Eine kleine Postkarte, versandt vor über 120 Jahren, erzählt uns heute noch von den Bräuchen, der Familie und dem Leben in Brome um die Wende zum 20. Jahrhundert. Es handelt sich um eine Prägepostkarte, die die Familie Langebartels zur Weihnachtszeit 1902 an Fräulein Bertha von Oven in Aurich verschickte – ein stilles Zeugnis der Wertschätzung und der persönlichen Verbindungen zwischen den Bürgern unserer Region.

Die Postkarte – Ein modernes Medium

Die Postkarte mit ihrem zierlichen, floralen und ornamentalen Motiv ist ein schönes Beispiel für den Geschmack der Zeit um 1900. Die aufwendige Prägung, die dem Kartengrund ein feines Relief verlieh, war für qualitätsbewusste Familien selbstverständlich. Handschriftlich ergänzten die Absender einen warmen Gruß:

Herzl. Weihnachts=Gruss aus Brome sendet Familie Langebartels.

Mit Poststempel vom 24. Dezember 1902 in Brome aufgegeben, erreichte die Karte ihre Empfängerin in Aurich am 25. Dezember – ein flotter Versand für damalige Verhältnisse, der zeigt, wie zuverlässig der Postdienst bereits funktionierte. Dass die Karte aufbewahrt und weitergegeben wurde, macht sie zu einer wertvollen Quelle für Familiengeschichte und lokale Alltagskultur.

Postkarte der Familie Langebartels an Fräulein Bertha von Oven in Aurich mit Poststempel Brome 24.12.02 (Sammlung Jens Winter)

Die Familie Langebartels in Brome

Hinter dieser Postkarte verbirgt sich die Geschichte einer angesehenen Bromer Familie. Vermutlich handelt es sich um die Familie des Apothekers

Albert Langebartels, der die Bromer Apotheke von etwa 1880 bis zum Jahr 1906 leitete – ein stolzes Vierteljahrhundert voller Verantwortung für die Gesundheit der Bromer Bevölkerung.

Ein Apotheker war im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Persönlichkeit von hohem gesellschaftlichem Rang. Seine wissenschaftliche Ausbildung, seine Zuverlässigkeit und das Vertrauen, das ihm die Bürger entgegenbrachten, machten ihn zu einem geachteten Bürger – nicht nur in beruflichen, sondern auch in privaten Angelegenheiten.

Das Leben der Töchter – Bildung und Private Unterricht

Die Familie Langebartels war offenbar darauf bedacht, ihren Kindern eine angemessene Bildung zuteilwerden zu lassen. Ein besonderer Blick in die Familiengeschichte ergibt sich aus der Bromer Schulchronik: Dort wird berichtet, dass ab Oktober 1893 im Haus Nr. 17, dem Haus des Großbürgers und Tierarztes Wilhelm Kühne (heute: Hauptstr. 17), eine private Schule gegründet wurde. Diese Schule stand unter der Leitung von Fräulein Bertha von Oven – derselben Person, an die unsere Postkarte adressiert war! Fräulein von Oven gab den jungen Mädchen regulären Unterricht und führte sie bis zur mittleren Reife.

Die private Schule im Haus Nr. 17

Eine bemerkenswerte Bildungseinrichtung entstand damit in Brome. Die Schule wurde von den Eltern der Schülerinnen selbst finanziert – ein wichtiges Detail, das zeigt, wie sehr die wohlhabenden Bürgerfamilien in die Bildung ihrer Töchter investierten. Unter Fräulein von Ovens Anleitung lernten insgesamt sieben Bürgertöchter:

  • Emmy Kühne – Tochter des Hausbesitzers Tierarzt Wilhelm Kühne
  • Helene Langebartels – Tochter des Apothekers Albert Langebartels
  • die Geschwister Falke – Töchter des Architekten Friedrich Falke
  • Hulda Palte – Tochter des Dr. med. Palte
  • Ella Burchardt – Tochter des Uhrmachermeisters Wilhelm Burchardt
  • Grete Stampehl – Tochter des Kaufmanns Friedrich Stampehl

Diese Liste ist beeindruckend: Sie zeigt die Elite Bromes um 1900. Hier saßen die Töchter des Apothekers, des Architekten, des Mediziners und des Kaufmanns gemeinsam im Klassenzimmer. Es war ein exklusiver Kreis, der sich nur denjenigen öffnete, deren Eltern sowohl die finanziellen Mittel als auch den sozialen Status besaßen, um ihre Töchter auf diese Weise unterrichten zu lassen.

Fräulein Bertha von Oven – Eine Lehrerin mit Mission

Fräulein Bertha von Oven nimmt damit eine Schlüsselrolle in der Bromer Bildungsgeschichte ein. Sie war über Jahre hinweg Lehrerin an dieser privaten Schule Mädchenschule. Die Tatsache, dass sie eine Postkarte von der Familie Langebartels zu Weihnachten erhielt, deutet auf eine persönliche Verbindung hin, die über das rein Berufliche hinausging. Vermutlich war sie für die Familien eine geschätzte Vertrauensperson, die ihre Töchter nicht nur unterrichtete, sondern auch erzog.

Dass Fräulein von Oven ihre Schülerinnen bis zur mittleren Reife führte, war beachtlich. Es ermöglichte den jungen Frauen eine Bildung, die ihnen – zumindest in der Theorie – weitere Lebenswege eröffnete, auch wenn die praktischen Möglichkeiten für Frauen um 1900 noch erheblich begrenzt waren.

Ein Fenster in die Vergangenheit

Die Postkarte ist ein kleines, aber aussagekräftiges Fenster in das Leben Bromes um 1900. Sie zeigt uns:

  • wie zeitgemäß und schnell der Postversand funktionierte
  • welchen Wert die damaligen Menschen auf persönliche Grüße legten
  • Die Sorgfalt, mit der man sich bei wohlgestalteten Karten präsentierte
  • Die sozialen Netzwerke zwischen Bromer und Auricher Bürgerfamilien

Obwohl über die Familie Langebartels bisher nicht viel Schriftliches überliefert ist, bietet diese Postkarte eine kostbare Spur. Sie verbindet die große Regionalgeschichte mit persönlichen Momenten und erlaubt uns, die Menschen hinter den Namen zu ahnen.

Zum Weiterforschen

Die Bromer Schulchronik hat sich als eine ergiebige Quelle erwiesen. Wer Interesse an der Familiengeschichte der Langebartels hat oder weitere Informationen über Albert Langebartels besitzt, ist herzlich eingeladen, sich an den Blog zu wenden. Jede kleine Notiz, jedes alte Dokument trägt dazu bei, dass die Geschichte unserer Heimat lebendig bleibt und für kommende Generationen erhalten bleibt.

Wer kennt die Geschichte der Familie Langebartels oder besitzt weitere Dokumente aus dieser Zeit? Wir freuen uns über jeden Hinweis und jedes geteilte Stück Heimatgeschichte.