Das Haus Junkerende 4 in Brome erzählt eine bemerkenswerte Geschichte: Über nahezu das gesamte 19. Jahrhundert hinweg war es die Heimat von Maurerfamilien, die das Bauhandwerk von Generation zu Generation weitergaben. Besonders die Familie Falke entwickelte sich zu einer wahren Maurerdynastie, deren Spuren bis nach Hannover reichen.
Die frühen Bewohner des Hauses Junkerende 4
Die dokumentierte Geschichte des Hauses beginnt mit Johann Günther Niebuhr als erstem nachweisbarem Besitzer. Im Jahr 1803 lebte hier der 30-jährige Maurermeister Thuenecke, zwanzig Jahre später, 1823, wird der Grundbesitzer Johann Thunecke als Bewohner genannt. Diese frühen Aufzeichnungen legen bereits den Grundstein für die handwerkliche Tradition des Hauses.
Der rätselhafte Beginn der Falke-Ära
Wie und wann genau die Maurerfamilie Falke in den Besitz des Hauses Junkerende 4 gelangte, liegt noch im Dunkeln der Geschichte. Eine naheliegende Vermutung ist, dass der Maurer Wilhelm Falke in die Familie Thunecke eingeheiratet haben könnte – eine zu jener Zeit durchaus übliche Praxis, um Handwerksbetriebe zu sichern und weiterzuführen.
Gesichert ist, dass Wilhelm Falke 1835 als Bewohner des Hauses dokumentiert wurde. Vermutlich war er der Vater von Heinrich Christian Joachim Falke, der am 8. Mai 1843 im Alter von 50 Jahren, 6 Monaten und 15 Tagen verstarb. Heinrich Christian Joachim war mit Catharina Elisabeth, geborene Behnecke, verheiratet.
Eine Familie mit vier Kindern – vier verschiedene Wege
Das Ehepaar Falke-Behnecke hatte mindestens vier Kinder, die zwischen 1817 und 1829 geboren wurden:
- Heinrich Joachim Wilhelm (1817-1900), der später als Amtsmaurermeister in Wittingen tätig war
- Johann Friedrich Christoph Falke (1822-1903), Maurermeister
- Heinrich Wilhelm Christoph Falke (1826-1851), Maurermeister
- Marie Wilhelmine Charlotte Falke (1829-?), ab 1853 verheiratet dem Tischler Johann Heinrich Christoph Kahrens (1830-?) aus Ehra
Die nächste Generation: Vom Handwerk zur Baukunst
Johann Friedrich Christoph Falke (1822-1903) heiratete Catharina Friedrike Marie Dorothea, geborene Bromann. Aus dieser Verbindung ging 1850 der Sohn Friedrich Wilhelm Heinrich Falke hervor, der die handwerkliche Tradition der Familie auf eine neue Ebene heben sollte.
Friedrich Wilhelm Heinrich Falke (1850-1921) war nicht nur Maurermeister, sondern auch Architekt. Historische Fotografien zeugen noch heute von seiner beeindruckenden Baukunst und seinem gestalterischen Können. Er verkörperte den Übergang vom reinen Handwerker zum künstlerisch-technischen Baumeister.
Der Umzug in die Braunschweiger Straße
Zunächst lebte die Familie weiterhin am traditionellen Standort Junkerende 4. Doch mit wachsendem Erfolg erwarb sie das Haus Braunschweiger Straße 6 und zog dorthin um. Das alte Familienhaus Junkerende 4 wurde vermutlich an den Seilermeister Julius Samulsky verkauft – ein Zeichen dafür, dass auch andere Handwerker das geschichtsträchtige Gebäude schätzten.
Das Erbe reicht bis nach Hannover
Friedrich Wilhelm Heinrich Falke heiratete Julie Eggerding (1853-1923). Aus dieser Ehe ging Adolf Falke hervor, der die Familientradition in die nächste Generation und in eine neue Stadt trug: Als Architekt machte er sich später in Hannover einen Namen und führte damit das Erbe seiner Bromer Maurerdynastie in die Großstadt.
Die Geschichte der Familie Falke zeigt eindrucksvoll, wie sich über mehrere Generationen hinweg aus einfachen Maurern eine Architektendynastie entwickelte – ein Beispiel für sozialen Aufstieg durch Handwerkskunst, Fleiß und unternehmerisches Geschick im 19. Jahrhundert.












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