Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Autor: Jens Winter (Seite 2 von 21)

Ziegelei Schaefer-Wolterstorff in Brome

Werbung von Maurermeister Carl Wolterstorff im Isenhagener Kreiskalender 1926.

Die Bromer Ziegelei am heutigen Sandberg wurde von Friedrich Schaefer (*1842-†1925) errichtet. Seinen Eltern gehörte eine Hofstelle, heute Bahnhofstr. 25. Als er 9 ¼ Jahre alt war, verstarb sein Vater und hinterließ eine Landwirtschaft mit rund 35 Hektar, wobei der Boden zumeist aus schlechtem Sandboden und Heide bestand.

Friedrich Schaefer erlernte zunächst des Beruf des Klempners. Im Jahr 1870 heiratete er Caroline Schaefer, geb. Munstermann aus Heisede bei Hildesheim. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Friedrich, Johannes und Martha.

In den 1880er Jahren errichtete Friedrich Schaefer hinter seinem Wohnhaus eine Brauerei. Das Bier verkaufte er u.a. in der von ihm errichteten Gasthaus „Ausspann“, die heute als „Goldener Löwe“ bekannt ist. Auch gründete er zu einem unbekannten Zeitpunkt die Ziegelei Friedrich Schaefer am heutigen Sandberg.

Im Jahr 1898 übergab er seinem Sohn Friedrich (*1874-†1931) die Hofstelle sowie die Brauerei. Sein Sohn Johannes übernahm die Ziegelei. Ob dies auch im Jahr 1898 geschehen ist, ist bisher nicht klar.

Der ehemalige Pferdestall der Ziegelei (heute: Am Sandberg 5) wurde bereits 1918 zu Wohnungen umgebaut.

Seine Tochter Martha heiratete den Maurermeister und Dachdeckermeister Carl Wolterstorff (*1874-†1947). Dieser übernahm 1920 die Ziegelei von seinem Schwager Johannes Schaefer. Die Gründe hierfür sind unbekannt. Die Weltwirtschaftskrise und die damit verbundene Wirtschaftskrise in Deutschland führte laut Bromer Schulchronik dazu, dass die Ziegelei und das Baugeschäft von Carl Wolterstorff im Jahr 1933 „ein Opfer der Zeit“ wurden. Die Ziegelei stellte die Produktion ein. Die Flächen wurden von Kaufmann Franz Erdmann übernommen. In der Nachkriegszeit wurden die Flächen dann als Bauplätze verkauft.

Im Jahr 1957 wurde ein Teil der ehemaligen Ziegelei durch Albert Schuricht abgerissen. Mit den Steinen des Brennofens errichtete er sein Wohnhaus (heute: Am Sandberg 6).

Postkarte mit Friedrich Schaefers Unternehmen. Unten rechts die Schaefersche Ziegelei am heutigen Sandberg (um 1900).
Ziegeleigelände am heutigen Sandberg (undatiert)
Brennofen (um 1960)
Arbeiter in der Bromer Ziegelei (undatiert)
Ziegler bei der Arbeit in der Bromer Ziegelei (undatiert). Rechts und links stehen die Trockenregale, in denen die handgemachten Ziegel vor dem Brennen getrocknet wurden.

August Tesmer – Tischlermeister, Buchhändler, Auktionator und Bankdirektor

August Tesmer (1841-1921)

August Tesmer wurde am 15. Mai 1841 in Brome geboren. Seine Eltern waren der Schuhmachermeister August Tesmer und Dorothee Tesmer, geb. Schulze. Er hatte noch mindestens eine Schwester.

August Tesmer erlernte nicht das väterliche Gewerbe, sondern wurde Tischler. Über seine Ausbildungs- und Gesellenzeit ist bisher nichts bekannt. Sicher ist, dass er 1870 als Tischlermeister in Brome arbeitete. Er übernahm auch die elterliche Kleinbürgerstelle Mühlenstr. 3.

Mittlere Haus war das der Familie Tesmer (Mühlenstr. 3). Es wurde vor einigen Jahren abgerissen. Auf dem Grundstück befindet sich nun ein Parkplatz der Bäckerei Twelkemeyer.

Von Tesmers Tischlarbeiten sind tatsächlich noch mindestens zwei erhalten: Im Jahr 1873 fertige er für die ein Jahr zuvor gegründete Freiwillige Feuerwehr Brome zwei einholmige Feuerwehrleitern an, die sich heute in der Sammlung des Museums Burg Brome befinden.

Neben seiner Tischlerei führte August Tesmer in seinem Haus auch noch eine Buchhandlung, die ihm ein zusätzliches Einkommen sicherte. Wann genau diese eingerichtet wurde, ist bisher nicht bekannt. Spätestens ab 1874 ist diese nachweisbar.

Tesmer engagierte sich auch im 1864 gegründete Vorschuß- und Sparverein Brome – dem Vorläufer der heutigen Volksbank. Spätestens ab 1868 war er Vereinsmitglied. Am 26. Mai 1875 wurde er als Revisor (Kassenprüfer) gewählt. Ab dem 23. November 1874 war er im Aufsichtsrat des Vereins. Am 20. Juni 1883 wurde er zum Kassierer gewählt. Dieses Amt hatte er dann bis zum 22. Mai 1912 inne. Von da ab bis zum 22. September 1918 war er dann gewählter Direktor des Vorschuß- und Sparvereins Brome. Aus Altersgründen verzichtete er auf eine Wiederwahl.

Die Posten als Kassierer und Direktor des Vorschuß- und Sparvereins Brome sicherten Tesmer ein zusätzliches Einkommen, da diese Posten mit einer Besoldung verbunden waren.

Im März 1875 fertigte August Tesmer aus uns unbekannten Gründen ein Inventur-Verzeichnis seines gesamten Hausstandes an. Darin sind alle Gegenstände verzeichnet, die sich damals im Eigentum des Ehepaares Tesmer befanden: Geschirr, Möbel, Kleidungsstücke, die gesamte Ausstattung der Tischlerwerkstatt usw. Dieses Inventurverzeichnis ist einzigartig für unsere Region!

Auszug aus dem Inventurverzeichnis. Auf dieser Seite werden die Möbel aufgelistet.

Wohl spätestens ab den 1880er Jahren war Tesmer auch als Auktionator tätig. Von dieser Tätigkeit, die ihm auch ein zusätzliches Einkommen sicherte, zeugen etliche Versteigerungsakten in der Sammlung des Museums Burg Brome.

Seine unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten lassen sich gut an den überlieferten Vereinsakten ablesen, da dort meist auch die Berufe der Mitglieder aufgeschrieben wurden. So wurde er beim Schützenverein Brome als Tischlermeister (1873) und Buchhändler (1888) bezeichnet, im Ziegenzuchtverein Brome als Auktionator (1894).

Tesmer hat es durch sein gutes Händchen für den Umgang mit Geld auch geschafft, sozial aufzusteigen. Während er in den Wählerlisten zum Gemeinderat 1885 noch als Bürger III. Klasse geführt wird, so gehörte er dann ein Jahr später zu den Bürgern II. Klasse. Damit war er in Brome einer der besserverdienenden Mitbürger!

Sein soziales Engagement lässt sich an zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten in Bromer Vereinen erkennen. Die folgende Liste ist nicht als vollständig und abschließend zu betrachten. Vielmehr zeigt sie nur unseren bisherigen Wissensstand:

  • Gründungsmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Brome (1872)
  • Aktives Feuerwehrmitglied als Steiger (ab 1872)
  • Revisor der Gemeinderechnung (1873-1915)
  • Oberschaffer im Bromer Schützenverein (1873-1901), später Ehrenmitglied des Vereins
  • Mitglied der Alten Gilde (nachweisbar ab 1873)
  • Schützenkönig 1876/77 und Kronprinz 1899/1900
  • Präsident des Männergesangvereins Brome (1883-1888)
  • Mitglied im Gemeinderat (1886-1912)
  • Mitglied der Klassensteuer-Einschätzungs-Kommission (1887-1915)
  • Kassierer im Ziegenzuchtverein Brome (1899-1913)
  • Mitglied des DRK im Kreis Gifhorn und Isenhagen (nachweisbar 1903)
  • Kassierer im Kegelclub Concordia (nachweisbar 1903 und 1904)
  • Mitglied im Schulvorstand (nachweisbar 1905)
  • Mitglied der Reichs-Schutzgemeinschaft für Handel und Gewerbe, Ortsgruppe Brome (nachweisbar 1920)

August Tesmer heiratete Wilhelmine Tesmer, geb. Wüstmann. Die Ehe blieb kinderlos und das Ehepaar nahm die Schwestertochter August Tesmers, Luise, als Kind an. Luise heiratete im Jahr 1909 den Postanwärter Louis Baucke, Sohn des Bromer Posthalters Louis Baucke.

August Tesmer verstarb am 5. Juli 1921 im Alter von 80 Jahren in Brome. Im Protokollbuch des Vorschuß- und Sparvereins Brome heißt es seinem Tode:

Am 5. Juli d. J. verstarb unser ehemalige langjährige Kassirer und nachherige Direktor Herr August Tesmer in Brome. Im Herbst 1874 in den Aufsichtsrat gewählt, und diesem 8 ½ Jahre angehörend, wurde Herr Tesmer im Frühjahr 1883 zum Kassirer unsers Vereins gewählt. Durch seine Korrektheit und Sicherheit bei Kreditgewährungen hatte er sich Achtung und Vertrauen bei den Mitgliedern in vollem Maße erworben, und so konnte er die besondere Ehre für sich in Anspruch nehmen, eine selten lange Zeit, nämlich 29 Jahre ohne Unterbrechung, Kassirer unsers Vereins zu sein. Noch im hohen Alter, als der Posten des Direktors frei wurde, ließ er sich nicht nehmen, die auf ihn gefallene Wahl zum Direktor unsers Vereins anzunehmen, und dieses Amt noch 6 ½ Jahre lang zu verwalten, bis er sich endlich vor nunmehr 3 Jahren entschließen mußte, auf eine Wiederwahl wegen vorgerückten Alters zu verzichten. Wir haben in Herrn Tesmer einen Mann von hohem Pflichtgefühl und selten langer Arbeitsdauer aus unserer Mitte verloren, und werden wir sein Andenken stets in Ehren halten.

In der Schulchronik heißt es:

1921 starb der alte „Onkel Tesmer“ im 80. Lebensjahr. Er hat während seiner langen Lebenszeit mit regem Interesse sich in das öffentl. Ortsleben gestellt, war Senator, Schulvorsteher, Direktor der Sparkasse u. dgl., dazu ein stiller in sich gekehrter Mensch mit edler Denkart.

Die Post in Brome seit 1790

Seit über 200 Jahren ist Brome an das überregionale Postnetz angeschlossen. Seit 1790 gab es eine Botenpost nach Brome. Die Boten wurden sonntags und donnerstags von Uelzen aus über Bodenteich nach Wittingen geschickt. Von dort erfolgte dann die weitere Verteilung der Post u.a. nach Brome.

Ein Postablager wurde am 1. März 1826 in Brome eingerichtet und der erste nachweisbare Postwärter hieß H. Dierks. Leider wissen wir bisher nicht, in welchem Haus sich dieses Postablager damals befunden hat.

Am 1. Juli 1834 erfolgte die Aufwertung der Post Brome von einer Collection zu einer Spedition. Der bisherige Postwärter Dierks wurde zum Postspediteur ernannt. Seine Aufgabe war es, als Postspediteur mit Postkutschen bestimmte Postrouten zu fahren.

Am 26. September 1846 wurde Postspediteur Dierks auf eigenes Ersuchen aus dem Dienst entlassen. Neuer Postspediteur wurde M. Mauer. Auch von ihm wissen wir bisher nicht, in welchem Haus er wohnte.

Am 1. Oktober 1847 wurde die Fahrpost von Brome nach Gifhorn eingestellt. Dafür wurde eine Fahrpost von Brome über Wittingen und Bodenteich nach Uelzen eingerichtet.

Am 27. Dezember 1852 ist Postspediteur M. Mauer verstorben.

Am 21. Februar 1853 wurde Wilhelm Baucke (1810-1894) als Postinspekteur angestellt. Am 15. August 1854 erfolgte die Ernennung zum Posthalter und die Einrichtung eines Postrelais in Brome. Das Postbüro befand sich im Wohnhaus der Familie Baucke in der Hauptstr. 9.

Auf dem Foto, das vor 1877 entstanden ist, ist das Haus der Familie Baucke zu sehen, welches nach einem Brand neu errichtet wurde. Über der Haustür ist das Postschild zu erkennen. Das Gebäude wurde vor einigen Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen.

Am 20. August 1854 wurde die Personenpost Salzwedel-Vorsfelde über Brome eingerichtet. Vorher verlief die Strecke über Steimke. Dies änderte sich erst mit dem Bau einer neuen Straße von Mellin nach Brome.

Ab demn 14. Februar 1859 hielt die Personenpost Vorsfelde-Salwedel wöchentlich zwei Mal auch in Croya bei Gastwirt Winnecke sowie in Ahnebeck vor dem Hause des Gastwirts Haase. Ab dem 15. November 1857 fuhr diese Personenpost täglich.

Im Jahr 1860 war Wilhelm Baucke Postspediteur und Posthalter in Brome. Sein Sohn Louis (1839-1915) war sein Gehilfe. Die Postspedition hatte vier Pferde und es arbeiteten dort noch zwei Postillone.

Am 1. Oktober 1869 began die Landbriefzustellung durch die Postexpedition Brome in Altendorf, Benitz, Croya, Ehra, Fahrenhorst, Gödchenmühlen, Guleitz, Holzmühle, Kiebitzmühle, Lessien, Tülau, Voitze, Wiswedel, Zicherie, Ziegelei Groth und Zollhaus.

Im Jahr 1870 wurde der Postillon Böwing aus Brome wegen heimlicher Mitnahme von Personen oder Sachen aus dem Postdienst entlassen.

Am 10. Juli 1872 ging der Postexpediteur Wilhelm Baucke in Pension.

Im Jahr 1873 wurde der Postexpediteur Bartmer in Brome angestellt.

Am 1. Juli 1875 wurde die Personenpost Brome-Rohrberg aufgehoben. Stattdessen wurde eine tägliche Botenpost auf dieser Strecke eingerichtet.

Im Jahr 1879 erfolgte der Anschluss der Post Brome an das Telegraphennetz sowie das Fernsprechnetz.

Im Jahr 1885 werden als Postverwalter Bartmer und Posthalter Louis Baucke in Brome genannt.

Im Jahr 1888 wurde die Post zu Gastwirt Stampehl verlegt (Hauptstr. 18)

Im Haus des Gastwirts und Kaufmanns Stampehl (Hauptstr. 18) befand sich die Post von 1888 bis zum 30. Juni 1893.

Am 1. November 1889 wurde die Bahnstrecke Salzwedel-Oebisfelde mit einer Bahnpost eröffnet. Die nächstgelegene Bahnpost von Brome aus war der Bahnhof Kunrau. Die Personenpost Brome-Vorsfelde wurde am 1. Juli 1890 eingestellt. Dafür gab es eine Personenpost von Brome nach Kunrau, die einmal täglich verkehrte. Eine Botenpost Brome-Kunrau verkehrte zwei Mal täglich.

Am 1. Juli 1893 wurde die Post zu Brauereibesitzer Friedrich Schaefer (Hauptstr. 25) verlegt.

Das Kaiserliche Postamt befand sich von 1893 bis 1898 bei Friedrich Schaefer (Gebäude oben links auf der Postkarte).

Am 1. Mai 1894 wurde eine fahrende Post zwischen Brome und Ehra eingerichtet.

Im Jahr 1898 wurde ein neues Gebäude auf der Bahnhofstraße errichtet, in dem die Post bis 1934 verblieb.

Das Postgebäude in der Bahnhofstr. 7 (1898 bis 1934). Das Gebäude musste vor einigen Jahrzehnten dem Neubau der Sparkasse weichen.

Am 15. September 1909 wurde die Bahnstrecke Wittingen-Brome eröffnet. Damit waren die Personenpostlinien überflüssig geworden und wurden eingestellt.

In den Jahren 1929/30 gab es eine Autopost von Fallersleben über Ehra nach Brome. Diese wurde jedoch wegen Unrentabilität wieder eingestellt.

1934 wurde die Post in das Haus Bahnhofstr. 35 verlegt.

Postamt von 1934 bis 1972

1972 erfolgte die Verlegung der Post in einen Neubau direkt gegenüber.

Postamt Brome (1972-1999). Die Postfiliale Brome wurde am 22. März 1999 geschlossen.
Seit 1999 befindet sich die Postagentur in diesem Gebäude Bahnhofstr. 34. Zunächst wurde sie von der Firma Bannier betrieben, ab 2003 befindet sie sich in dem Geschäft „Papier und mehr“.

Zur Geschichte der Kiebitzmühle

Älteste Erwähnung der Kiebitzmühle

Die älteste bisher bekannte Erwähnung der Kiebitzmühle findet sich im Buch über die Kornrechnung des Achaz von Bartensleben aus den Jahren 1634 bis 1640. Es heißt dort, dass der Kiebitzmüller von Ostern 1638 bis Ostern 1639 20 Himten Roggen im Wert von 18 Groschen als Pacht gezahlt hatte. Leider wird der Name des Müllers nicht genannt. Da die Akte, die sich im Archiv derer von der Schulenburg in Nordsteimke befindet, bisher nicht vollständig gesichtet wurde, ist es gut möglich, dass in einem der anderen dort verzeichneten Jahre der Names eines Müllers erwähnt wird!

In den Protokollen der Ehestiftungen und Verträge des adeligenGerichts Wolfsburg (1643-1655) ist die Ehestiftung des Hanß Meltzians zu Ehra zu finden, die am 27. Oktober 1653 besiegelt wurde. Hanß Meltzian heiratete Anne Kovaln, die Tochter des Kiebitzmüller Hans Covalen. Die Mühle wird als Erbmühle bezeichnet, d.h. die Familie wurde innerhalb der Familie Covaln vererbt, aber die Eigentümer waren die von Bartensleben zu Wolfsburg, an die die Erbmüllerfamilie Pachtzinsen zahlen musste. Hans Covalen gab seiner einer Tochter als Mitgift ein volles Landesrecht, inklusive Ehrenkleidern, Bettgewand, Kisten und Kistengeräten, mit sowie darüber hinaus noch 20 Reichsthaler.

Nach Theo Bosse (Mühlen im Landkreis Gifhorn, 1991) war im Jahr 1662 Hanß Kovally der Müller auf der Kiebitzmühle. Im Jahr 1677 hieß der dortige Müller Heinrich Niebuhr. Sein Name wird auch einige Jahre später im Kontributionsregister der Landreiterei Salzwedel aus dem Jahr 1684/85 erwähnt. Die Kiebitzmühle gehörte damals zu Ehra und lag vom Dorf eine halbe Meile entfernt. Es wird aufgelistet, dass Heinrich Niebuhr damals kein Pferd, aber acht Rinder und 40 Schafe hatte. Mit dieser Erwähnung ist auch klar, dass die Kiebitzmühle auf brandenburgischem Territorium lag. Erst mit dem Vertrag von Wallstawe im Jahr 1692 wurde sie lüneburgisch.

Auf der Karte von Strauss (1688) ist zu erkennen, dass die damalige Landesgrenze direkt an der Kiebitzmühle vorbei lief (braune gestrichelte Linie). Am Kiebitzteich, dem Mühlenteich, verlief ein Weg von Voitze kommend zum Wiesenland. Der Damm am Mühlenteich musste vom Kiebitzmüller so ertüchtigt werden, dass der Weg nutzbar blieb.

In einer Auflistung sämtlicher Schulenburgscher Güter aus dem Jahr 1748 wird die Kiebitzmühle erwähnt. Damals musste der Kiebitzmüller, dessen Name leider nicht genannt wird, jährlich 34 Himten Vorsfeldisches Maß an Kornpacht zahlen. Im Vergleich dazu fielen für die Gödchenmühle nur etwas mehr als 22 Himten jährliche Pacht an.

Die Kiebitzmühle gehörte also denen von Bartensleben zu Wolfsburg und mit Aussterben der Familie von Bartensleben im Jahr 1742 ging die Mühle dann, wie auch alle anderen Güter und Besitztümer derer von Bartensleben, an die von der Schulenburg zu Wolfsburg über.

Die Besitzer der Kiebitzmühle von 1775 bis 1812

In einem Schreiben der Gemeinde Voitze über den Kauf die Kiebitzmühle vom 9. Januar 1823 heißt es:

Die Gemeinde Voitze ist wie Ew. Hochgräflichen Gnaden bekannt seyn wird, seit 1 1/2 Jahren Eingenthümerin der Kiebitzmühle[,] indem sie selbige von dem Müller Georg Baucke für die Summe von 5.500 Thlr. gekauft hat. Es sind der Gemeinde bey dieser Gelegenheit sämtliche Documente und Papiere[,] welche die Mühle betreffen, und unter andern auch die Verkaufsurkunde[,] welche die Gebrüder und Gevetter von Bartensleben auf Wolfsburg im Jahre 1775 dem ersten Käufer der Mühle Joachim Kovhall ausgestellt haben[,] ausgehändigt.


Angeblich sollen die von Bartensleben die Kiebitzmühle im Jahr 1775 verkauft haben. Doch dies kann gar nicht möglich gewesen sein, da die Familie von Bartensleben mit dem Tode des Gebhard Werner von Bartensleben am 6. Januar 1742 im Mannesstamm erloschen ist. Alleinerbin war die Tochter Anna Adelheid Catharina, die seit 1718 mit Adolph Friedrich von der Schulenburg (1685-1741) verheiratet war. Ihre Kinder begründeten den Wolfsburger Zweig der Adelsfamilie von der Schulenburg. Adolph Friedrich von der Schulenburg erhielt am 7. Dezember 1728 den erblichen Titel Reichsgraf durch Kaier Karl VI.

Die von Bartensleben können also die Kiebitzmühle 1775 gar nicht verkauft haben. Wenn wir davon ausgehen, dass die Jahreszahl des Verkaufs stimmt, dann war der Verkäufer Gebhard Werner von der Schulenburg (1722-1788), der Begründer des Wolfsburger Zweiges des Beetzendorfer Astes des Adelsgeschlechts derer von der Schulenburg.

Die Gründe für den Verkauf der Mühle sind unklar. Der erste Käufer der Kiebitzmühle war Joachim Kovhall. Er war jedoch längstens bis März 1778 Eigentümer der Mühle.

Im März 1778 wird als Kiebitzmüller Johann Heinrich Mundschwitz genannt. Wann und wie genau er Mühlenbesitzer wurde, ist unklar. Fest steht, dass er 1778 gegen die Gemeinden Voitze und Wiswedel wegen der Befestigung des Mühlenteichdammes klagte. Der Kläger verlangte, dass sich die Gemeinden Voitze und Wiswedel an der Befestigung des Dammes beteiligen sollten. Jedoch wurde die Klage zu seinen Ungunsten entschieden. Das Gericht Brome verpflichtete den Müller, den Damm in einen so tüchtigen Zustande zu versetzen, dass das Wasser aus dem Teich den Fuhrweg nicht beschädigen könne. Müller Mundschwitz hatte den Mühlenacker an einen gewissen Wiesensee verpachtet.

Die Kiebitzmühle auf der Kurhannoversche Landesaufnahme (1779). Nördlich der Mühle ist der heute nicht mehr existierende Mühlenteich zu sehen.

Der Kiebitzmüller Mundschwitz verstarb wohl im Jahr 1799. Seine Witwe verpachtete die Mühle vermutlich am 24. Mai 1799 an den Müller Matthias Uhlenhaus, danach an den Müller Habekost. Er verstarb wohl im Jahr 1803.

Die Witwe Mundschwitz verpachtete die Mühle dann an den aus Tiddische gebürtigen Müller Gebhard Müller von 1803 bis 1809. Die Übergabe der Mühle verzögerte sich allerdings aus nicht genannten Gründen, in denen Müller weiterhin Pächter blieb. Der Müller Gebhard Müller scheint in dieser Zeit auch seinen Schwiegervater Leopold, der ebenfalls Müller war, auf der Kiebitzmühle beschäftigt zu haben. Er wird in einigen Zeugenaussagen als Pächter bzw. Mitpächter der Kiewitzmühle bezeichnet.

Mit auf der Kiebitzmühle lebte Anne Elisabeth Rentelmann, die im Jahr 1826 66 oder 76 Jahre alt gewesen sei, „daß wiße sie nicht genau“. Sie war 1826 in Miesterhorst wohnhaft und lebte vom Nähen und Spinnen. Sie lebte von 1796 bis 1816 auf der Kiebitzmühle. Der Müller Mundschwitz war mit ihrer Schwester verheiratet, er war also ihr Schwager. In den ersten vier Jahren wohnte sie bis zu seinem Tode mit in der Mühle und im Anschluss daran bis 1816 mit ihrer Schwester auf dem Altenteil. Ihre Schwester verstarb an Johanni (24. Juni) 1816 .

Die Mühle wurde 1812 verkauft an den Müllermeister Johann Georg Baucke. Gebhard Müller verließ im April 1812 die Kiebitzmühle und arbeitete bis mindestens Ende 1820 in der Hoitlinger Mühle.

Die Mühle im Besitz der Gemeinde Voitze

Am 18. Mai 1821 kaufte die neun Eingesessenen (Hofbesitzer) zu Voitze gemeinschaftlich die Kiebitzmühle aus der Konkursmasse des Müllers Johann Georg Baucke zum Preis von 5.500 Reichsthalern.

Die Eingesessenen verpachteten zunächst die Mühle an Wilhelm Rentelmann. Dieser Vertrag wurde aus bisher unbekannten Gründen 1827 nicht verlängert. Neuer Pächter wurde der Vorsfelder Müller Gebhard Masche (Ostern 1827 bis Ostern 1833). Die Pachtbedingungen lauteten:

  • jährlich 5 1/2 Wispel reinen Roggen an die Verpächter;
  • 12 Gute Groschen Grundsteuer;
  • zwei Pfund Butter zu Ostern an den Bromer Pastor und
  • ein Viertel Schock (Schock = 60 Stück; also 15 Stück) Enteneier an das Gut Fahrenhorst.

Am 8. Februar 1834 verkauften die Eigentümer, nämlich die neun Voitzer Gemeindemitglieder, die Kiebitzmühle an Graf Gebhard Friedrich Werner von der Schulenburg-Wolfsburg für 3000 Reichsthaler in Gold und 500 Reichsthaler in konventioneller Münze.

Die Mühle im Besitz derer von der Schulenburg-Wolfsburg

Bis 1840 mussten die Besitzer der Kiebitzmühle (bzw. deren Pächter) jährlich ein Mandel Enteneier (Mandel = 15 Stück) an die von Weyhe in Fahrenhorst abgeben, nach der Behauptung des Berechtigen aber ein halbes Schock (Schock = 60 Eier) Hühnereier. Diese Abgabe wurde durch einen Ablösungsvertrag zwischen Graf Friedrich Werner von der Schulenburg und von Weyhe durch eine einmalige Zahlung von 4 Thalern 4 Groschen abgeschafft.

Die Familie Masche war bis kurz nach 1900 Pächter der Kiebitzmühle. Sie beendete den Pachtvertrag, zog nach Voitze und baute ein Haus am Ortsausgang nach Tülau.

Hier befand sich einst das Mühlrad der Kiebitzmühle. Zeichnung von Horst L. Weber (undatiert)
Kiebitzmühle um 1960. Der Mühlenteich nördlich des Mühlengebäudes existiert heute nicht mehr.

Die Kiebitzmühle befindet sich heute nicht mehr im Besitz des Grafen von der Schulenburg-Wolfsburg. Sie wurde im April 1995 verkauft. Sowohl das ehemalige Wohnhaus als auch das Mühlengebäude werden heute (2024) als Wohnhäuser genutzt. Die Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.

Links waren einst der Zulauf aus dem Mühlenteich und das Wasserrad. Das Mühlengebäude präsentiert sich heute hübsch saniert. (Foto 2020)

Kosten für das Aufstellen von Bienenstöcken

Heute noch ist es üblich, dass Imker mit ihren Bienen in Gebiete wandern, in denen eine gute Honigernte zu erwarten ist. Auch vor 200 Jahren war das in unserer Gegend bereits der Fall, denn auch bei uns gab es ausgedehnte Heideflächen, auf denen eine gute Ernte von Heidehonig erwartbar war. Allerdings mussten auswärtige Imker für das Aufstellen ihrer Bienenstöcke ein sogenannten Fluchtgeld oder Fluggeld bezahlen, das die Familie von der Schulenburg zu Wolfsburg als Grundherren bekommen hat.

Aus dem Jahr 1824 ist ein Schreiben des Försters aus Ehra an die Gemeinde Wiswedel erhalten, das genau dies regelt. Pro Bienenstock musste jeder Imker 6 Pfennig an die von der Schulenburg bezahlen. Außerdem musste vor jeden Bienenstand ein Zettel mit Namen und Herkunft des Besitzers liegen. Bei fehlen des Zettels sollten die Bienen eingezogen werden, so dass sie dann gegen Geld wieder hätten ausgelöst werden müssen.

Hier das Schreiben in Gänze:

An

die Gemeinde Wiswedel

Da nach einer höhern Verordnung für alle fremden Bienen, welche auf den Grundstücken der Gemeinde Wiswedel ausgesetzt werden, a Stock 6 ch Flugtgeld an die Herrschaft in Wulfsburg von nun an jährlich entrichtet werden soll, so wird dies der Gemeinde zur Kenntniß gebracht. Außerdem wird noch bemerkt, daß vor jeder Bienenlagt ein Zettel gesteckt werden muß, worauf geschrieben sein muß, wem, und wohin die Bienen gehören; es mögen solche aus der Gemeinde Wiswedel oder fremde Bienen sein, der Zettel darf nirgends fehlen. Wenn aber der Zettel, wenn die Bienen gezählt werden, nicht gefunden wird, werden einige Bienenstöcke solange weggenommen werden, bis solche dem Eigenthümer gegen Erstattung der Unkosten wieder eingelöst sind.

Ehra den 9ten September 1824

Der Förster

[Unterschrift]

Auch heute sind Imker verpflichtet, die Standorte ihrer Bienen beim Landkreis Gifhorn (wie überall in Deutschland) anzumelden. Für die Anmeldung und Beantragung einer Registriernummer wird nach der aktuellen Gebührenordnung (2024) eine Gebühr von 20 € genommen.

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