Bisher unbekannt in der Geschichte des Dorfes Benitz ist ein Brand, der sich im Sommer 1851 ereignet hatte. Dabei sind anscheinend zwei Wohngebäude abgebrannt. Möglich erscheint aber auch, dass die Abgebrannten in einem Gebäude (zur Miete?) gewohnt haben. Die Abgebrannten waren die Witwe des Benitzers Schäfers Fricke sowie eine Frau Behne, über die wir bisher nichts weiter wissen. Beide Frauen waren definitiv keine Vollhöfer, vielmehr gehörten sie zu den ärmeren Einwohnern von Benitz.
In Brome wurde eine Sammlung zugunsten der Abgebrannten durchgeführt. Hierzu sind im Archiv Museum Burg Brome zwei Zettel mit den geleisteten Spenden erhalten.
Auf dem einen Zettel, auf dem einige Textverluste zu verzeichnen sind, heißt es:
[Fü]r die Schäfer Ww. Fricke und [Textverlust] Behne in Benitz als Abgebrannte sind zusammen gebracht
von Jocken Mutter 2 Mützen, wenn die mit dem Striche die Schäfer Ww., die Andere [Textverlust] Behnen haben soll.
von Stendel Oekens 4 ggr
von Schuhmstr. Lindmüller 2 ggr
von Mertens Mutter 2 ggr
von Bierstedt 2 ggr
von Stampehl baar 4 ggr auch jeder Frau eine Herings Tonne und noch kleine Gefäße
solches ist July 26ten 51 den Leuten eingehändigt Brome July 26ten 1851
Der Bürgermeister
Stampehl
256
Auf dem anderen Zettel ist zu lesen:
Für die Abgebrannten in Benitz sind eingekommen
von Jocken Mutter 2 Mützen
von Lindmüller 2 ggr
von Stendel 4 ggr
von Bierstedt 2 ggr
von Mertens Mutter 2 ggr
von Stampehl baar 4 ggr und mehrere Gefäße
baar 14 ggr so den beyden Abgebrannten laut Bestimmung vertheilt sind
Der Heimat- und Kulturverein Knesebeck e.V. hat kürzlich ein Buch herausgebracht mit dem Titel „Knesebeck 1825 – der große Brand und der Wiederaufbau vor 200 Jahren“. Erhältlich ist es beim Heimatverein Knesebeck oder bei Tabakwaren Kirchhoff in Knesebeck zum Preis von 17€.
Knesebeck ist in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1835 zur großen Teieln abgebrannt. Insgesamt wurden 53 Wohnhäuser und 75 Nebengebäude ein Raub der Flammen. 92 Familien hatten ihr Obdach verloren.
Tatsächlich haben wir im Archiv Museum Burg Brome einigen Schriftstücke gefunden, die direkt in Beziehung mit dem großen Brand in Knesebeck stehen! Die Solidarität mit den Abgebrannten war damals sehr groß. Großbrände in Dörfern und Städten standen auf der Tagesordnung und so wurde damals in nahegelegenen und entfernten Orten zu Spenden aufgerufen. So spendeten die Bromer für die abgebrannten Knesebecker! Die Spendelist ist erhalten:
Eingesamm[elt] ist für die Abgebranten zu Knesebeck
rh
ggl.
ch
1.
Meister Bölsche 2 Stück Spinstühle und 1 Hemd
2.
Schuster Blanke 1 Himten Rocken und 1 [?]
3.
Jacob Pipper Haußlehr
4
4.
Christoph Lindemüller 1 Paar Neue Schuhe
5.
Schuster Geselle Bannier
4
6.
Stendel Haußlehr
2
[7.]
Tabacks Spinner Stoppel ½ Schweins-Kopf
[8.]
Gottlieb Mosel 1 Paar Neue Schuhe
[9.]
Stendel
2
[10.]
Von der Semtlichen Tischer Gilde zur Theilung
2
[11.]
Von dieselben für die Wittwe Güntern allein
1
[12.]
Günter Olland
2
[13.]
Buchmüller
8
[14.]
Wolf als Grundsitzer 1 Himten Rocken
15.
Heinrich Radsack 1 Himten Rocken
16.
Gottlieb Radsack
8
17.
Mauer Gödecke ½ Himten Katoffeln ½ Schweinskopf
18.
Flohr
6
19.
Friedr. Radsack 1 Himten Rocken
20.
Heinrich Niebuhr 1 Himte Rocken
21.
Franke 1 Himten dito
22.
Johann Olaandt 1 Himten Buchweitzen u. etwas Bohnen
Melzian 3 Schock Leinen 1 Metze Bohnen und 1 Gänsebrade und etwas Speck
48.
Carl Süpke
16
49.
Gottlieb Müller 1 Himten Rocken ½ Schweinskopf
50.
Krause 2 Metze Bohnen 2 Pfund Speck 1 Huth
Spendenlisten der Bromer für die Abgebrannten in Knesebeck256
Übergabe der Spenden wurde vom Amt Knesbeck am 1. Juli 1825 quittiert:
Für die Abgerannten hieselbst sind aus dem Flecken Brome, einige Victualien und verschiedene Kleidungsstücke, auch 7 rh 10 ggl Preuß. C. wovon 1 rh für die Wwe Günter bestimmt, durch den Hh. Voigt Krause daselbst, heute richtig abgeliefert worden, welches hiermit bescheiniget wird.
Amt Knesebeck den 1ten July 1825
[Unterschrift H. Schlüter]
Empfangsschreiben für die Bromer Spenden
Die Bromer wurden zusätzlich noch zur Hilfe beim Herbeischaffen des Bauholzes aus dem Malloh und dem Espenleu aufgerufen. Hierzu wurde auf der Wolfsburg ein Schreiben aufgesetzt:
Die Königl. Landdrostey hegt den dringenden Wunsch, daß die Spanne haltenden Einwohner des Gerichts den Abgerannten zu Knesebeck mit einigen Holzfuhren, denen 5000 im ganzen erforderlich sind und nur mit thätiger Beihülfe der Nachbarn herbey geschaft werden können, unterstützen möge, und das Königl. Amt Knesebeck wünscht, daß die Fuhrleute sich am 30ten dieses und an den folgenden Tagen morgens 7 Uhr im Melloh oder Espenlau einfinden mögen, von da ein jeder 2 mal in einem Tage nach Knesebeck fahren können.
Da nun hier von keiner Landfolge die Rede ist, und Königl. Amt Knesebeck sich zu aller gegenseitigen Hülfe erboten, wenn im diesseitigen Gerichts sich ei ähnlicher Unglücksfall ereignen sollte, so darf das unterzeichnete Gericht, um sich einmal ähnlicher Hülfe erfreuen zu können, erwarten, daß die Spann haltenden Einwohner sich, wie es das Amt Knesebeck wünscht, zu einer bestimmten Fuderzahl die jeder Ort anzufahren geneigt ist, verstehen möge, da mit dasselbe seine Einrüchtung danach berechnen könne.
Es hat daher das Bürgermeister die Spann haltenden Einwohner so fort zu versammlen, und die Fuderzahl des Orts, und ob die Gemeinde das Holz aus dem Melloh oder Espenleu anfahren will; und an welchen Tagen vom 30ten dieses an die Fuhren geleistet werden sollen, schriftlich anzuzeigen.
Sollten Aufladen erforderlich sein, so werden die Handdiener sie oder nicht Spannhaltende Einwohner ohnstreitig dazu verstehen, die Ladung verrichten zu helfen.
Wolfsburg d. 23 July 1825
Gräfl. Schulenburgl. Gerichte zu Brome
[Unterschrift]
Aufruf zur Hilfe beim Herbeischaffen des Bauholzes256
Auf dem Bromer Friedhof befindet sich das Grab des Bromer Postspediteurs Johann Martin Mauer. Das Eisenkreuz ist schon ziemlich verwittert, so dass nicht alle Zahlen entziffert werden konnten.
Johann Martin Mauer am 25. September 1846 zum Postspediteur in Brome ernannt, nachdem sein Vorgänger Dierks auf eigenen Wunsch das Amt verlassen hatte. Wann genau Mauer geboren wurde, kann auf dem Grabkreuz leider nicht entziffert werden. Bei Gelegenheit werden wir im Bromer Kirchenbuch nach dem genauen Datum suchen.
Johann Martin Mauer ist am 27. Dezember 1852 verstorben und wurde auf dem Bromer Friedhof beigesetzt.
Auf dem eisernen Grabkreuz ist auf der Vorderseite zu lesen:
In früheren Zeiten wurden Postkarten auch genutzt, um Liebesbotschaften zu verfassen – und das war sogar anonym möglich. In meiner Sammlung befindet sich eine Postkarte, die von Brome nach Kaiserwinkel gelaufen ist. Abgestempelt wurde sie in Brome am 5. Januar 1903 um 4-5 Uhr nachmittags. Sie trägt den Ankunftsstempel von Parsau mit dem gleichen Datum, aber um 8-12 Uhr nachmittags. Sie wurde also noch am gleichen Tag zugestellt.
Adressiert ist die Karte an Fräulein Martha Fröhle in Kaiserwinkel bei Parsau.
Der Text ist wenig spektakulär, drückt aber die Zuneigung des Schreibers zur Adressatin aus:
Gruss aus Brome sendet unbekannter Weise
Dein
N.N.
N.N. ist die Abkürzung für den lateinischen Ausdruck „nomen nescio“ und bedeutet im Deutschen „Name unbekannt“.
Vorderseite mit dem Gruß des anonymen Absenders. Das linke Foto zeigt das Hotel Behn (heute Standort der Bromer Volksbank) und eine Ansicht der Hauptstraße Blickrichtung Burg Brome. (Sammlung Jens Winter)Empfängerin der Postkarte war Fräulein Martha Fröhle in Kaiserwinkel. (Sammlung Jens Winter)
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