Die Geschichte der Post in Bergfeld lässt sich nur in Bruchstücken rekonstruieren. Wann und wo die Bergfelder Post als sogenannte Poststelle II zuerst eingerichtet wurde, ließ sich bislang nicht ermitteln. Was bleibt, sind einzelne Spuren – und zwei Poststücke, die uns immerhin einen festen Anhaltspunkt in die Zwischenkriegszeit geben und nebenbei eine kleine Veränderung im Postbetrieb dokumentieren.
Zwei frühe Zeugnisse aus den 1930er Jahren
Das ältere der beiden Stücke ist eine Postkarte, abgestempelt am 10. Juli 1931. Sie trägt zwei Stempel: den violetten Poststellen-II-Stempel „Bergfeld – Vorsfelde Land” sowie den runden Tagesstempel des übergeordneten Postamtes Vorsfelde. Verschickt wurde sie von Bergfeld aus an den Buchhändler K. Pfankuch in Braunschweig.
Das zweite Stück, ein Umschlag mit einer Drucksache an die Firma Blumenschmidt in Erfurt, datiert auf den 15. März 1936. Auch hier finden sich der Poststellen-Kastenstempel und der Vorsfelder Tagesstempel – doch der Poststellenstempel hat sich verändert: Aus „Bergfeld – Vorsfelde Land” ist nun „Bergfeld – über Vorsfelde” geworden. Ein kleines, aber sprechendes Detail, das die Entwicklung der Bergfelder Poststelle innerhalb weniger Jahre festhält.
Vom Gasthaus „Zur Post” in die Luisenstraße
Über lange Zeit hatte die Bergfelder Post ihren Sitz im Gasthaus „Zur Post” – ein Name, der die enge Verbindung von Dorfgasthof und Postwesen schon im Schild trug. 1968 wurde die Poststelle von dort in die Luisenstraße 12 verlegt.
Posthalterin wurde Erika Grunert. In den Anfangsjahren versah sie nicht nur den Schalterdienst, sondern übernahm zugleich die Zustellung – beide Aufgaben lagen also in einer Hand. Mit ihrem Eintritt in den Ruhestand ging die Poststelle an ihre Schwiegertochter Jutta Grunert über, die schon zuvor die Vertretung für Schalterdienst und Zustellung übernommen hatte und so bestens eingearbeitet war.
Schrumpfende Schalterstunden und das Ende 1995
In den letzten Jahren machte sich in Bergfeld bemerkbar, was kleine Poststellen überall im Land traf: Die Kundenzahlen gingen zurück, und mit ihnen wurden die Schalterstunden immer weiter reduziert. Als die Schließung absehbar wurde, wechselte Jutta Grunert zum Postamt Wolfsburg. Den Dienst in Bergfeld versah in der letzten Zeit die ehemalige Posthalterin von Barwedel.
Endgültig geschlossen wurde die Poststelle Bergfeld im Jahr 1995 – das stille Ende einer Einrichtung, die das Dorfleben über viele Jahrzehnte begleitet hatte.
Von Kartoffelstärke bis Maltose: Die wechselvolle Geschichte einer Fabrik, die fast ein Jahrhundert lang das Leben im Dorf Croya prägte.
Im Jahr 1884 gründeten Bauern aus Croya und der näheren Umgebung eine Aktiengesellschaft mit dem Ziel, den Kartoffelanbau in der Region zu stärken und die Ernte gewinnbringend zu verarbeiten. So entstand die Actien-Stärke-Fabrik Croya in Croya. Den Betrieb nahm die Fabrik wohl 1886 auf. Wer genau zu den ersten Aktionären gehörte, ließ sich bislang nicht ermitteln.
Vorderansicht der Stärkefabrik Croya (1954)
Die Anfänge: Eine Fabrik auf Aktien
Das Handbuch der deutschen Aktien-Gesellschaften von 1898/99 gibt uns zumindest einen Einblick in die damaligen Verhältnisse. Das Unternehmen verfügte über ein Kapital von 70.800 Mark, aufgeteilt in 236 Aktien zu je 300 Mark. Als Direktion sind H. Peckmann, C. Wienecke und E. Wienecke verzeichnet. Der Zweck des Unternehmens war schlicht und eindeutig: die Fabrikation von Kartoffelstärke.
Wirtschaftlich lief es allerdings schon früh nicht rund. In den Geschäftsjahren 1890/91 und 1891/92 wurde noch eine Dividende von 3 Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet – danach nicht mehr. Bis 1897/98 blieb die Ausschüttung aus. Die Fabrik produzierte zwar, warf aber keinen Gewinn ab.
Stärkefabriken der Umgebung (1898/99)im Vergleich
Ort
Stammkapital
Dividende 1890/91
Dividende 1897/98
Croya
70800 Mark
3%
0%
Glüsingen
66000 Mark
4%
7%
Radenbeck
66000 Mark
3,5%
6%
Wittingen
63300 Mark
9%
8%
Stilllegung und Neuanfang
Die Wirtschaftskrise der 1920er Jahre brachte das vorläufige Ende: Die Fabrik stellte den Betrieb ein, weil sie nicht mehr wettbewerbsfähig war und ihre Anlagen längst veraltet waren. Eine kostspielige Modernisierung wäre nötig gewesen – doch dazu kam es zunächst nicht.
Der Wendepunkt kam 1937, als die Hamburger Firma C. F. Hildebrandt das Werk von den Aktionären aufkaufte. Die Maschinen wurden erneuert, die Produktion wieder aufgenommen. 1937 verarbeitete die Fabrik täglich bis zu 60 Tonnen Kartoffeln.
Kriegswichtige Produktion
Während des Zweiten Weltkriegs spielte die Fabrik eine unerwartete Rolle in der Versorgungswirtschaft. Die Schulchronik von Croya berichtet:
In den Kriegsjahren wurden auch Kartoffeln getrocknet. Die Kartoffel wurde in Scheiben geschnitten und getrocknet. Die getrockneten Kartoffeln wurden für die Wehrmacht hergestellt. Im Sommer wurde auch Spinat getrocknet.
Produktion in den Nachkriegsjahren
1945 ergänzte Hildebrandt die Produktion um eine Sirupanlage. Kartoffelstärke wurde nun zu Maltose und Glukose weiterverarbeitet. In der Nachkriegszeit – zwischen 1945 und der Währungsreform 1948 – nutzte man diese Anlage, um aus Stärke einen süßen Brotaufstrich herzustellen. Die Chronik beschreibt das Verfahren anschaulich:
Die erzeugte Stärke wurde durch ein besonderes Verfahren verzuckert, durch Kochen eingedickt, das entstandene Produkt hieß Maltose. Maltose konnte man auch als Brotaufstrich verwenden. Aus Maltose konnte man auch Alkohol herstellen.
Wachstum und neue Rohstoffe
Nach der Währungsreform 1948 kehrte die Fabrik zur Stärkeproduktion zurück. Die feuchte Stärke wurde in Säcken nach Hamburg geliefert und dort in anderen Werken der Firma Hildebrandt weiterverarbeitet. Die Maltose- und Glukoseproduktion wurde 1950 in Croya eingestellt und an den Hauptstandort in Hamburg verlagert.
Im gleichen Jahr versuchte man, die produktionsfreien Zeiten zwischen den Kartoffelsaisons zu überbrücken – durch die Verarbeitung von Milokorn. Das Experiment scheiterte jedoch an den zu hohen Rohstoffkosten.
Ab 1953 öffnete sich die Fabrik einem ganz anderen Rohstoff: Maniok, angeliefert als Mehl aus Belgisch-Kongo. Die Ausbeute war allerdings ernüchternd: Aus dem Maniokmehl ließen sich in Croya nur etwa 10 Prozent der enthaltenen Stärke gewinnen, während die Rückstände – die sogenannte Pülpe – noch rund 60 Prozent Stärke enthielten. Die Pülpe wurde schließlich als Tierfutter für die Schweinemast verkauft.
1954 hatte die Fabrik im Zweischichtbetrieb eine Kapazität von 100 Tonnen Kartoffeln und 18 Tonnen Maniok täglich. Rund 20 Menschen arbeiteten dort.
Kartoffellager der Stärkefabrik Croya (1954)
Gestank, Abwässer und das Ende
Mit dem Wachstum der Fabrik wuchs auch die Belastung für das Dorf. Die Geruchsbelästigung nahm erheblich zu. Dazu kamen Probleme mit den Abwässern: Zunächst wurden diese ungeklärt in den Landgraben eingeleitet, was zu Fischsterben führte. Hildebrandt ließ daraufhin große Absetzbecken bauen, in denen sich Schmutz und Eiweißstoffe absetzen sollten – doch auch diese Lösung war nicht dauerhaft: Die Becken begannen zu gären und verbreiteten einen, wie die Schulchronik berichtet, „furchtbaren Gestank“.
Über Abhilfemaßnahmen wurde noch gesprochen, als Hildebrandt die Fabrik am 21. Oktober 1965 an Dr. Oetker verkaufte. Der neue Eigentümer betrieb das Werk noch einige Jahre weiter, bevor er es schließlich wegen Unrentabilität schloss.
Den Abschluss dieser Geschichte hält die Schulchronik in wenigen trockenen Sätzen fest:
Eine Firma wurde beauftragt, das Fabrikgelände für 60.000 DM abzureißen, der Bauschutt mußte auf dem Gelände unter Erdoberfläche eingebuddelt werden, damit fand die Beerdigung der Fabrik auf eigenem Gelände statt.
Abwasser- und Pülpebecken der Stärkefabrik Croya (1954)Spatenfeste Pülpe (1954)
Die gräflich-schulenburgsche Försterei im Ehraer Holz existiert heute nicht mehr. Nur einige Fotos erinnern noch an die Gebäude, die einst dort am der Wegekreuzung nach Ehra-Bergfeld-Kiebitzmühle standen. Wann genau die Försterei das erste Mal erwähnt wurde, konnte wir bisher nicht herausfinden. Auch nicht, wann die Försterei abgerissen wurde.
Wer nähere Informationen oder gar noch Fotos hat, möge sich an den MHV Brome wenden.
Ausschnitt aus einer Karte aus dem Gräflichen Archiv Nordsteimke (Nr. 840) aus dem Jahr 1750. Ein Forsthaus ist im Ehraer Holz nicht eingezeichnet. Vermutlich wurde dieses nach 1750 errichtet.Die gräfliche Försterei auf einem historischen Messtischblatt (oranger Kreis) an der Kreuzung der Weg nach Ehra, Kiebitzmühle und Bergfeld.Gräfliche Försterei im Ehraer HolzWohngebäude der Försterei vor dem Abriss (undatiert)Wohngebäude von der Giebelseite gesehen (undatiert)Nebengebäude (undaiert)Nebengebäude (undatiert)Abriss des Wohnhauses (undatiert)
Fotografien und Postkarten aus Croya sind im Archiv des Museum Burg Brome nur spärlich vorhanden. Die hier gezeigte Postkarte stammt aus dem Jahr 1908 und zeigt Gebäude, die in dieser Form heute nicht mehr existieren.
Die Gastwirtschaft Wienecke wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erheblich verändert: Der Stallteil des Wohnhauses wurde verkürzt, der ursprüngliche Hauseingang von der Vorderseite auf die nördliche Giebelseite verlegt und der Bereich der ehemaligen Toreinfahrt zu Wohnraum umgebaut.
Die Stärkefabrik Croya blickte auf eine über achtzigjährige Geschichte zurück: 1884 gegründet, wurde sie 1965 an die Dr. Oetker KG verkauft. Kurz darauf stellte die Fabrik ihren Betrieb ein, die Gebäude wurden abgerissen.
Die neue Schule entstand in den Jahren 1907/08 – zur selben Zeit, als die Postkarte aufgenommen wurde. Nach ihrer Schließung im Jahr 1972 wurde auch der markante Dachturm abgetragen.
Die Geschichte der Burg Brome ist untrennbar mit der Familie Jaeger verbunden. Eine besondere Rolle spielte dabei Ferdinand Jaeger, der über Jahrzehnte als Landvoigt, also als Verwalter der Burg, tätig war.
Ein Mann aus Rammelsberg
Ferdinand Jaeger wurde am 30. April 1826 in Rammelsberg geboren. Seine berufliche Karriere führte ihn nach Brome, wo er sich als Landvoigt einen Namen machte. Als Verwalter der Burg war er eine Schlüsselfigur bei der Administration und Verwaltung dieser bedeutenden Liegenschaft. Über Jahrzehnte hindurch widmete sich Jaeger dieser anspruchsvollen Aufgabe, bis er am 16. Januar 1895 in Brome starb – ein Leben im Dienste der Burg und der dazugehörigen Ländereien.
Familie und Nachfolge
Am 16. November 1854 heiratete Ferdinand die Kaufmannstochter Emilie Friederieke Beyer (1828–1900). Aus dieser Ehe gingen mindestens zwei Söhne hervor. Der Sohn Robert, geboren am 23. September 1868 in Brome, trat in die Fußstapfen seines Vaters: Er wurde als Forstmeister auf der Burg Brome sein Nachfolger und führte somit die Familientradition fort. Robert verstarb am 12. Februar 1943 in Hasserode. Ein weiterer Sohn, Ludwig (1863–1937), wurde neben seinen Eltern auf der Familiengrabstätte in Brome beigesetzt.
Landvoigt Ferdinand Jaeger (1826-1895)Emilie Jaeger (1828-1900)
Das Erbe auf dem Bromer Friedhof
Noch heute ist die Familie Jaeger auf dem Bromer Friedhof präsent. Die Grabstelle der Familie ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Dort ruhen Landvoigt Ferdinand Jaeger, seine Ehefrau Emilie und vermutlich sein Sohn Ludwig Jaeger. Ein besonderes Zeugnis ihres Angedenkens ist ein wunderschöner schmiedeeiserner Zaun, der die Grabstelle umgibt – angefertigt von der Bromer Schlosserei Junge. Dieser kunstvolle Zaun mit seinem feinen Dekor zeigt noch heute die Handwerkskunst früherer Zeiten.
Die Geschichte der Familie Jaeger ist ein wichtiger Bestandteil der lokalen Geschichte Bromes. Sie zeigt, wie einzelne Familien über Generationen hinweg an der Verwaltung und Entwicklung der Region mitwirkten.
Neueste Kommentare