Neues zur Geschichte der Gödchenmühle

Die Geschichte der Gödchenmühle bis ins 18. Jahrhundert wurde bereits vor einiger Zeit ein Blogeintrag veröffentlicht. Nun ist eine Archivalie aufgetaucht, die etwas Licht in die Geschichte um 1900 bringt. Wir wissen, dass im Jahr 1866 ein Müller Bartels die Gödchenmühle betrieb. Er erbaute auch eine Windmühle, für die er in dem erwähnten Jahr die Betriebsgenehmigung erhielt.

Anscheinend hat dann in den folgenden Jahren ein Besitzerwechsel stattgefunden, denn der Ackermann Drenkmann aus Gladdenstedt annoncierte den Verkauf der Gödchenmühle.

Leider ist bei diesem gescannten Dokument weder vermerkt, aus welcher Publikation es stammt, noch wann die Anzeige veröffentlich wurde. Dennoch erkennen wir, dass Drenkmann ein Nachfolger von Müller Bartels gewesen sein muss, denn Drenkmanns Angebot umfasste auch den Verkauf der dazugehörigen Windmühle, die 1860 genehmigt wurde.

Für weitere Hinweise zur Geschichte der Gödchenmühle sind wir dankbar!

Die Schreibkladde von Martha Heinemann

Als vor einigen Jahren ein Hausflohmarkt im Haus der Familie Rehfeldt in Benitz stattfand, fand ich dort die Kladde von Martha Rehfeldt, geb. Heinemann. Martha Heinemann wurde am 7. März 1886 geboren und verstarb am 24. September 1937. Sie war verheiratet mit dem Benitzer Landwirt Hermann Rehfeldt (1881-1961).

Das Deckblatt der Kladde von Martha Heinemann (Quelle: Sammlung Jens Winter)

Martha besuchte die Altendorfer Schule und hat dort wohl im Jahr 1900 diese Kladde geschrieben. Augenscheinlich diente das Heft für Schönschreibübungen. Neben kurzen Texten z.B. über den Mittelrhein und König Friedrich I. enthält das Heft auch lokalhistorisch interessante Texte. So findet sich darin das Zeugnis für den Knecht Heinrich Müller, der drei jahre bei dem Altendorfer Bauern Heinrich Böwing gearbeitet hatte. Auch ist darin ein Zeugnis zu finden für Anna Schröder aus Wendischbrome, die bei dem Bromer Kaufmann Adolf Remmler gerarbeitet hatte. Sehr interessant ist auch der Lehrkontrakt (Lehrvertrag) zwischen dem Tischlermeister Karl Schulze mit Christoph Pape, Sohn des Abbauers Christoph Pape, der 1899 seine Lehre begann. Offensichtlich hatten die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, Originaldokumente abzuschreiben. Deshalb können wir diese Abschriften als authentisch ansehen. Diese volkskundlich interessanten Texte werden hier nun wiedergegeben.

Zeugnis für den Heinrich Müller (Quelle: Sammlung Jens Winter)

Zeugnis

Vorzeiger dieses, Heinrich Müller aus Steimke, hat drei Jahre, vom 1. Januar 1897 bis dahin 1900 als Knecht bei mir gedient und sich durch Fleiß, Treue und Ehrlichkeit meine volle Zufriedenheit erworben. Er versteht alle in das Geschäft eines Landmannes einschlagenden Verrichtungen sehr gut, und entlasse ich ihn nur ungern auf seinen Wunsch aus meinem Dienste.

Altendorf, den 2. Januar 1900

Heinrich Böwing

Hofbesitzer

Zeugnis für Anna Schröder aus Wendischbrome (Quelle: Sammlung Jens Winter)

Zeugnis

Vorzeigerin dieses, Anna Schröder aus Wendischbrome, hat vom 1. Januar 1896 bis heute bei mir als Hausmädchen in Diensten gestanden und sich in dieser Zeit meine vollste Zufriedenheit erworben. Ganz besonders empfehlenswert sind ihre Verschwiegenheit, Ehrlichkeit, Reinlichkeit, Fleiß und Geschicklichkeit in allen häuslichen Verrichtungen. Dies bezeugt der Wahrheit gemäß

Brome, den 31. Dezember 1899

Adolf Remmler

Kaufmann

Vollmacht des Altendorfer Gemeindevorstehers

Vollmacht

Ich bin entschlossen, meine sämtlichen Feldfrüchte in der Gemeinde Ehra unter der Hand zu verkaufen. Da ich wegen Krankheit außerstande bin, die Reise dorthin selbst zu machen, so ernenne ich hierdurch den Herrn August Meyer, Kaufmann in Brome, zu meinem Bevollmächtigten und beauftrage denselben, meine Feldfrüchte in Ehra zu verkaufen, sowie er es am vortheilhaftesten findet, gegen bar oder auch borgt.

Ich verpflichte mich hierdurch, die in dieser Sache von Herrn Meyer getroffenen Anordnungen so anzusehen, als wenn sie von mir selbst geschehen wären.

Altendorf, den 1. August 1899

Heinrich Dreier, Halbhöfner

Vorstehende Unterschrift von Herrn Heinrich Dreier von hier beglaubigt

Altendorf, den 1. August 1899

Der Gemeindevorsteher

(Siegel) Schulze

Lehrvertrag des Tischlermeisters Karl Schütze mit Christoph Pape

Lehrkontrakt

Zwischen Unterzeichneten ist heute folgender Lehrkontrakt abgeschlossen worden.

1. Der Tischlermeister Karl Schulze von hier nimmt den Sohn des Abbauers Christoph Pape, namens Christoph Pape mit dem heutigen Tage in die Lehre und verspricht seinem Lehrlinge in seiner Profession die nötige Anleitung zu geben, ihm unter steter Aufsicht zu halten und ihm gesunde Wohnung und nahrhafte, ausreichende Kost zu geben.

2. Karl Schulze verspricht seinem Lehrlinge den Besuch der Fortbildungsschule zu gestatten und ihm alle 14 Tage zur Kirche gehen zu lassen.

3. Derselbe verspricht ferner, seinem Lehrling nach Ablauf der festgesetzten Lehrjahre und zwar zu Ostern 1903 freizusprechen.

4. Dagegen verspricht der Vater des Lehrlings Christoph Pape, dem Lehrherrn Karl Schulze eine Lehrgeld von 200 Mark in jährlichen Raten à 50 Mark stets am 1. April zu zahlen.

5. Er verspricht seinem Sohne ein vollständiges Bett mit zwei Überzügen zu geben, auch verspricht er, seinem Sohn Christoph Pape in der Wäsche und Kleidung gebührend zu unterhalten.

6. Er verbürgt sich für allen erweislichen Schaden zu haften, welcher dem Lehrmeister und dessen Familie durch seinen Sohn zugefügt werden sollte.

Vorstehender Lehrkontrakt ist in zwei Exemplaren ausgefertigt und von beiden Teilen unterschrieben.

Brome, den 1. April 1899

Karl Schulze

Tischlermeister

Christoph Pape

„Wölfe – auch schon damals“

Der letzte Wolf im Landkreis Gifhorn wurde im Jahre 1956 bei Boitzenhagen erlegt. Danach gab es Jahrzehnte lang in den heimischen Wäldern und Fluren keine Wölfe mehr, erst seit 2017 gilt ihre Rückkehr im hiesigen Raum als gesichert.

Die kontroverse Debatte darüber konnte man in verschiedenen Medien verfolgen, angefeuert von den jeweils unterschiedlichen Interessenlagen und Standpunkten.

Mich interessierte, welche Erfahrungen die Menschen unserer Region in früheren Zeiten mit dem Wolf gemacht hatten. Dazu bin ich bei dem Bromer Heimatforscher Karl Schmalz, der sich mit vielen Aufsätzen zur Heimatgeschichte verdient gemacht hat, fündig geworden.

In der Zusammenfassung seiner Aufsätze befinden sich die Berichte „Eine Wolfsjagd im Ehraer Holz“, „Wolfsplage vor 300 Jahren“, „Wolfsjagd zwischen Radenbeck und „Tesekendorf“ und „Wölfe – auch schon damals“.

Der Wolf hatte besonders damals, aber auch heute noch, für viele Menschen das Image des gefährlichen und blutrünstigen Raubtieres. Als Nahrungskonkurrent, der das kostbare Vieh der Bauern und der kleinen Leute riss, wurde er verfolgt und wenn möglich, zur Strecke gebracht. 

Auch wenn es in der Beschreibung über die Wolfsjagd in Ehra vor allem darum geht, wer damals das Jagdrecht in unseren heimischen Wäldern hatte, so erfährt man in der Vernehmung von Ehraer Bürgern durch den Knesebecker Amtmann im März 1702 doch etwas über die Methode dieser Jagd.

Dazu wurden Leinen mit Lappen versehen und zwischen Bäume gespannt, um die Tiere in eine bestimmte Richtung zu lenken. Konnte ein Wolf entwischen, war er „durch die Lappen gegangen“. Zwischen den Bäumen wurden zudem Netze aufgestellt, in die die Wölfe getrieben werden sollten. Jagdhelfer stiegen auf Bäume und hielten von dort oben Wache. Wurde ein Wolf gesichtet, sollte er in den nach und nach enger gestellten Netzen gefangen und erlegt werden.

So war auch der Plan damals in Ehra. Besonders erfolgreich war das in diesem Falle nicht, denn obwohl die Jäger acht Tage lang zum Schießen ausgezogen waren, bekamen sie keinen Wolf zu Gesicht und damit auch keinen vor die Flinte.

Eine andere Jagdmethode war die Jagd mit Wolfskuhlen. Dicht an der Grenze zur Bromer Gemarkung gibt es sowohl eine „Große Wolffs Kuhl“ als auch eine „Kleine Wolffskuhl“.  Die Bezeichnungen deuten darauf hin, dass die Jagd mit Fallgruben auch hier durchgeführt wurde.

In die getarnten Gruben (Kuhlen) wurde der Wolf getrieben und konnte aus eigener Kraft nicht mehr entkommen. Das gefangene Tier konnte entweder gleich getötet oder lebend entnommen werden und einer Jagdgesellschaft zugeführt werden.

Wolfsjagden waren ein Teil des adligen Lebens und erfreuten sich in diesen Kreisen großer Beliebtheit „… Eß werden die vf künfftigen vnserm Beylager zur Lust benöthigte Wölffe in Vnsern Landen nicht mehr zu erlangen stehen“, sorgte sich Herzog Christian Ludwig in einem Schreiben vom März 1653 an seinen Oberforst- und Jägermeister Georg von Wangenheim.

Die lebend gefangenen Wölfe wurden in extra hergerichteten Gehegen für dieses besondere „Jagdvergnügen“ solange gehalten, bis wieder eine herrschaftliche Wolfsjagd anstand.

Damit wurde deutlich, dass es längst nicht nur darum ging, das Vieh zu schützen, sondern „wieder einmal in Abenteuerlust die Aufregungen einer Wolfsjagd genießen zu können“, wie Karl Schmalz bilanzierte.

Bei den abkommandierten Jagdhelfern der adligen Jagd hielt sich die Begeisterung über den Einsatz dagegen in Grenzen.

Zur Wolfsjagd wurde stets ein starkes Aufgebot an Helfern benötigt. Weil die sich nur schwerlich freiwillig bereit fanden, griff der Adel zum verpflichtenden Mittel der „Landfolge“. Dazu gab es eigens aufgestellte Listen, in denen die zur Landfolge aufgestellten Männer aufgeführt wurden. Allein das Amt Knesebeck zählte im Jahre 1663 ganze 245 Mann, die unbefristet und ohne Entlohnung aufgerufen werden konnten.

Probleme hat es für die Bauern und Tierhalter durch den Wolf immer wieder gegeben. Die im März 1647 erfolgte Meldung durch einen Thomas Daume aus dem Amt Lüne berichtete sogar von einem Angriff auf eine Frau. Der Wolf soll ihr nach dem Aufstehen nach der Kehle gefasst haben und wurde von dem herangeeilten Gesinde erstochen.

In einem anderen Fall hatte der Pfarrer von Jeggau im Jahre 1659 ins Kirchenbuch eingetragen: „Ein Wolf hat… den Schulzen Hans Mumme beim Anfahren des Holzes für den Prediger, im Dorf angegriffen, so daß er elendiglich gestorben“.

Wie es zu den Zwischenfällen gekommen war, sowie die näheren Umstände der Attacken, wurde leider nicht festgehalten.

Bei zahlreichen früheren Berichten aus Geschichte und Literatur, in denen über Wolfsattacken auf Menschen durch bis zu 20 Tiere starke Rudel geschrieben wurde, handelt es sich ganz sicher um Übertreibungen.

Wölfe leben im Familienverbund, ähnlich dem Menschen. Im Alter von 11 bis 12 Monaten verlassen die Jungtiere ihr Rudel um sich ein neues Revier und einen Partner zu suchen, mit dem sie eine eigene Familie gründen können. Bei dieser Suche legen sie lange Strecken zurück. Thomas Pusch, der Sprecher des Landesfachausschusses Wolf beim Naturschutzbund in Nordrhein-Westfalen erklärte, „Ein Wolfsrudel besteht aus acht bis 10 Tieren, die auf einem Gebiet von 250 Quadratkilometern leben. Größer wird das Rudel nicht, denn „Es gibt eine Inzuchtsperre…“

In dem Aufsatz über die „Wolfsjagd zwischen Radenbeck und „Teskendorf“ wird davon berichtet, dass bei einer offenbar ungenehmigten Wolfsjagd ein zwölfjähriger Junge versehentlich angeschossen wurde, so dass er 5 Tage später verstarb. Ansonsten wird vermerkt „nichts gesehen, nichts gefangen und nichts geschossen“.

Aus dem vierten Bericht von Karl Schmalz über „Wölfe – auch schon damals“, erfahren wir, dass es in der hiesigen Gegend bis in die neuere Zeit immer wieder Wolfsjagden gegeben hat. So wurden ein „großer Ehraer Wolf“ im Dezember 1824 und ein Schönewörder Wolf 1871 bei Erpensen erlegt.

Schmalz vermutete, die Bezeichnung Wolf könnte früher allgemein als Synonym für wilde Tiere gebraucht worden sein, so dass nicht immer ganz eindeutig war, ob es sich bei dem „Übeltäter“ tatsächlich um einen Wolf handelte.

Aus unserer Natur ist der Wolf inzwischen nicht mehr wegzudenken. Weder sollten wir ihn romantisieren, noch unbegründete Ängste schüren. Ob Karl Schmalz das wohl auch so gesehen hätte? Wohl nicht, dazu war er, der 1966 gestorben ist, wohl doch zu sehr der Denkweise seiner Zeit verpflichtet, in der „der letzte Gifhorner Wolf“ als gefährliches Raubtier erlegt wurde.

Während des 2. Weltkrieges in Altendorf

In der Kriegszeit vom 1. April 1940 bis zum 20. Dezember 1945 wurde in Altendorf keine Schulchronik geführt. Die Kinder aus Altendorf und Benitz wurden in dieser Zeit in Brome beschult, da viele Lehrer, wie auch die meisten anderen wehrfähigen Männer, zum Kriegsdienst eingezogen worden waren. Der Lehrer Hermann Büttner war nach Kriegsende als Flüchtling nach Altendorf gekommen und begann seinen Dienst an der Volksschule mit deren Wiedereröffnung am 20. Dezember 1945.

Büttner bedauerte sehr, dass in der Chronik „… für die Gemeinde Altendorf so viele gewaltige und dabei so folgenschwere Ereignisse… nicht festgehalten waren“. So machte er sich daran, seine neuen Mitbürger in Altendorf über diese Zeit zu befragen und die Ergebnisse dieser Befragungen in die Schulchronik aufzunehmen. Aus diesen Berichten notierte Büttner, was sich in der Gemeinde Altendorf getan hatte.

Wie in anderen Gemeinden und Städten in Deutschland wurden Kriegsgefangene aus den ersten siegreichen Kriegsjahren als Arbeitskräfte eingesetzt. In Altendorf arbeiteten sie in der Landwirtschaft und hatten es damit meistens besser getroffen als ihre Leidensgenossen, die in anderen Bereichen Zwangsarbeit leisten mussten. Junge Bauern und Landarbeiter waren im Kriegsdienst, viele inzwischen bereits verwundet oder sogar gefallen. Mit der Arbeit der Gefangenen sollte ein Ausgleich geschaffen und die Produktion in der Landwirtschaft aufrechterhalten werden.

Wegen der allgemeinen Verknappung der Lebensmittel wurden Lebensmittelkarten eingeführt, durch die eine gleichmäßige Verteilung der Grundnahrungsmittel erreicht werden sollte. Da die Versorgung auf dem Land naturgemäß besser war als in den Städten, machten sich viele Stadtbewohner mit sog. Hamsterfahrten auf den Weg in die Dörfer. Um ein paar zusätzliche Lebensmittel zu erhalten, kamen auch etliche Leute nach Altendorf. Ansonsten ging das Leben hier seinen gleichmäßigen und ruhigen Gang. „Von den Schrecken des fortschreitenden Krieges bekam das Dorf in den ersten Kriegsjahren nichts zu spüren“.

Schließlich versuchten immer mehr Menschen aus den Städten, auf dem Lande Zuflucht zu nehmen. Auch ganze Schulklassen mit den sie begleitenden Lehrkräften wurden im Rahmen der Kinderlandverschickung dorthin geschafft. Von der Wolfsburger Mittelschule wurden drei Klassen ausquartiert. „2 Klassen wurden in Brome untergebracht und eine in Altendorf“.

„Einen kleinen Begriff von den Schrecken, die die Stadtbewohner bei dem zunehmenden Luftterror durchzumachen hatten, bekam auch unser Dorf gegen Ende des Krieges zu spüren. An einem Novemberabend im Jahre 1943 … ließ ein feindliches Flugzeug auf die Benitzer Feldmark… eine Luftmine, zwölf Phosphorbomben und ungefähr 100 Brandbomben fallen“.

„Im Januar 1945 … warf ein feindliches Flugzeug im Notwurf 10 Bomben beiderseits der Altendorf-Benitzer Chaussee“. „Ende März 1945 … fielen 2 Bomben auf den Acker des Bauern Rehfeldt in Benitz“, verursachten zum Glück aber nur Flurschaden.

„Am 22.2.1945 … stürzte ein amerikanischer viermotoriger Bomber, der in Luftkämpfen abgeschossen worden war, in der Nähe der Altendorfer – Wiswedeler Straße … ab“. Die Flugzeugteile lagen weit verstreut. „Von den 9 Insassen des Flugzeuges retteten sich 6 durch Fallschirmabsprung. 2 Mann lagen tot unter der Maschine, ein dritter 20 m entfernt, ebenfalls tot. Der eine Abspringer landete auf Dieckmanns Scheunendach, riß dabei ein Loch ins Dach…“ Der Verwundete wurde verbunden und der Polizei übergeben.

Seit dem Frühjahr 1944 häuften sich die Angriffe feindlicher Tiefflieger auf die Kleinbahnstrecke der OHE. Bei diesen Vorfällen waren Verwundete und Tote zu beklagen, Altendorfer Bürger gehörten nicht zu den Opfern.

Was sich dann im Frühjahr 1945 in seiner neuen Heimat ereignete, hielt Hermann Büttner ebenfalls fest: „Daß der Krieg seinem schrecklichen Ende entgegenging, zeigte der erste Flüchtlingstransport, der hier Anfang Februar ankam. Er war aus Berlin gekommen. Frauen und Kinder wollte man dort fortbringen. Ein langer Zug rollte in den Kreis Gifhorn und wurde auf allen Bahnhöfen entlang der Strecke Oebisfelde – Wittingen entladen“. Auch die Frau des Lehrers Büttner kam mit ihren drei Kindern auf diese Weise hier an.

Von den Altendorfern wurden die ersten Flüchtlinge herzlich und liebevoll aufgenommen, allerdings blieben das nicht die einzigen Flüchtlinge. Nach zwei Wochen setzte der Flüchtlingsstrom aus dem Osten ein und damit kamen auch immer mehr Menschen nach Altendorf. Viele dieser Menschen waren lange Strecken zu Fuß gegangen oder mit Wagen quer durch Deutschland gefahren und suchten nun irgendwo eine Bleibe. „Wochenlang, seit Mitte Januar, waren sie bei Wind und Wetter, Frost und Schneesturm unterwegs gewesen, hatten kein anderes Dach über dem Kopf gehabt, als den Wagenplan, waren erschöpft, krank, die Pferde abgetrieben, klopften nun an die Tore der hiesigen Bauernhöfe, baten um Aufnahme und wurden aufgenommen. Bald war jeder Hof, auch der kleine, mit Flüchtlingen voll belegt.“ „Viele Wochen dauerte dieser Flüchtlingsstrom an“.

Im April 1945 waren die vorrückenden Amerikaner in den Kreis Gifhorn gelangt und am 11. April fuhren erste amerikanische Panzer durch Altendorf. In den Tagen danach war „die Kampflage vollständig undurchsichtig“ notierte Hermann Büttner.

„So durchfuhr am 16.4. eine deutsche Abteilung, bestehend aus 5 Panzern und ungefähr 25 Lastwagen, Altendorf und nahm für kurze Zeit in der näheren Umgebung Aufstellung.“ Glücklicherweise kam es zu keinen Kampfhandlungen, so dass „…keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben“ bestand.

Ein Teil eines größeren Gefangenentransports von mehreren tausend Russen und Franzosen, die von Westen kommend, in die Altmark gebracht werden sollten, machte in Altendorf Station. „Während der Nacht wurden sie in den Scheunen der Bauern einquartiert. So waren auf Bromanns Hof 180 Franzosen, auf Fritz Knokes Hof 200 gefangene Russen untergebracht“. Beim Weiterzug gerieten die Gefangenen und ihre deutschen Bewacher bei Wendischbrome und Radenbeck in das Feuer feindlicher Panzer. „Bei dem nun entstehenden Wirrwarr und dem allgemeinen Durcheinander sprengten sowohl Wachmannschaften, als auch Gefangene, nach allen Seiten auseinander“. Die ehemals Gefangenen verstreuten sich in der Gegend und verlangten von den Dorfbewohnern Unterkunft und Verpflegung. In der aufgeladenen und spannungsreichen Atmosphäre gab es viele gefährlichen Situationen, auch Plünderungen und Messerstechereien kamen vor. Die Russen hielten sich mehrere Tage hier auf, bis sie weiterzogen. Als sich schließlich stärkere amerikanische Kräfte näherten, wurden von ihnen Ruhe und Ordnung wiederhergestellt.

Historisch gesichert ist, dass die russischen Kriegsgefangenen doppelt unter die Räder des Kriegsgeschehens gerieten. Ihre Gefangennahme wurde von dem stalinistischen System als „Vaterlandsverrat“ eingestuft und wie ein mit Absicht begangenes Verbrechen behandelt. So führte ihr Weg in der Heimat meistens gleich in sibirische Straflager.

Hermann Büttner hielt auch fest, dass sich Polen, die bei den hiesigen Bauern zwangsbeschäftigt waren, an Plünderungen beteiligten. Einzelne Polen und eine Baltin konnten aber auch im Konflikt mit Russen vermittelnd und beschützend eingreifen. Über den Verbleib der Franzosen ist in der Chronik nichts zu lesen, womöglich waren sie unauffälliger und sind so schnell wie möglich auf irgendwelchen Wegen in ihre Heimat zurückgekehrt.

„Am 24.4.45 wurde Altendorf dauernd besetzt, zunächst von den Amerikanern, später von den Engländern“. Drei Bauernhöfe wurden mit Truppen belegt. „Auf Bromanns Hof waren 15 Panzer aufgestellt“. Die Bauernfamilien mussten die Höfe verlassen, durften nichts mitnehmen und die Ställe nur zum Füttern des Viehs betreten.

Die Besetzung Altendorfs dauerte vier Wochen. Auf der Straße zwischen Brome und Radenbeck fuhren Panzer mehrere Male am Tag Patrouille und von 22 Uhr bis 5 Uhr herrschte Sperrzeit, in der sich kein Zivilist auf der Straße aufhalten durfte.

Monatelang gab es keine Möglichkeit, Nachrichten zu übermitteln, da der Post- und Bahnverkehr ruhte. Wollte man in einen anderen Ort, konnte man den nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen.

„Hunderttausende, vielleicht Millionen von Menschen, waren in diesen Monaten unterwegs“. Entlassene Soldaten oder solche, die sich heimlich entfernt hatten, schlugen sich durch, evakuierte Städter wollten endlich zurück in die Heimatstädte. Flüchtlinge wollten zu ihren Verwandten, die es anderswohin verschlagen hatte. „Alles wanderte schwer bepackt, tagelang, wochenlang. Einzeln, in kleineren u. größeren Gruppen durchzogen sie unser Dorf“.

So war die kleine beschauliche Gemeinden Altendorf, deren Bewohner sich so weit entfernt von den Wirren des Krieges glaubten, doch noch Schauplatz kriegerischer Ereignisse und seiner Nachwirkungen geworden. Der Krieg, der von Deutschland aus in die Welt gegangen war, hatte auch hier seine Spuren hinterlassen, wenn auch in weitaus geringerem Maße, als in den Städten und den Gebieten, über die der Krieg grausam hinweggefegt war. Zeitzeugen, die sich zu den damaligen Geschehnissen äußern könnten, sind entweder verstorben oder hoch betagt, so dass sich ihre Erinnerungen verwischt haben. Dem Lehrer Hermann Büttner gebührt für diese Aufzeichnungen in der Altendorfer Schulchronik, Band II, großer Dank, denn ohne sie wäre das Wissen um die Geschehnisse dieser Zeit in Altendorf und Umgebung verloren gegangen.

Historische Wege- und Grenzsteine haben es in Brome schwer

Zerstörter Grenzstein am Weg von Altendorf nach Wendischbrome (Foto: Gerd Blanke, Oktober 2020)
Der gelbe Pfeil zeigt auf den umgefahrenen Grenzstein. (Foto: Gerd Blanke, Oktober 2020)

Erneut wurde in der Gemeinde Brome ein historisch bedeutsamer Stein umgefahren und zerbrach dabei. Dieses Mal erwischte es einen Grenzstein bei Altendorf am Weg nach Wendischbrome. Nach der Grenzöffnung stellten Mitglieder des Museums- und Heimatvereins Brome diesen Stein wieder auf. Seit 1824 hatte er die alte Grenzlinie zwischen Königreich Hannover und Königreich Preußen mit den Buchstaben KH und KP markiert. Nun stand er wieder 30 Jahre unbeschadet an seinem Platz, bis Mitte Oktober 2020. Leider konnte der Verursacher bisher nicht festgestellt werden.

Der MHV hat die Bruchstücke nun sichergestellt. Wir bitten den Verursacher, sich beim MHV Brome wegen der Kostenübernahme für Sanierung des Steines in Verbindung zu setzen.

Grenzstein im Originalzustand (Foto: Gerd Blanke)