Dieses Foto hat Heinrich Lübbecke seinem Freund August Tesmer (1841-1921) im Jahr 1869 gewidmet. Damit ist diese Foto eine der ältesten erhaltenen Fotografien aus Brome! Die Aufschrift mit aufgelösten Abkürzungen lautet: Heinrich Lübbecke seinem lieben Tesmer zur freundlichen Erinnerung Brome den 28/12.1869
Heinrich Lübbecke, der aus Sülfeld stammte, wurde am 27. August 1817 geboren und war Sohn des dortigen Land- und Gastwirtes Friedrich Lübbecke (1783-1859). Nach seinem Medizinstudium kam er als junger Arzt 1847 nach Brome. Er heiratete hier am 2. Mai 1848 Marie Steding (1827-1856). Kurz vor oder nach der Hochzeit muss das Paar das Haus Braunschweiger Straße 6 erworben haben, in dem Dr. med. Lübbecke im Erdgeschoss in der alten Diele seine Arztpraxis eröffnete. Die Wohnräume der Familie Lübbecke lagen im ersten Obergeschoss. Neben seiner Arztpraxis betrieb Lübbecke noch eine kleine Landwirtschaft.
Das Ehepaar hatte drei Kinder: Hermann, Luise und Rudolf (1853-1938).
Heinrich Lübbecke war im Bromer Vereinsleben sehr engagiert. So war er Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr Brome (1863), Mitbegründer des Vorschuß- und Sparvereins Brome (1868 – dem Vorgänger der heutigen Volksbank) sowie Mitbegründer und 1. Vorsitzender des Land- und forstwirtschaftlichen Vereins Brome (1876-1889).
Grabstein für Marie Lübbecke geb. Steding (1827-1856) auf dem Bromer Friedhof (2025)Rückseite des Grabsteins für Marie Lübbecke (2025)
Seine Ehefrau Marie ist im Jahr 1857 auf tragische Weise ums Leben gekommen. In der Familiengeschichte heißt es dazu:
Auf einer Fahrt im Winter, von Fallersleben heimkehrend, brach eine Schlittenkufe. Der Knecht spannte das Pferd aus und ritt fort, um Hilfe zu holen. Meine Urgroßmutter [Marie Lübbecke] mußte in bitterer Kälte im Schlitten ausharren, während bereits die Nacht hereinbrach. Sie zog sich bei dem langen Warten eine schlimme Lungenentzündung zu, an deren Folgen sie einige Zeit danach verstarb.
Auf der Rückseite des Grabsteins auf dem Bromer Friedhof ist zu lesen:
Der Glaube an eine Zukunft,
Die Hoffnung auf ein Wiedersehen
Sei der Liebe Trost!
Im Jahr 1857 heiratete Heinrich Lübbecke wieder. Über eine Zeitungsanzeige hatte er eine Erzieherin, die in den USA lebte, kennengelernt. Er hielt sie für die richtige Mutter für seine drei kleinen Kinder. Als er sie in Bremerhaven vom Schiff abholte, brachte sie zu seiner Überraschung ihre zwei Schwestern mit. Diese lebten dann mit im Haushalt der Familie Lübbecke.
Aus dieser Ehe ging der Sohn Albert hervor, der Medizin studierte und einmal die Arztpraxis übernehmen sollte. Er starb jedoch schon mit 28 Jahren. Über das zweite Kind aus dieser Ehe ist nichts weiter bekannt.
Dr. med. Heinrich Lübbecke verstarb am 20. August 1889 im Alter von 71 Jahren in Brome.
Im Juli 1911 entstand in Brome am Junkerende eine kleine technische Revolution: Der erste Tiefbrunnen des Ortes wurde von den Brunnenbauern Willi Göke (Junkerende 9) und Hermann Dömland-Schulze (Junkerende 6) errichtet. Auftraggeber waren zwei Nachbarn, die sich die Kosten und Nutzung gemeinschaftlich teilten: Ofensetzermeister Heinrich Buhle (Hauptstraße 30) und der Maurer Karl Schulze (Junkerende 2).
Der Vertrag vom 1. September 1911
Am 1. September 1911 unterzeichneten beide Nachbarn einen detaillierten Vertrag, der ihre Rechte und Pflichten genau regelte:
Der Tiefbrunnen war 30 Meter tief und mit Mantelrohren ausgestattet – eine moderne technische Lösung für die damalige Zeit. Die Kosten bis zur Abzweigung der einzelnen Leitungen trugen beide Parteien jeweils zur Hälfte. Auch Reparaturen der Hauptleitung von der Oberkante des Mantelrohrs bis zum Filter sollten gemeinschaftlich getragen werden.
Eine bemerkenswerte Klausel sicherte die Kontinuität: Sollte eines der beiden Grundstücke verkauft werden, ging der Vertrag auf den Käufer über – die nachbarschaftliche Vereinbarung blieb also auch bei einem Eigentümerwechsel bestehen.
Das Bohrloch befand sich auf dem Hof von Heinrich Buhle, nur 1 Meter von der Grenze und 4 Meter von der Durchfahrt entfernt – eine Lage, die beiden Nachbarn gleichermaßen Zugang ermöglichte.
Der Vertrag wurde von Bürgermeister H. Schröder mit dem Siegel des Fleckensvorstehers zu Brome beglaubigt.
Ein Zeugnis guter Nachbarschaft
Dieser Vertrag ist mehr als nur ein technisches Dokument – er zeigt, wie Nachbarn am Junkerende gemeinsam in moderne Infrastruktur investierten und ihre Zusammenarbeit rechtlich absicherten. Der erste Tiefbrunnen Bromes markierte einen wichtigen Schritt in der Wasserversorgung des Ortes und steht exemplarisch für das pragmatische und kooperative Miteinander der Bewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Hier der Text des Vertrages:
Unterzeichnete der Ofensetzermeister Hr. Buhle und der Maurer Karl Schulze ließen gemeinschaftliche einen Tiefbrunnen anfertigen, derselbe ist 30 Mtr tief und mit Mantelrohren. Die Kosten bis zur Abzweigung der einzelnen Leitung trägt jeder die Hälfte. Etwaige Reparaturen der Hauptleitung von Oberkante Mantelrohr bis zur Filter haben beide gemeinschaftliche zu tragen. Sollte von den beiden Grundstücken Eins verkauft werden, dann geht der Vertrag auf den Käufer in derselben Weise weiter.
Das Bohrloch befindet sich auf den Hofe von H. Buhle und liegt 1 Meter von der Grenze und 4 Meter von der Durchfahrt.
Dieses erkennen durch eigene Nahmensunterschrift an
Hr. Buhle Karl Schulze
Brome, den 1. September 1911
[Siegel des Fleckensvorstehers zu Brome] [Unterschrift H.Schröder]
Auf dem Stadtfriedhof Wittingen befindet sich bis heute das Grab des Amtsmaurermeistes Heinrich Falke. Er wurde am 15. Februar 1817 in Brome geboren und verstarb am 23. September 1900 in Wittingen. Verheiratet war der Marie Friederike Dorothee, geb. Klipp.
Heinrich Falke war der Sohn des Bromer Maurers Heinrich Christian Joachim Falke (1792-1843) und dessen Ehefrau Catharine Elisabeth geb. Behnecke. Sein Elternhaus war das Haus mit der heutigen Adresse Junkerende 4.
Haus der Familie Falke (Junkerende 4) im Jahr 1936
Der Amtsmaurermeister Heinrich Falke hatte mehrere Geschwister:
Johann Heinrich Christoph Falke (1822-1903)
Heinrich Wilhelm Christoph Falke (1826-1851)
Marie Wilhelmine Charlotte Dorothee Falke (1829-?)
Die drei Brüder Falke sind alle Maurermeister gewesen. Während die beiden jüngeren Brüder in Brome wirkten, ging Heinrich Falke nach Wittingen. Wann genau er nach Wittingen kam und dort Amtsmaurermeister wurde, muss noch geklärt werden.
An dem Fachwerkhaus Guleitzer Straße 22 in Kaiserwinkel ist eine für den Raum Brome außergewöhnliche Inschrift an der Giebelseite des Hauses zu lesen – eine Strophe aus einem Gedicht von Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769). Dieser Spruch findet sich wohl auf den in der Samtgemeinde Brome noch erhaltenen Fachwerkhäusern nur dieses eine Mal, obwohl er als Hausspruch im 18. und 19. Jahrhundert sehr verbreitet war.
Doch zunächst betrachten wir die Straßenseite des Hauses. Dort ist über der Haustür ein Stein mit einer Inschrift zu finden:
Erbaut
im Jahre 1876.
Unsern Ein- und
Ausgang segne
Gott.
An der südwestlichen Giebelseite ist von der Straße aus ein Fachwerkbalken mit einer sehr langen Inschrift zu erkennen. Durch die angebaute Überdachung kann der Beginn des Spruchbalkens nicht entziffert werden, aber hierbei die KI dann geholfen. Der vollständige Spruch lautet:
[Genieße, was dir Gott beschieden]Entbehre gern was du nicht hast. Ein Jeder Stand hat seinen Frieden. Ein Jeder Stand hat seine Last. Josua 2
Der Spruch ist die vierte Strophe des Gedichts „Zufriedenheit mit seinem Stande“ von Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769). Es wurde erstmals in der Sammlung „Geistliche Oden und Lieder“ im Jahr 1757 veröffentlicht. Die erwähnte Angabe Josua 2 ist vermutlich eine fehlerhafte Quellenangabe.
Der Tülauer Lehrer Brand hat im Jahr 1934 eine interessante Auflistung von Bränden und Hausinschriften in der Schulchronik niedergeschrieben. So erfahren wir von vielen Hausinschriften, die heute nicht mehr existieren. Hier folgt nun der Text in voller Länge.
Brände in Tülau-Fahrenhorst seit 1830. Hausinschriften
Am 9. Oktober 1830 brannte die „Neue Reihe“, das sind die Grundsitzerstellen von No. 8 – 17, ab. Einige von den neuerrichteten Häusern stehen noch .
No. 10 (jetzt Schulze) hat folgende Inschrift:
Du hast mein Vater und mein Gott mich durch das Wort belehrt, daß deine Hand den frommen in Freude einst bekehrt und das ist alles, was mich kränkt auf dich der unser Sch. Erb. 9.10.
No. 11 (jetzt Klopp) hat folgende Hausinschrift:
Gott unsere Herzen bluten von deinen schweren Runte, es ist um uns geschehen das Feuer schlug die Flammen schnell über uns zusammen das niemand konnte wiederstehn.
Abg. d. 9.10. Geb. d. 24.7.1831
Das letzte Haus auf der Reihe, das Haus am Bache muß nicht mit abgebrannt sein. Das Haus zeigt die Inschrift: B. H. Johann Friedrich Erich Knok B. F. Marie Dorette 1754 (Bäk-Schulze).
Feststellen konnte ich, daß No. 9, 10, 11 und 12 abgebrannt sind.
Am 2. Juni 1834 (Bromer Pfingstmarkt) brannten sämtliche Bauern des Dorfes Tülau (Rundling) 10 Gehöfte ab. Das Feuer kam bei Bauer Wiswedel No. 9 auf. Beim Neubau ging der Rundling verloren. Inschrift vor dem von Bammel No. 6 erbauten Hause:
Oft sah ich keinen Ausgang mehr, dann weint ich laut und klagte sehr. Verlässest du mich mein Gott so ganz in meiner Angst und Not da hörst du o Gott mein Flehn und eilest bald bei mir zu stehn.
Inschrift an dem Haus Fischbeck No. 7:
Der 2. Juni bleibt mir ewig nun da schlugen die Flammen so auf mein Gebäude her kam alles in den Brand und half kein Rettungshand nun rief ich in Not mein Gott mein Flehn und du o Gott erhörtest auch.
Inschrift bei Melzian No. 3:
Wo sind doch unsere Häuser sie werden als die Reiser Verzeeret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut. Ach Gott bewache dieses Haus und alles die da gehen ein u. aus.
Lüthe No. 15 hat folgende Inschrift:
Hilf gnädig und ersetze auch durch deinen Reichen Segen was wind und Feuer Dampf und Rauch in Raub und Asche legen behüt uns schon an diesen Ort für Glut und Brand und sei hinfort Uns, treuer Vater gnädig.
Wiswedel No. 9 im Jahre 1898 zum 2x abgebrannt.
Behne No. 5 im Jahren 1907 zum 2x abgebrannt.
Packebusch No. 51 das vorige Haus abg. 25. Juli 1834, erbaut 6. Juli 1835 Bauherr Friedrich Christian Müller Frau Dorothe Kat. von Weyhe zum 2x abgebrannt 1911.
Böse No. 2 Das Haus zur Scheune 1902 umgebaut, zum 2x abgerannt 1927.
Böse No. 1 Das Haus 1912 zur Scheune umgebaut, zum 2x abgebrannt 1928.
Am 9. Mai 1863 wurden die 4 Bauernhäuser in Fahrenhorst, die in einer Reihe lagen, ein Raub der Flammen. Kinder sollen mit Streichhölzern gespielt haben. Durch einen Holzhaufen wurde das Strohdach des Bammelschen Hofes erfaßt. Im Nu standen alle 4 Bauernhäuser in Flammen. Die Inschrift des neuerbauten Hauses von Bammel No. 4 heißt:
Wo sind doch unsere Häuser! Sie werden als die Reiser verzehret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut. Erbaue was zerstöret und was die Glut verzehret ersetze diesen Brand so wollen wir von neuen uns deiner Güte freuen und ehren dankbar deine Hand.
Klein (jetzt Bromann) No. 5 hat folgende Inschrift:
O Jammer volle Tage, da lauer angst und Plage uns hart betroffen hat. ein großes Maß voll Tränen ist unter Ach und Sehnen jetzt unsre Speise früh und spat. Wo wind doch unsre Häuser sie werden als die Reiser verzehret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut.
Bratze No. 6 brannte 1890 nochmals ab.
Wiswedel No. 7 hat folgenden Spruch an seinem Hause angebracht:
Gib wieder was zusammen wir in den heißen Flammen so schändlich haben eingebüst erfülle das Begehren wie solches deinen Ehren undunserer Wohlfahrt dienlich ist. erbaue was zerstöret und was die Glut verzehret ersetze diesen Brand so wollen wir von neuen uns deiner Güte freuen und Ehren dankbar deine Hand.
1897 wurde in Tagelöhnerhaus auf Melzians Hof durch Feuer zerstört.
1899 verbrannten die Doppelwohnung Boensch u. Taeger, Fahrenhorst.
1911 war wieder Großfeuer. Durch Feuer vernichtet wurden die Abbauerstellen Schulze No. 42, daß 1835 erbaute Fachwerkhaus mit Storchnest von Fr. Pakebusch, die Scheune von Abbauer Mühe No. 33, das ganze Gehöft von Bauer Paasch No. 8 (1834 zum 1x abgebrannt).
1913 brannte die neue Scheune H. Lüthe No.15, Tülau.
1916 brannte die neue Scheune Fr. Täger, Fahrenhorst.
1928 brannte das Gemeindehaus, an der Stelle wurde 1930 die Kirche erbaut.
1929 brannte die alte Schule.
1933 brannte die Doppelwohnung No. 36 H. Niemann und 26 H. Bammel gelegen neben Gastwirt Lange.
Die älteste Jahreszahl im Dorfe trägt das Schloß des Rittergutes Fahrenhorst. Vor 200 Jahren wurde der Fachwerkbau an seine jetzige Stelle gebracht, im Jahre 1737. Ursprünglich stand es am jenseitigen Ufer der kleinen Aller.
Inschrift:
Kein Sturm, kein Ungewitter, kein Feind, kein Trug und List kann dieses Haus erschüttern, wenn Gott der Schützer ist. Der beste Rat ist in der Not: Mensch hilf dir selber, so hilft auch Gott. Freund sieh auf dich und nicht auf mich und fehle ich, so bessre dich. Ich heiß willkommen, wer hier eintritt zu bringen den Frieden in Ehren die Sitt ein jedem steht offen jeder guter Gast findet hier Rat. Gah fröhlich ut gah fröhlich in. Sei draus und drin in Gottes Hut. Danach ringt das gelingt wenn Gott nicht seinen Segen bringt. Gott behüt mir vor Regen und Wind und vor Gesellen die langweilig sing. Kunst bringt Gunst.
Aufgeschrieben im Jahre 1934 von H. Brand.
Rest einer Hausinschrift am Gutshaus von Weyhe: Kunst Bringt Gunst. (Foto: Anita Meyer)Hausinschrift am Gutshaus von Weyhe: Kein Sturm, kein Ungewitter, kein Feind, kein Trug und List kann dieses Haus erschüttern, wenn Gott der Schützer ist. (Foto: Anita Meyer)
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