damit die Kinder auf einen trockenem Wege nach der Schule gelangen können.

An anderer Stelle heißt es:

Das vorige Schul- und Cantorhaus stand dicht vor dem Flecken an einen freien und offenen Platz. Die Schule ward da durch kein Geräusch gestört, aber die Kinder mußten zum Theil einen sehr beschwerlichen Weg zur Schule gehen. Der Schulhalter hatte bequeme Gelegenheit durch Oecomonie, besonders Bienenzucht, seinen schweren Dienst einigermaßen zu verbessern, auch hatte er sich auf eigene Kosten einen Brunnen daselbst gegraben.

Natürlich waren nicht alle Bromer mit dieser Entscheidung einverstanden. Be­sonders die beiden Nachbarn des zukünftigen Schulhauses machten Stimmung gegen den Neubau. Tischler Kausche hatte Angst, dass der Misthaufen des Kan­tors in stören könnte. Außerdem fürchtete er um seinen Holzlagerplatz an der Straße, den er durch den Neubau verlieren würde. Wilhelm Wadel führt an, dass durch den Neubau seine Aussicht auf den Kirchhof genommen und sein Haus verdunkelt würde. Auch Kramer Wadels Haus wurde bei dem Brand zer­stört. Beim Wiederaufbau wurde er darauf hingewiesen, dass der Neubau des Schulhauses auf dem Kirchhof geplant war. Ihm wurde sogar offiziell angeraten, die Front seines Hauses nicht nach dem Kirchhof zu bauen, woran er sich aber nicht gehalten hat. Wadel argumentiert, dass seine Geschäftsgrundlage zer­stört würde, weil seine Kunden über den Kirchhof zu ihm kommen. Die Bau­kommission aber wies diesen Einwand scharf zurück.

Natürlich gab es auch Bedenken wegen der Umbettung der Toten, aber diese wurden schnell zerstreut. Eine Mehrheit von 25 gegen 6 Stimmen entschied sich für den neuen Platz auf dem Kirchhof. Bereits vor Vorliegen der Bauge­nehmigung haben die Bromer Tatsachen geschaffen, indem sie Tote umgebet­tet und mit dem Ausschachten des Fundamentes begonnen hatten.

Kantor Wilken wehrte sich nach allen Kräften gegen den Neubau auf dem Kirchhof, weil er wirtschaftliche Nachteile befürchtete, indem er die Bienen­zucht nicht mehr ausüben könnte. Außerdem habe er auf eigene Kosten bereits einen Brunnen am alten Platz angelegt. Insgesamt hielt er die Lage der neuen Schule für ungeeignet.

So schreibt er am 10. August 1807 an den Superintendenten in Wittingen:

[…] wegen der Erbauung eines hiesigen neuen Schulhauses, sieht man noch keine Anstalten treffen; der schon bekannte vatale Platz des Kirchhoves ist zwar schon dreimal gemeßen, ohne daß ich eben etwas davon erfahren habe; und ist und bleibt auf immer ein Feuer gefährlicher Platz, weil er von 4 rüden Wirtshäusern, und einem sehr nahe gelegenen Backofen, welcher fast Tag und Nacht mit Feuer unterhalten wird umgebnen ist. Ew. Hochwürden ist doch auch sehr gut bekannt, das der Plan des hiesigen Consistorium dahin geht, die Schullehrer zu verbessern, diese Umänderung des Brömer Schulhauses würde offenbar als ein gefährlicher Schaden des Dienstes zu 10 Rthl. berechnet angeschlagen werden können, welche in dem schönen Grase des Kirchhofes, der baren Einkünfte des Marktes an Stellgelde, und der daselbst zu betreibenden kostbaren Oekonomie vorzüglich bestellt. […] Sollte man nicht als ein Recht einen neuen Bienen Garten als Ersatz verlangen können? Ich glaube nach Verordnung des Landes kommt er jeden Schul­lehrer zu.

Hochachtend empfehle ich mich, und habe die Ehre mich zu nennen. Brome den 10. August 1807

Ewr. Hochwürden untertänigster Cantor J.H. Wilken

Die Lage des neuen Schulhauses ist in den Akten genau beschrieben, aber ein  immer wieder erwähnter Lageplan ist leider nicht mehr auffindbar. Das Gebäu­de sollte 24 Fuß (ca. 7m) von der Kirche entfernt sein (wobei die Kirche parallel zur Hauptstraße stand), 16 Fuß (4,6m) von Kausches Wohnhaus und 12 Fuß (3,5m) von seinem Gehöft, 38 Fuß (11m) von Wadels Haus sowie 33 Fuß (9,6m) von Bäcker Warneckes Backhaus. Der Platz dieses Gebäudes lässt sich genau verorten. Es stand mit dem Giebel zur Hauptstraße. Zum rechten Nachbarn, wo heute Willi Lutz wohnt, war der Abstand genauso groß wie heute, wenn man den Anbau zwischen Gemeindehaus und Willi Lutz abmisst. An der Straße be­trägt der Abstand 4,9m – also in etwa 17 Fuß. Das Gebäude von 1807 war also an dem Platz, an dem 1852 der Neubau errichtet wurde. Dieser Zwischenraum zwischen dem Schulhaus und dem Haus von Tischler Kausche war die Einfahrt zum Hof des Kantors.

Während dieser Auseinandersetzungen zwischen Gemeinde und Superindentur über die Nutzung und generelle Regelung der Schule wurde mit dem Gedan­ken gespielt allen Unterricht in private Räume zu verlegen. So spielte man mit dem Gedanken im Pfarrwitwenhaus zu unterrichten. Darauf meldete sich aber die Witwe des Pastor Linde zu Wort und richtete einen Brief an den Superin­tendenten:

[…] Dero gütige zuschrift habe ich durch Herrn Pastor Hölty erhalten, woraus ich sehe das Herr Hochwürden es gerne wünschen, das die Schule in meiner Stube gehalten würde, ich habe aber die Stube und Kammer gleich nach den Abbrennen vermietet, es also mit Leute bewilligung geschehen mus, sie geben mir ansehnliche Miete, und sonst noch einige Unterstützung die ich an nehmen muß, es ist Ihnen doch wohl bekannt Herr Superintendent das hier kein Wit­wengehalt ist, ich muß also zusehen wie ich vertig werde, meine Möbeln kann ich nicht nach den Schloß bringen, weil die Zimmer auf den Schloße besetzt sind,  und auch den Boden es durch regnet, und die Bretter von den Mäusen auf ge­fressen würden. Ich habe seit den brande schon schaden genug gehabt, aus Achtung vor Religi­ on kann es geschehen das die Brömer kinder stunden haben, in meiner stube, nemlich mit bedingung einige Tage in der Woche wo Schule geghalten würde, das wollten sich meine Miets Leute gefallen laßen, das wenn Schule gehalten würde, das sie so lange raus gingen, den sie sagen was ich gemiet habe das kann ich auch bewohnen, weil wir auch abgebrannt sind, und unser haus noch nicht verrtig ist, und wir nirgend hin wißen, so müßten wir blöeiben wo wir sind, ich habe schon verdruß genug darüber gehabt, Herr Superintendent das können sie Glauben, was ist das auch nicht vor unruhe und last vor mich alle tage die vielen Kinder das laufen den ganzen tag zu haben, und dann die Mieths Leute in meine Stube so lange auf zu nehmen,die so voll ist, wo ich schon viele sachen vor mir hin gesetzt, ich mach gar nicht daran denken.

Ich habe noch bitte an sie eur Hochwürden, das sie den Kindern befehlen das nach geendigter Schule, die Kinder die Stube und Diele wieder rein machen, und den an wen ich mich halten soll, der da vorsorgt das ich vor meine Unruhe und last die ich davon habe schadloß gehalten werde, den die Bauer wetrden vor die Brömer Kinder keine Schulstube bezahlen, den so wie ich es auch nicht nötig habe den ich krieg auch von ihnen nichts, die Brömer hätten schon lengst ehr für ihre Schul Stube sorgen müßen, als bis der Winter angeht das ich nun soll die last tragen, da der Herr Superintendent mit schreiben das ich von Consistorium kleinen Ersatz zu erwarten hätten ist mir recht herzlich liebt, für ihre gütige bemühgung sage ich den gehorsamsten Dank. Ich empfehle mich Ihre Frau Ge­mahlin so wie Ihren auch um ferner Freundschaft und verbleibe Eur Hochwür­den

 Ergebenste Dienerin                      Ch. L. Lindes

Das Schulgehöft sollte eine Gesamtgröße von 4000 Quadratfuß haben (338,7m2), das Gebäude eine Grundfläche von 1734 Quadratfuß (146,8m2). Die Schulstube sollte nach hinten hinaus liegen. Geplant war ursprünglich ein Ge­bäude von 54 Fuß Länge (15,7m) und 36 Fuß Breite (10,5m), womit die Bromer Bürger allerdings nicht einverstanden waren. Sie verkleinerten den ursprüngli­chen Grundriss um 9 Fuß in der Länge und 2 Fuß in der Breite. Natürlich war der Kantor nicht begeistert von dieser Idee. Pastor Hölty zeichnete einen neuen Grundriss, nach dem das Gebäude eine Länge von 49 Fuß (14,3m) und eine Breite von 34 Fuß (9,9m) hatte. Damit verringerte sich die Grundfläche des Schulhauses auf ungefähr 140m2. Dieser wurde dann schließlich auch geneh­migt.

Pastor Hölty erläutert seine Änderungen am Grundriss wie folgt:

Die Hausdiele nach dem ersten [Riss] war 4 Fuß lang u. 9 Fuß breit. Die Kühe fraßen nicht von der Diele sondern es war ein eigener Futtergang nach der Miststelle. Die Wohnstube war von der Schulstube durch die Diele u. Küche ge­trennt. Gar nicht gut für die Schulkinder, indem sie ganz ohne Aufsicht weren, wenn der Cantor die Bestellungen annotiren muste. Nach dem neuen [Riss] ist die Wohnstube an der Schulstube, jene mit der Küche nehmen so viel Raum ein als die letztere. Die Diele wird 13-14 Fuß breit und kann darauf gedroschen u. gewendet werden u. 24 Fuß lang. Die Kühe müssen aber nun v. der Diele fres­sen. Wenn nun eine Klappe über die Krippe angebracht wird, so thut das nichts. Das Haus bekommt denn nur einen Eingang, die große Thür vor der Hausdiele. Es mögte denn noch eine Thür an der Küche nach der Kirche angebracht wer­den. Die Nachbarschaft von Schulstube und Wohnstube hatte zudem den Vorteil, dass ein Ofen in der Mitte gebaut werden konnte, der gleichzeitig beide Räume heizte.

Wilken war die ganze Planung nicht recht – weder der Bauplatz noch die Größe  und Ausstattung des Neubaus. Das Haus schien ihm viel zu klein und er verglich es in einem Brief an den Superintendenten mit einem Hirtenhaus. Als alternati­ven Platz schlug er den Neubau des Schulhauses hinter dem ehemaligen Pfarr­haus, das 1808 neu gerichtet wurde, auf der Marsch vor, weil der Schulweg dorthin nicht beschwerlich sei. Sicherlich spekulierte er dabei auch auf eine gu­te Lage für seinen neuen Bienenzaun. Genützt haben seine Einwände und Vor­schläge allerdings nichts.

Wilken konnte sich nicht mit dem Entwurf des Schulhauses anfreunden, weil  ihm die Stallungen zu klein waren, und legte deshalb Protest ein. Zimmermann Olland arbeitete sogar einen neuen Riss aus und schlug vor, dass das Gebäude um 4 Fuß verlängert werden sollte. Kantor Wilken beruhigte sich wieder und ließ von dieser Forderung ab, bestand aber weiterhin auf der Einrichtung einer Rauchkammer, eines Gänsestalls und eines geheimen Gemachs. Außerdem wurde vereinbart, dass auf der Grenze zwischen Schulhaus und Kausche ein gemeinsamer Brunnen gegraben werden soll, der zur Hälfte von Kausche und zur anderen Hälfte von der Gemeinde finanziert werden sollte. Doch die Bürger Wadel und Kausche wollten sich nicht mit der Entscheidung  der Gemeinde abfinden und wandten sich im Mai 1808 über ihren Anwalt Be­the an das Consistorium in Hannover. In diesem Schreiben brachten sie noch einmal die alten Einwände vor. In dem Brief wird sogar angeboten, dass der Weg zur Schule, so sie denn an der alten Stelle errichtet würde, auf Kosten von Tischler Kausche gepflastert wird. Das Consistorium ließ sich davon nicht be­eindrucken und schmetterte das Ansinnen ab, weil die Einwände für unerheb­lich befunden wurden. Dem Bau stand nun nichts mehr im Wege. Auch bei der Visitation im Jahr 1810 taucht der Namen Wilken wieder mit Be­schwerden in den Akten auf. Er bittet darum, endlich die Grenzen vor seinem Haus genau zu bestimmen und einen Zaun bauen, der sich dann 6 Fuß vor Wadels Tür befunden hätte. So war es ihm schließlich versprochen worden. Außerdem beschwerte er sich über Beleidigungen ihm gegenüber von den Ehe­leuten Wadel. Er befürchtet, dass Wadels sein Haus in Brand setzen würden und bittet deshalb um die sofortige Aufnahme in die Brandkasse. Was seinen Bienenzaun anbetrifft, den er bei dem Brand 1807 verloren hat, so wurde noch immer keine Lösung gefunden. Zwar hat ihm der Graf versprochen, sich um ei­ne Stelle zu kümmern, aber bisher ohne ein Ergebnis. Des Weiteren beschwert er sich über nicht gezahltes Schulgeld und bittet um Hilfe bei der Eintreibung. Kantor Wilke war auch zwei Jahre nach dem Neubau des Schulhauses nicht zu­frieden mit seiner Situation. Ostern 1816 hat er Brome endgültig verlassen. Sein Nachfolger im Amt des Kantors und Schullehrers wurde Johann Gottlieb Mosel (Lehrer von 1816-1855).

Filmaufnahmen Brome Ende der 60er Jahre

Egon Nöhre (1931-2016) hat Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mit seiner Schmalfilmkamera Aufnahmen in Brome gemacht und diese dann auch als Film ohne Ton geschnitten. Zu sehen sind u.a. Ortsansichten, Geschäfte, das Freibad und die ehemalige Zonengrenze nach Mellin, Steimke und Wendischbrome.

Für diese Fassung wurde der Originalfilm digitalisiert. Bei der Bearbeitung wurden die Titel neu eingefügt. Die Schnittreihenfolge von Egon Nöhre wurde beibehalten. Lediglich einige wenige Szenen wurden in diese Fassung nicht mit übernommen, um die Rechte der dort gefilmten erkennbaren Personen zu wahren.

Wir danken Egon Nöhre für die Nutzungsrechte des Films. Wir gedenken mit diesem Film unserem langjährigen Vereins- und Vorstandsmitglied Egon Nöhre.

Eine Grabplatte mit Brome-Bezug in Langenapel (Altmark)

Die Geschichte der Familie von Bartensleben, die lange Zeit u.a. Wolfsburg und Brome zu Lehen hatte, ist bisher nicht gut erforscht. Joachim Friedrich von Bartensleben (gest. 1690), der die Wolfsburg und Brome zu Lehen hatte und seinen Wohnsitz wahrscheinlich in Brome genommen hatte, wo er wohl auch 1690 verstarb, war verheiratet mit einer gewissen Anna Elonora Rosen. Sein Frau war also von Geburt keine Adelige!

Über Anna Eleonore erfahren wir einige wenige Informationen von ihrer Grabplatte, die sich in der Kirche zu Langenapel (Altmark) befindet. Darauf heißt es:

A et O
FRAW ANNA ELEONORA ROSEN
DES WOLGEBOHRNEN HERREN
HERRN JOACHIM FRIEDERICH
VON BARTENSLEBEN
EHELIEBSTE
IST GEBOHREN 1623 DEN
24 JUNY GESTORBEN 1691
DEN 20 FEBRUARY IHRES
ALTERS 67 JAHR 8 MONAT
3 WOCHEN 2 TAGE

TEXTVS ∙ HIOB ∙ 5 ∙ V ∙ 17 ∙ 18 ∙ 19 ∙
SIEHE SELIG IST DER MENSCH DEN
GOTT STRAFFET DARUMB WEGERE
DICH DER ZÜCHTIGUNG DES ALLMÄCH
TIGEN NICHT DENN ER VERLETZET
VND VERBINDET, ER ZUSCHMEISET
UND SEINE HAND HEILET AUS SECHS
TRÜBSALN WIRD ER DICH ERRETTEN
UND IN DER SIEBENDEN WIRD DICH
KEIN UBEL RUEHREN: ∙

Grabplatte für Anna Eleonore Rosen, Ehefrau von Joachim Friedrich von Bartensleben in der Kirche zu Langenapel (Foto: Frank Moldenhauer)

Warum Anna Eleonore in Langenapel beigesetzt wurde, ist bisher ein Geheimnis. Im dortigen Kirchenbuch ist ihr Tod nicht verzeichnet.

Genaue Informationen über die Grabplatte sowie Fotos der Grabplatte gibt es in der Grabmälerdatenbank des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel zu sehen (www.altmarkgeschichte.de).

Doch neben seiner Ehefrau Anna Eleonore hatte Joachim Friedrich auch mindestens eine Geliebte, mit der er auch Kinder hatte, wie in dem Buch „Hexenverfolgung als juristischer Prozess“ von Christoph Gerst erwähnt wird. Bei GoogleBooks findet sich die Erwähnung auf den Seiten 295 und 296.

Die Bromer Wassermühle – Ein kurzer historischer Abriss

Bromer Wassermühle um 1890 (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Bromer Wassermühle im Jahr 1548. Weihnachten 1548 verkaufte Fritz VII. von der Schulenburg das Gut Brome an Christoph von dem Knesebeck.  Im Kaufvertrag heißt es:

„Er [Fritz VII.] verkaufte 27.12.1548 das Schloß mit Zubehör, mit Gericht, Jagd und allerlei Fischgerechtigkeit, Teichen und Kellern, dem stehenden Wasser, mit der Windmühle und Wassermühle mit freiem Zufluß und Abfluß und alle Holzung und Jagd im Drömling […] an Christoph v.d. Knesebeck.“

Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Bromer Wassermühle werden auch die Dienstpflichten der Bromer Bürger aufgezählt. So mussten die damals fünfzehn Bromer Bürger „die Mühlenfuhren von und auffs Hauß thun“, d.h. sie mussten Getreide und Malz zur Mühle und zurück zur Burg zu fahren. Auch „Wen an Mühlen was zu bauen“, mussten sie erscheinen und ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Diese Dienstpflichten bestanden bis ins 19. Jahrhundert fort.

Im Knesebecker Hausbuch (1670) heißt es zur Bromer Wassermühle: „1 Wassemühle in Brome mit 1 Grind, soll 3 Wispel Roggen Pächte geben.“ Die Wassermühle hatte also im ausgehenden 17. Jahrhundert einen Mahlgang und brachte denen von Bartensleben jährlich 3 Wispel Roggen an Pacht ein. Der Mühlenteich wird im Bericht als mit Rohr bewachsen beschrieben, so dass sich die Fischerei dort nicht lohnte.

Der erste namentlich fassbare Bromer Müller ist Zacharias Lüte. Er musste am 22.Juni 1691 vor dem Gericht Brome erscheinen. Carsten Beine aus Altendorf warf ihm vor, ihn einen Schelm und Dieb genannt zu haben. Da zwei Zeugen die Beschimpfung bestätigen konnten, wurde er zu einer Strafe von drei Talern wegen Ehrverletzung verurteilt. Außerdem musste er christliche Abbitte leisten.

In den folgenden Jahrhunderten wechselt die Mühle mehrmals ihren Pächter. Es werden u.a. folgende Namen genannt:  Müller Peter Dobberkau (1748), Erbzinsmüller Johann Christoph Wettstedt (1807), Erbzinsmüller Friedrich Schierhorn (1845).

Durch Ablösung, Separation und Verkopplung erhielt die Bromer Wassermühle 1855 insgesamt 24 Morgen und 73 Ruten an Grund und Boden. Die Mühle hatte danach zwei Mahlgänge.

1848 heiratete der Müllermeister Joachim Christian Mewes (1819-1876) die Witwe des Bromer Erbzinsmüllers Friedrich Schierhorn, Marie Dorothea geb. Täger. Deren Sohn, der Mühlenbesitzer Wilhelm Mewes (1855-1916), vererbte seinem 1881 geborenen Schwiegersohn, dem Müllermeister Walter Rehfeldt, die Mühle. Dieser fiel im 1. Weltkrieg.

Ab 1918 verpachtete die Witwe Martha Rehfeldt die Mühle, u.a. an die Landhandelsfirma Franz Erdmann. Die Mühle lief mit drei Walzenstühlen, angetrieben durch Wasser, danach durch Dampfmaschine und Elektromotor.

Bromer Wassermühle vor dem Brand 1948 (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

1948 zerstörte ein Brand das historische Mühlengebäude. Es wurde an gleicher Stelle ein dreigeschossiger Zweckbau aus weißem Kalksandstein errichtet. Adolf-Wilhelm Bödeker (1927-1996), der Enkel der Besitzerin Martha Rehfeldt,  erlernte das Müllerhandwerk, bestand 1952 seine Meisterprüfung mit „sehr gut“ und übernahm 1956 als neuer Besitzer den Mühlenbetrieb und führte ihn mit umfangreichem Landhandel fort. 1980 wurde das Mahlen von Mehl eingestellt und nur noch geschrotet. 1993 wurden die Nebengebäude abgerissen. Ab dem Jahr 2001 wurde das Mühlengebäude renoviert und umgebaut. Es beherbergt heute zwei Eigentumswohnungen und ein Café in Erd- und Kellergeschoss.

Mühle nach dem Neubau, ca. 50er Jahre (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

Karl Schmalz: Die Pest in Ehra – Ein verhexter Ochse soll schuld daran gewesen sein

Immer näher rückte die Pest. Am 9.7.1681 hat sie Magdeburg erreicht, fünf Tage später schon Gardelegen, und dann wird sie aus Calvörde und Flechtingen gemeldet, und immer wieder kommt Nachricht über neue Erkrankungen aus Städten, wo man die Seuche schon als wieder erloschen angesehen hatte, am 26.11. aus Staßfurt, am 14.12. aus Nordhausen und am 13.1.1682 aus Halle usw., und immer schärfere Sicherungen werden angeordnet. Am 2.7.1681 verbietet Celle den Handel mit Magdeburg, am 23. des gleichen Monats wird angeordnet, daß Arbeiter, die zur Ernte ins Magdeburgische gewandert sind, bei ihrer Rückkehr erst eine „Garantaine“ durchmachen müssen, am 1.8. wird den Gifhornern befohlen, die Jahrmärkte zu schließen. Und dann kommt bald der Tag, wo man nicht mehr ein und aus weiß, und wie während des dreißigjährigen Krieges bittet der Herzog seine Untertanen, die Hilfe Gottes anzurufen: Am 13.8.1681 verfügt Celle, daß „jedermann zu fleißiger Besuchung des Gottesdienstes / so viel möglich / angehalten  werde“. Doch man unterläßt es auch künftig nicht, neue Sicherungen gegen die Pest anzuordnen: Vom 15.8. ab darf kein Korn mehr aus Vorsfelde,  Hehlingen und Calvörde eingeführt werden, vom 13.9. ab müssen die Ämter alle 14 Tage melden, welche Krankheiten in den Ortschaften ihres Bezirks in den vergangenen zwei Wochen festgestellt worden sind; am 10.10. befiehlt die Regierung, bei den geringsten Anzeichen einer Erkrankung an Pest die Dörfer und in den Dörfern die Häuser der Erkrankten sofort zu sperren, und am 13.1.1682  wird die „strengste Abschnürung der Grentze“ befohlen.

Die strengste Abschnürung! Und da schlägt die Bombe ein: Am 4.2.1682 meldet aus Tiddische der dortige Paßschreiber Hannß Jürgen Lütherr nach Gifhorn: „Wie von den Corporal von Rittm. Freywabells Compagnie gestern gehöret, haben sie von Rittmeister ordre bekommen, daß die patrollirenden Reuter die leute von Ehra nicht sollen paßieren laßen, weill zu Ehra in einem Hauß… 7 Stück Rindtvieh, auch alle die Schweine, Gänße undt Enden gestorben, auch ist Ein  Mann aus dem Ambt Kneßbeck von Schnefling In diesen Hauß zur Ehra geweßen, daß andern Tages gestorben, undt wie Ein Haußman aus Tiddische sagt sey Ihm auch vom Grentzschreiber zu Witting verbotten worden, den Zoll, wenn Er Korn nach Witting bringt selber nicht mehr nach Ehra zu bringen, sonst soll Er nicht zu Witting gelaßen werden. Alß Erwarte Ich befehle ab die leute von der Ehra allhier sollten durch pashiret werden undt werde sie so lang anhalten biß daß Ich ordre bekomme“. Celle hat bereits von anderer Seite Meldung erhalten; in einem Schreiben vom gleichen Tage wollen die Räte dem Amt Gifhorn nicht „vorenthalten“, „wasgestalt alhir einige nachricht eingelauffen, alß wan das in der Marck Brandenburg belegene Dorf Ehra der contagion halber verdachtigt, und ohnlängst ein und ander persohn daselbst schleunig gestorben sein soll“. Das Amt Gifhorn muß sich nun „fleißig erkundigen, mit den Offizieren und Beamten correspondiren“, – so lautet der Auftrag von Celle – und nötigenfalls „mitt den Füßen die notige anstalt machen“.

Ehra sieht das Grauen kommen. Der Markt in Gifhorn gesperrt, die drei Dörfer Lessien, Ehra und Wiswedel als „brandenburgischer Tractus“ abgeriegelt! Kein Handwerker ist also zu erreichen, kein Kaufmann! Wohl dürfen die Gifhorner seit dem 14.11.1681 ihre Märkte wieder abhalten; aber wer sich durch seinen Paß nicht als lüneburgisch ausweisen kann, kommt nicht in die Stadt. Und schon immer hat man doch in Gifhorn Vieh verkauft, um in der Altmark und im Braunschweigischen Korn einhandeln zu können! Wovon soll man leben? Und dann die Kirche! Nun ja, man hat seine Zöllner. Den einen in Wiswedel, den anderen in Ehra; aber die beiden Zöllner können den Bromer Pfarrer nicht ersetzen. Wer soll die Toten beerdigen, wer die Neugeborenen taufen?

Seit dem Sommer 1681 sieht es schlimm in Ehra aus. Doch was wird nun kommen! Wie ist es denn vor einem Vierteljahr in Tappenbeck gewesen, als dorthin „die leidige Seuche durch einen Kerl, so im Magdeburgischen gearbeitet, verschleppt“ worden war und dann nach Gifhorn gemeldet werden mußte, daß in einem Hause vier Mann, die am Tage zuvor auf der Wolfsburg noch Herrendienste getan hatten, tot umgefallen seien? Da hat Celle sofort scharf zugegriffen und angeordnet: 1) Außerhalb des Dorfes sind sofort Hütten zu bauen, „jedoch eine zimbliche distanz voneinander“, dorthin haben sich die Pestkranken zu begeben und auch die Pestverdächtigen, ohne auch nur den geringsten Gegenstand aus ihren Häusern mitzunehmen, auch nicht die Kleidung, die sie bislang auf dem Leibe getragen, 2) Alle Häuser, in denen die Pest sich gezeigt hat, müssen ohne Verzug mit allem, was darinnen vorhanden ist, „biß auf den Grund abgebrannt werden“.  Um eine allgemeine Feuersbrunst zu vermeiden, hat man vorher die „nächstgelegenen gesunden Häuser abzubrechen“, sofern es nicht genügt, nur die Strohdächer einzureißen. 3) Jeder Verkehr von Haus zu Haus und erst recht der der Gesunden mit den Kranken bleibt verboten. Und das Dorf wird umstellt, so daß niemand Zugang haben und auch niemand flüchtig werden kann. Es sind wirklich Tage des Grauens, was die Ehraer vor sich sehen; denn bestimmt wird der Große Kurfürst für Ehra noch schärfere Anordnungen befehlen als die Celler in Tappenbeck. Doch – das Schicksal geht vorüber, wie es vor einem Vierteljahr auch Tappenbeck nicht geschlagen hat. Hier wie dort: Es war nicht die Pest. Am 11.12.1682 kann Gifhorn nach Celle melden, man habe „bei dehme nahe dabei wohnende von Bartensleben auf Wolfsburg und Brohme mit fleis erkundiget vndt nachricht erhalten“, daß das Unheil ausgegangen ist von einem Ochsen, der „aus Anschein von bösen Leuten vergiftet, oder gar bezaubert worden“. „Nachdem er aus dem Troge beim Brunnen gesoffen“, habe er sich krank gezeigt; er sei darum geschlachtet worden, dabei aber angemercket, das Er inwandig gantz ungesundt“. Schweine und Hühner, die von dem Blut gefressen haben, – so meldet das Amt weiter – sind „eilig gestorben“, und beim Schlachter sind am Arm „einige blattern aufgestoßen, so aber wieder curiret sein“. Wichtig ist die Feststellung, es habe kein Mensch durch die Pest „den Todt genommen“, der eine sei am Schlag, der andere eines natürlichen Todes gestorben. Schon 2 Tage danach kommt von Celle der Bescheid: „…könnet Ihr die darin wohnende Leute in diesem Land pashiren laßen“. Dabei wird noch einmal der ganze Vorfall geschildert, über den Celle augenscheinlich auch von anderer Seite Nachricht erhalten hat; nicht vergessen ist, auf den „vergiftet oder bezaubert gewesenen Ochsen“ hinzuweisen, und nicht vergessen ist auch die Anordnung, bei dem geringsten Verdacht einer Erkrankung an Pest, dafür zu sorgen, „daß die von solchem Dorff kommende leute zurück gewiesen, und von diesem Lande abgehalten werden mögen“.  Das ist also noch einmal gut gegangen.