Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Autor: Klaus-Peter Sebastian

Apotheker Albert Langebartels setzte sich für den Bahnbau ein (1890)

Bereits in einem vorhergehenden Blogeintrag wurde der Bromer Apotheker Langebartels erwähnt. Besonders verdient hat er sich um den Bau einer Bahnstrecke durch Brome gemacht.

Gründung eines Eisenbahnkomitees

In Brome wurde 1890 ein Eisenbahnkomitee gegründet. Ihm gehörten Kaufleute, Handwerker, Bauern und Freischaffende an. Der Apotheker Albert Langebartels war ihr Vorsitzender, Kaufmann und Gastwirt Friedrich Stampehl sein Stellvertreter und Kantor Georg Lindwedel ihr Schriftführer.

Vertreter vom Eisenbahnkomitee Brome nahmen am 18. Januar 1891 an einer Besprechung mit der Königlichen Eisenbahndirektion Magdeburg in Stendal teil. Zu ihrer Enttäuschung hatte die Genehmigung der Bahnlinie Uelzen-Oebisfelde keine Chance. Es wurde einer Bahnverbindung von Kläden nach Celle über Beetzendorf und Wittingen zugestimmt. Sie sandten ein Telegramm an den Kaufmann Remmler in Brome: 18.1.1891, 4.30 Uhr Nachmittags, Große Majorität, Petition Kläden Wittingen Celle unterschrieben, Diskussion war ausgeschlossen, Lang[ebartels]. Für diese nun genehmigte Bahnlinie hatte sich der Graf von der Schulenburg aus Beetzendorf starkgemacht, er bewirtschaftete in Beetzendorf ein Gut. Seine guten Beziehungen bei den Staats- und Provinzialregierungen in Berlin und Magdeburg wirkten sich hierbei vorteilhaft aus. Diese Strecke Bismark-Beetzendorf wurde später vom Preußischem Militär auf deren Kosten projektiert.

Der Land- und Forstwirtschaftlichen Verein für Brome und Umgegend lud am 19. Januar 1891 zu einer Versammlung nach Brome ein, um den Bau einer Bahnlinie Uelzen-Oebisfelde über Wittingen und Brome beim preußischen Staatsminister für öffentliche Arbeiten einzufordern. Schon am nächsten Tag wurden vom Vereinsvorstand und dem Bromer Eisenbahnkomitee Resolutionen an Seine Exzellenz, dem Preußischen Staatsminister, Ritter hoher Orden, Herrn von Maybach im Berlin abgeschickt.

Die Bromer Resolution vom 19. Januar 1891

Resolution

Die am 19ten d. Mts. im Stampehlschen Gasthause in Brome tagende Versammlung, zu der nach vorhergegangener Einladung etwa 460 Personen aus Brome und Umgegend erschienen waren, verhandelten über den Ausbau der Eisenhahnlinie zwischen Oebisfelde-Uelzen, mit den Bahnhöfen Brome, Wittingen, Bodenteich. Dieselbe gewann die Überzeugung, daß zur Hebung der Landwirtschaft und Industrie in hiesiger Gegend der Ausbau dieser Linie nicht nur erforderlich, sondern nothwendig sei, und beschloß einstimmig in Rücksicht auf die unentgeldliche bereits bewilligte Hergabe des Grund und Bodens in den Kreisen Isenhagen und Uelzen, an maßgebender Stelle für die Herstellung dieser Eisenbahn dringend vorstellig zu werden.

[Unterschriften A. Langebartels – F. Stampehl – G. Lindwedel]

Besichtigung des geplantes Streckenabschnitts

Am 28. Februar 1891 empfahl der Landrat des Kreises Uelzen, Herr von Tzschoppe, das Bahnprojekt der preußischen Regierung und dem Staatsminister an. Einige Monate später fand eine Besichtigung des geplanten Streckenabschnitts statt. An der Bereisung nahmen u.a. teil: der Oberpräsident der Provinz Hannover, der Präsident der Königlichen Eisenbahndirection Magdeburg, die Landräte von Uelzen und Isenhagen, und andere örtliche Vertreter. Die Bevölkerung der Region hoffte wieder, dass die Verwirklichung des Eisenbahnprojektes näher gerückt war. Im Juni 1892 wurde für den hiesigen Raum eine umfangreiche Verkehrsanalyse vorgelegt, die einem Eisenbahnprojekt Uelzen-Oebisfelde gute Verkehrszahlen und Gewinne voraussagte.

Beginn der Vorarbeiten 1896

Im Jahr 1896 wurden dann Vorarbeiten für den Bau einer Staatsnebenbahn von Wittingen an einen geeigneten Punkt der Strecke Oebisfelde-Salzwedel in Auftrag gegeben. Die unbestimmte Fassung des Auftrages über den Endpunkt der Strecke rief Irritationen hervor. Darauf entschied das Ministerium, die Strecke bis Kunrau oder einen anderen Punkt in der Nähe Oebisfeldes anzuschließen. Inzwischen hatte der Kreistag in Isenhagen den Bau von Wittingen nach Kunrau genehmigt, so dass Geldmittel für den Grunderwerb im Kreis Isenhagen zur Verfügung standen. Graf von der Schulenburg-Wolfsburg erhob im Februar 1898 Widerspruch gegen diese Streckenführung. Er wollte die Bahnstrecke direkt in Oebisfelde anschließen. Auch das preußische Ministerium für öffentliche Arbeiten störte sich jetzt daran, dass nur die Linienführung nach Kunrau und nicht die nach Oebisfelde durchgeplant wurde. Es erklärte am 6. August 1897: Die Entscheidung, ob die allgemeinen Vorarbeiten auch auf die direkte Linienführung von Brome nach Oebisfelde auszudehnen sind, behalte ich mir bis nach Eingang der Vorarbeiten vor, sehe aber noch einer gutachterlichen Äußerung entgegen, welcher ungefährer Unterschied in Baukosten und Ertragsberechnung die direkte Linienführung gegenüber der bereits bearbeiteten ergeben würde.

Wieder fand eine Bereisung des Isenhagener Landes durch Regierungsvertreter statt. In dem Einladungsschreiben hierzu schrieb Landrat von Pufendorf an den Oberpräsidenten: In Brome würde eine eineinhalb- bis zweistündige Mittagspause zu machen sein. Von dort wünscht Herr Graf von der Schulenburg-Wolfsburg Euer Excellenz nebst Begleitung in seinem Wagen über Zicherie und Croya durch den ihm gehörenden Kaiserwinkel (Hannoverscher Drömling) in der Richtung auf Oebisfelde und zwar je nach der zur Verfügung stehenden Zeit von Kaiserwinkel oder Breitenrode oder Oebisfelde aus zu seinem Schlosse nach Wolfsburg zu fahren, wo die Ankunft spätestens gegen 8 Uhr erfolgen würde. Herr Graf von der Schulenburg hat in unserer gestrigen Besprechung mich ersucht, Euer Excellenz und die übrigen Herren zu bitten, bei Ihm in Wolfsburg einzukehren und die Nacht sowie, wo möglich, den folgenden Sonntag dort bei ihm zu Gaste zu sein […]. Diese Fahrt durch die Kreise Celle und Isenhagen müssen beim Oberpräsidenten einen starken Eindruck hinterlassen haben. In seinem Bericht an den Minister für öffentliche Arbeiten in Berlin schrieb er u.a. Hier könne man einem in der Kultur zurückgebliebenen Bereich durch den Bau der Eisenbahn einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung verleihen. Er müsse allerdings einräumen, dass die beiden Kreise nicht in der Lage seien, die Baukosten für die Kleinbahnen zu erschwingen, es sei denn, dass der Staat durch eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Beihülfe eintritt.

Obgleich Körperschaften und Kommunalverbände sich um den Ausbau dieser Strecke als staatliche Vollbahn bemühten, erklärte 1900 das Ministerium in Magdeburg, daß mit dem Bau einer Voll- oder Nebenbahn von Wittingen nach Oebisfelde in absehbarer Zeit nicht zu rechnen sei, dagegen stände einer Genehmigung zum Ausbau einer vollspurigen Kleinbahnstrecke nichts im Wege.

Das Scheitern des Projektes

Wieder scheiterte der Bahnbau nach unserer Überzeugung daran, dass Wittingen zur Provinz Hannover und Oebisfelde zur preußischen Provinz Sachsen gehörte. Denn aus den Vorschlägen zur Errichtung von Eisenbahnlinien von Nord nach Süd wurde dann 1898 bis 1900 die Bahnlinie Uelzen-Wittingen-Gifhorn gewählt, gebaut und am 1. Dezember 1900 eröffnet. Sie liegt vollständig in der Provinz Hannover.

Die Bemühungen gehen weiter

Das Bekanntwerden der Bauentscheidung für die Staatsbahn Uelzen-Gifhorn rief bei den Bewohnern des Ohretales zunächst Enttäuschung hervor, da sie hiermit ihre Bemühungen um die Erschließung ihrer Region als aussichtslos betrachteten. Hoher Regierungsbesuch gab ihnen dann wieder Mut. Bei Baubeginn beglückwünschte der damalige Oberpräsident von Bennigsen die Bürger des Kreises Isenhagen in Wittingen zur ersten Eisenbahn im Kreis. Außerdem sagte er, dass die anderen Bahnen von Wittingen nach Oebisfelde und nach Celle früher oder später doch kommen müßten, dass die Bahn Uelzen – Gifhorn wohl nicht gekommen wäre, wenn Oebisfelde-Wittingen-Uelzen als Staatsbahn zuerst ausgebaut wäre. Seine Prophezeiung traf ja später ein.

Der Plan, eine Kleinbahn anstelle einer Staatsbahn zu bauen, wurde jetzt von der Bevölkerung entlang der geplanten Strecke allerorts diskutiert.

Freiwillige Feuerwehr Wiswedel

Nachdem die Gemeinde Wiswedel im Jahr 1911 eine Feuerspritze angeschafft und im Jahr 1912 ein Feuerwehrhaus gebaut hat, existierte wohl auch ab 1911 eine Freiwillige Feuerwehr. Allerdings sind schriftliche Unterlagen über die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel zwischen 1913 und 1948 bislang nicht vorhanden.

Im Jahr 1949 berichtet die Wiswedeler Schulchronik über eine „Feuersbrunst“:

Feuersbrunst.

In der Nacht vom 11. zum 12. Juli 1949 brannte dem Bauern Martin Behne die auf dem Wirtschaftshofe gelegene Scheune, ein ziemlich baufälliges Gebäude, ab. Nur dem Umstand, das es eine windstille Nacht war, ist es zu verdanken, das die ebenso alten Nachbargebäude vom Feuer verschont blieben. Der Verdacht der Brandstiftung fiel auf einen Flüchtling, den bodenreformierten Bauern P. Heitzmann aus der Altmark, der im Hause Behne wohnt. Der Verdacht wurde aus dem Umstand hergeleitet, das Flüchtling u. Bauer nicht gerade freundschaftlich zu einander standen. Der Verdacht erwies sich als völlig grundlos. In der Scheune verbrannten eine neue Dreschmaschine u. andere wertvolle landwirtschaftliche Geräte. Wie man hört, soll der entstandene Schaden ausreichend durch Versicherung gedeckt sein.


Weil der Brunnen vor der Gastwirtschaft beim Löschen der Scheune nicht genug Wasser hergab, wurde vom Gemeinderat beschlossen, in der Nähe einen neuen bohren zu lassen. Bereits im Oktober 1949 wurde laut Isenhagener Kreisblatt an der Weggabelung Benitz-Voitze mit dem Brunnenbau begonnen.

Nach dem 2.Weltkrieg war nach Aussagen älterer Wiswedeler neben der Handdruckspritze auch eine Tragkraftspritze, TS-8 mit 2-Takt-Motor, vorhanden. Sie hatte jedoch erhebliche Startschwierigkeiten. Am Motor mussten häufig die Zündkerzen ausgewechselt und der Vergaser gereinigt werden.

In einer der Eichen neben dem Feuerwehrhaus war zum Schlauchtrocknen eine Rolle als Aufzug angebracht. Diese ist heute noch vorhanden.

Einige Männer von den in Wiswedel untergebrachten Flüchtlingsfamilien verstärkten zunächst die Mannschaft der Feuerwehr, zogen aber bald in andere Orte.

Am Teich in der Schweineweide wurde durch Befestigung der Böschung eine Wasserentnahmestelle eingerichtet.

Die Gemeinde Wiswedel beschaffte 1961 einen VW-Transporter als TSF-T und eine TS-8/8 von Metz mit VW-Motor.

Feuerwehr Wiswedel beim Festumzug zum 40 jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Radenbeck 1965
Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Wiswedel beim Feuerwehrfest in Radenbeck

Wegen Überalterung der Aktiven bekam die Ortswehr immer mehr Personalprobleme. Die Mindeststärke-Verordnung konnte nicht mehr erfüllt werden. Im Dezember 1974 lud das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr Brome die Wiswedeler Kameraden zur Versammlung ins Gasthaus Wiswedel ein. Die Anwesenden der Freiwilligen Feuerwehr Wiswedel beschlossen der Ortswehr Brome beizutreten.

Zum 1. Januar 1975 wurden fünf Ehrenmitglieder, fünf Altersabteilung und acht Aktive aus Wiswedel in die Freiwillige Feuerwehr Brome aufgenommen.

Die Dienstbeteiligung war jedoch zu gering, so dass alle ab Januar 1977 „Fördernde Mitglieder“ der Bromer Wehr wurden. Die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel wurde von der Samtgemeinde Brome aufgelöst und die vorhandene Ausrüstung und das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Brome übergeben.

Feuerwehrhaus Wiswedel vor dem Umbau – Es diente seit der Auflösung der Wiswedeler Feuerwehr der Bromer Feuerwehr als Lagerraum. Ab 2011 wurde es zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. (Foto undatiert)

Das Wiswedeler Tragkraftspritzenfahrzeug sollte verkauft werden. Es wurde der Samtgemeinde von den Bromer Feuerwehrkameraden abgekauft. Die damaligen Bromer Gerätewarte beseitigten alle Korrosionsschäden und bauten das TSF-T zum Mannschaftswagen um.

Ab August 1977 stand der Bromer Wehr ein neu lackierter VW-Bulli mit neun Sitzplätzen zur Verfügung. Das Fahrzeug wurde besonders von der Jugendfeuerwehr, aber auch vom Musikzug und den Aktiven benutzt. Weil die Samtgemeinde Brome sich nicht an einem Mannschaftswagen beteiligen wollte, wurden alle Betriebs- und Reparaturkosten aus der Kameradschaftskasse der Freiwilligen Feuerwehr Brome bezahlt. Nach zehn Jahren Dienstzeit in Brome bekam der VW-Bus keine TÜV-Plakette mehr. Die Reparaturkosten überstiegen den Zeitwert um ein Vielfaches und der Bulli mußte ausgemustert werden.

Im Feuerwehrhaus in Wiswedel wurde von der Feuerwehr Brome eine Zwischendecke eingezogen und das Tor regelmäßig gestrichen. Leider unterblieb seitens der Samtgemeinde Brome die bauliche Unterhaltung. Trotzdem konnten dort die Bromer Handdruckspritze von 1891 und die beiden ausgemusterten Feuerwehranhänger trocken und ohne Holzwurmbefall untergestellt werden.

Im Zuge der Dorferneuerung in Wiswedel erfolgte ab 2011 der Umbau des Feuerwehrhauses zum Gemeinschaftshaus.

Dorfgemeinschaftshaus Wiswedel (2019)

Bau des Feuerwehrhauses Wiswedel (1912)

Im Jahr 1912 wurde in der Gemeinde Wiswedel für die im Jahr zuvor beschaffte Handdruckspritze ein Spritzenhaus gebaut. Als Standort wurde ein Grundstück der Realgemeinde an der Straße nach Radenbeck neben der Hofstelle von Christoph Pohlmann ausgewählt. Den Auftrag erhielt Maurermeister Heinrich Meyer aus Radenbeck.

Einschließlich aller Material- und Frachtkosten wurden laut Kassenbuch der Gemeinde Wiswedel 1.475,20 Mark für die Erstellung des Spritzenhauses aufgewendet. Auch hierfür wurde laut Quittung von der Provinzial-Brandkasse ein Zuschuss gewährt. In der Regel erstattete sie 25 % Gesamtkosten. Demnach hätte die Gemeinde Wiswedel 368,80 Mark erstattet bekommen.

Das Holz für der Dachstuhl und das Tor kamen aus dem Wald der Gemeinde. Die Sparren und Deckenbalken wurden von den Zimmerleuten aus Tülau vor Ort behauen und errichtet. Aus gehobelten Lärchenholz fertigte der ortsansässige Tischler Friedrich Präger das Tor. Die Fenster hatte der Wiswedeler Schmiedemeister Heinrich Tepelmann aus Eisenprofilen geschweißt. Am Abrechnungstag der Gemeinde, immer der 27.12. jedes Jahr, wurden die Kosten der am Bau beteiligten Wiswedeler Bürger abgerechnet.

Maurermeister Heinrich Meyer (Radenbeck) erstellte für den Bau des Spritzenhauses in Wiswedel diesen Kostenanschlag. Er veranschlagte die Kosten auf 1098,56 Mark.

Die tatsächlichen Kosten für den Bau waren wie folgt:

DatumHandwerker und HelferZweckGoldmark
03.07.1912Heinrich MeyerKostenvoranschlag Feuerwehrhaus1.038,56


Maurerarbeiten725,14


Zimmererarbeiten164,20


Dachdeckerarbeiten120,50


Eisenwaren28,72




03.06.1912
Fracht für 300 Mauersteine29,75
04.06.1912
Antrag Provinzialgenossenschaft Hannover0,10
05.06.1912
Baugenehmigung für Spritzenhaus0,20
09.06.1912
Fracht für 200 Mauersteine19,70
14.06.1912
Fracht für 200 Mauersteine19,70
14.06.1912
Fracht für Eisenträger (Bahnhof-Baustelle)0,40
14.06.1912Otto FehseZimmererlohn37,68
15.06.2012
Mauersteine443,00
20.06.1912
Antrag auf eine Beihilfe zum Spritzenhaus0,10
19.11.1912Maurermeister Heinrich MeyerArbeitslohn für Maurerarbeiten282,18
02.12.1912Dachdeckermeister KellerArbeitslohn für Dachdeckerarbeiten50,12
11.12.1912Eisen SiemerEisenträger für Spritzenhaus18,85
27.12.1912Friedrich PrägerSpritzenhaustür angefertigt25,00
27.12.1912Christoph PohlmannDachlatten gefügt4,50
27.12.1912Gastwirt KloppKalk und Nägel5,27
27.12.1912Schmiedemeister H. TepelmannSchmiedearbeiten am Spritzenhaus28,30
11.01.1913
Quittung Spritzenhausbeihilfe erhalten0,35






Mauersteine440,00


Dachziegel70,00






Bau eines Spritzenhauses1.475,20

Die Originalbauzeichnung des Feuerwehrhauses Wiswedel ist erhalten:

Nach Fertigstellung stellte die „Elektrische Überlandzentrale Kreis Salzwedel e.G.m.b.H.“ an die Gemeinde in Wiswedel einen Antrag zum Bau eines Trafohäuschen am Spritzenhaus.

Diesen stimmte der Gemeinderat am 28. August 1913 zu. Hier das Protokoll der Sitzung:

In der Wiswedeler Schulchronik wurde festgehalten, dass sich dann auch Wiswedeler Haushalte an das neue Stromnetz haben anschließen lassen:

Im Jahre 1913 schlossen sich mehrere Ortseinwohner der Überlandzentrale Kreis Salzwedel G.m.b.H. an[,] erhielten im Herbste desselben Jahres elektrisches Licht. Viele kauften auch einen elektrischen Kraftmotor, der die Dreschmaschine, Kreissäge, Schrotmühle und andere Maschinen in Betrieb setzte. Im März 1919 erhielt auch die Schule eine elektrische Lichtanlage.

Es dauerte einige Jahre bis alle Anwesen in Wiswedel am Stromnetz angeschlossen waren. Laut Chronik bekam die Schule Wiswedel erst 1919 einen Stromanschluss.

Durch Rechnungen im Kleinbahnarchiv ist belegt, dass der Bahnhof Benitz-Wiswedel erst 1937 einen Stromanschluss bekam. Für den Leitungsbau von Wiswedel zum Bahnhof an Holzmasten entlang der Benitzer Straße entstanden Kosten von 1473,95 Mark. Hinzu kam die Elektroinstallation durch Fa. Hermann Bublitz aus Wittingen von 354,67 Mark.

Als es in den Dörfern noch keine Freiwillige Feuerwehren gab

Im Archiv Museum Burg Brome ist eine Feueranzeige aus Wiswedel aus dem Jahr 1885 vorhanden. Daraus geht hervor, dass es trotz gesetzlicher Feuerordnungen und anderer vorbeugende Maßnahmen zur Brandverhütung kaum eine Möglichkeit gab Brände in Gebäuden wirkungsvoll vor Totalschaden zu bewahren.

Erst mit Gründung der Freiwilligen Feuerwehren in den Landgemeinden konnten auch hier wirksame Brandbekämpfungen durchgeführt werden.

Feueranzeige aus Wiswedel an das Königliche Landratsamt in Isenhagen vom 5. November 1885

In der Feueranzeige heißt es:

Gehorsamer Bericht des Ortsvorstehers Christoph Behne in Wiswedel: Eine Feuersbrunst betreffend.

Einem Königlichen Landrats-Amte mache ich hiermit die geforderte Anzeige, daß am letzten Mittwoch, abends 10 Uhr bei dem Ackermann H. Schulze in Wiswedel, aus unbekannten Gründen Feuer ausgebrochen ist.

Nach Aussage des in der Nähe gewesenen Nachtwächters ist das Feuer zuerst in der Scheune entstanden. Trotz dem gleich viele Menschen zur Stelle waren, wurde doch die Scheune und das Wohnhaus in Asche gelegt.

Königliches Landrats-Amt wolle das Weitere verfügen,

gehorsamst C. Behne Gemeindevorsteher.


Die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel

Vermutlich wurde die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel im Jahr 1911 oder 1912 gegründet. Schriftliche Unterlagen liegen darüber bislang nicht vor. Belegt ist, dass bei der Feuerspritzenfabrik Louis Tidow in Hannover-Badenstedt eine Handdruckspritze beschafft wurde.

Laut Kassenbuch der Gemeinde Wiswedel von 1911 wurde am 5. September eine 1. Rate über 835,00 Mark und am 4. Dezember die 2. Rate von 822,40 Mark an Louis Tidow gezahlt.

Einschließlich aller Nebenkosten hatte die Gemeinde 1693,48 Mark gezahlt. Die Brandkasse Hannover gewährte einen Zuschuss von 25 % und erstattete der Gemeinde Wiswedel 423,37 Mark.

Friedrich Klopp (Gastwirt) hatte sie am 4. Dezember 1911 aus Hannover abgeholt.

Von Firma Lipinski, Wittingen, wurde im September 1911 vor der Gastwirtschaft Klopp ein erster Tiefbrunnen gebohrt. Die Kosten hierfür betrugen 891,50 Mark.

Die Handdruckspritze wurde Anfang der 1970er Jahre verschrottet. Eine Schlauchhaspel ist heute noch vorhanden.

Übersicht der Ausgaben der Gemeinde Wiswedel (1911). Links oben in der zweiten Zeile von oben ist die Summe von 895 Mark an die Firma Tidow erwähnt.
Eine baugleiche Handdruckspritze von Firma Tidow hatte die Gemeinde Wiswedel 1911 beschafft. (Foto mit freundlicher Genehmigung der Feuerwehr Bierde)

Die drei Wiswedeler Hirtenhäuser – Doch warum sieht eines anders aus?


1824 hatte die Gemeinde Wiswedel für seine Viehhirten drei Häuser gebaut. Sie waren als Querdielenhäuser errichtet. Neben dem Wohnbereich war eine Scheunendurchfahrt sowie Viehställe und Futtervorräte in einem Gebäude untergebracht.

Querdielenhaus in Wiswedel Nr. 7 – Zeichnung von Horst L. Weber, 1985

Weil nach der Verkoppelung in Wiswedel keine Viehhirten mehr benötigt wurden, hatte die Gemeinde im Jahr 1858 beschlossen, die Anwesen zu verkaufen. Die ehemaligen Hirten konnten die Gebäude und etwas Land erwerben. Am 28. März 1859 unterschrieben der Schweinehirt Friedrich Litzenberg, der Schäfer Christoph Pohlmann und der Schäfer Christoph Behne beim Königlichen Amt Knesebeck die Kaufcontrakte. Sie waren jetzt die ersten Anbauer in Wiswedel.

In dem Kaufvertrag wurde unter anderem festgelegt:

Sodann haben [die Käufer] zu Cavalleriebequartierung von Infanterie 1/16 des Beitrages eines Vollhöfners [zu leisten].

Im Uebrigen müssen die neuen Stellen zu allen Lasten beitragen, namentlich auch zu den Wegelasten, nachdem die Wege in Folge der Verkoppelung vollendet sein werden, und zwar soweit diese Lasten herkömmlich bereits feststehen oder in Ermangelung eines solchen Herkommens von den competenten Behörden noch festgesetzt werden.

Die künftigen Anbauer dürfen die zu gemeinschaftlichen Zwecken ausgesetzten Sandgruben zu ihrem eigenen Bedürfnisse benutzen, auch steht ihnen die Benutzung des von der Gemeinde angelegten Brunnens, welcher auch von dem Schullehrer benutzt wird frei. Die erforderlichen Reparaturen des Brunnens geschehen auf Kosten der Gemeinde, wozu also auch die Anbauer beitragen.

Andere Benutzungen von Gemeinheits-Plätzen stehen den Anbauern nicht zu, namentlich haben sie kein Anrecht an der Gemeindeforst.

Die gegenwärtigen Anbauer dürfen kein anderes Federvieh halten, als 3 Stück Hühner und sind für allen dadurch etwa verursachte werdenden Schaden verhaftet.

Es waren erhebliche Abgaben, die von den Anbauern auf dem wenigen, kargen Acker- und Weideland kaum zu erwirtschaften waren.

Bereits 1860 verkaufte der Schäfer Christoph Behne seine Hofstelle an Friedrich Schulze.

Im Archiv vom MHV Brome ist ein Brief vom 5. November 1885 vorhanden, der für die Wiswedeler Geschichte und v.a. die Geschichte der ehemaligen Hirtenhäuser von Belang ist. Darin heißt es:

An Königliches Landratsamt in Isenhagen.

Gehorsamer Bericht des Ortsvorstehers Christoph Behne in Wiswedel:

Eine Feuersbrunst betreffend .

Wiswedel, den 5. November 1885


Einem Königlichen Landrads-Amte mache ich hiermit die geforderte Anzeige, daß am letzten Mittwoch, abends 10 Uhr bei dem Ackermann F. Schulze in Wiswedel aus unbekannten Gründen Feuer ausgebrochen ist.

Nach Aussage des in der Nähe gewesenen Nachtwächters ist das Feuer zuerst in der Scheune entstanden. Trotz dem gleich viele Menschen zur Stelle waren, wurde doch die Scheune und das Wohnhaus in Asche gelegt.

Königliches Landrats-Amt wolle das Weitere verfügen.

gehorsamst

C. Behne Gemeindevorsteher


Es war uns immer unklar, warum das ehemalige Hirtenhaus Nr. 9 (heute: Radenbecker Str. 2) ein anderes Aussehen hat. Nach dem Feuer wurde es nicht mehr als Querdielenhaus erbaut, also ohne den Scheunenteil. Somit ist ein einfaches Wohnhaus entstanden. Nach Aussage des Vorbesitzers Hermann Mertens soll die heutige Scheune vor 1900 in der Altmark abgebaut und hier in Wiswedel neu errichtet worden sein. Zusätzliche Zimmermannszeichen an einigen Balken deuten darauf hin.

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