Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Autor: Jens Winter (Seite 1 von 25)

Bau einer Schule in Wiswedel (1771)

Der Gemeinde Wiswedel wurde mit Verfügung vom 28. Dezember 1770 erlaubt, sich einen eigenen Schumeister zu halten. Daraufhin wurde im Jahr 1771 die erste Schule in Wiswedel errichtet und erster Schulmeister wurde Johann Daniel Kravehl. Wo genau das erste Schulgebäude gestanden hat, ist bisher unklar. Bereits 1825 wurde ein neues Schulhaus gebaut (heute: Dorfring 2) und das alte wurde als Hirtenhaus weiter von der Gemeinde Wiswedel genutzt.

Im Archiv Museum Burg Brome ist ein interessantes Dokument aus der Gründungszeit der Schule erhalten – ein Einkommensnachweis des ersten Schulmeisters. Das Dokument wurde, wie ganz unten zu lesen ist, vom Schulmeister Johann Daniel Kravehl persönlich abgeschrieben. Wir kennen also die Handschrift des ersten Wiswedeler Schulmeisters. In den Dokument heißt es:

Copia

Die Gemeinde Wiswedel, sind schuldig zu folge ihrer Erklärung vom 1ten May: 1770, ihren Neuen Schul-Meister zu geben folgendes.

1 Jährlich aus jedem Hofe Einen Himbten reinen Rocken, Acht gute Groschen Geld und ein Fuder Holtz.

2 Jährlich Zwölf gute Groschen Schul-Geld von einem jedem Hofe aus welchen Hofe ein oder mehrer Kinder zur Schule gehen.

3 Jährlich Ein Brodt von 8 Pf.: Vor jedes Kind so zur Schule gehet.

4 Wenn Ein Kind schreiben lernet 4 ggl: aufs Jahr.

Wolfsburg den 7ten Semptbr: 1771.

Abgeschrieben in Wiswedel Joh: Dan: Kravehl

Schulmstr:

Die Abschrift wurde vom ersten Wiswedeler Schulmeister Johann Daniel Kravehl angefertigt.

Interessant ist, dass damals die Bezahlung nicht nur in Geld geleistet wurde, vielmehr waren auch Naturalabgaben ein großer Teil des Einkommens. So bekam Kravehl aus jedem der damals bestehenden sechs Höfe einen Himten Roggen. Ein Himten Roggen umfasst ungefähr 30 l, was etwa 20 bis 23 kg Roggen entspricht. Insgesamt erhielt er demnach um die 125 kg Roggen. Außerdem bekam er von jedem Hof ein Fuder Holz, das zum Kochen und Heizen notwendig war. Von jedem Schulkind bekam er zusätzlich noch jedes Jahr ein Brot von 8 Pfund Gewicht.

An Geld bekam er von jedem Hof 8 Gute Groschen und wenn es Kinder gab, die aus dem Hof zur Schule gingen, dann noch einmal 12 Gute Groschen.

Die letzte Regelung erscheint besonders interessant, denn die Einnahmen aus diesem Posten waren an den Schulerfolg des Kindes gebunden. Nur wenn das Kind schreiben lernte, mussten zusätzlich 4 Gute Groschen an den Lehrer gezahlt werden.

Zum Überleben eines Schulmeisters mit Familie waren diese Einnahmen sicherlich nicht ausreichend. Zusätzlich zu diesem Gehalt hatte der Schulmeister samt Familie freie Wohnung im Schulhaus und noch sechs Morgen Land, das er selbst bestellen konnte. Dazu erhielt er von jedem Hofbesitzer nach der Reihe noch drei Morgen Land zugewiesen. Der betroffene Bauer musste für Lohn dieses Land düngen und pflügen.

Jäger Hermann Krause – gefallen am 18. September 1918 in Épehy (Frankreich)

Hermann Friedrich Wilhelm Krause wurde am 7. Dezember 1897 in Brome als Sohn des Töpfermeisters Hermann Krause und seine Frau Marie geb. Jürgens geboren. Nach dem Besuch der Bromer Schule machte Hermann Krause jun. eine Ofensetzerlehre im väterlichen Betrieb in seinem Elternhaus Junkerende 3.

Am 21. Oktober 1916 ist er im Alter von 18 Jahren in das stehende Heer eingetreten beim Rekrutendepot des 1. Jäger-Ersatz-Bataillons Nr. 10 in Goslar.

Hermann Krause (rechts) während seiner Grundausbildung Ende 1916/Anfang 1917

Nach einer kurzen, rund zweimonatigen Ausbildung rückte Hermann Krause mit seiner Kompanie an die Ostfront nach Rumänien. Im Jahr 1918 wurde seine Einheit dann in Frankreich eingesetzt.

Hermann Krause im Kriegsjahr 1917

Vom 25. Juni bis 14. Juli 1918 war Hermann Krause während seines Urlaubs das letzte Mal in Brome. Dort entstand folgende Fotografie:

Letzte Fotografie von Hermann Krause (Juni/Juli 1918). Oben an seiner Uniformjacke trägt er die Bandspange zum Eisernen Kreuz II. Klasse, unter das Verwundetenabzeichen in Schwarz.

Seinen letzten Brief schickte er am 25. August 1918 an seine Schwester Emmy. Darin wird deutlich, dass er nicht unbedingt von seinem Überleben ausging:

Schützengraben, den 25.8.18.

Liebe Emmy!

Zunächst meinen herzl. Dank für Deinen lieben Brief vom 18.8. Wie Du schreibst[,] geht es Dir und allen zu Hause recht gut, was auch bei mir der Fall ist. Mein Arm ist so einiger maßen wieder heil. Wir sind immer noch in Stellung, dachten doch abgelöst zu werden[,] aber wird wohl noch eine Zeit dauern, na die hauptsache gesund bleiben.

Wir sind immer noch in der Somme Gegend. Habt ihr meine Briefe alle erhalten. Von Euch bekamm ich gestern auch sehr viel Post, einen von Manda vom 16.[,] einen von Mimmi vom 18. herzl Dank., freut mich immer[,] wenn ich lese[,] das es Euch in der Heimat gut geht. An Karl konnte ich leider nicht schreiben, habe seine Ad[dresse] nicht[,] müßt sie mir gleich schreiben. Von Willy bekamm ich gestern auch einen Brief, er muß besoffen gewesen sein[,] als er den geschrieben hat, er schreibt Gefrt. Krause. L. Emmy Ihr müßt meine schlechte Schrift entschuldigen[,] hier geht es nicht besser, Gott möge doch bald den langersehnten Frieden kommen lassen, habe ich keine Lust mehr zu diesem schwindel. Am 22. habe ich an Pappa ein Paket mit Taback abgeschickt[,] hoffentlich kommt es an. Von Robert bekamm ich auch eine Karte, er schreibt, das er Pappa zum Geburtstag geschrieben hat, und ob ich mein Urlaub gut zu Hause verlebt habe.

Nun liebe Emmy gratuliere ich herzl. zu Dein Geburtstag, und wünsche Dir von Herzen alles gute, das Du diesen tag noch recht oft, mit Deinen lieben Eltern und Schwestern verleben kannst. Wollte könnte bei Euch in der Heimat sein, aber war Gott trift[,] ist wohl getahn! Nun feiert Dein Geburtstag so gut es geht, in Gedanken bin ich bei Euch. Ich werde man auch bald 21 Jahr, und muß meine Jugend hier in Feindesland zubringen! Wenn Du nun an Karl schreibst[,] grüße Ihn, und schuldige mich[,] das ich nicht schreiben konnte. Habe hier in Stellung wenig Zeit zum schreiben, also nur an Euch!

Nochmals herzl. Glückwunsch zum Geburtstag!

Gruß an Mamma, Papa, Mimmi, Manda.

Und Du liebe Emmy nun 1000 herzl Grüße von

Deinen lieben Bruder Hermann.

Wer weiß[,] ob wir und Wiedersehen!

Heute ist ja auch Sonntag, in Deutschland.

Paket No. 35 erhalten[,] 31 noch nicht.

Am 18. September 1918 ist Hermann Krause in der Nähe des Dorfes Épehy (Frankreich) gefallen. Zwei Kameraden berichten in Briefen an seine Eltern über seinen Tod. Hier zunächst zwei Briefe von Paul Schulze:

Werte Familie Krause!

Mache Euch hiermit die traurige Mitteilung, daß Euer lieber Sohn Hermann am 18.9. morgens um 7 Uhr den Heldentod für sein Vaterland durch mehrere Granatsplitter gestorben ist. Ich selbst bin mit Eurem lieben Sohn Hermann fast zwei Jahre bei einer Kompanie zusammen gewesen, wir waren beide die besten Freunde, haben beide immer zusammen Posten gestanden, und hat einer für den andern gesorgt. Und ich habe Hermann versprechen müssen, wenn ihn was passiert, seine Eltern Mitteilung zu machen, ich hätte es Euch schon gern eher mitgeteilt, aber es ging alles drunter und drüber her, der Engländer griff dauernd an und man konnte keine Post los werden. Am 21.9. abends wurde ich durch Granatsplitter in die rechte Schulter verwundet, und bin jetzt hier im Lazarett angekommen. Es ging böse her, an der der Front, und haben schwere Tage müssen durchmachen.

Werte Familie Krause!

Es war am 18. Sept. morgens. Ich stand mit Eurem Sohn Hermann auf Posten, um 6 Uhr legte der Engländer starkes Artilleriefeuer auf unsere Stellung, und griff mit starken Kräften an, wir konnten die Stellung nicht mehr halten, rechts war der Engländer schon in unser Graben drin, und wir mußten zurück gehen. Beim zurück gehen schlug eine Granate dicht bei Hermann und mich ein, Hermann war sofort tot, ich habe seine Wertsachen abgenommen, und [wir] haben ihn dann beerdigt. Der Ort heißt, wo er begraben liegt Epihy, zwischen Peronne und Cambrai. Wir waren immer zusammen wie zwei Brüder und war mir so schwer zu Mute, als wenn es mein Bruder gewesen wäre.

Werte Familie Krause!

Habe hier sämtliche Wertsachen von Eurem lieben Sohn Hermann. Wollte dieselben an der Schreibstube abgeben, hatte keine Gelegenheit zu, weil ich verwundet wurde, und nicht zur Schreibstube zurück gekommen bin. Sämtliche Wertsachen sind zwei Brieftaschen mit sämtlichen Briefsachen und Photographien, Uhr mit Kette, Fingerring, Messer, Erkennungsmarke, Portomane mit 24,50 M, Zigarettendose und Brustbeutel mit Heiligenbrief. Wenn es Euch nicht zuviel Umstände macht, hätte ich es gern, damit die Sachen alle richtig in Euer Hand kommen, persönlich abholen würdet von hier, oder soll ich dieselben als Wertpaket per Post schicken. Schreibt doch bitte darüber bescheid.

Außerdem hat Euer Sohn Hermann noch mehre rückständige Löhnungen von der Kompanie zu bekommen, in Stellung haben wir keine Löhnung bekommen, dieselbe wird Euch der Komp. Feldwebel schon noch schicken.

Nun will ich schließen und tröste Euch allen mit Worten:

„Waß Gott tut das ist wohl getan.“ Er ist in Gotteshand gestorben und hat sich nicht brauchen quälen.

Auf Wiedersehen!

Seit gegrüßt von Hermanns guten und treuen Freund

Jäger Paul Schulze

Vereinslazarett Datteln (Westfalen)

(Bitte bald antworten)

Datteln, den 4.10.1918

Werte Familie Krause!

Ihren lieben Brief vom 1.10.so eben erhalten. Das Euch die Nachricht von Euren lieben Sohn Hermann tief erschüttert hat, will ich gern glauben, denn Hermann hatte schon vorher mal gesagt, wenn ich mal nicht wieder kommen sollte, waß werden blos meine lieben Eltern und Schwestern machen. Hermann selbst war ein guter und friedlicher Kamerad. Ich bin mit Hermann fast zwei Jahre zusammen gewesen, wie zwei Brüder, und es ist kein Tag vergangen, das wird nicht von unser liebes Elternhaus und liebe Heimat unterhalten hätten, und es sorgte immer einer für den andern. Als Hermann dies traurige Los traf, hätte ich ihn gern geholfen, aber es war keine Rettung mehr, er war in derselben Sekunde gleich tot. Er hatte einen Granatsplitter im Kopf, und paar Splitter in die Brust. Hermann war gleich tot, er hat kein Wort mehr gesprochen, er hat einen sehr leichten Tod gehabt, und hat sich nicht ein bischen brauchen quälen. Außerdem war Hermann nicht in bischen zerrissen und hat sich vorher nichts lassen merken, das Ihn solch Schicksal treffen würde. Nur längere Zeit vorher, sagte Hermann mal „Er käme doch nicht wieder, und er wäre mit diesen Gedanken ins Feld gegangen.“ Und ich habe dadrauf zu Hermann gesagt, er solle sich doch nicht mit solchen Gedanken rum tragen. Hermann hat ein einzelnes Grab, neben ihn liegen noch zwei deutsche Helden. Das Grab ist etwas außerhalb von Epihy, an der Straße, unter einen Baum, auch hat Hermann ein Kreuz, darauf steht geschrieben: „Hier ruht ein tapfrer Held, der Jäger Hermann Krause, 4. Comp. Res. Jäger Battl. 10. Er starb den Heldentod für sein geleibtes Vaterland am 18. Sept.“

Werte Familie Krause!

Zwei Stunden später, nach dem wir Herman beerdigt hatten, griff der Engländer wieder an, und wir mußten unsre Stellung wieder aufgeben, weil wir zu schwach waren. Am 21.9. als ich verwundet wurde, lag Epihy 3-4 km schon vor unsrer Stellung, und der Engländer hatte alles besetzt. Eine Photografie vom Grabe zu machen, war nicht möglich, da kein Photograf gleich da war, und er Engländer da alles besetzt hat. Wie die Zeitung jetzt schreibt, sind unsre da noch weiter zurückgegangen. Ich hätte das Grab gern lassen Photografieren, aber es ging mit besten Willen nicht, und es tut mir leid, das ich Euch diesen Wunsch nicht erfüllen konnte.

Ein anderer Kamerad namens Wilhelm Schulz stellt Hermann Krauses Tod etwas anders dar, allerdings war er kein Augenzeuge, sondern hat seine Informationen von anderen Kameraden bekommen:

10/10.18.

Liebe Familie Krause!

Ich habe gestern Euren Brief vom 27.9. erhalten. Ihr fragt nochmals an über Hermann[,] werde Euch auch genau schreiben[,] was ich von denen gehört habe[,] der bei ihnen wahr, ich wahr nicht selbst bei ihnen[,] denn ich wahr bei den Trupptieren[,] wie Euch doch Hermann auch geschrieben hatte. Ich habe es mir aber genau erzählen lassen von den Jäger Schneider[,] der wahr bei Hermann. Hermann wahr zuerst an der linken Hand verwundet und beim zurück gehen nach den Verbandsplatz traf ihnen ein Schrapnel tödlich am Kopf, wie der Schneider sagt[,] wahr Hermann vorher so unruhig gewesen[,] er hätte den Jäger Paul Schulze gesagt das, wenn was passiren tähte[,] dann sollte er doch sofort schreiben an Euch, und sollte Hermann seine Sachen an Euch auch schicken, aber dieser Jäger Paul Schulze ist nach dem wie Hermann gefallen ist[,] auch verwundet, aber er hat die Wertsachen abgenommen und sie Euch auch wohl noch zuschicken aus dem Lazarett, wo er im Lazarett liegt[,] das weiß ich auch nicht. Wer Hermann gekannt hat[,] der betrauert Ihnen.

Einecke ist verwundet[,] ligt im Lazarett, ich weiß auch nicht wo. Wer Hermann begraben hat [das weiß keiner[,]] denn es mußte alles so schnell zurück gehen. Er wird von den Engländern begraben sein, es wahr am 18.9. bei Epehi.

Hoffentlich seid Ihr noch alle gesund und munter. Das gleich ich auch von mit schreiben kann.

Mit frdl. Gruß aus Serbien

Jäger Wilh. Schulz

Welche der beiden Darstellung nun der Wahrheit entspricht, lässt sich heute nicht mehr entscheiden. Tatsache ist, dass sich die Gebeine von Hermann Krause heute auf der Kriegsgräberstätte in Cambrai in einem Kameradengrab befinden.

Im Isenhagener Kreisblatt veröffentlichte Familie Krause am 5. Oktober 1918 eine große Todesanzeige. Die Nummer seines Bataillons fehlte im Druck und wurde später handschriftlich ergänzt:

Auf der gleichen Seite veröffentlichten vier ungenannte Jugendfreundinnen ebenfalls eine Anzeige:

Hochwasser in Brome 1830

Vom 26. Februar bis 2. März 1830 hatte der Flecken Brome unter einer beispiellosen Überschwemmung zu leiden. Mehr als 13 Wohngebäude wurden zum Teil erheblich beschädigt. Bereits einen Tag nach der Katastrophe wurde eine Schätzung der enstandenen Schäden durch die Bromer Handwerksmeister Maurermeister Thunecke und Tischlermeister Gottlieb Kausche vorgenommen. Hier sei die Aufstellung der Schäden wiedergegeben. Ergänzt wurden die Angaben um die heutigen Straßennamen und Hausnummern:

 rt [Reichstaler]ggr [Groschen]
Johann Heinrich Olland [Hauptstr. 1] Gastwirth. Die Dröschdiele ist gänzlich zernichtet[,] solches in Stand zu setzen
2
An der Grund-Mauer ist der Schaden taxiert2
12 Stück Lehm-Wände a. Stück 4 ggr2
Die übrigen Reparaturen und Wände5
Summa11
Heinrich Possiehl [Hauptstr. 9] von dem Hintergebäude ist der Schaden an der hintern Grund-Mauer
1
Johann Brohmann [Hauptstr. 13] an dem Hintergebäude ist der Schaden an der hintersten Grund-Mauer
112
Friedrich Isensee [Hauptstr. 23], ist der Kamin und der Kachelofen gänzlich ruiniert, wie auch die hinterste Grund-Mauer, solches ist von dem Maurermeister Thunecke taxirt zu
20
Heinrich Warnecke [Steimker Str. 1-4] 16 Stück Lehm-Wände zernichtet à  St. 3 ggr
2
Die anderen sämtlichen Reparaturen5
Die Dröschdiele gänzlich ruiniert 36 Fuß lang2
In dem kleinen Hause der Fußboden zernichtet5
3 Fd. Heu verdorben à Fd. 12 ggr112
Summa1512
Christoph Meyer [Steimker Str. 11] sein sämtliches Haus an Maurerarbeiten und Reparaturen
20
In der kleinen Stube der Fußboden ruiniert. Sie besitzt eine Länge von 14 Fuß und ist 10 Fuß breit à Fuß 1ggr220
Summa2520
Gottlieb Müller [Braunschweiger Str. 8] sein Haus ist der Schaden an Maurerarbeit taxirt zu3
Die Wohnstube ruiniert, der Fußboden hat eine Länge von 14 ½ Fuß und 12 ½ Fuß Breite à Fuß 1 ggr8
Summa11 
Heinrich Isensee [Bahnhofstr. 1], die Wohnstube gänzlich ruiniert und unbrauchbar. Sie enthält eine Länge von 17 Fuß und ist 13 Fuß breit à Fuß 1 ggr95
Dito eine kleine Stube 17 Fuß lang und 8 Fuß breit à Fuß 1 ggr418
Die sämtlichen Dielen zernichtet ist txirt zu5
Der Schornstein muß vom Grunde neu gemacht werden, ist von dem Maurermeister taxirt zu28
Unten im Hause sämtliche Wände zernichtet[,] dieses taxirt zu33
Summa7923
Friedrich Rosenmeyer [Braunschweiger Str. 7] ist sämtliche Mauerarbeit von Maurermeister Thunecke taxirt zu10
Summa10 
Denecke oder jetzt Remler [Bahnhofstr. 4] eine große Diele zernichtet taxirt zu3
Sämtliche Mauerarbeit taxirt zu5
Summa8
Carl Mertens [Mühlenstr. 1] eine große Diele zernichtet taxirt4
Der Fußboden im Boden zernichtet[,] dieser enthält 16 Fuß Länge und 14 Fuß Breite à Fuß 1 ggr98
16 Stück Wände gänzlich heraus à Wand 4 ggr216
Die anderen schadhaften Wände zu reparieren ist taxirt zu5
Summa21
Im Pfarr-Witwen-Hause [Steimker Str. 5] ist ein Fußboden gänzlich zernichtet, 17 ½ Fuß lang[,] 16 Fuß breit à Fuß 1 ggr1116
In der Kammer den Fußboden zerrissen 13 Fuß lang 10 Fuß breit à Fuß 1 ggr510
Diele zernichtet ist taxirt zu112
An sämtliche Mauerarbeit5
Summa2314
Friedrich Thesmer oder Wittwe Thesmer [Mühlenstr. 3] die Wohnstube der Fußboden darin gänzlich zernichtet[,] solcher enthält eine Länge von 15 Fuß und Breite 12 F. à Fuß 1 ggr.712
In der Kammer den Fußboden zernichtet[,] dieser enthält eine Länge von 15 F. und Breite 7 Fuß à Fuß 1 ggr49
Eine große Diele zernichtet ist taxirt zu2
34 Stück Wände von Lehm sind gänzlich zernichtet[,] sind taxirt à Wand 4 ggr46
Die übrigen Stuben, Ofen, Feuerheert und noch schadhafte Wände20
Die Hausthür ganz zerrissen und unbrauchbar vorgefunden ist, ist taxirt zu12
In dem kleinen Hause ist dann noch an Schaden vorgefunden: Die Haußdiele1
Sämtliche Reparaturen Schornstein, Feuerheert und Wände, an Mauerarbeit10
Hierin im Fußboden, den Sand unten heraus gespült, und etwa Schaden ist taxirt zu18
Demselben ist noch 10 Fuder guter Dünger weggetrieben, ist taxirt à Fuder 1 rth.10
Ferner an ihrem Stein-Pflaster Schaden gelitten, solches ist taxirt zu312
Summa651
Gemeinheitswege auf dem Steimker Weg ist an Sand weggetrieben 200 Fuder à Fuder 16 ggr50
Auf dem Bullendammer Wege fehlten Sand[,] welcher dieses Wasser weggetrieben 400 Fd. à Fuder 8 ggr1338
Auf dem Boxbartschen Weg [Beginn Salzwedeler Str. Richtung Jübarscher Weg] 80 Fuder Sand weggetrieben à Fuder 4 ggr138
Summa  515 2

Auf der folgenden Karte aus dem Jahr 1826 wurden die Flutschäden an den einzelnen Hofstellen eingezeichnet. Die größten Flutschäden waren an der Mühlenstraße, der Steimker Straße und der unteren Braunschweiger Straße zu verzeichnen.

Brand in Benitz 1851

Bisher unbekannt in der Geschichte des Dorfes Benitz ist ein Brand, der sich im Sommer 1851 ereignet hatte. Dabei sind anscheinend zwei Wohngebäude abgebrannt. Möglich erscheint aber auch, dass die Abgebrannten in einem Gebäude (zur Miete?) gewohnt haben. Die Abgebrannten waren die Witwe des Benitzers Schäfers Fricke sowie eine Frau Behne, über die wir bisher nichts weiter wissen. Beide Frauen waren definitiv keine Vollhöfer, vielmehr gehörten sie zu den ärmeren Einwohnern von Benitz.

In Brome wurde eine Sammlung zugunsten der Abgebrannten durchgeführt. Hierzu sind im Archiv Museum Burg Brome zwei Zettel mit den geleisteten Spenden erhalten.

Auf dem einen Zettel, auf dem einige Textverluste zu verzeichnen sind, heißt es:

[Fü]r die Schäfer Ww. Fricke und [Textverlust] Behne in Benitz als Abgebrannte sind zusammen gebracht

von Jocken Mutter 2 Mützen, wenn die mit dem Striche die Schäfer Ww., die Andere [Textverlust] Behnen haben soll.

von Stendel Oekens 4 ggr

von Schuhmstr. Lindmüller 2 ggr

von Mertens Mutter 2 ggr

von Bierstedt 2 ggr

von Stampehl baar 4 ggr auch jeder Frau eine Herings Tonne und noch kleine Gefäße

solches ist July 26ten 51 den Leuten eingehändigt Brome July 26ten 1851

Der Bürgermeister

Stampehl

256

Auf dem anderen Zettel ist zu lesen:

Für die Abgebrannten in Benitz sind eingekommen

von Jocken Mutter 2 Mützen

von Lindmüller 2 ggr

von Stendel 4 ggr

von Bierstedt 2 ggr

von Mertens Mutter 2 ggr

von Stampehl baar 4 ggr und mehrere Gefäße

baar 14 ggr so den beyden Abgebrannten laut Bestimmung vertheilt sind

Brome, den 26ten July 1851

Der Bürgermeister

Stampehl

Spenden der Bromer für die Abgebrannten in Knesebeck im Jahr 1825

Der Heimat- und Kulturverein Knesebeck e.V. hat kürzlich ein Buch herausgebracht mit dem Titel „Knesebeck 1825 – der große Brand und der Wiederaufbau vor 200 Jahren“. Erhältlich ist es beim Heimatverein Knesebeck oder bei Tabakwaren Kirchhoff in Knesebeck zum Preis von 17€.

Knesebeck ist in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1835 zur großen Teieln abgebrannt. Insgesamt wurden 53 Wohnhäuser und 75 Nebengebäude ein Raub der Flammen. 92 Familien hatten ihr Obdach verloren.

Tatsächlich haben wir im Archiv Museum Burg Brome einigen Schriftstücke gefunden, die direkt in Beziehung mit dem großen Brand in Knesebeck stehen! Die Solidarität mit den Abgebrannten war damals sehr groß. Großbrände in Dörfern und Städten standen auf der Tagesordnung und so wurde damals in nahegelegenen und entfernten Orten zu Spenden aufgerufen. So spendeten die Bromer für die abgebrannten Knesebecker! Die Spendelist ist erhalten:

Eingesamm[elt] ist für die Abgebranten zu Knesebeckrhggl.ch
1.Meister Bölsche 2 Stück Spinstühle und 1 Hemd   
2.Schuster Blanke 1 Himten Rocken und 1 [?]   
3.Jacob Pipper Haußlehr 4 
4.Christoph Lindemüller 1 Paar Neue Schuhe   
5.Schuster Geselle Bannier 4 
6.Stendel Haußlehr 2 
[7.]Tabacks Spinner Stoppel ½ Schweins-Kopf   
[8.]Gottlieb Mosel 1 Paar Neue Schuhe   
[9.]Stendel 2 
[10.]Von der Semtlichen Tischer Gilde zur Theilung2  
[11.]Von dieselben für die Wittwe Güntern allein1  
[12.]Günter Olland 2 
[13.]Buchmüller 8 
[14.]Wolf als Grundsitzer 1 Himten Rocken   
15.Heinrich Radsack 1 Himten Rocken   
16.Gottlieb Radsack 8 
17.Mauer Gödecke ½ Himten Katoffeln ½ Schweinskopf   
18.Flohr 6 
19.Friedr. Radsack 1 Himten Rocken   
20.Heinrich Niebuhr 1 Himte Rocken   
21.Franke 1 Himten dito   
22.Johann Olaandt 1 Himten Buchweitzen u. etwas Bohnen   
23.Broman etwas Bohnen und Speck   
24.Heinrich Müller 4 
25.Persiel 1 Tisch Lacken 1 Hantuch 1 Huth   
26.Thunicke ½ Himten Rocken   
27.Wittwe Burchardten ½ Himten Rocken   
28.Zimmermann Böse 4 
29.Wittwe Ollandten 4 Ellen Leinen   
30.Heinrich Ollandt 16 
31.Jacob Radsack 1 Paar Neue Schue   
32.Heinrich Niebur Zimmermann 6 
33.Meinecke etwas Bohnen und Speck   
34.Winter ½ Himten Rocken   
35.Warnecke 1 Leinthaun 1 Futterschwinge 1 Schemmel 1 Kleith ¼ Himten Erbsen ¼ Linsen 1 Huth   
36.Nober 1 Himten Rocken   
37.Cantor Mosel 1 Rock 1 Hose 1 Hemd   
38.Wittwe Tesmern 1 Himten Rocken und Speck   
39.Heinrich Wadel 2 Stück[?] [?] Bohnen   
40.Beneke 12 
41.Palm Hauslehr 1 Tischlacken   
42.Sommermeyer 1 Scheffel Rocken   
43.Pappe 4 
44.Friedr. Pipper 3 Metze Bohnen 2 Pfund Talg 4 Rocken Flachs   
45.Hauslehr Mertens 1 Tischlacken 1 Hemd 3 Rocken Flachs   
46.Carl Mertens 1 Kleith 1 Hemde 2 Metze Bohnen 1 Pfund Grütze   
47.Melzian 3 Schock Leinen 1 Metze Bohnen und 1 Gänsebrade und etwas Speck   
48.Carl Süpke 16 
49.Gottlieb Müller 1 Himten Rocken ½ Schweinskopf   
50.Krause 2 Metze Bohnen 2 Pfund Speck 1 Huth   

Übergabe der Spenden wurde vom Amt Knesbeck am 1. Juli 1825 quittiert:

Für die Abgerannten hieselbst sind aus dem Flecken Brome, einige Victualien und verschiedene Kleidungsstücke, auch 7 rh 10 ggl Preuß. C. wovon 1 rh für die Wwe Günter bestimmt, durch den Hh. Voigt Krause daselbst, heute richtig abgeliefert worden, welches hiermit bescheiniget wird.

Amt Knesebeck den 1ten July 1825

[Unterschrift H. Schlüter]

Die Bromer wurden zusätzlich noch zur Hilfe beim Herbeischaffen des Bauholzes aus dem Malloh und dem Espenleu aufgerufen. Hierzu wurde auf der Wolfsburg ein Schreiben aufgesetzt:

Die Königl. Landdrostey hegt den dringenden Wunsch, daß die Spanne haltenden Einwohner des Gerichts den Abgerannten zu Knesebeck mit einigen Holzfuhren, denen 5000 im ganzen erforderlich sind und nur mit thätiger Beihülfe der Nachbarn herbey geschaft werden können, unterstützen möge, und das Königl. Amt Knesebeck wünscht, daß die Fuhrleute sich am 30ten dieses und an den folgenden Tagen morgens 7 Uhr im Melloh oder Espenlau einfinden mögen, von da ein jeder 2 mal in einem Tage nach Knesebeck fahren können.

Da nun hier von keiner Landfolge die Rede ist, und Königl. Amt Knesebeck sich zu aller gegenseitigen Hülfe erboten, wenn im diesseitigen Gerichts sich ei ähnlicher Unglücksfall ereignen sollte, so darf das unterzeichnete Gericht, um sich einmal ähnlicher Hülfe erfreuen zu können, erwarten, daß die Spann haltenden Einwohner sich, wie es das Amt Knesebeck wünscht, zu einer bestimmten Fuderzahl die jeder Ort anzufahren geneigt ist, verstehen möge, da mit dasselbe seine Einrüchtung danach berechnen könne.

Es hat daher das Bürgermeister die Spann haltenden Einwohner so fort zu versammlen, und die Fuderzahl des Orts, und ob die Gemeinde das Holz aus dem Melloh oder Espenleu anfahren will; und an welchen Tagen vom 30ten dieses an die Fuhren geleistet werden sollen, schriftlich anzuzeigen.

Sollten Aufladen erforderlich sein, so werden die Handdiener sie oder nicht Spannhaltende Einwohner ohnstreitig dazu verstehen, die Ladung verrichten zu helfen.

Wolfsburg d. 23 July 1825

Gräfl. Schulenburgl. Gerichte zu Brome

[Unterschrift]

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