Zum Bromer Schulwesen vom 16. Jahrhundert bis 1852

Die Anfänge des Schulwesens – Die Schule im Privathaus des Kantors

Über die Anfänge des Schulwesens im Flecken Brome sind nur sehr wenige In­formationen in den historischen Quellen überliefert. In einem Brief aus dem Jahr 1686 berichtet Pastor Ebeling über die Anfänge Folgendes: Peter Oldeland ist der erste lutherische Prediger in Brome gewesen von vor 1534-vor 1543). Wer das Küsteramt zu dieser Zeit innehatte, ist nicht überliefert. Aber zuletzt hatte es sein Sohn Joachim Olland übernommen. Im folgte sein Sohn Peter als Küster. Sie hatten ihr eigenes Haus gleich neben dem Kirchhof (heute: Drömling Apotheke), denn Pastor Peter Oldeland hatte den ehemaligen Sökeschuldschen Freihof gekauft und sich dort eingerichtet. Ein Pfarrhaus gab es zu der Zeit noch nicht in Brome. Auf Peter Olland folgte Güntzel Knorr als Küster, der auch sein eigenes Haus hatte und dort die Schüler unterrichtete. Als zur Zeit von Pastor Ebeling ein gewisser Diederich Röper Küster wurde, da musste ein neues Küs­ter- und Schulhaus errichtet werden. Den dazu notwendigen Bauplatz habe der Amtmann Witten und die von Bartensleben dazu ausgesucht. Die Auflistung von Pastor Ebeling ist mit Sicherheit unvollständig, denn im Zeitraum von fast 150 Jahren hat es sicherlich mehr als drei Küster hier in Brome gegeben. Zeitweise hat es einen Küster gegeben, der im Pfarrhaus mit gewohnt und dort die Kinder unterrichtet hat, wie wir von Pastor Boelsche erfahren.

Visitationsbericht 1657 – Lage des Schulhauses bis 1807

Im Jahr 1657 wird zum ersten Mal seit 1627 (also nach 30 Jahren) wieder eine Visitation in Brome durchgeführt. Leider gibt dieser Bericht nur eine vage Aus­kunft über den damaligen Zustand des Schulwesens in Brome. Aber den spärli­chen Angaben ist eindeutig zu entnehmen, dass das Schulwesen in keinem gu­ten Zustand war. Pastor Boelsche, der von 1627 bis 1676 Pastor in Brome war, beschwert sich, dass keine Küsterei vorhanden sei. „Der Interimsküster wohne in dem Seinigen [Haus], wehre undüchtig und halstarrig.“ Eine Besserung kön­ne laut Boelsche nur erreicht werden, wenn ein Küsterhaus gebaut würde. Da­zu müsste ein Platz gesucht und gekauft werden, um anschließend dort eine Küsterei zu errichten.

Interessant scheint mir diese Bemerkung im Visitationsbericht in zweierlei Hin­sicht: Zum einen gab es kein eigenes Haus für den Bromer Küster, in dem gere­gelter Unterricht abgehalten werden konnte. Zum anderen verfügte die Kirche nicht über ein geeignetes Grundstück im Flecken Brome, auf dem das Küster- und Schulhaus hätte gebaut werden können. Zwar wurde ein Grundstück ge­funden, aber dieses lag nicht innerhalb des Fleckens, weil dort mit Sicherheit kein freier Platz mehr für ein zusätzliches Gebäude war. Vermutlich lag es im Bereich der heutigen Steimker Straße, möglicherweise dort, wo heute die Häu­ser von Mosel und Buchmüller stehen. Auf diese Theorie werde ich später noch detailliert eingehen. Andreas Reucher geht davon aus, dass das Schulhaus in der heutigen Braunschweiger Straße gestanden hat.

In der Bromer Schulchronik heißt es zur Lage des alten Schulhauses: „In alten Zeiten stand das Schulhaus auf dem Hofraum, der zwischen dem Gaedeckschen (Meyer-Gaedecke) und dem Schuhmacher Lenkschen Hause liegt.“

Interessant scheint in diesem Zusammenhang auch die Auflistung der Grund­stücke, die zur Schule gehören. Dazu heißt es in der Bromer Schulchronik: „Die Grundstücke, die zur Schule gehören, liegen südlich vom Flecken in der soge­nannten Marsch (Damm) und sind 56 Ar 35qm groß.“ Könnte es sich bei diesem Grundstück um den Platz der alten Schule handeln? Zahlreiche Aussagen aus dem Jahr 1807 sprechen dafür, dass dem so gewesen ist. Aber dazu später mehr.

Einkünfte der Schullehrer 1664

Pastor Boelsche erstellt im Jahr 1664 auf Anforderung des Konsistoriums zu Celle einen „Bericht von den Kirchen und derselben Intraden und Gerechtigkeiten“ – also ein Verzeichnis über die Einkünfte von Pastor und Küs­ter in Brome. Uns soll an dieser Stelle nur interessieren, was die Entlohnung des Küsters und Schullehrers war.

Er bekam jährlich:

60 Himten reines Korn

70 Würste

70 Brote

380 Eier (6 Schock und 20 Eier)

von den Häuslern, die keinen Roggen geben, zusammen 1 1/2 Thaler  Vierzeitengeld in Brome zusammen 1 Thaler 19 1/2 Groschen; in Altendorf von jedem Haus an Pfingsten 6 Pfennig (insgesamt 5 1/2 Groschen)

von einer Hochzeit mit Mahlzeit 2 Pfennig,

ohne Mahlzeit 4 Pfennig

von einer Kindstaufe ebenso viel

für eine Beerdigung 2 Groschen

für einen Kranken, für den er berichtet, 2 Pfennig

„wann eine Fremde Kirch gengte gildt 6 Pfennig“

Diese Einnahmen betragen ungefähr 10 Thaler im Jahr. Dazu kommt das Schulgeld von ungefähr 20 Thalern im Jahr (Gesamteinahmen ca. 30 Thaler).

Hinzu kommt eine freie Wohnung, die sich vermutlich im Pfarrhaus befand, da mit dem Bau eines Küsterhauses erst 1675 begonnen wurde. Acker- und Gar­tenland kann der Küster günstig von der Kirche pachten. Er kann so viel Vieh halten, wie er möchte und muss nichts für den Gemeindehirten bezahlen.

Bau des ersten Schulhauses 1675

Pastor Boelsche war sehr um die Entwicklung des Schulwesens bemüht. Seinem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass das hiesige Schulwesen auf eine neue Grundlage gestellt wurde. So berichtet sein Nachfolger Pastor Ebeling (1676-1697) im Jahr 1677, dass die 15 Bromer Bürger auch schon Anstalten zum Schulbau gemacht hätten. Ein weiterer Beleg hierfür findet sich in der Abrechnung über den Neubau des Küsterhauses und die Renovierung des Pfarrhauses von 1672 bis 1678. Für den Bau des neuen Küsterhauses wurden 1675 von jedem Hausbesitzer im Kirchspiel Brome (also in Brome, Jahrstedt, Böckwitz, Voitze, Wiswedel, Tülau, Ehra, Wendischbrome, Nettgau, Kunrau und Steimke) 2 Pfennig eingesammelt, so dass eine Summe von 33 Thalern 11 Gro­ schen und 10 Pfennigen zur Verfügung stand. Allerdings reichte diese Summe noch nicht aus, so dass jeder Hausbesitzer noch einmal 2 Pfennig bezahlen musste. Hier seien nur einige mir interessant erscheinende Details aus den Ab­rechnungen genannt. So musste ein Glaser aus Wittingen geholt werden. Ein Ofensetzer wurde von Jürgen Niepert aus Gardelegen nach Brome geholt. Mit im Gepäck hatte dieser einen 45 Jahre alten Kachelofen, der nun im neuen Küs­terhaus wieder aufgebaut werden sollte, sowie Kacheln für einen weiteren Ofen. Einige alte Kacheln waren allerdings so kaputt, dass sie durch neue er­setzt werden mussten. Insgesamt verbrachte der Ofensetzer 3 1/2 Tage hier in Brome. Selbstverständlich erhielt er neben seinem Lohn auch Speis und Trank – und verzehrte dabei etliche Kannen Bier. Er setzte zwei Öfen für nicht einmal 4 Thaler, dazu kamen noch 11 Groschen 3 Pfennige für Speis und Trank. Mit auf den Weg bekam der Ofensetzer noch 2 Groschen Trinkgeld. Zum Vergleich be­kam Zimmermeister Jochem Knust für Holz und Zimmerlohn zusammen 24 Tha­ler. Insgesamt wurden für den Neubau des Küster- und Schulhauses 55 Thaler 4 Groschen 10 Pfennig ausgegeben.

Von überragender Qualität kann der Bau nicht gewesen sein, denn bereits im Jahr 1687 (also nicht einmal 12 Jahre nach dem Neubau) erwähnt Pastor Ebeling, dass der Giebel eingefallen sei und von den Bromern ausgebessert wurde.

Im September 1686 wird ein gewisser Johann Dieterich Wiedeburg, aus Lüchow gebürtig, in Brome als Schulmeister und Organist angenommen und nach einer Befragung der Gemeinde im Amt bestätigt.

Von Pastor Ebeling ist uns das älteste erhaltene Schulkinderregister aus dem Jahr 1694 für das Kirchspiel Brome erhalten. Aus diesem Bericht erfahren wir, dass der Bromer Organist von jedem Haus 12 Groschen als Schulgeld erhalten hat. Für Brome werden insgesamt 45 Kinder (14 Mädchen, 31 Jungen; Alten­dorf zum Vergleich: 25 Schüler; Zicherie: 17 Schüler) namentlich aufgezählt, die zwischen 4 und 14 Jahre alt sind. Nicht alle von diesen schulpflichtigen Kindern besuchen aber auch die Schule. So dient Hans Christoph Bammel (12 Jahre) bei Klopp in Altendorf, und August Friedrich Böfing (10 Jahre) dient bei Piper in Brome. Sieben weitere Kinder besuchen ebenfalls nicht die Schule, wobei allerdings keine Begründungen genannt werden. Drei Schüler haben zwar die Schule bereits abgeschlossen und dürfen am Tische des Herren teilnehmen, sollten aber auf Empfehlung des Superintendenten noch ein Jahr weiter die Schule be­suchen (Hans Heinrich Meineke, 14 Jahre; Christoff Niebur, 13 Jahre; Christoff Schultze, 13 Jahre).

Im Jahr 1700 beschwert sich der Bromer Organist, Kantor und Schulmeister Matthias Hermann Winckeler beim Knesebecker Amtmann und dem Patron, dem Grafen von der Schulenburg, über den eingefallenen Ofen in der Schulstu­be. Er schreibt, dass die Bromer sich der Reparatur verweigerten, weil sie sich dafür nicht zuständig sahen. Der Wolfsburger Amtmann Schröder nahm sich der Beschwerde an und befahl dem Bürgermeister und der Gemeinde unter Androhung von 5 Thaler Strafe, die Reparatur des eingefallenen Ofens unver­züglich vorzunehmen. Allerdings sahen sich die Knesebecker für zuständig und richteten einen bösen Brief an den Grafen von der Schulenburg, in dem sie sich jede Androhung von Strafe gegen den Bromer Bürgermeister bzw. die Gemein­de von Seiten des Grafen verbaten. Es gab also auch damals schon ein Geran­gel um Kompetenzen und Zuständigkeiten. Wie genau das Problem gelöst wur­de, ist in den vorliegenden Akten leider nicht ersichtlich, aber vermutlich muss­ten die Bromer die Reparaturkosten allein tragen.

Bereits im Jahr 1705 lässt Pastor Prätorius (von 1697-1706 in Brome) kleinere Reparaturen am Bromer Pfarrhaus und dem Küsterhaus vornehmen. So wur­den z.B. die Wände im Küsterhaus gekalkt. Für Arbeiten am Küsterhaus erhielt Karsten Behne einen Lohn von 12 Groschen. Bereits 1708 stehen weitere Re­paraturen an, die 16 Thaler 4 Groschen und 6 Schock Schöfen Stroh betragen. Der Wolfsburger Amtmann Schröter gibt dem Bromer Bürgermeister den Be­fehl, das Geld und Stroh einzutreiben. Aber auch hier kommt es wieder zu Kompetenzstreitigkeiten, so dass der Küster das Geld und Stroh am Ende selbst einsammeln musste. Die 29 Bromer Haushalte musste jeweils 2 Groschen und 2 Schöffe Stroh zahlen, also zusammen 2 Thaler 10 Groschen und 58 Schöfe Stroh.

Das Stroh diente vermutlich zum Dachdecken des Küster- und Schulhauses.  Dass die meisten Häuser im Flecken Brome mit Stroh gedeckt waren, begüns­tigte die schnelle Ausbreitung von Bränden. Im Jahr 1807 ist der gesamten Fle­cken Brome deshalb abgebrannt, darunter auch das Pfarrhaus und das Schul­haus.

Um das Bromer Schulhaus ist es auch in den kommenden Jahren nicht gut bestellt. Bei der Visitation im Jahr 1732 wird bemängelt, dass „des OrganistenWohnung nothwendig neu erbauet werde müste“. Außerdem müsste dem Organisten ein Lehrer zur Seite stehen, weil er „der Jugend nicht mehr vorstehen“ könne. Ob es an einer Arbeitsüberlastung des Organisten oder an seinem fortgeschrittenen Alter liegt, wird leider in diesem Brief nicht erwähnt.

Dass das Küsterhaus tatsächlich in einem erbärmlichen Zustand gewesen sein muss, zeigt sich daran, dass 1740 ein kompletter Neubau geplant wird. Natür­lich wurden zur Finanzierung wieder alle Haushalte im Kirchspiel Brome hinzu­gezogen. Zimmermann Heinrich Ruthern machte einen Vertrag, nach dem ein Gebäude von 8 Gebinden entstehen sollte zu einem Gesamtpreis von 80 Tha­lern (inklusive des Bieres). Die Gemeinde wurde verpflichtet, zur Kostener­sparnis das Holz selbst heranzufahren. Außerdem wurde dem Zimmermann Ruthern das alte Gebäude für 8 Thaler auf Abbruch verkauft. Das alte Gebäude hatte einen schweren Konstruktionsfehler, der schließlich mit zu dem maroden Zustand beigetragen hat. So wurde es aus sechs Gebinden gebaut, wobei aller­dings diese zu weit voneinander entfernt waren, so dass das Gebäude mittler­weile ganz marode wurde. Das neue Gebäude sollte die gleiche Größe haben wie das alte, aber aus acht Gebinden bestehen, um so die Haltbarkeit der Kon­struktion zu erhöhen. Wie bereits im alten Gebäude sollten Wohnung, Scheune und Stallungen unter einem Dach zusammengefasst werden. Natürlich versuch­te besonders Kunrau, sich vor einem Beitrag zum Bau des Küsterhauses zu wehren, letztlich aber ohne Erfolg, denn alle Gemeinden mussten zum Bau bei­tragen. Brome leistete darüber hinaus einen besonderen Beitrag, weil es ja das Gebäude als Schule nutzte, indem der Bauplatz von Brome zur Verfügung ge­stellt wurde und indem der Küster sein Vieh kostenfrei weiden darf.

Der Bau wurde aber dennoch nicht begonnen, weil die Kunrauer sich erfolgreich weigerten. Das Küsterhaus ist dann bis 1843 so weit heruntergekommen, dass der Küster aus dem Gebäude ausziehen musste. Der Bromer Amtmann Penne wies 1744 noch einmalauf die Notwendigkeit eines Neubaus hin. In der Folgezeit muss es zu einem Neubau gekommen sein. Wann genau, ist den vor­liegenden Quellen allerdings nicht zu entnehmen.

Im Jahr 1776 beschreibt Amtmann Kette den maroden Zustand der kirchlichen Gebäude in Brome, darunter auch das Küsterhaus. Dieses muss von sämtlichen Eingepfarrten neu gedeckt werden und jedes Dorf hat einen gewissen Anteil am Dach. Kantor Krull wird in dem Bericht beschuldigt, die Sommerschule sehr vernachlässigt zu haben. Krull erklärt, dass es sich diesen Sommer mit 2 Groschen aus jedem Haus begnügt habe, obwohl sogar die Dorfschulmeister 4 Groschen bekommen. Er war also alles andere als zufrieden mit der Zahlungs­moral der Bromer und seinem Dienst insgesamt. Er wird wohl nicht mehr lange in Brome geblieben sein. Im Jahr 1781 unterrichtet Küster Senf die Bromer Kin­der. Wenige Jahre später, im Jahr 1790, beschwert sich Pastor Lindes (1763-1802 Pastor in Brome) in seinem Schulbericht, dass „der enge Raum und die Dunckelheit der Schulstuben nicht gestatte, daß alle Kinder in den öffentlichen Stunden schreiben“. Es wäre unter diesen Umständen nicht gewährleistet, dass alle Kinder in der Schule Schreiben lernten. Er bittet darum, Abhilfe zu schaffen, was allerdings bis zum großen Brand 1807 nicht geschehen ist.

Im Visitationsbericht des Jahres 1800 sind alle Lehrer, die im Kirchspiel Brome unterrichten, aufgeführt. Diese Liste sei hier zum Vergleich vollständig wie­dergegeben:

Der Küster und Organist zu Brome Johann Christian Senff, 52 Jahre,  seit 19 Jahren in Brome.

Der Lehrer zu Altendorf und Benitz Johann Heinrich Meyer, 30 Jah­re, 6 Jahre dort Lehrer.

Der Lehrer zu Ehra Johann Georg Knigge, 44 Jahre, 21 Jahre dort.  Der Lehrer zu Voitze Christian Gruß, 25 Jahre, 3 Jahre dort.

Der Lehrer zu Zicherie Johann Daniel Kravehl, 40 Jahre, 24 Jahre dort.

Der Lehrer zu Croya Johann Christoph Reinecke, 42 Jahre, 18 Jahre dort.

Der Lehrer zu Tülau Johann Friedrich Mosel, 72 Jahre, 50 Jahre dort.

Der Lehrer zu Wiswedel Friedrich Gottlieb Isensee, 57 Jahre, 28 Jahre dort.

Johann Christian Senff war von 1781  bis zu seinem Tode 1804 Küster und Leh­rer in Brome, also insgesamt 23 Jahre. Leider werden keine weiteren Detail zu Schule und Unterricht in dem Bericht genannt.

Im Visitationsbericht 1813 findet sich wieder eine Liste der Schullehrer. Hier seien nur die Veränderungen zum Jahr 1800 aufgelistet:

Der Schullehrer zu Brome Johann Karl Wilken, 44 Jahre, 9 Jahre in Brome.

Der Lehrer zu Altendorf Johann Jakob Kranz, 22 Jahre, 3/4 Jahr dort. 

Der Lehrer zu Tülau Johann Christoph Kausche, 43 Jahre, 10 Jahre dort.

Der Lehrer zu Wiswedel Friedrich Reineke, 5 Jahre dort.

Johann Karl Wilken wurde nach dem Tode von Johann Senff im Jahr 1804 Küs­ter und Schullehrer in Brome. Er verließ Brome im Jahr 1816 wohl auch des­halb, weil ihm das neue Schulhaus im Flecken nicht zusagte.

Der große Brand im Flecken Brome 1807

Cantor Johann Gottlieb Mosel, der zwar nicht Augenzeuge des Brandes war, aber den Ort und den darauf folgenden Wiederaufbau miterlebt hatte, berich­tet über die fragliche Nacht:

Im Jahre 1807 in der unglücklichen Nacht vom 3ten auf den 4ten Julius um 12 Uhr entstand bei dem damaligen Schuhmacher Heinrich Isensee, jetzt das neue Pfarrwitwenhaus, oder bei Rademacher Meyer, welcher dann südlich daran wohnte, und welches unaufgeklärt geblieben ist, plötzlich Feuer, wodurch fast der ganze Flecken außer Remmler (Hagen) Mertens, Tesmer, die Mühle und die Gräfl. Grundsitzer oberhalb des Salzwedeler Weges und des Bullendammes ab­brannte. Auch die Kirche, Pfarre und das Schulhaus wurden in Asche verwan­delt, und da fast alle Häuser mit Stroh gedeckt waren, so wurde beinahe gar nichts gerettet.

Ein Neubau des Schulhauses wurde nach dem verheerenden Brand also not­wendig. Die Bromer Bürger haben sich dafür ausgesprochen, das neue Schul­haus auf dem Kirchhof (also dem Friedhof, der damals um die Kirche lag) zu er­richten und den Friedhof außerhalb des Fleckens neu anzulegen. Die Begrün­dung für diese Entscheidung ist im Bericht der Kirchen – Commissarien festge­halten:

Da nun meine Vorstellung Eingang fand und der Platz zum neuen Kirchhof be­stimmt war, so wünschte die versammelte Bürgerschaft, und ohne jemandts Widerspruch, daß es ihr vergönnet seyn mögte, das Schulhaus, welches sonst auf der Marsche, außerhalb dem Orte gestanden hatte und wohin der Zugang im Winter oder bey regnigter Witterung äußerst schmutzig war, auf dem Kirch­hofe aufbauen zu dürfen, damit die Kinder auf einen trockenem Wege nach der Schule gelangen können.

An anderer Stelle heißt es:

Das vorige Schul- und Cantorhaus stand dicht vor dem Flecken an einen freien und offenen Platz. Die Schule ward da durch kein Geräusch gestört, aber die Kinder mußten zum Theil einen sehr beschwerlichen Weg zur Schule gehen. Der Schulhalter hatte bequeme Gelegenheit durch Oecomonie, besonders Bienenzucht, seinen schweren Dienst einigermaßen zu verbessern, auch hatte er sich auf eigene Kosten einen Brunnen daselbst gegraben.

Natürlich waren nicht alle Bromer mit dieser Entscheidung einverstanden. Be­sonders die beiden Nachbarn des zukünftigen Schulhauses machten Stimmung gegen den Neubau. Tischler Kausche hatte Angst, dass der Misthaufen des Kan­tors in stören könnte. Außerdem fürchtete er um seinen Holzlagerplatz an der Straße, den er durch den Neubau verlieren würde. Wilhelm Wadel führt an, dass durch den Neubau seine Aussicht auf den Kirchhof genommen und sein Haus verdunkelt würde. Auch Kramer Wadels Haus wurde bei dem Brand zer­stört. Beim Wiederaufbau wurde er darauf hingewiesen, dass der Neubau des Schulhauses auf dem Kirchhof geplant war. Ihm wurde sogar offiziell angeraten, die Front seines Hauses nicht nach dem Kirchhof zu bauen, woran er sich aber nicht gehalten hat. Wadel argumentiert, dass seine Geschäftsgrundlage zer­stört würde, weil seine Kunden über den Kirchhof zu ihm kommen. Die Bau­kommission aber wies diesen Einwand scharf zurück.

Natürlich gab es auch Bedenken wegen der Umbettung der Toten, aber diese wurden schnell zerstreut. Eine Mehrheit von 25 gegen 6 Stimmen entschied sich für den neuen Platz auf dem Kirchhof. Bereits vor Vorliegen der Bauge­nehmigung haben die Bromer Tatsachen geschaffen, indem sie Tote umgebet­tet und mit dem Ausschachten des Fundamentes begonnen hatten.

Kantor Wilken wehrte sich nach allen Kräften gegen den Neubau auf dem Kirchhof, weil er wirtschaftliche Nachteile befürchtete, indem er die Bienen­zucht nicht mehr ausüben könnte. Außerdem habe er auf eigene Kosten bereits einen Brunnen am alten Platz angelegt. Insgesamt hielt er die Lage der neuen Schule für ungeeignet.

So schreibt er am 10. August 1807 an den Superintendenten in Wittingen:

[…] wegen der Erbauung eines hiesigen neuen Schulhauses, sieht man noch keine Anstalten treffen; der schon bekannte vatale Platz des Kirchhoves ist zwar schon dreimal gemeßen, ohne daß ich eben etwas davon erfahren habe; und ist und bleibt auf immer ein Feuer gefährlicher Platz, weil er von 4 rüden Wirtshäusern, und einem sehr nahe gelegenen Backofen, welcher fast Tag und Nacht mit Feuer unterhalten wird umgebnen ist. Ew. Hochwürden ist doch auch sehr gut bekannt, das der Plan des hiesigen Consistorium dahin geht, die Schullehrer zu verbessern, diese Umänderung des Brömer Schulhauses würde offenbar als ein gefährlicher Schaden des Dienstes zu 10 Rthl. berechnet angeschlagen werden können, welche in dem schönen Grase des Kirchhofes, der baren Einkünfte des Marktes an Stellgelde, und der daselbst zu betreibenden kostbaren Oekonomie vorzüglich bestellt. […] Sollte man nicht als ein Recht einen neuen Bienen Garten als Ersatz verlangen können? Ich glaube nach Verordnung des Landes kommt er jeden Schul­lehrer zu.

Hochachtend empfehle ich mich, und habe die Ehre mich zu nennen. Brome den 10. August 1807

Ewr. Hochwürden untertänigster Cantor J.H. Wilken

Die Lage des neuen Schulhauses ist in den Akten genau beschrieben, aber ein  immer wieder erwähnter Lageplan ist leider nicht mehr auffindbar. Das Gebäu­de sollte 24 Fuß (ca. 7m) von der Kirche entfernt sein (wobei die Kirche parallel zur Hauptstraße stand), 16 Fuß (4,6m) von Kausches Wohnhaus und 12 Fuß (3,5m) von seinem Gehöft, 38 Fuß (11m) von Wadels Haus sowie 33 Fuß (9,6m) von Bäcker Warneckes Backhaus. Der Platz dieses Gebäudes lässt sich genau verorten. Es stand mit dem Giebel zur Hauptstraße. Zum rechten Nachbarn, wo heute Willi Lutz wohnt, war der Abstand genauso groß wie heute, wenn man den Anbau zwischen Gemeindehaus und Willi Lutz abmisst. An der Straße be­trägt der Abstand 4,9m – also in etwa 17 Fuß. Das Gebäude von 1807 war also an dem Platz, an dem 1852 der Neubau errichtet wurde. Dieser Zwischenraum zwischen dem Schulhaus und dem Haus von Tischler Kausche war die Einfahrt zum Hof des Kantors.

Während dieser Auseinandersetzungen zwischen Gemeinde und Superindentur über die Nutzung und generelle Regelung der Schule wurde mit dem Gedan­ken gespielt allen Unterricht in private Räume zu verlegen. So spielte man mit dem Gedanken im Pfarrwitwenhaus zu unterrichten. Darauf meldete sich aber die Witwe des Pastor Linde zu Wort und richtete einen Brief an den Superin­tendenten:

[…] Dero gütige zuschrift habe ich durch Herrn Pastor Hölty erhalten, woraus ich sehe das Herr Hochwürden es gerne wünschen, das die Schule in meiner Stube gehalten würde, ich habe aber die Stube und Kammer gleich nach den Abbrennen vermietet, es also mit Leute bewilligung geschehen mus, sie geben mir ansehnliche Miete, und sonst noch einige Unterstützung die ich an nehmen muß, es ist Ihnen doch wohl bekannt Herr Superintendent das hier kein Wit­wengehalt ist, ich muß also zusehen wie ich vertig werde, meine Möbeln kann ich nicht nach den Schloß bringen, weil die Zimmer auf den Schloße besetzt sind,  und auch den Boden es durch regnet, und die Bretter von den Mäusen auf ge­fressen würden. Ich habe seit den brande schon schaden genug gehabt, aus Achtung vor Religi­ on kann es geschehen das die Brömer kinder stunden haben, in meiner stube, nemlich mit bedingung einige Tage in der Woche wo Schule geghalten würde, das wollten sich meine Miets Leute gefallen laßen, das wenn Schule gehalten würde, das sie so lange raus gingen, den sie sagen was ich gemiet habe das kann ich auch bewohnen, weil wir auch abgebrannt sind, und unser haus noch nicht verrtig ist, und wir nirgend hin wißen, so müßten wir blöeiben wo wir sind, ich habe schon verdruß genug darüber gehabt, Herr Superintendent das können sie Glauben, was ist das auch nicht vor unruhe und last vor mich alle tage die vielen Kinder das laufen den ganzen tag zu haben, und dann die Mieths Leute in meine Stube so lange auf zu nehmen,die so voll ist, wo ich schon viele sachen vor mir hin gesetzt, ich mach gar nicht daran denken.

Ich habe noch bitte an sie eur Hochwürden, das sie den Kindern befehlen das nach geendigter Schule, die Kinder die Stube und Diele wieder rein machen, und den an wen ich mich halten soll, der da vorsorgt das ich vor meine Unruhe und last die ich davon habe schadloß gehalten werde, den die Bauer wetrden vor die Brömer Kinder keine Schulstube bezahlen, den so wie ich es auch nicht nötig habe den ich krieg auch von ihnen nichts, die Brömer hätten schon lengst ehr für ihre Schul Stube sorgen müßen, als bis der Winter angeht das ich nun soll die last tragen, da der Herr Superintendent mit schreiben das ich von Consistorium kleinen Ersatz zu erwarten hätten ist mir recht herzlich liebt, für ihre gütige bemühgung sage ich den gehorsamsten Dank. Ich empfehle mich Ihre Frau Ge­mahlin so wie Ihren auch um ferner Freundschaft und verbleibe Eur Hochwür­den

 Ergebenste Dienerin                      Ch. L. Lindes

Das Schulgehöft sollte eine Gesamtgröße von 4000 Quadratfuß haben (338,7m2), das Gebäude eine Grundfläche von 1734 Quadratfuß (146,8m2). Die Schulstube sollte nach hinten hinaus liegen. Geplant war ursprünglich ein Ge­bäude von 54 Fuß Länge (15,7m) und 36 Fuß Breite (10,5m), womit die Bromer Bürger allerdings nicht einverstanden waren. Sie verkleinerten den ursprüngli­chen Grundriss um 9 Fuß in der Länge und 2 Fuß in der Breite. Natürlich war der Kantor nicht begeistert von dieser Idee. Pastor Hölty zeichnete einen neuen Grundriss, nach dem das Gebäude eine Länge von 49 Fuß (14,3m) und eine Breite von 34 Fuß (9,9m) hatte. Damit verringerte sich die Grundfläche des Schulhauses auf ungefähr 140m2. Dieser wurde dann schließlich auch geneh­migt.

Pastor Hölty erläutert seine Änderungen am Grundriss wie folgt:

Die Hausdiele nach dem ersten [Riss] war 4 Fuß lang u. 9 Fuß breit. Die Kühe fraßen nicht von der Diele sondern es war ein eigener Futtergang nach der Miststelle. Die Wohnstube war von der Schulstube durch die Diele u. Küche ge­trennt. Gar nicht gut für die Schulkinder, indem sie ganz ohne Aufsicht weren, wenn der Cantor die Bestellungen annotiren muste. Nach dem neuen [Riss] ist die Wohnstube an der Schulstube, jene mit der Küche nehmen so viel Raum ein als die letztere. Die Diele wird 13-14 Fuß breit und kann darauf gedroschen u. gewendet werden u. 24 Fuß lang. Die Kühe müssen aber nun v. der Diele fres­sen. Wenn nun eine Klappe über die Krippe angebracht wird, so thut das nichts. Das Haus bekommt denn nur einen Eingang, die große Thür vor der Hausdiele. Es mögte denn noch eine Thür an der Küche nach der Kirche angebracht wer­den. Die Nachbarschaft von Schulstube und Wohnstube hatte zudem den Vorteil, dass ein Ofen in der Mitte gebaut werden konnte, der gleichzeitig beide Räume heizte.

Wilken war die ganze Planung nicht recht – weder der Bauplatz noch die Größe  und Ausstattung des Neubaus. Das Haus schien ihm viel zu klein und er verglich es in einem Brief an den Superintendenten mit einem Hirtenhaus. Als alternati­ven Platz schlug er den Neubau des Schulhauses hinter dem ehemaligen Pfarr­haus, das 1808 neu gerichtet wurde, auf der Marsch vor, weil der Schulweg dorthin nicht beschwerlich sei. Sicherlich spekulierte er dabei auch auf eine gu­te Lage für seinen neuen Bienenzaun. Genützt haben seine Einwände und Vor­schläge allerdings nichts.

Wilken konnte sich nicht mit dem Entwurf des Schulhauses anfreunden, weil  ihm die Stallungen zu klein waren, und legte deshalb Protest ein. Zimmermann Olland arbeitete sogar einen neuen Riss aus und schlug vor, dass das Gebäude um 4 Fuß verlängert werden sollte. Kantor Wilken beruhigte sich wieder und ließ von dieser Forderung ab, bestand aber weiterhin auf der Einrichtung einer Rauchkammer, eines Gänsestalls und eines geheimen Gemachs. Außerdem wurde vereinbart, dass auf der Grenze zwischen Schulhaus und Kausche ein gemeinsamer Brunnen gegraben werden soll, der zur Hälfte von Kausche und zur anderen Hälfte von der Gemeinde finanziert werden sollte. Doch die Bürger Wadel und Kausche wollten sich nicht mit der Entscheidung  der Gemeinde abfinden und wandten sich im Mai 1808 über ihren Anwalt Be­the an das Consistorium in Hannover. In diesem Schreiben brachten sie noch einmal die alten Einwände vor. In dem Brief wird sogar angeboten, dass der Weg zur Schule, so sie denn an der alten Stelle errichtet würde, auf Kosten von Tischler Kausche gepflastert wird. Das Consistorium ließ sich davon nicht be­eindrucken und schmetterte das Ansinnen ab, weil die Einwände für unerheb­lich befunden wurden. Dem Bau stand nun nichts mehr im Wege. Auch bei der Visitation im Jahr 1810 taucht der Namen Wilken wieder mit Be­schwerden in den Akten auf. Er bittet darum, endlich die Grenzen vor seinem Haus genau zu bestimmen und einen Zaun bauen, der sich dann 6 Fuß vor Wadels Tür befunden hätte. So war es ihm schließlich versprochen worden. Außerdem beschwerte er sich über Beleidigungen ihm gegenüber von den Ehe­leuten Wadel. Er befürchtet, dass Wadels sein Haus in Brand setzen würden und bittet deshalb um die sofortige Aufnahme in die Brandkasse. Was seinen Bienenzaun anbetrifft, den er bei dem Brand 1807 verloren hat, so wurde noch immer keine Lösung gefunden. Zwar hat ihm der Graf versprochen, sich um ei­ne Stelle zu kümmern, aber bisher ohne ein Ergebnis. Des Weiteren beschwert er sich über nicht gezahltes Schulgeld und bittet um Hilfe bei der Eintreibung. Kantor Wilke war auch zwei Jahre nach dem Neubau des Schulhauses nicht zu­frieden mit seiner Situation. Ostern 1816 hat er Brome endgültig verlassen. Sein Nachfolger im Amt des Kantors und Schullehrers wurde Johann Gottlieb Mosel (Lehrer von 1816-1855).

Filmaufnahmen Brome Ende der 60er Jahre

Egon Nöhre (1931-2016) hat Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mit seiner Schmalfilmkamera Aufnahmen in Brome gemacht und diese dann auch als Film ohne Ton geschnitten. Zu sehen sind u.a. Ortsansichten, Geschäfte, das Freibad und die ehemalige Zonengrenze nach Mellin, Steimke und Wendischbrome.

Für diese Fassung wurde der Originalfilm digitalisiert. Bei der Bearbeitung wurden die Titel neu eingefügt. Die Schnittreihenfolge von Egon Nöhre wurde beibehalten. Lediglich einige wenige Szenen wurden in diese Fassung nicht mit übernommen, um die Rechte der dort gefilmten erkennbaren Personen zu wahren.

Wir danken Egon Nöhre für die Nutzungsrechte des Films. Wir gedenken mit diesem Film unserem langjährigen Vereins- und Vorstandsmitglied Egon Nöhre.

Karl Schmalz: Zur Geschichte der Bromer Schustergilde

Von den Urkunden, die sich auf die Bromer Schustergilde beziehen, stammt – soweit sie mir zugänglich gewesen sind – die Älteste aus dem Jahre 1716: Günther Oldeland aus Klein- Wismar will bei seinem Halb- und Stiefbruder Friederich Oldeland zu Brome das Schusterhandwerk erlernen und läßt sich die dazu erforderliche Geburtsurkunde ausstellen. Dies Schriftstück ist in mancherlei Weise bedeutsam und sei darum hier wiedergegeben. Es ist mit dem Siegel der Bartenslebens versehen.                                               

Wir Achatz Günther und Gebhard Werner Gebrüder von Bartensleben (Achatz Günther, +1719, Gebhard Werner + 1742) auf Wolffsburg Brohme und Bistorff Erherren Füge… iedermenniglich, Zuwißen insonder… ers Zuwißen nöthig: War… vor Unsern Gerichten in eigener Person erschienen Johann Friedrich Oldeland aus dem Flecken Brohme, und gebührlich an und… wie daß… gesonnen wäre, seinen Halb oder Stieffbruder Günther Oldelanden, das Schuster Handwerck  daselbst ährlich und Zünf… …lernen Zulaßen, Zu diesem Behff derselbe eines Geburths Briefes und Urkunde benöthiget ware anbbey… 3 Männer, als Hanß Heinrich Bö… Inwohnern und Schuster Zu Steimke, als dessen Taufpathen und Gevattern Christoph Isenseen und Johann Friedrich Pipern, beiderseits Bürger in dem Flecken Brohme Zu Zeugen Vorstehende, mit Bitte dieselbe eydlich darüber Zuvernehmen Wann wir nun einem jeden Zu einer… Nothdurfft gerne befördert; und geneygt sein, Alß haben wir obbesagte 3 Personen alsofort Vorkommen laßen, welche dann mit entblößtem Haupte, ausgestrecktem Arm und aufgerichteten Fingern Zu Gott im Himmel einen theuren und Leibl. Eid geschworen und bekräftiget. Daß ihnen sambt und sonders nichtanders wißend sey, als daß oberwehnter Günther Oldeland Von seinem Vater Friedrich Christoph Oldelanden und der Mutter Hunen Catharinen Kahlin Hanß Kahlens, Hochadl. Schulenburgl. Verwalters und Pachters auf dem kleinen Wiß mar Eheleibl. Tochter, welche beyde Eheleute Christl. Gebrauche nach, öffentl.  Kirchen und Straßen gegangen, echt und recht, Ehelich und ehrlich gezeuget und gebohren worden, und daß diese seine Eltern sich keiner unehrl. und schändtl. Hanthierung jemahls gebrauchet, noch jemand… mit einiger Leibeigenschafft Zugethan und Verwandt gewesen, dahero auch ihr Sohn Günther Oldeland guter, freyer Teutscher nation und keiner Wendisch…. oder solche… Arth, welche man Ehrl. Gülde, Zünfte und Innungen Zuversagen pflegen, allermaßen dann auch dieser ihr Sohn selbst seinen guten Loimund und… bis dahero… Verwahret und erhalten, vielmehr Von jugend an Zu Kirchen und Schulen wohlerzogen und Zu allen Christl. Tugenden fleißig vermahnet worden… Und dann uns selbst nichts anders, als was 3 Vorberichtete Männer, und… würdige Luethe auf ihr gutes Gewißen bezeuget von oft mentionirten Günther Oldelanden und deßen Eltern wißend und bekand… So haben wir auch kein Bedencken tragen dürfen über solchem allen gegenwärtiges Attestatum und  Kundschaft in beglaubter Form zu… heilen, jedermännigl. Nach Standesgebühr ersuchen… demselben Völligen Glauben beyzulegen, und mehr angeregter Günther Oldelanden, deßen fruchtbarl Genießen zulaßen, auch sonsten allen geneigten Willen und Gunstförderung zuerzeigen und zuerweisen, welches wir dann gegen einen jeden nach Standes Gebühr in der Thad zuer..dern geflißen seyn w…en. – Zu mehrerer Urkunde haben wir Unsers Geschlechts Großeres Insiegel wißentl. an diesen Brief hengen und selbigen durch Unsern dieser Zeit bestellten Ambtman eigenhändig unter…eiben laßen. So geschehen Hauß Brohme den 20ten Martii des verbeßerten Calenders nach unsers Erlösers und Seligmachers Jesu Christi Heylbringenden Geburth im Ein Tausend Siebenhundert Sechzehnden Jahre.                                 

                                                       Johann Ernst Selig…

Aus den Zeilen auf dem Umschlagdeckel der Unterlagen der Schustergilde geht hervor, daß die Bromer Schuster schon am 28. Mai 1696 Gilderechte erhalten oder gar schon gehabt haben. Die Gilde ist wohl hernach verfallen und dann auf Antrag der Bromer 1761 erneuert worden. Der zu Hannover den 6. Novembris 1761, Unsers Reichs im 2 Jahre ausgestellte Amts= und Gilde= Brief vor die Schuster zu Brome trägt den Vermerk Auf Seiner Königl. Majestaet und Chur=Fürstl. Durchl. Allergnädigsten Special Befehl. In 39 Artikeln regelt er die Pflichten und Rechte der Meister, der Gesellen und der Lehrjungen und die Verwaltung der Gilde. Dabei geht er zurück auf das, was in dem anno 1692. der Aemter und Gilden halber publicirten Reglement verordnet, ob es schon wörtlich nicht inseriret.

Dieser Gildebrief von 1761 gebraucht zwar Wendungen, die uns heute nicht mehr geläufig sind, aber seine feste und begriffssichere Sprache hebt sich wohltuend ab von dem ausgelaugten und verschwommenen Deutsch, in dem die Satzungen vom 22. August 1879 abgefaßt sind. Um ein Beispiel zu geben, greife ich aus diesen Satzungen, die sich stolz als Statuten ausgeben, den § 29 heraus, wo man lesen kann: Innungsgenossen welche den vorstehenden Bestimmungen oder den von der Innungsversammlung zukünftig gefaßten Be-schlüssen über die mit den Lehrlingen und Gesellen abzuschließenden Verträge und deren Aufrechterhaltung zuwiederhandeln, verfallen in eine vom Vorstande zu erkennende Geldstrafe von 15 Mark.

Die Absicht des Gildebriefes ist es, das Schusterhandwerk ehrsam zu erhalten. Als sich nun zu Anfang des 19. Jahrhunderts „wilde Schuster auftun“, Gesellen, die auf eigene Rechnung arbeiten, da geht am 23. Januar 1804 der Graf, auf den Gildebrief verweisend, dagegen vor: Wie nun solches den Gilde – Privilegio der Schuster zu Brome vom 6ten Nov: 1761 gerade zuwider ist: so wird allen Schustergesellen und andern unzünftigen Schustern, welche sich in dem Flecken Brome zu besetzen und ihre Profeßion zu betreiben gedencken, ohne das Meister Recht zugewinnen, die Arbeit hiemit gänzlich verboten, unter der Verwarnung daß, wenn einer oder anderer derselben sich herausnehmen solte, nach gehörig geschehener Publication dieses Befehls, für sich und also nicht einen Meister, Schuster Arbeit zuverfertigen, demselben das Handwerckszeug und Lederwerck weggenommen, und dem Befinden nach, von der Obrigkeit noch besonders bestraft werden solle… Unterschrieben hat Kette, der damalige Amtmann des Gerichtes Brome.

Nicht wertlos ist ein Heft, auf dessen Umschlagdeckel geschrieben steht „Vor die jungen in zuschreiben und Los zu geben“. Die erste Eintragung stammt vom 14.12.1823 und lautet: „Ist meister Friedrich Rathsack, sein Lehrbursche, als Johann Heinrich Görke, aus Jahrstedt bürtig, eingeschrieben. Und 4. Jahre Lehrnen muß“. Unterschrieben hat Delius, damals gräflicher Förster zu Brome. Die Eintragungen 30 (15.10.1837) – 42 (25.3.1845) und eine Bemerkung unter der 42. Eintragung sind von Camann unterschrieben, der sich bald als Obrigkeitlicher Deputirter, bald als AV (Amtsvogt) ausgibt. Die Gilde wird also von der „Obrigkeit“ überwacht durch einen Deputierten, der vornehmlich aus den Reihen der Leute des Grafen genommen wird.

Für die meisten Lehrjungen ist nur eine dreijährige Lehrzeit vorgesehen. Der Gildebrief von 1761 scheibt dazu unter XXII: Und weil man wahrgenommen, daß wenn arme Knaben in die Lehre genommen werden, welche nicht des Vermögens das volle Lehrgeld zu bezalen, der Meister die LehrJahre auf 5 bis 6 Jahre extendire, und solche Knaben ihre beste Zeit unter der Saevitz ihrer Meister zubringen mü:en; Als verordnen Wir hiemit, daß die Lehr Jahre nicht über Vier Jahre extendiret werden sollen…

In der Eintragung Nr. 42 ist Carl Behne, Sohn des Nadlers Marcus Behne hierselbst genannt.  Ich erwähne das, um auf diesen Berufszweig aufmerksam zu machen. Das Heft schließt mit der 50. Eintragung, vom 10.10.1852 stammend. Unterschrieben hat Oehlerking.

Die Akten halten die Namen der folgenden Lehrburschen aus den Jahren 1823 – 1852 fest:

Johann Heinrich GökeJahrstedt                  4 Jahrebei Friedr Rathsack   18.12.25
Johann Heinrich DierksZasenbeck                3Jacob Klob                   20.3.26 Tülau                                 
Friedrich  IsenseeBrome                       4Gottlieb Mosel                    25
Heinrich RathsackFahrenhorst             3Friedrich Rathsack     Ostern 25 
Heinrich Gede                                   4 JahreHeinrich W. Mölder             11.9.26
Christoph PieperBrome                     Christoph Mosel        12.   26
Friedrich BehneTülau                       Friedich Radsack   Ostern 29                   
Joachim SchulzeNeu-Ferchau             3Heinrich Mölder       13.4.30
Karl MeyerZasenbeck                 4Christoph Mosel       24.4.32
Friedrich BenekeLüdelsen                    3Friedrich Radsack     24.4.32
Jacob BredeBarwedel                   3Gottlieb Rathsack     25.9.30
Johann OllandSohnFriedrich Olland         23.6.31                     
Heinrich (Schünker)(Germenau)Christoph Mosel      29.12.33
Sohn des(ausgeschrieben)Heinrich Müller       27.12.36
Heinrich SchmickerGermenau  ausgeschriebenChristoph Mosel      27.12.36
(Ist wohl jener am 29.12.33eingeschriebene Heinrich) 
Christoph KennekeBokensdorfChristoph Mosel      13.10.37
Christian BenekeTangeln                        4Friedrich Radsack    15.10.37         
Johann Heinr. Christ. KauscheSohn v. Heinr. Kausche Brome                        3Heinrich Müller          17.4.38
Wilhelm GödekeBrome                        3Christoph Mosel        17.4.38
Friedrich OllandSohn v. Friedr. Olland Brome   vermerkt: schon 3 Jahre ausgelernt09.06.39
Heinrich MüllerEhra                             3                        Ostern      1840
Karl FrankeBrome    bei seinem VaterChristoph Franke   Ostern 40
Wilhelm GerckeMellin                          3Friedrich Radsack            9.40
Friedrich RadsackBrome, bei seinem Vater Friedrich Radsack  3 Jahre                      Ostern 18 41 (?)
Christoph BöseBrome                         3Friedrich Isensee   Ostern 42
Friedrich BehneJahrstedt                     3Christoph Mosel    Ostern 42
Heinr. Friedr. Christoph RosenhagenJembke                        3Christoph Mosel    Ostern 44
Heinr. Friedr. Wilhem KauscheJembke                         3Friedrich Radsack  Ostern 44
Karl BehneBrome                           3Friedrich Radsack  Ostern 45
Sohn des Meisters Gottlieb Mosel BromeBromeChristoph Mosel    Ostern 46
Heinrich Jordan Friedrich Isensee   Michaelis 46      
Wilhelm Steffens            Franke          Ostern 46
Heinrich …rath                                       3 JahreHeinrich Wilhelm Müller                              Michaelis 48
Sohn des Meisters Christoph Mosel                                  Ostern 49
Wilhelm Pieper Christoph Franke   Michaelis 49
Heinrich SturmSteimke                           3 Friedrich Radsack  Ostern 51
Heinrich Radsack  Sohn des Friedrich RadsackBrome                              3Friedrich Radsack  Ostern 51
Heinrich BehneBrome                              3Wilhelm Gödeke        15.8.52

Unterschrieben ist die jeweilige Eintragung von Johann Heinrich Göke bis Jacob Brede (einschl.) von Delius, die Eintragungen von Christoph Kenneke bis (einschl.) Friedrich Olland und von Christoph Böse bis (einschl.) Karl Behne von Cammann, die letzten drei von Oehlerking und die drei davor von Friedrich Isensee. Die Übrigen tragen keine Unterschrift. Cammann nennt sich in einem Schreiben vom 29. März 1843 Obrigkeitlicher Deputirter der Schuhmacher Gilde, ein Schreiben aus dem Königlichen Amt zu Knesebeck ist gerichtet an den Gilde=Obmann Baucke. Es scheint also keine feststehende Amtsbezeichnung für die bestellte Aufsichtsperson gegeben zu haben. Als Obleute treten nacheinander auf: Delius, Cammann, Isensee, Oehlerking und später Baucke.

Ein zweites Heft, durch Altmeister Christoph Lindemüller am 14.4.1841 angelegt, hält – auf der 1. Seite beginnend – die Einnahmen und – im umgedrehten Heft auf der letzten Seite beginnend – die Ausgaben fest. Bemerkenswert sind drei Eintragungen aus dem Jahre 1845 und eine aus dem folgenden Jahre. 1846 sind an den Altsitzer Schumacher Mstr. Wolf zu Unterstützung wegen älter Schwäche ausgezahlt 3 r. In der Zusammenstellung aus dem Jahre 1845 liest man Günter Olland zu unter Stützung 1 r, Alten Mosel zu unter Stützung 1r. Für einen bericht an könig nebst auslagen und Porto 1 r 8 g. Die meisten Ausgaben begleichen Zechen oder sollen Leichenträger entschädigen.

Zu den Beerdigungen schreibt der Gildebrief von 1761 unter XXXV: (Soeiner) in dem Amte stirbet, es sey Meyster oder Frau, so sollen die Amts Brüdern, und Frauen, wann die Leichen Bestätigung öffentlich geschiehet, vor dem Hause, da der Todte inne ist, auf dem Steinwege erwarten, bis die Leiche herausgetragen wird, und mit zu Grabe folgen, auch soll ein jeglicher des Amts=Verwanter zu dem Begräbniße geben 2 Pfenning, und solche denen Armen um Gottes Willen ausgetheilet und gegeben werden.

Bei dieser Gelegenheit soll hier auch noch auf andere beachtenswerte Bestimmungen des Gildebriefes hingewiesen werden. Unter XXXVII liest man: Es sollen… alle Jahr die Rechnungen von den Alt= und JungMeistern nachdem die zuforderist von den Obrigkeitlichen Deputirten, bey der ersten Morgen=Sprache im Jahr, nachgesehen, abgenommen, und sodann wiederum neue Alt und JungMeister bestellet werden, welche vermittelst Handschlages angelobet, daß sie dieses Jahr des Amts der Schuster Vorsteher seyen, deßelben liegende und fahrende Güter und Activ-Schulden sich mit gutem Fleiß annehmen, und dieselbe in so weit solches noch nicht geschehen, in ein richtig Inventarium bringen, deßelben Einnahme und Ausgabe alljährlich ohne etwas weg zu laßen, richtig berechnen, ihre Rechnungen justificiren, von einem angehenden Meyster, es sey unter was Praetext es immer wolle, nichts mehr, als dem Amt der Schuster zu Brome zu nehmen nachgelaßen, nehmen, bey Besichtigung des MeisterStückes, und so oft auch sonsten ihnen etwas zu beurtheilen, von Obrigkeits wegen aufgegeben würde, nach besten Wißen und Gewißen, ohn alle Neben Absicht und Partheilichkeit, verfahren, alle unzuläßige und verbottene Schmausereyen so woll vor sich selbst im Amte einstellen, als von denen angehenden Amts=Meistern bey Verfertig= und Besichtigung des Meister Stückes gänzlich einstellen laßen, auch der Beschenckung des Obrigkeitlichen Deputirten, und anderer GerichtsPersonen, es sey an Gelde, oder Victualien sich auf Keinerley Weise unternehmen, seine MittMeister und Gesellen, in zuläßigen Fällen höher nicht denn auf 12 Gr. bestrafen, die Strafe dem Amte zu gute in Einnahme bringen, denen Losgesprochenen Lehr Jungen, wegen Bewirt= und Beschenckung, Meister und Gesellen Keine Unkosten machen, dabey alle ärgerlichen Gebräuche unter den Gesellen verbieten und sonst alles das thun wolle, was einem ehrlichen getreuen Amts-=Vorsteher und Rechnungsführer oblieget, und das wahre Beste des Amts der Schuster zu Brome erfordert.

Und weil die Erfahrung gezeigt, daß die Amts-Vorsteher, wenn sie in Amts-Angelegenheiten entweder gericht= oder außer gerichtlich etwas zu verrichten gehabt, sodann auf des Amts gemeine Unkosten, sich Wein, Bier, Branewein, auch woll gar Eßen aufsetzen laßen –  wie unter XXXVII festgestellt wird, so wird denselben solches bey Strafe der Gefängniße untersaget.

Der Gildebrief verbietet auch, wenn ein Geselle sein Meisterstück anfertigt und vorlegt, denen Deputirten, soll als denen Meistern…, bey solchem Acto zu schmausen oder vor ihre Mühe etwas zu fordern, oder das geringste an Gelde oder sonst etwas es sey unter welchem Praetext es wolle, anzunehmen oder – wie es unter II weiter heißt, – bey solcher Besichtigung, Wein, Bier, Kringel und ander Eßen aufzusetzen, oder zu nehmen. Darauf mag sich Wilhelm Müller berufen haben, als er wegen „sein Meister geldt“ gegen die Gilde vorgeht und am 16.5.1826 in einem Vergleich erreicht, daß ihm 3 r 12 g gehabte Klagekosten erstattet werden. „… dahingegen haben sich sämtliche Meister, nahmentlich alle unterschrieben daß keiner etwaß will von sein Meister geldt will wider haben, oder ansprüche an die Gilde machen will. Es haben sich unterschrieben als Altmeister Wilhelm Redlich,  als Gildemeister Jacob Radsack, und weiter die folgenden 29 Meister: Christoph Mosel sen., Christoph Mosel jun., Gottlieb Radsack, Friederich Elster, Jacob Isensee sen., Jacob Isensee jun., Heinrich Isensee, Friederich Gottlieb Isensee, Johann Olland, Wilhelm Olland, Friederich Olland, Friedreich Birmann, Friedrich Bratze, Friedreich Radsack sen., Friedrich Radsack jun., Heinrich Düping, Heinrich Kausche, Christoff Schütze, Christoff Franke, Christoff Lindmüller, Friederich Wolf, August Mosel, Joachim Lindmüller, Günter Olland, August Tesmer, Wilhelm Müller, Heinrich Müller, Gottlieb Mosel sen. und Gottlieb Mosel jun.“. Die Statuten vom 22.8.1879 beschlossen am 26.3.1879, sind nur noch von 17 Meistern unterschrieben. Es sind dies außer dem Obermeister Heinrich Mosel: Christoph Mosel, Wilhelm Müller, Fr. Pieper, W. Gödecke sen., W. Gödecke jun., Fr. Radsack, C. Franke, W. Steffens, L. Hermann, W. Radecke, L. Hundt, Hr. Gaedecke, W. Buchmüller, Schulze, W. Müller, H. Pape. Es fällt übrigens auf, daß der Vorname zumeist nicht mehr ausgeschrieben oder gar ganz weggelassen wird. In den von E. Hesse zu Klötze gedruckten Statuten, fehlt der Name von H. Pape.

Ein vom 28.9.1840 stammendes Ausschreiben, betreffend die Prüfung der angehenden zünftigen Handwerks – Meister schreibt den Schustergesellen vor, ein Paar Stiefel, Männerschuhe und Frauenschuhe anzufertigen. Das auch immer noch, wie es der Gildebrief unter XXI vorschreibt, eine Wanderschaft verlangt wird, beweist ein Schreiben des Amtsvogts Cammann vom 24.2.1845 gegen Karl Hermann, der als Meister zugelassen werden möchte. Er wird aufgefordert, da er bisher darüber keinen Nachweis geliefert, daß er 3 Jahre sich auf Wanderschaft befunden… binnen 8 Tagen entweder diesen Beweis zu liefern oder aber zu gewärtigen, daß derselbe wegen Pfuscherei zur Bestrafung gezogen wird. Hermann hatte erst am 7.1.1845 in Brome Wohnrecht erhalten. Als 1843 der Schuhmachergeselle Schulze als Meister in die Gilde aufgenommen werden will,  da antwortet ihm am 29.3. der Amtsvogt als der damalige obrigkeitliche Deputierte: Demselben dient auf sein Ansuchen um Aufnahme als Meister in die Schuhmacher Gilde zu Resolution: daß, bevor Sie als Meister aufgenommen werden können, erst der Nachweis über die… 3 Wanderjahre eingereicht werden muß. Auch haben Sie eine Bescheinigung vom Herrn Bürgermeister Stampehl hierselbst beizubringen, daß Sie das Bürgerrecht gewonnen. Nach geführtem Beweise der Wanderpflicht und eingereichter Bescheinigung über das gewonnene Bürgerrecht soll dann wegen Anfertigung eines Meisterstücks das Nötige festgestellt werden. – Nachdem der Schuhmacher Geselle Schulze aus Neuferchau mittelst Rescripts einer Königlichen Landdrostey vom 24ten April e. von den Wanderjahren dispensirt, um nach der Einbezeugung ieniger Meister das Bürgerrecht erworben, so wurde mit den Gilde Einverständniß festgesetzt, daß Schulze als Meisterstück und zwar bei dem Gildemeister Lindmüller anfertigen solle

  1. Ein paar rindlederne Kniestiefel
  2. Ein paar ordinaire Mannsschuh und
  3. Ein paar ordinaire Frauenschuh

Am 6. Juny 1843 erklärt Gildemeister Lindmüller: Diese Arbeit wurde von den Gildemeistern gehörig besehen und wenngleich einige kleine Fehler befunden, wurde das Meisterstück doch für so tüchtig gefunden, daß er als Meister der hiesigen Gilde aufgenommen werden solle und könne. Nachdem Schulze die erforderlichen Gebühren gezahlt, wurde er, wie der Amtsvogt schriftlich festhält, ins Meisterbuch eingetragen.

Auf den Bromer Märkten waren der Schuhmachergilde besondere Plätze zugewiesen. Es müssen aber wohl diesetwegen allerlei Irrungen entstanden sein; denn am 19.4.1861 schreibt das Königliche Amt Isenhagen an Schuhmachermeister Wilhelm Gödecke, Brome: Auf Ihre und des Schuhmachermeisters Schulz zu Brome Namens der Schuhmachermeistergilde zu Brome an Königlicher Landdrostei  gerichtete hierher abgegebene Vorstellung, betreffend die Aufstellung der Buden und Tische der Schuster zu Brome, gelegentlich des Bromer Marktes wird Ihnen eröffnet, daß der Voigt Kobbe zu Brome durch abschriftliche Zufertigung der Verfügung angewiesen ist, dafür zu sorgen, daß Ihnen und den übrigen Schustern zu Brome die bisher benutzten Stände bei den Märkten angewiesen werden.                                                                                                                           Wie hoch das Marktstättegeld in Brome festgestellt ist, können Sie bei dem Voigt Kobbe zu Brome jederzeit erfahren.

Am 12.7.1828 genehmigt die Landdrostei zu Lüneburg der Bromer Schustergilde, eine Sterbekasse einzurichten. Abrechnungen für die Jahre 1834-57 werden in einem Buche festgehalten, das übrigens als Gründungstag der Kasse den 13.4.1825 angibt. Wir haben es hier zu tun mit dem Anfang einer Sterbegeldversicherung. Die Einnahmen kommen zusammen aus Zinsen für ausgeliehene Geldsummen, aus Einschreibgebühren und laufenden Beiträgen. Die Satzungen sind leider nicht mehr aufzufinden. Doch liegen noch einige Schriftstücke vor, die bedeutsame Rückschlüsse zulassen. Am 28.2.1867 schreibt das Amt Isenhagen über den Amtsvogt Kobbe: Zum Abschnitt VI, Nro: 39. des alle 3 Jahre zu erstattenden ausführlicheren Geschäftsberichts wünschen wir künftig und zwar zuerst pro: 1867. 68. 69. im Anfang Janr. 1870. die Nachprüfung über die Verwaltung und den Zustand der zu Brome bestehenden Sterbekasse der Schuhmacher zu Brome, nach Maßgabe des hierunter fallenden Formulars zu erhalten, dabei auch bezugt(!) zu sehen, daß der Herr Amtsvoigt durch die Einsicht der Rechnungsablagen von der guten Verwaltung der betreffenden Casse überzeugt habe, oder was ev: dieserhalb zu bemerken gefunden sei. Das Königliche Amt Knesebeck läßt am 26.12.1853 der Bromer Schustergilde über den Postspediteur Baucke in Brome, dem damaligen Gildeobmann, ein Schreiben zugehen, das folgendermaßen lautet: Auf den Bericht vom 10/12 v.M betreffend Abänderung der Statuten vom 4 Juli 1828 für den Schuhmacher=Sterbekassen=Verein zu Brome, wollen Wir die beantragten Aenderungen:

zum §. 8 der Statuten                                                                                                                       

dahin, daß für das Einsammeln der Interessentenbeiträge eine Vergütung von 6 gg /: statt der frühern von 4 gg :/ gezahlt werde und

zum §. 11 c und d. Ibid.                                                                                                                     

dahin, daß das Eintrittsgeld für Fremde, dh. der Schuhmacherzunft nicht angehörende Personen:                                                                                                                                                

ad c. im Alter von 30-35 Jahren auf 1 r. /: statt des frühern Betrags von 18 gg /:                      

ad d. im Alter von 35-40 Jahren auf 2 r. /: statt des frühern Betrages von 1 r.  / erhöhet und festgestellt werde, bis zur  weiteren Verfügung hiermit genehmigen.

Des Weiteren wird aufgeführt und begründet, warum andere Abänderungsanträge abgelehnt werden mußten. Doch schon nach 2 Jahren kommt die Landdrostei den Bromern wenigstens auf halbem Wege entgegen.  Sie läßt unterm 24.4.1855 die Sterbekasse wissen: Auf den Bericht vom 25/ 29 v.M. wollen Wir nach Einsicht der vorgelegten Nachweisung über die Verhältnisse der Sterbecasse für die Schuhmachergilde zu Brome hierdurch genehmigen,    

1. daß den § 5 der Statuten der gedachten Sterbecasse folgende Bestimmung „Bei dem Ableben eines Interessenten, von welchem 20 Jahre lang die festgestellten Beiträge bezahlt sind, wird ein Sterbegeld von 15 r gezahlt“ hinzugefügt, und                                                                                 

2. daß der § 10 in soweit abgeändert werde, als eine Befreiung von ferneren Beiträgen erst dann eintreten soll, wenn ein Interessent an solchen überhaupt schon  15 r zur Casse bezahlt hat.

Wir bestimmen dabei jedoch, daß, sofern sich ergiebt, daß die Ausgaben der Casse mit den Beiträgen der Interessenten zu je 2 gg und den sonstigen Einnahmen nicht zu decken stehen, von den Vorstehern die Erhebung eines Beitrages von je 3 gg veranlaßt werden soll. Das Amt Knesebeck fügt dem Schreiben hinzu: „Es dürfte zweckmäßig sein, von dem Cassenvorrathe 25 r gegen genügende Sicherheit an einen zuverlässigen Mann, wenn auch nur gegen 3 pct. Zinsen p.a. mit Vorbehalt monatlicher Kündigung im Einverständniße mit dem Gilde = Vorstande zu belegen.

Auch Quittungen und andere Schriftstücke, die sich auf die Sterbekasse beziehen, sind noch vorhanden, u.a. ein von W. Radecke ausgestellter Schuldschein über 85,40 M, die zu 4 % jährlich verzinst werden sollen, und ein Schreiben, in dem die Aeltesten und Vorsteher der hiesigen Schuhmachergilde = Sterbekasse durch ihre Unterschrift gestatten, daß dem Mitinteressenten Johann Heinrich Olland, da derselbe ein uhrsprünglicher Theilnehmer  dieses Vereins ist, seine Beyträge bey Sterbefällen immer richtig geleistet hat, und er nun alt, schwächlich und in die Nothdürftigkeit gerathen ist,  Behuf seinens dürftigen Fortkommens, die ihm dazu noch mangelnde Werkgeräthschaften anzuschaffen – 5 Rth. aus der Kasse  vorgeliehen werden. Unterschrieben haben Altmeister Christoph Lindmüller, Gildemeister Blancke, die Meister Günter Olland, Friederich Radsak, Christoph Mosel, Jacob Radsack, Friedrich Elster, Johann Olland, Friedrich Olland, Heinrich Kausche, August Tesmer, Wilhelm Müller, Gottlieb Radsack, Chr. Franke und Heinrich Müller.

Bedauert werden muß, daß eine Urkunde, die wahrscheinlich die Satzungen von 1696 (oder 1692) enthält, bis zur Unleserlichkeit beschädigt ist. Die vorhandenen beiden Blätter bringen die Artikel 12 – 39. Einiges ist noch zu entziffern. Artikel 24 lautet: „Wenn einer den anderen seinen Knecht obspen… machet, soll 24 ß zur Straffe geben“.  Artikel 25 spricht von dem Schuknecht, und Artikel 28 setzt als Strafe 1 Tonne Biehr fest; Artikel 36 lautet: Wer diese Vorbe…  puncta nicht will halten und sich mutwilliger Weise dawieder setzen soll ihm…  der Obriechkeidt willen, die arbeit nieder geleget und verboten werden Hadt er aber daß ampt in Unkostung gebracht soll er die selbe wieder zu erlegen schuldig sein.

Imkerei im Raum Brome im 17. und 18. Jahrhundert – Belege in Ehestiftungen

Imker Fritz Schulze aus Lessien vor seinem Bienenstand (Original: Sammlung Winfried Rolke, Lessien)

Bienen spielten im 17. und 18. Jahrhundert im Raum Brome als ein Teil der Mitgift eine besondere Rolle. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass Mitgift nicht automatisch das von der Frau in die Ehe eingebrachte Gut bezeichnet. Es kam auch vor, dass z.B. ein Mann in den Haushalt seiner Frau einheiratete. Dann brachte die Braut als Mitgift Haus und Hof ein, der Bräutigam materielle Dinge, wie z.B. Bargeld, Vieh oder Möbel.

Ein Teil der Mitgift waren in vielen Fällen Bienenstöcke. In den Ehestiftungen wird immer wieder ein sogenanntes „Landesrecht“ erwähnt. Als „Landesrecht“ wurde das Hab und Gut bezeichnet, dass traditionell als Mitgift in die Ehe eingebracht wurde. Zur Mitgift der Braut heißt es in der Ehestiftung  vom 28. März 1645 zwischen Hans Poselke, Dannenbüttel und Anne Harms, Ehra:

Belangende auff Seiten des Breutigambs seiner lieben Gespons oder Braut, so sol er ihrenthalben zu erfreuwen haben, was unter der Obrigkeit, nemblich       dehnen von Barttenschleben zur Wulffsburgk Landesrecht undt Gewohnheit ist, als zwo Ochsen, zwo Kuehe undt ein guest Rindt, item zwantzigkk Himbten            Rogken, zwantzig Himbten Habern, zwo Stock mit Immen, funff Schaeffe mit      Lemmer undt Bettegewandt zu einem vollstendigen Bette.

Zur Mitgift gehörten also: zwei Ochsen, eine Kuh, fünf Schafe mit Lämmern, 20 Himten Roggen, 20 Himten Hafer, zwei Stock Bienen, Bettwäsche.

In der Ehestiftungen vom 28. Dezember 1722 zwischen Hans Bromann, Böckwitz und Dorothee Elisabeth Mundschewitz, Kiebitzmühle bekam die Braut von ihrem Vater als Mitgift 80 Reichtsthaler und dazu ein volles Landesrecht, bestehend aus zwei Ochsen, zwei Kühen mit Kälbern, einer Kuh ohne Kalb, sechs Schafe mit Lämmern, ein Schaf ohne Lamm, ½ Wispel Roggen, ½ Wispel Hafer, zwei Stöcke Bienen und zwei Schatt Honig, Kisten und Kastengeräte.

Diese beiden Beispiele aus dem 17. und 18. Jahrhundert verdeutlichen, dass die Mitgift in diesem Zeitraum mit kleinen Abänderungen, die auf die jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnisse der Familien zugeschnitten waren, immer gleichgeblieben ist. Bienen waren meistens ein integraler Bestandteil der Mitgift, vorausgesetzt, dass sie auf dem Hof, aus dem die Mitgift gegeben wurde, vorhanden waren. In einigen Ehestiftungen wird eindeutig gesagt, dass statt der Bienen ersatzweise ein Geldbetrag gezahlt wird. So zum Beispiel in der Ehestiftung zwischen Carsten Beckmann, Böckwitz und Anna Gellermann, Zicherie vom 20. November 1711. Dort heißt es, dass der Brautvater zwei Thaler als Ersatz für die Bienen zahlt, „weil keine im Hofe vorhanden sind“. Als zweites Beispiel sei hier die Ehestiftung zwischen Carsten Meyer, Voitze und Anne Klopp, Zicherie genannt in der es heißt, dass in der Mitgift der Braut anstatt der Bienen und dem dazugehörenden Futterhonig ersatzweise 12 „Gute Groschen“ gezahlt werden, denn höchstwahrscheinlich gab es wie im erstgenannten Beispiel keine Bienenhaltung im Kloppschen Hof in Zicherie.

In den insgesamt 90 Ehestiftungen für Ehra von 1610 bis 1715 spielen in 63 davon Bienen eine Rolle als Mitgift. Nicht immer sind jedoch Bienen explizit erwähnt, sondern manchmal heißt es nur, dass die Mitgift ein „Landesrecht“ war, wie z.B. in der Ehestiftung von zwischen Henning Klopp, Voitze und Hans Wiswedel vom 23. September 1621. Dort heißt es: Der Brautvater Hans Wiswedel „will einbringen vull Landßrecht“, ohne Aufzählung der Einzelheiten. Da Bienen in diesen Fällen nicht explizit ausgeschlossen waren bzw. der Geldwert zu zahlen war, ist davon auszugehen, dass sie zur Mitgift dazugehörten. Es kam auch in seltenen Fällen vor, dass nur ½ Landesrecht als Mitgift gegeben wurde, so z.B. in der Ehestiftung zwischen dem Grobschmied Hans Möller aus Immekath und Cathrine Hermes aus Ehra im Jahr 1686. Der Brautvater Stückenköther Hans Hermes gab seiner Tochter ½ Landesrecht als Brautschatz mit, inklusive einem Stock Bienen. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Familie nicht zu den wohlhabenden Familien zu zählen war. Aus diesen Angaben lässt sich mit aller Vorsicht vermuten, dass in den Dörfern Ehra, Lessien, Voitze, Wiswedel und Tülau in etwa 2/3 der Haushalte Bienen gehalten wurden.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei der Betrachtung der Steimker Ehestiftungen. Für den Zeitraum von 1686 bis 1723 sind insgesamt 91 Ehestiftungen aufgeführt, bei denen in 41 Fällen Bienen eine Rolle gespielt haben. Auffallend ist, dass in den Ehestiftungen, die die altmärkischen Dörfer der Vogtei Steimke betreffen, Bienen als Mitgift eine viel geringere Rolle spielen als in den hannoverschen Dörfern des Gerichts Steimke. Zwar gab es auch in Böckwitz, Steimke, Dönitz und Wendischbrome Bienenhaltung, aber lange nicht so intensiv wie z.B. in Ehra und Wiswedel. Sicherlich hängt das mit der geografischen Lage der Dörfer Ehra, Wiswedel und Voitze zusammen, die in unmittelbarer Nähe der Bickelsteiner Heide lagen, so dass die Bienen in relativ kleinem Umkreis die Spättracht der Heide sammeln konnten. Ausgedehnte Heideflächen gab es um die Dörfer Wendischbrome, Zicherie-Böckwitz oder Steimke herum nicht, so dass eine ausgedehnte Imkerei wegen fehlender Spättracht schwierig war, denn sicherlich sind nicht alle Imker aus diesen Dörfern mit ihren Bienenstöcken in die Heide gewandert, was wegen der Reise, der Zollgebühren und des Fluchtgeldes mit erheblichen Kosten und Zeitaufwand verbunden war, der sicherlich bei einer Imkerei zur Deckung des Eigenbedarfs nicht lohnend gewesen wäre. Aus dem Flecken Brome gibt es für den Untersuchungszeitraum keinen Nachweis für Bienenhaltung, weder in Ehestiftungen noch in Gerichtsakten. Das mag zwei Gründe haben, zum einen, dass der Ort Brome keine großen Heideflächen aufzuweisen hatte und zum anderen, weil Brome eine andere wirtschaftliche Prägung hatte als das Umland. Während im Bromer Umland die Landwirtschaft dominierte, lebte der Flecken Brome hauptsächlich vom Handwerk und vom Handel. Mit Sicherheit hatten auch einige Handwerker nebenbei Bienen, aber für Ehestiftungen waren diese ebenso wie anderes Vieh kein bestimmender Faktor gewesen. Einziger Beleg für Bienenhaltung im Flecken Brome ist die von Pastor Johann Marschall im Jahr 1586 verfasste Beschreibung des neuen erbauten Pfarrhauses in Brome. Er erwähnt, dass Bienen auf dem Grashof standen, die vermutlich sein Eigentum waren.

Als Ergebnis kann zusammengefasst werden, dass die Imkerei im Raum Brome hauptsächlich in den Dörfern rund um den Flecken Brome in der Frühen Neuzeit wahrscheinlich überwiegend zur Deckung des Eigenbedarfs an Honig und Wachs ausgeübt wurde. Hauptberufliche Imker lassen sich anhand der hier untersuchten Quellen nicht nachweisen.

In einigen Ehestiftungen ging die Mitgift über die zwei Bienenstöcke nach Landesrecht erheblich hinaus, was darauf hindeutet, dass in diesen Haushalten besonderen Wert auf Bienenhaltung gelegt wurde. Auffällig ist, dass es sich bei den folgenden Ehestiftungen durchweg um solche handelt, in denen der Bräutigam in den Hof einer Witwe einheiratet. Die Ehemänner brachten ihr gesamtes Hab und Gut inklusive der vorhandenen Bienen mit in die Ehen ein. So ist die Ehestiftung zwischen Jacob Ruck und Anne Kausche, der Witwe von Hans Havekost im Jahr 1610 außergewöhnlich. Jacob Ruck heiratete in den Hof des verstorbenen Hans Havekost ein und brachte als Mitgift unter anderem zwei Ochsen, zwei Kühe, 33 Schafe und 33 Stock Bienen mit in die Ehe ein. Das ist die größte Anzahl von Bienenstöcken, die in den hier untersuchten Ehestiftungen und Gerichtsprotokollen erwähnt ist. Jacob Schröder aus Lessien, der am 4.Oktober 1685 Anne Pape, Witwe von Hans Kratge aus Lessien heiratete, brachte ein volles Landesrecht inklusive zwei Stöcke Bienen in den Hof von Anne Pape bzw. von dem verstorbenen Hans Kratge mit ein. Darüber hinaus hatte er noch weitere Besitztümer,  die er ebenfalls mit einbrachte:

Überdaß, so hat der Breutigamb noch 40 Haupter Schafe, welche er auch der Braut zufreyet, desgleichen auch 8 Stock Immen.

Ebenso brachte 1685 Hans Cordt aus Vorhop sieben Stock Bienen und ein Viertel Fass Honig mit in den Hof seiner Braut Ilse Melzian in Wiswedel ein. In einem anderen Fall heiratete Hans Meyer, Sohn des verstorbenen Voitzer Schulzen Jobst Meyer, am 4.August 1700 die namentlich nicht genannte Witwe von Hans Dörrheide aus Ehra. Er brachte ein volles Landesrecht ein sowie all seine anderen Besitztümer:

Überdaß bringet er noch in die Güter, so er vor seine Persohn hat, ein an Viehe 6        Ochsen, ein Rindt, 30 Köpfe Schaffe, 12 Stöcke Bienen undt ein Ton[ne] Honig.

Als Cathrine Halmann, Witwe von Hans Schultze zu Böckwitz, Hans Klopp aus Benitz am 8.Februar 1721 heiratete, war in der Ehestiftung zur Mitgift des Bräutigams folgendes vermerkt:

Zuförderst bringet der Bräutigamb in die Güther ein 10 Häupter Rindvieh, alß 5    Ochsen und 5 Kühe, 50 Köpfe Schaafe, 10 Stöcke Bienen nebst so viel Honig,        alß zu deren Ausfütterung nöthig ist, und 30 Thlr. baares Geldt, welches alles er    vor sich erworben hat.

Ganz anders verhielt es sich in der Ehestiftung zwischen Johann Klopp, Boitzenhagen und Margarethe Jürgens, Wendischbrome vom 8.Februar 1721. Der Ackermann Jürgen Jordan und seine namenlich nicht genannte Frau waren kinderlos geblieben und konnten ihrem Ackerhof in Wendischbrome nicht länger vorstehen. Deshalb übergaben sie ihren Hof an die Brautleute Johann Klopp, den Bruder von Jürgen Jordans Ehefrau aus Boitzenhagen, und Margarethe Jordan, der unverheirateten Schwester von Jürgen Jordan. Die Braut brachte den Jordanschen Hof in die Ehe ein, der Bräutigam Johann Klopp aus seinem Besitz 100 Thaler Bargeld, zwei Ochsen, eine Kuh, 50 Köpfe Schafe, fünf Stöcke Bienen und eine Tonne Honig sowie ein halbes Landesrecht, welches ihm sein Bruder aus dem väterlichen Hof in Boitzenhagen schuldig war.

Anmerkung:

Dieser Text ist zuerst in dem Heft 11 der Bromer Schriften zur Volkskunde erschienen. Es trägt den Titel Zur Bienenhaltung im Raum Brome im 17. und 18. Jahrhundert. Das Heft kann im Museum Burg Brome oder beim MHV Brome für 5,00 € erworben werden.