Bromer Geschichte

Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Fachwerkinschriften in Tülau-Fahrenhorst

Der Tülauer Lehrer Brand hat im Jahr 1934 eine interessante Auflistung von Bränden und Hausinschriften in der Schulchronik niedergeschrieben. So erfahren wir von vielen Hausinschriften, die heute nicht mehr existieren. Hier folgt nun der Text in voller Länge.

Brände in Tülau-Fahrenhorst seit 1830. Hausinschriften

Am 9. Oktober 1830 brannte die „Neue Reihe“, das sind die Grundsitzerstellen von No. 8 – 17, ab. Einige von den neuerrichteten Häusern stehen noch .

No. 10 (jetzt Schulze) hat folgende Inschrift:

Du hast mein Vater und mein Gott mich durch das Wort belehrt, daß deine Hand den frommen in Freude einst bekehrt und das ist alles, was mich kränkt auf dich der unser Sch. Erb. 9.10.

No. 11 (jetzt Klopp) hat folgende Hausinschrift:

Gott unsere Herzen bluten von deinen schweren Runte, es ist um uns geschehen das Feuer schlug die Flammen schnell über uns zusammen das niemand konnte wiederstehn.

Abg. d. 9.10. Geb. d. 24.7.1831

Das letzte Haus auf der Reihe, das Haus am Bache muß nicht mit abgebrannt sein. Das Haus zeigt die Inschrift: B. H. Johann Friedrich Erich Knok B. F. Marie Dorette 1754 (Bäk-Schulze).

Feststellen konnte ich, daß No. 9, 10, 11 und 12 abgebrannt sind.

Am 2. Juni 1834 (Bromer Pfingstmarkt) brannten sämtliche Bauern des Dorfes Tülau (Rundling) 10 Gehöfte ab. Das Feuer kam bei Bauer Wiswedel No. 9 auf. Beim Neubau ging der Rundling verloren. Inschrift vor dem von Bammel No. 6 erbauten Hause:

Oft sah ich keinen Ausgang mehr, dann weint ich laut und klagte sehr. Verlässest du mich mein Gott so ganz in meiner Angst und Not da hörst du o Gott mein Flehn und eilest bald bei mir zu stehn.

Inschrift an dem Haus Fischbeck No. 7:

Der 2. Juni bleibt mir ewig nun da schlugen die Flammen so auf mein Gebäude her kam alles in den Brand und half kein Rettungshand nun rief ich in Not mein Gott mein Flehn und du o Gott erhörtest auch.

Inschrift bei Melzian No. 3:

Wo sind doch unsere Häuser sie werden als die Reiser Verzeeret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut. Ach Gott bewache dieses Haus und alles die da gehen ein u. aus.

Lüthe No. 15 hat folgende Inschrift:

Hilf gnädig und ersetze auch durch deinen Reichen Segen was wind und Feuer Dampf und Rauch in Raub und Asche legen behüt uns schon an diesen Ort für Glut und Brand und sei hinfort Uns, treuer Vater gnädig.

Wiswedel No. 9 im Jahre 1898 zum 2x abgebrannt.

Behne No. 5 im Jahren 1907 zum 2x abgebrannt.

Packebusch No. 51 das vorige Haus abg. 25. Juli 1834, erbaut 6. Juli 1835 Bauherr Friedrich Christian Müller Frau Dorothe Kat. von Weyhe zum 2x abgebrannt 1911.

Böse No. 2 Das Haus zur Scheune 1902 umgebaut, zum 2x abgerannt 1927.

Böse No. 1 Das Haus 1912 zur Scheune umgebaut, zum 2x abgebrannt 1928.

Am 9. Mai 1863 wurden die 4 Bauernhäuser in Fahrenhorst, die in einer Reihe lagen, ein Raub der Flammen. Kinder sollen mit Streichhölzern gespielt haben. Durch einen Holzhaufen wurde das Strohdach des Bammelschen Hofes erfaßt. Im Nu standen alle 4 Bauernhäuser in Flammen. Die Inschrift des neuerbauten Hauses von Bammel No. 4 heißt:

Wo sind doch unsere Häuser! Sie werden als die Reiser verzehret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut. Erbaue was zerstöret und was die Glut verzehret ersetze diesen Brand so wollen wir von neuen uns deiner Güte freuen und ehren dankbar deine Hand.

Klein (jetzt Bromann) No. 5 hat folgende Inschrift:

O Jammer volle Tage, da lauer angst und Plage uns hart betroffen hat. ein großes Maß voll Tränen ist unter Ach und Sehnen jetzt unsre Speise früh und spat. Wo wind doch unsre Häuser sie werden als die Reiser verzehret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut.

Bratze No. 6 brannte 1890 nochmals ab.

Wiswedel No. 7 hat folgenden Spruch an seinem Hause angebracht:

Gib wieder was zusammen wir in den heißen Flammen so schändlich haben eingebüst erfülle das Begehren wie solches deinen Ehren undunserer Wohlfahrt dienlich ist. erbaue was zerstöret und was die Glut verzehret ersetze diesen Brand so wollen wir von neuen uns deiner Güte freuen und Ehren dankbar deine Hand.

1897 wurde in Tagelöhnerhaus auf Melzians Hof durch Feuer zerstört.

1899 verbrannten die Doppelwohnung Boensch u. Taeger, Fahrenhorst.

1911 war wieder Großfeuer. Durch Feuer vernichtet wurden die Abbauerstellen Schulze No. 42, daß 1835 erbaute Fachwerkhaus mit Storchnest von Fr. Pakebusch, die Scheune von Abbauer Mühe No. 33, das ganze Gehöft von Bauer Paasch No. 8 (1834 zum 1x abgebrannt).

1913 brannte die neue Scheune H. Lüthe No.15, Tülau.

1916 brannte die neue Scheune Fr. Täger, Fahrenhorst.

1928 brannte das Gemeindehaus, an der Stelle wurde 1930 die Kirche erbaut.

1929 brannte die alte Schule.

1933 brannte die Doppelwohnung No. 36 H. Niemann und 26 H. Bammel gelegen neben Gastwirt Lange.

Die älteste Jahreszahl im Dorfe trägt das Schloß des Rittergutes Fahrenhorst. Vor 200 Jahren wurde der Fachwerkbau an seine jetzige Stelle gebracht, im Jahre 1737. Ursprünglich stand es am jenseitigen Ufer der kleinen Aller.

Inschrift:

Kein Sturm, kein Ungewitter, kein Feind, kein Trug und List kann dieses Haus erschüttern, wenn Gott der Schützer ist. Der beste Rat ist in der Not: Mensch hilf dir selber, so hilft auch Gott. Freund sieh auf dich und nicht auf mich und fehle ich, so bessre dich. Ich heiß willkommen, wer hier eintritt zu bringen den Frieden in Ehren die Sitt ein jedem steht offen jeder guter Gast findet hier Rat. Gah fröhlich ut gah fröhlich in. Sei draus und drin in Gottes Hut. Danach ringt das gelingt wenn Gott nicht seinen Segen bringt. Gott behüt mir vor Regen und Wind und vor Gesellen die langweilig sing. Kunst bringt Gunst.

Aufgeschrieben im Jahre 1934 von H. Brand.

Rest einer Hausinschrift am Gutshaus von Weyhe: Kunst Bringt Gunst. (Foto: Anita Meyer)
Hausinschrift am Gutshaus von Weyhe: Kein Sturm, kein Ungewitter, kein Feind, kein Trug und List kann dieses Haus erschüttern, wenn Gott der Schützer ist. (Foto: Anita Meyer)

Freiwillige Feuerwehr Wiswedel

Nachdem die Gemeinde Wiswedel im Jahr 1911 eine Feuerspritze angeschafft und im Jahr 1912 ein Feuerwehrhaus gebaut hat, existierte wohl auch ab 1911 eine Freiwillige Feuerwehr. Allerdings sind schriftliche Unterlagen über die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel zwischen 1913 und 1948 bislang nicht vorhanden.

Im Jahr 1949 berichtet die Wiswedeler Schulchronik über eine „Feuersbrunst“:

Feuersbrunst.

In der Nacht vom 11. zum 12. Juli 1949 brannte dem Bauern Martin Behne die auf dem Wirtschaftshofe gelegene Scheune, ein ziemlich baufälliges Gebäude, ab. Nur dem Umstand, das es eine windstille Nacht war, ist es zu verdanken, das die ebenso alten Nachbargebäude vom Feuer verschont blieben. Der Verdacht der Brandstiftung fiel auf einen Flüchtling, den bodenreformierten Bauern P. Heitzmann aus der Altmark, der im Hause Behne wohnt. Der Verdacht wurde aus dem Umstand hergeleitet, das Flüchtling u. Bauer nicht gerade freundschaftlich zu einander standen. Der Verdacht erwies sich als völlig grundlos. In der Scheune verbrannten eine neue Dreschmaschine u. andere wertvolle landwirtschaftliche Geräte. Wie man hört, soll der entstandene Schaden ausreichend durch Versicherung gedeckt sein.


Weil der Brunnen vor der Gastwirtschaft beim Löschen der Scheune nicht genug Wasser hergab, wurde vom Gemeinderat beschlossen, in der Nähe einen neuen bohren zu lassen. Bereits im Oktober 1949 wurde laut Isenhagener Kreisblatt an der Weggabelung Benitz-Voitze mit dem Brunnenbau begonnen.

Nach dem 2.Weltkrieg war nach Aussagen älterer Wiswedeler neben der Handdruckspritze auch eine Tragkraftspritze, TS-8 mit 2-Takt-Motor, vorhanden. Sie hatte jedoch erhebliche Startschwierigkeiten. Am Motor mussten häufig die Zündkerzen ausgewechselt und der Vergaser gereinigt werden.

In einer der Eichen neben dem Feuerwehrhaus war zum Schlauchtrocknen eine Rolle als Aufzug angebracht. Diese ist heute noch vorhanden.

Einige Männer von den in Wiswedel untergebrachten Flüchtlingsfamilien verstärkten zunächst die Mannschaft der Feuerwehr, zogen aber bald in andere Orte.

Am Teich in der Schweineweide wurde durch Befestigung der Böschung eine Wasserentnahmestelle eingerichtet.

Die Gemeinde Wiswedel beschaffte 1961 einen VW-Transporter als TSF-T und eine TS-8/8 von Metz mit VW-Motor.

Feuerwehr Wiswedel beim Festumzug zum 40 jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Radenbeck 1965
Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Wiswedel beim Feuerwehrfest in Radenbeck

Wegen Überalterung der Aktiven bekam die Ortswehr immer mehr Personalprobleme. Die Mindeststärke-Verordnung konnte nicht mehr erfüllt werden. Im Dezember 1974 lud das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr Brome die Wiswedeler Kameraden zur Versammlung ins Gasthaus Wiswedel ein. Die Anwesenden der Freiwilligen Feuerwehr Wiswedel beschlossen der Ortswehr Brome beizutreten.

Zum 1. Januar 1975 wurden fünf Ehrenmitglieder, fünf Altersabteilung und acht Aktive aus Wiswedel in die Freiwillige Feuerwehr Brome aufgenommen.

Die Dienstbeteiligung war jedoch zu gering, so dass alle ab Januar 1977 „Fördernde Mitglieder“ der Bromer Wehr wurden. Die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel wurde von der Samtgemeinde Brome aufgelöst und die vorhandene Ausrüstung und das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Brome übergeben.

Feuerwehrhaus Wiswedel vor dem Umbau – Es diente seit der Auflösung der Wiswedeler Feuerwehr der Bromer Feuerwehr als Lagerraum. Ab 2011 wurde es zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. (Foto undatiert)

Das Wiswedeler Tragkraftspritzenfahrzeug sollte verkauft werden. Es wurde der Samtgemeinde von den Bromer Feuerwehrkameraden abgekauft. Die damaligen Bromer Gerätewarte beseitigten alle Korrosionsschäden und bauten das TSF-T zum Mannschaftswagen um.

Ab August 1977 stand der Bromer Wehr ein neu lackierter VW-Bulli mit neun Sitzplätzen zur Verfügung. Das Fahrzeug wurde besonders von der Jugendfeuerwehr, aber auch vom Musikzug und den Aktiven benutzt. Weil die Samtgemeinde Brome sich nicht an einem Mannschaftswagen beteiligen wollte, wurden alle Betriebs- und Reparaturkosten aus der Kameradschaftskasse der Freiwilligen Feuerwehr Brome bezahlt. Nach zehn Jahren Dienstzeit in Brome bekam der VW-Bus keine TÜV-Plakette mehr. Die Reparaturkosten überstiegen den Zeitwert um ein Vielfaches und der Bulli mußte ausgemustert werden.

Im Feuerwehrhaus in Wiswedel wurde von der Feuerwehr Brome eine Zwischendecke eingezogen und das Tor regelmäßig gestrichen. Leider unterblieb seitens der Samtgemeinde Brome die bauliche Unterhaltung. Trotzdem konnten dort die Bromer Handdruckspritze von 1891 und die beiden ausgemusterten Feuerwehranhänger trocken und ohne Holzwurmbefall untergestellt werden.

Im Zuge der Dorferneuerung in Wiswedel erfolgte ab 2011 der Umbau des Feuerwehrhauses zum Gemeinschaftshaus.

Dorfgemeinschaftshaus Wiswedel (2019)

Bau des Feuerwehrhauses Wiswedel (1912)

Im Jahr 1912 wurde in der Gemeinde Wiswedel für die im Jahr zuvor beschaffte Handdruckspritze ein Spritzenhaus gebaut. Als Standort wurde ein Grundstück der Realgemeinde an der Straße nach Radenbeck neben der Hofstelle von Christoph Pohlmann ausgewählt. Den Auftrag erhielt Maurermeister Heinrich Meyer aus Radenbeck.

Einschließlich aller Material- und Frachtkosten wurden laut Kassenbuch der Gemeinde Wiswedel 1.475,20 Mark für die Erstellung des Spritzenhauses aufgewendet. Auch hierfür wurde laut Quittung von der Provinzial-Brandkasse ein Zuschuss gewährt. In der Regel erstattete sie 25 % Gesamtkosten. Demnach hätte die Gemeinde Wiswedel 368,80 Mark erstattet bekommen.

Das Holz für der Dachstuhl und das Tor kamen aus dem Wald der Gemeinde. Die Sparren und Deckenbalken wurden von den Zimmerleuten aus Tülau vor Ort behauen und errichtet. Aus gehobelten Lärchenholz fertigte der ortsansässige Tischler Friedrich Präger das Tor. Die Fenster hatte der Wiswedeler Schmiedemeister Heinrich Tepelmann aus Eisenprofilen geschweißt. Am Abrechnungstag der Gemeinde, immer der 27.12. jedes Jahr, wurden die Kosten der am Bau beteiligten Wiswedeler Bürger abgerechnet.

Maurermeister Heinrich Meyer (Radenbeck) erstellte für den Bau des Spritzenhauses in Wiswedel diesen Kostenanschlag. Er veranschlagte die Kosten auf 1098,56 Mark.

Die tatsächlichen Kosten für den Bau waren wie folgt:

DatumHandwerker und HelferZweckGoldmark
03.07.1912Heinrich MeyerKostenvoranschlag Feuerwehrhaus1.038,56


Maurerarbeiten725,14


Zimmererarbeiten164,20


Dachdeckerarbeiten120,50


Eisenwaren28,72




03.06.1912
Fracht für 300 Mauersteine29,75
04.06.1912
Antrag Provinzialgenossenschaft Hannover0,10
05.06.1912
Baugenehmigung für Spritzenhaus0,20
09.06.1912
Fracht für 200 Mauersteine19,70
14.06.1912
Fracht für 200 Mauersteine19,70
14.06.1912
Fracht für Eisenträger (Bahnhof-Baustelle)0,40
14.06.1912Otto FehseZimmererlohn37,68
15.06.2012
Mauersteine443,00
20.06.1912
Antrag auf eine Beihilfe zum Spritzenhaus0,10
19.11.1912Maurermeister Heinrich MeyerArbeitslohn für Maurerarbeiten282,18
02.12.1912Dachdeckermeister KellerArbeitslohn für Dachdeckerarbeiten50,12
11.12.1912Eisen SiemerEisenträger für Spritzenhaus18,85
27.12.1912Friedrich PrägerSpritzenhaustür angefertigt25,00
27.12.1912Christoph PohlmannDachlatten gefügt4,50
27.12.1912Gastwirt KloppKalk und Nägel5,27
27.12.1912Schmiedemeister H. TepelmannSchmiedearbeiten am Spritzenhaus28,30
11.01.1913
Quittung Spritzenhausbeihilfe erhalten0,35






Mauersteine440,00


Dachziegel70,00






Bau eines Spritzenhauses1.475,20

Die Originalbauzeichnung des Feuerwehrhauses Wiswedel ist erhalten:

Nach Fertigstellung stellte die „Elektrische Überlandzentrale Kreis Salzwedel e.G.m.b.H.“ an die Gemeinde in Wiswedel einen Antrag zum Bau eines Trafohäuschen am Spritzenhaus.

Diesen stimmte der Gemeinderat am 28. August 1913 zu. Hier das Protokoll der Sitzung:

In der Wiswedeler Schulchronik wurde festgehalten, dass sich dann auch Wiswedeler Haushalte an das neue Stromnetz haben anschließen lassen:

Im Jahre 1913 schlossen sich mehrere Ortseinwohner der Überlandzentrale Kreis Salzwedel G.m.b.H. an[,] erhielten im Herbste desselben Jahres elektrisches Licht. Viele kauften auch einen elektrischen Kraftmotor, der die Dreschmaschine, Kreissäge, Schrotmühle und andere Maschinen in Betrieb setzte. Im März 1919 erhielt auch die Schule eine elektrische Lichtanlage.

Es dauerte einige Jahre bis alle Anwesen in Wiswedel am Stromnetz angeschlossen waren. Laut Chronik bekam die Schule Wiswedel erst 1919 einen Stromanschluss.

Durch Rechnungen im Kleinbahnarchiv ist belegt, dass der Bahnhof Benitz-Wiswedel erst 1937 einen Stromanschluss bekam. Für den Leitungsbau von Wiswedel zum Bahnhof an Holzmasten entlang der Benitzer Straße entstanden Kosten von 1473,95 Mark. Hinzu kam die Elektroinstallation durch Fa. Hermann Bublitz aus Wittingen von 354,67 Mark.

Als es in den Dörfern noch keine Freiwillige Feuerwehren gab

Im Archiv Museum Burg Brome ist eine Feueranzeige aus Wiswedel aus dem Jahr 1885 vorhanden. Daraus geht hervor, dass es trotz gesetzlicher Feuerordnungen und anderer vorbeugende Maßnahmen zur Brandverhütung kaum eine Möglichkeit gab Brände in Gebäuden wirkungsvoll vor Totalschaden zu bewahren.

Erst mit Gründung der Freiwilligen Feuerwehren in den Landgemeinden konnten auch hier wirksame Brandbekämpfungen durchgeführt werden.

Feueranzeige aus Wiswedel an das Königliche Landratsamt in Isenhagen vom 5. November 1885

In der Feueranzeige heißt es:

Gehorsamer Bericht des Ortsvorstehers Christoph Behne in Wiswedel: Eine Feuersbrunst betreffend.

Einem Königlichen Landrats-Amte mache ich hiermit die geforderte Anzeige, daß am letzten Mittwoch, abends 10 Uhr bei dem Ackermann H. Schulze in Wiswedel, aus unbekannten Gründen Feuer ausgebrochen ist.

Nach Aussage des in der Nähe gewesenen Nachtwächters ist das Feuer zuerst in der Scheune entstanden. Trotz dem gleich viele Menschen zur Stelle waren, wurde doch die Scheune und das Wohnhaus in Asche gelegt.

Königliches Landrats-Amt wolle das Weitere verfügen,

gehorsamst C. Behne Gemeindevorsteher.


Die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel

Vermutlich wurde die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel im Jahr 1911 oder 1912 gegründet. Schriftliche Unterlagen liegen darüber bislang nicht vor. Belegt ist, dass bei der Feuerspritzenfabrik Louis Tidow in Hannover-Badenstedt eine Handdruckspritze beschafft wurde.

Laut Kassenbuch der Gemeinde Wiswedel von 1911 wurde am 5. September eine 1. Rate über 835,00 Mark und am 4. Dezember die 2. Rate von 822,40 Mark an Louis Tidow gezahlt.

Einschließlich aller Nebenkosten hatte die Gemeinde 1693,48 Mark gezahlt. Die Brandkasse Hannover gewährte einen Zuschuss von 25 % und erstattete der Gemeinde Wiswedel 423,37 Mark.

Friedrich Klopp (Gastwirt) hatte sie am 4. Dezember 1911 aus Hannover abgeholt.

Von Firma Lipinski, Wittingen, wurde im September 1911 vor der Gastwirtschaft Klopp ein erster Tiefbrunnen gebohrt. Die Kosten hierfür betrugen 891,50 Mark.

Die Handdruckspritze wurde Anfang der 1970er Jahre verschrottet. Eine Schlauchhaspel ist heute noch vorhanden.

Übersicht der Ausgaben der Gemeinde Wiswedel (1911). Links oben in der zweiten Zeile von oben ist die Summe von 895 Mark an die Firma Tidow erwähnt.
Eine baugleiche Handdruckspritze von Firma Tidow hatte die Gemeinde Wiswedel 1911 beschafft. (Foto mit freundlicher Genehmigung der Feuerwehr Bierde)

Was der Lehrer Harms aus Ehra über Brände in Brome und Tülau schreibt (1911)

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Lehrer die Aufgabe gehabt, eine Schulchronik zu führen. In den Schulchroniken finden sich nicht nur Ereignisse, die das Schulleben betreffen, vielmehr wurden auch historischer Ereignisse aus den Ortschaften niedergeschrieben, für die wir heute keine weiteren Quellen haben.

So hat auch der Lehrer Harms von der Schule Ehra eine sehr ausführliche Schulchronik geführt, in der er auch Ereignisse der Ortsgeschichte festhält. So erfahren wir z.B., dass am 14. August 1898 eine neue Handdruckspritze an die Feuerwehr Ehra ausgeliefert wurde. Lehrer Harms schreibt dazu:

14. August [1898] Heute wurde die aus der Fabrik des Herrn Bräunert aus Bitterfeld gelieferte neue Feuerspritze abgenommen. Das Resultat der Prüfung war ein gutes. Die Spritze kostet über 1600 Mark.

Eine Handdruckspritze der Firma Bräunert schaffte auch die Freiwillige Feuerwehr Brome im Jahr 1891 für 1750 Mark an. Diese befindet sich heute im Museum Burg Brome.

Die im Jahr 1891 angeschaffte Handdruckspritze der Firma Bräunert beim 100jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Brome im Jahr 1972. Auf der Spritze steht langjährige Hornist und Feuerwehrkamerad Elektromeister Ferdinand Busse.

In der Schulchronik werden etliche Brände in Ehra dokumentiert, auf die in einem zukünftigen Blogbeitrag noch eingegangen wird. Interessant ist, dass auch Einsätze der Feuerwehr Ehra erwähnt werden, die außerhalb von Ehra stattgefunden haben. So hat Lehrer Harms am 2. August 1911 über die vorhergehenden Tage die Einsätze der Feuerwehr Ehra in umliegenden Ortschaften festgehalten:

Der 31. Juli [1911] war ein aufregender Tag. Schon in der Nacht vorher sah man nach Osten hin Feuerschein, der stets größer wurde. Es wurde Feuerlärm geblasen. Spritze u. Wasserwagen rückten nebst den dazu gehörigen Mannschaften aus. Das Feuer war in Brome, Schäfers Scheune u. Stallungen, 2 kleine Wohnhäuser und Gastwirt Müllers ganzes Gehöft wurden ein Raub der Flammen. Die Ehraer Spritze und die Löschmannschaften kamen erst am Morgen um 7 Uhr zurück. Bald nach 10 Uhr vormittags ertönte schon wieder das Feuerhorn. Im Osten fliegen wieder schwarze Rauchwolken auf. Die Spritze mußte gleich wieder fort. Es brannte in Tülau. Mehrere Abbauerstellen wurden in kurzer Zeit eingeäschert. Gleich nach Mittag sah man im Westen mächtige Rauchwolken aufsteigen. Wieder ertönte Feuerlärm u. die noch vorhandenen Mannschaften rückten zum Löschen aus. Man glaubte, das Feuer sei im Bockling, aber es war zwischen Stüde u. Westerbeck Heu-, Wald- und Moorbrand. Im Moore brennt es heute (am 2. Aug.) noch.

Auch in der Bromer Schulchronik wird der Brand erwähnt. Dort ist zu lesen, dass am 30. Juli Brände in Schäfers Scheune und Albert Müllers Hofwesen gewütet haben.

Wenn wir nun die Erkenntnisse aus den beiden Schulchroniken zusammenziehen, so wird klar, dass der Brand in der Nacht des 30. Juli 1911 entstanden ist und erst am darauffolgenden Morgen gelöscht wurde. Die Löschmannschaften aus Ehra waren am 31. Juli 1911 um 7 Uhr morgens zurück.

Über den Brand in Tülau haben wir bisher keine weiteren Informationen, die über den Schulchronikeintrag von Lehrer Harms hinausgehen. Nach Johann Dietrich Bödeker (S. 359) brannten 1911 in Tülau folgende Gebäude ab: die Abbauerstelle Nr. 42 (Schulze), das 1835 erbaute Fachwerkhaus des Abbauers Nr. 51 (Pakebusch), die Scheune des Abbauers Nr. 33 (Mühe) sowie das Gehöft Nr. 8 (Paasch). Ob diese Gebäude in einem Brandereignis ein Raub der Flammen wurden, lässt sich bei Bödeker nicht ablesen.

« Ältere Beiträge

© 2026 Bromer Geschichte

Theme von Anders NorénHoch ↑