Filmaufnahmen Brome Ende der 60er Jahre

Egon Nöhre (1931-2016) hat Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mit seiner Schmalfilmkamera Aufnahmen in Brome gemacht und diese dann auch als Film ohne Ton geschnitten. Zu sehen sind u.a. Ortsansichten, Geschäfte, das Freibad und die ehemalige Zonengrenze nach Mellin, Steimke und Wendischbrome.

Für diese Fassung wurde der Originalfilm digitalisiert. Bei der Bearbeitung wurden die Titel neu eingefügt. Die Schnittreihenfolge von Egon Nöhre wurde beibehalten. Lediglich einige wenige Szenen wurden in diese Fassung nicht mit übernommen, um die Rechte der dort gefilmten erkennbaren Personen zu wahren.

Wir danken Egon Nöhre für die Nutzungsrechte des Films. Wir gedenken mit diesem Film unserem langjährigen Vereins- und Vorstandsmitglied Egon Nöhre.

Eine Grabplatte mit Brome-Bezug in Langenapel (Altmark)

Die Geschichte der Familie von Bartensleben, die lange Zeit u.a. Wolfsburg und Brome zu Lehen hatte, ist bisher nicht gut erforscht. Joachim Friedrich von Bartensleben (gest. 1690), der die Wolfsburg und Brome zu Lehen hatte und seinen Wohnsitz wahrscheinlich in Brome genommen hatte, wo er wohl auch 1690 verstarb, war verheiratet mit einer gewissen Anna Elonora Rosen. Sein Frau war also von Geburt keine Adelige!

Über Anna Eleonore erfahren wir einige wenige Informationen von ihrer Grabplatte, die sich in der Kirche zu Langenapel (Altmark) befindet. Darauf heißt es:

A et O
FRAW ANNA ELEONORA ROSEN
DES WOLGEBOHRNEN HERREN
HERRN JOACHIM FRIEDERICH
VON BARTENSLEBEN
EHELIEBSTE
IST GEBOHREN 1623 DEN
24 JUNY GESTORBEN 1691
DEN 20 FEBRUARY IHRES
ALTERS 67 JAHR 8 MONAT
3 WOCHEN 2 TAGE

TEXTVS ∙ HIOB ∙ 5 ∙ V ∙ 17 ∙ 18 ∙ 19 ∙
SIEHE SELIG IST DER MENSCH DEN
GOTT STRAFFET DARUMB WEGERE
DICH DER ZÜCHTIGUNG DES ALLMÄCH
TIGEN NICHT DENN ER VERLETZET
VND VERBINDET, ER ZUSCHMEISET
UND SEINE HAND HEILET AUS SECHS
TRÜBSALN WIRD ER DICH ERRETTEN
UND IN DER SIEBENDEN WIRD DICH
KEIN UBEL RUEHREN: ∙

Grabplatte für Anna Eleonore Rosen, Ehefrau von Joachim Friedrich von Bartensleben in der Kirche zu Langenapel (Foto: Frank Moldenhauer)

Warum Anna Eleonore in Langenapel beigesetzt wurde, ist bisher ein Geheimnis. Im dortigen Kirchenbuch ist ihr Tod nicht verzeichnet.

Genaue Informationen über die Grabplatte sowie Fotos der Grabplatte gibt es in der Grabmälerdatenbank des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel zu sehen (www.altmarkgeschichte.de).

Doch neben seiner Ehefrau Anna Eleonore hatte Joachim Friedrich auch mindestens eine Geliebte, mit der er auch Kinder hatte, wie in dem Buch „Hexenverfolgung als juristischer Prozess“ von Christoph Gerst erwähnt wird. Bei GoogleBooks findet sich die Erwähnung auf den Seiten 295 und 296.

Die Bromer Wassermühle – Ein kurzer historischer Abriss

Bromer Wassermühle um 1890 (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Bromer Wassermühle im Jahr 1548. Weihnachten 1548 verkaufte Fritz VII. von der Schulenburg das Gut Brome an Christoph von dem Knesebeck.  Im Kaufvertrag heißt es:

„Er [Fritz VII.] verkaufte 27.12.1548 das Schloß mit Zubehör, mit Gericht, Jagd und allerlei Fischgerechtigkeit, Teichen und Kellern, dem stehenden Wasser, mit der Windmühle und Wassermühle mit freiem Zufluß und Abfluß und alle Holzung und Jagd im Drömling […] an Christoph v.d. Knesebeck.“

Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Bromer Wassermühle werden auch die Dienstpflichten der Bromer Bürger aufgezählt. So mussten die damals fünfzehn Bromer Bürger „die Mühlenfuhren von und auffs Hauß thun“, d.h. sie mussten Getreide und Malz zur Mühle und zurück zur Burg zu fahren. Auch „Wen an Mühlen was zu bauen“, mussten sie erscheinen und ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Diese Dienstpflichten bestanden bis ins 19. Jahrhundert fort.

Im Knesebecker Hausbuch (1670) heißt es zur Bromer Wassermühle: „1 Wassemühle in Brome mit 1 Grind, soll 3 Wispel Roggen Pächte geben.“ Die Wassermühle hatte also im ausgehenden 17. Jahrhundert einen Mahlgang und brachte denen von Bartensleben jährlich 3 Wispel Roggen an Pacht ein. Der Mühlenteich wird im Bericht als mit Rohr bewachsen beschrieben, so dass sich die Fischerei dort nicht lohnte.

Der erste namentlich fassbare Bromer Müller ist Zacharias Lüte. Er musste am 22.Juni 1691 vor dem Gericht Brome erscheinen. Carsten Beine aus Altendorf warf ihm vor, ihn einen Schelm und Dieb genannt zu haben. Da zwei Zeugen die Beschimpfung bestätigen konnten, wurde er zu einer Strafe von drei Talern wegen Ehrverletzung verurteilt. Außerdem musste er christliche Abbitte leisten.

In den folgenden Jahrhunderten wechselt die Mühle mehrmals ihren Pächter. Es werden u.a. folgende Namen genannt:  Müller Peter Dobberkau (1748), Erbzinsmüller Johann Christoph Wettstedt (1807), Erbzinsmüller Friedrich Schierhorn (1845).

Durch Ablösung, Separation und Verkopplung erhielt die Bromer Wassermühle 1855 insgesamt 24 Morgen und 73 Ruten an Grund und Boden. Die Mühle hatte danach zwei Mahlgänge.

1848 heiratete der Müllermeister Joachim Christian Mewes (1819-1876) die Witwe des Bromer Erbzinsmüllers Friedrich Schierhorn, Marie Dorothea geb. Täger. Deren Sohn, der Mühlenbesitzer Wilhelm Mewes (1855-1916), vererbte seinem 1881 geborenen Schwiegersohn, dem Müllermeister Walter Rehfeldt, die Mühle. Dieser fiel im 1. Weltkrieg.

Ab 1918 verpachtete die Witwe Martha Rehfeldt die Mühle, u.a. an die Landhandelsfirma Franz Erdmann. Die Mühle lief mit drei Walzenstühlen, angetrieben durch Wasser, danach durch Dampfmaschine und Elektromotor.

Bromer Wassermühle vor dem Brand 1948 (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

1948 zerstörte ein Brand das historische Mühlengebäude. Es wurde an gleicher Stelle ein dreigeschossiger Zweckbau aus weißem Kalksandstein errichtet. Adolf-Wilhelm Bödeker (1927-1996), der Enkel der Besitzerin Martha Rehfeldt,  erlernte das Müllerhandwerk, bestand 1952 seine Meisterprüfung mit „sehr gut“ und übernahm 1956 als neuer Besitzer den Mühlenbetrieb und führte ihn mit umfangreichem Landhandel fort. 1980 wurde das Mahlen von Mehl eingestellt und nur noch geschrotet. 1993 wurden die Nebengebäude abgerissen. Ab dem Jahr 2001 wurde das Mühlengebäude renoviert und umgebaut. Es beherbergt heute zwei Eigentumswohnungen und ein Café in Erd- und Kellergeschoss.

Mühle nach dem Neubau, ca. 50er Jahre (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

Karl Schmalz: Die Pest in Ehra – Ein verhexter Ochse soll schuld daran gewesen sein

Immer näher rückte die Pest. Am 9.7.1681 hat sie Magdeburg erreicht, fünf Tage später schon Gardelegen, und dann wird sie aus Calvörde und Flechtingen gemeldet, und immer wieder kommt Nachricht über neue Erkrankungen aus Städten, wo man die Seuche schon als wieder erloschen angesehen hatte, am 26.11. aus Staßfurt, am 14.12. aus Nordhausen und am 13.1.1682 aus Halle usw., und immer schärfere Sicherungen werden angeordnet. Am 2.7.1681 verbietet Celle den Handel mit Magdeburg, am 23. des gleichen Monats wird angeordnet, daß Arbeiter, die zur Ernte ins Magdeburgische gewandert sind, bei ihrer Rückkehr erst eine „Garantaine“ durchmachen müssen, am 1.8. wird den Gifhornern befohlen, die Jahrmärkte zu schließen. Und dann kommt bald der Tag, wo man nicht mehr ein und aus weiß, und wie während des dreißigjährigen Krieges bittet der Herzog seine Untertanen, die Hilfe Gottes anzurufen: Am 13.8.1681 verfügt Celle, daß „jedermann zu fleißiger Besuchung des Gottesdienstes / so viel möglich / angehalten  werde“. Doch man unterläßt es auch künftig nicht, neue Sicherungen gegen die Pest anzuordnen: Vom 15.8. ab darf kein Korn mehr aus Vorsfelde,  Hehlingen und Calvörde eingeführt werden, vom 13.9. ab müssen die Ämter alle 14 Tage melden, welche Krankheiten in den Ortschaften ihres Bezirks in den vergangenen zwei Wochen festgestellt worden sind; am 10.10. befiehlt die Regierung, bei den geringsten Anzeichen einer Erkrankung an Pest die Dörfer und in den Dörfern die Häuser der Erkrankten sofort zu sperren, und am 13.1.1682  wird die „strengste Abschnürung der Grentze“ befohlen.

Die strengste Abschnürung! Und da schlägt die Bombe ein: Am 4.2.1682 meldet aus Tiddische der dortige Paßschreiber Hannß Jürgen Lütherr nach Gifhorn: „Wie von den Corporal von Rittm. Freywabells Compagnie gestern gehöret, haben sie von Rittmeister ordre bekommen, daß die patrollirenden Reuter die leute von Ehra nicht sollen paßieren laßen, weill zu Ehra in einem Hauß… 7 Stück Rindtvieh, auch alle die Schweine, Gänße undt Enden gestorben, auch ist Ein  Mann aus dem Ambt Kneßbeck von Schnefling In diesen Hauß zur Ehra geweßen, daß andern Tages gestorben, undt wie Ein Haußman aus Tiddische sagt sey Ihm auch vom Grentzschreiber zu Witting verbotten worden, den Zoll, wenn Er Korn nach Witting bringt selber nicht mehr nach Ehra zu bringen, sonst soll Er nicht zu Witting gelaßen werden. Alß Erwarte Ich befehle ab die leute von der Ehra allhier sollten durch pashiret werden undt werde sie so lang anhalten biß daß Ich ordre bekomme“. Celle hat bereits von anderer Seite Meldung erhalten; in einem Schreiben vom gleichen Tage wollen die Räte dem Amt Gifhorn nicht „vorenthalten“, „wasgestalt alhir einige nachricht eingelauffen, alß wan das in der Marck Brandenburg belegene Dorf Ehra der contagion halber verdachtigt, und ohnlängst ein und ander persohn daselbst schleunig gestorben sein soll“. Das Amt Gifhorn muß sich nun „fleißig erkundigen, mit den Offizieren und Beamten correspondiren“, – so lautet der Auftrag von Celle – und nötigenfalls „mitt den Füßen die notige anstalt machen“.

Ehra sieht das Grauen kommen. Der Markt in Gifhorn gesperrt, die drei Dörfer Lessien, Ehra und Wiswedel als „brandenburgischer Tractus“ abgeriegelt! Kein Handwerker ist also zu erreichen, kein Kaufmann! Wohl dürfen die Gifhorner seit dem 14.11.1681 ihre Märkte wieder abhalten; aber wer sich durch seinen Paß nicht als lüneburgisch ausweisen kann, kommt nicht in die Stadt. Und schon immer hat man doch in Gifhorn Vieh verkauft, um in der Altmark und im Braunschweigischen Korn einhandeln zu können! Wovon soll man leben? Und dann die Kirche! Nun ja, man hat seine Zöllner. Den einen in Wiswedel, den anderen in Ehra; aber die beiden Zöllner können den Bromer Pfarrer nicht ersetzen. Wer soll die Toten beerdigen, wer die Neugeborenen taufen?

Seit dem Sommer 1681 sieht es schlimm in Ehra aus. Doch was wird nun kommen! Wie ist es denn vor einem Vierteljahr in Tappenbeck gewesen, als dorthin „die leidige Seuche durch einen Kerl, so im Magdeburgischen gearbeitet, verschleppt“ worden war und dann nach Gifhorn gemeldet werden mußte, daß in einem Hause vier Mann, die am Tage zuvor auf der Wolfsburg noch Herrendienste getan hatten, tot umgefallen seien? Da hat Celle sofort scharf zugegriffen und angeordnet: 1) Außerhalb des Dorfes sind sofort Hütten zu bauen, „jedoch eine zimbliche distanz voneinander“, dorthin haben sich die Pestkranken zu begeben und auch die Pestverdächtigen, ohne auch nur den geringsten Gegenstand aus ihren Häusern mitzunehmen, auch nicht die Kleidung, die sie bislang auf dem Leibe getragen, 2) Alle Häuser, in denen die Pest sich gezeigt hat, müssen ohne Verzug mit allem, was darinnen vorhanden ist, „biß auf den Grund abgebrannt werden“.  Um eine allgemeine Feuersbrunst zu vermeiden, hat man vorher die „nächstgelegenen gesunden Häuser abzubrechen“, sofern es nicht genügt, nur die Strohdächer einzureißen. 3) Jeder Verkehr von Haus zu Haus und erst recht der der Gesunden mit den Kranken bleibt verboten. Und das Dorf wird umstellt, so daß niemand Zugang haben und auch niemand flüchtig werden kann. Es sind wirklich Tage des Grauens, was die Ehraer vor sich sehen; denn bestimmt wird der Große Kurfürst für Ehra noch schärfere Anordnungen befehlen als die Celler in Tappenbeck. Doch – das Schicksal geht vorüber, wie es vor einem Vierteljahr auch Tappenbeck nicht geschlagen hat. Hier wie dort: Es war nicht die Pest. Am 11.12.1682 kann Gifhorn nach Celle melden, man habe „bei dehme nahe dabei wohnende von Bartensleben auf Wolfsburg und Brohme mit fleis erkundiget vndt nachricht erhalten“, daß das Unheil ausgegangen ist von einem Ochsen, der „aus Anschein von bösen Leuten vergiftet, oder gar bezaubert worden“. „Nachdem er aus dem Troge beim Brunnen gesoffen“, habe er sich krank gezeigt; er sei darum geschlachtet worden, dabei aber angemercket, das Er inwandig gantz ungesundt“. Schweine und Hühner, die von dem Blut gefressen haben, – so meldet das Amt weiter – sind „eilig gestorben“, und beim Schlachter sind am Arm „einige blattern aufgestoßen, so aber wieder curiret sein“. Wichtig ist die Feststellung, es habe kein Mensch durch die Pest „den Todt genommen“, der eine sei am Schlag, der andere eines natürlichen Todes gestorben. Schon 2 Tage danach kommt von Celle der Bescheid: „…könnet Ihr die darin wohnende Leute in diesem Land pashiren laßen“. Dabei wird noch einmal der ganze Vorfall geschildert, über den Celle augenscheinlich auch von anderer Seite Nachricht erhalten hat; nicht vergessen ist, auf den „vergiftet oder bezaubert gewesenen Ochsen“ hinzuweisen, und nicht vergessen ist auch die Anordnung, bei dem geringsten Verdacht einer Erkrankung an Pest, dafür zu sorgen, „daß die von solchem Dorff kommende leute zurück gewiesen, und von diesem Lande abgehalten werden mögen“.  Das ist also noch einmal gut gegangen.

Pölitz – Eine Wüstung nordöstlich von Ehra?

Etwa 2,7 km nordöstlich von Ehra in der Nähe des Baumes Wilhelm gibt es die Flurbezeichnungen Pölitz, Pölitzer Feld und Pölitzer Moor. Der Name Pölitz stammt aus dem Wendischen und heißt überetzt „Ort im Felde“. Bei archäologischen Untersuchungen vor einigen Jahrzehnten wurden Hofpflasterung und Hüttenlehm gefunden, die aus dem 14.-15 Jahrhundert stammen. Ob es sich allerdings bei Pölitz tatsächlich um eine wüste Siedlung handelt, ist zweifelhaft. In Urkunden wird das Pölitz bei Ehra nicht erwähnt. Und die bisher gefundenen archäologischen Zeugnisse sind zu wenig, um die Existenz einer Siedlung zu belegen.

Auf der Flur Pölitz lassen sich allerdings auch heute noch Spuren erkennen – nämlich drei Wälle. Zwei Wälle sind quadratisch, einer rund. Welche Funktion diese Wälle hatten, ist bisher nicht bekannt. Sie sind im Gelände allerdings noch deutlich zu erkennen. Dienten die Wälle vielleicht zum Schutz von Bienenzäunen? Da die Bienenhaltung in der Bickelsteiner Heide früher sehr verbreitet war, wäre das eine Interpretationsmöglichkeit. Hierüber könnten nur archäologische Untersuchungen Aufschluss geben.

Lagekarte von Pölitz (Quelle: GoogleMaps)
In der Bildmitte ist einer der noch existierenden drei Wälle deutlich zu erkennen. (Foto: Jens Winter, August 2020)
Ein anderer Wall in Pölitz (Foto: Jens Winter, August 2020)