Imkerei im Raum Brome im 17. und 18. Jahrhundert – Belege in Ehestiftungen

Imker Fritz Schulze aus Lessien vor seinem Bienenstand (Original: Sammlung Winfried Rolke, Lessien)

Bienen spielten im 17. und 18. Jahrhundert im Raum Brome als ein Teil der Mitgift eine besondere Rolle. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass Mitgift nicht automatisch das von der Frau in die Ehe eingebrachte Gut bezeichnet. Es kam auch vor, dass z.B. ein Mann in den Haushalt seiner Frau einheiratete. Dann brachte die Braut als Mitgift Haus und Hof ein, der Bräutigam materielle Dinge, wie z.B. Bargeld, Vieh oder Möbel.

Ein Teil der Mitgift waren in vielen Fällen Bienenstöcke. In den Ehestiftungen wird immer wieder ein sogenanntes „Landesrecht“ erwähnt. Als „Landesrecht“ wurde das Hab und Gut bezeichnet, dass traditionell als Mitgift in die Ehe eingebracht wurde. Zur Mitgift der Braut heißt es in der Ehestiftung  vom 28. März 1645 zwischen Hans Poselke, Dannenbüttel und Anne Harms, Ehra:

Belangende auff Seiten des Breutigambs seiner lieben Gespons oder Braut, so sol er ihrenthalben zu erfreuwen haben, was unter der Obrigkeit, nemblich       dehnen von Barttenschleben zur Wulffsburgk Landesrecht undt Gewohnheit ist, als zwo Ochsen, zwo Kuehe undt ein guest Rindt, item zwantzigkk Himbten            Rogken, zwantzig Himbten Habern, zwo Stock mit Immen, funff Schaeffe mit      Lemmer undt Bettegewandt zu einem vollstendigen Bette.

Zur Mitgift gehörten also: zwei Ochsen, eine Kuh, fünf Schafe mit Lämmern, 20 Himten Roggen, 20 Himten Hafer, zwei Stock Bienen, Bettwäsche.

In der Ehestiftungen vom 28. Dezember 1722 zwischen Hans Bromann, Böckwitz und Dorothee Elisabeth Mundschewitz, Kiebitzmühle bekam die Braut von ihrem Vater als Mitgift 80 Reichtsthaler und dazu ein volles Landesrecht, bestehend aus zwei Ochsen, zwei Kühen mit Kälbern, einer Kuh ohne Kalb, sechs Schafe mit Lämmern, ein Schaf ohne Lamm, ½ Wispel Roggen, ½ Wispel Hafer, zwei Stöcke Bienen und zwei Schatt Honig, Kisten und Kastengeräte.

Diese beiden Beispiele aus dem 17. und 18. Jahrhundert verdeutlichen, dass die Mitgift in diesem Zeitraum mit kleinen Abänderungen, die auf die jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnisse der Familien zugeschnitten waren, immer gleichgeblieben ist. Bienen waren meistens ein integraler Bestandteil der Mitgift, vorausgesetzt, dass sie auf dem Hof, aus dem die Mitgift gegeben wurde, vorhanden waren. In einigen Ehestiftungen wird eindeutig gesagt, dass statt der Bienen ersatzweise ein Geldbetrag gezahlt wird. So zum Beispiel in der Ehestiftung zwischen Carsten Beckmann, Böckwitz und Anna Gellermann, Zicherie vom 20. November 1711. Dort heißt es, dass der Brautvater zwei Thaler als Ersatz für die Bienen zahlt, „weil keine im Hofe vorhanden sind“. Als zweites Beispiel sei hier die Ehestiftung zwischen Carsten Meyer, Voitze und Anne Klopp, Zicherie genannt in der es heißt, dass in der Mitgift der Braut anstatt der Bienen und dem dazugehörenden Futterhonig ersatzweise 12 „Gute Groschen“ gezahlt werden, denn höchstwahrscheinlich gab es wie im erstgenannten Beispiel keine Bienenhaltung im Kloppschen Hof in Zicherie.

In den insgesamt 90 Ehestiftungen für Ehra von 1610 bis 1715 spielen in 63 davon Bienen eine Rolle als Mitgift. Nicht immer sind jedoch Bienen explizit erwähnt, sondern manchmal heißt es nur, dass die Mitgift ein „Landesrecht“ war, wie z.B. in der Ehestiftung von zwischen Henning Klopp, Voitze und Hans Wiswedel vom 23. September 1621. Dort heißt es: Der Brautvater Hans Wiswedel „will einbringen vull Landßrecht“, ohne Aufzählung der Einzelheiten. Da Bienen in diesen Fällen nicht explizit ausgeschlossen waren bzw. der Geldwert zu zahlen war, ist davon auszugehen, dass sie zur Mitgift dazugehörten. Es kam auch in seltenen Fällen vor, dass nur ½ Landesrecht als Mitgift gegeben wurde, so z.B. in der Ehestiftung zwischen dem Grobschmied Hans Möller aus Immekath und Cathrine Hermes aus Ehra im Jahr 1686. Der Brautvater Stückenköther Hans Hermes gab seiner Tochter ½ Landesrecht als Brautschatz mit, inklusive einem Stock Bienen. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Familie nicht zu den wohlhabenden Familien zu zählen war. Aus diesen Angaben lässt sich mit aller Vorsicht vermuten, dass in den Dörfern Ehra, Lessien, Voitze, Wiswedel und Tülau in etwa 2/3 der Haushalte Bienen gehalten wurden.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei der Betrachtung der Steimker Ehestiftungen. Für den Zeitraum von 1686 bis 1723 sind insgesamt 91 Ehestiftungen aufgeführt, bei denen in 41 Fällen Bienen eine Rolle gespielt haben. Auffallend ist, dass in den Ehestiftungen, die die altmärkischen Dörfer der Vogtei Steimke betreffen, Bienen als Mitgift eine viel geringere Rolle spielen als in den hannoverschen Dörfern des Gerichts Steimke. Zwar gab es auch in Böckwitz, Steimke, Dönitz und Wendischbrome Bienenhaltung, aber lange nicht so intensiv wie z.B. in Ehra und Wiswedel. Sicherlich hängt das mit der geografischen Lage der Dörfer Ehra, Wiswedel und Voitze zusammen, die in unmittelbarer Nähe der Bickelsteiner Heide lagen, so dass die Bienen in relativ kleinem Umkreis die Spättracht der Heide sammeln konnten. Ausgedehnte Heideflächen gab es um die Dörfer Wendischbrome, Zicherie-Böckwitz oder Steimke herum nicht, so dass eine ausgedehnte Imkerei wegen fehlender Spättracht schwierig war, denn sicherlich sind nicht alle Imker aus diesen Dörfern mit ihren Bienenstöcken in die Heide gewandert, was wegen der Reise, der Zollgebühren und des Fluchtgeldes mit erheblichen Kosten und Zeitaufwand verbunden war, der sicherlich bei einer Imkerei zur Deckung des Eigenbedarfs nicht lohnend gewesen wäre. Aus dem Flecken Brome gibt es für den Untersuchungszeitraum keinen Nachweis für Bienenhaltung, weder in Ehestiftungen noch in Gerichtsakten. Das mag zwei Gründe haben, zum einen, dass der Ort Brome keine großen Heideflächen aufzuweisen hatte und zum anderen, weil Brome eine andere wirtschaftliche Prägung hatte als das Umland. Während im Bromer Umland die Landwirtschaft dominierte, lebte der Flecken Brome hauptsächlich vom Handwerk und vom Handel. Mit Sicherheit hatten auch einige Handwerker nebenbei Bienen, aber für Ehestiftungen waren diese ebenso wie anderes Vieh kein bestimmender Faktor gewesen. Einziger Beleg für Bienenhaltung im Flecken Brome ist die von Pastor Johann Marschall im Jahr 1586 verfasste Beschreibung des neuen erbauten Pfarrhauses in Brome. Er erwähnt, dass Bienen auf dem Grashof standen, die vermutlich sein Eigentum waren.

Als Ergebnis kann zusammengefasst werden, dass die Imkerei im Raum Brome hauptsächlich in den Dörfern rund um den Flecken Brome in der Frühen Neuzeit wahrscheinlich überwiegend zur Deckung des Eigenbedarfs an Honig und Wachs ausgeübt wurde. Hauptberufliche Imker lassen sich anhand der hier untersuchten Quellen nicht nachweisen.

In einigen Ehestiftungen ging die Mitgift über die zwei Bienenstöcke nach Landesrecht erheblich hinaus, was darauf hindeutet, dass in diesen Haushalten besonderen Wert auf Bienenhaltung gelegt wurde. Auffällig ist, dass es sich bei den folgenden Ehestiftungen durchweg um solche handelt, in denen der Bräutigam in den Hof einer Witwe einheiratet. Die Ehemänner brachten ihr gesamtes Hab und Gut inklusive der vorhandenen Bienen mit in die Ehen ein. So ist die Ehestiftung zwischen Jacob Ruck und Anne Kausche, der Witwe von Hans Havekost im Jahr 1610 außergewöhnlich. Jacob Ruck heiratete in den Hof des verstorbenen Hans Havekost ein und brachte als Mitgift unter anderem zwei Ochsen, zwei Kühe, 33 Schafe und 33 Stock Bienen mit in die Ehe ein. Das ist die größte Anzahl von Bienenstöcken, die in den hier untersuchten Ehestiftungen und Gerichtsprotokollen erwähnt ist. Jacob Schröder aus Lessien, der am 4.Oktober 1685 Anne Pape, Witwe von Hans Kratge aus Lessien heiratete, brachte ein volles Landesrecht inklusive zwei Stöcke Bienen in den Hof von Anne Pape bzw. von dem verstorbenen Hans Kratge mit ein. Darüber hinaus hatte er noch weitere Besitztümer,  die er ebenfalls mit einbrachte:

Überdaß, so hat der Breutigamb noch 40 Haupter Schafe, welche er auch der Braut zufreyet, desgleichen auch 8 Stock Immen.

Ebenso brachte 1685 Hans Cordt aus Vorhop sieben Stock Bienen und ein Viertel Fass Honig mit in den Hof seiner Braut Ilse Melzian in Wiswedel ein. In einem anderen Fall heiratete Hans Meyer, Sohn des verstorbenen Voitzer Schulzen Jobst Meyer, am 4.August 1700 die namentlich nicht genannte Witwe von Hans Dörrheide aus Ehra. Er brachte ein volles Landesrecht ein sowie all seine anderen Besitztümer:

Überdaß bringet er noch in die Güter, so er vor seine Persohn hat, ein an Viehe 6        Ochsen, ein Rindt, 30 Köpfe Schaffe, 12 Stöcke Bienen undt ein Ton[ne] Honig.

Als Cathrine Halmann, Witwe von Hans Schultze zu Böckwitz, Hans Klopp aus Benitz am 8.Februar 1721 heiratete, war in der Ehestiftung zur Mitgift des Bräutigams folgendes vermerkt:

Zuförderst bringet der Bräutigamb in die Güther ein 10 Häupter Rindvieh, alß 5    Ochsen und 5 Kühe, 50 Köpfe Schaafe, 10 Stöcke Bienen nebst so viel Honig,        alß zu deren Ausfütterung nöthig ist, und 30 Thlr. baares Geldt, welches alles er    vor sich erworben hat.

Ganz anders verhielt es sich in der Ehestiftung zwischen Johann Klopp, Boitzenhagen und Margarethe Jürgens, Wendischbrome vom 8.Februar 1721. Der Ackermann Jürgen Jordan und seine namenlich nicht genannte Frau waren kinderlos geblieben und konnten ihrem Ackerhof in Wendischbrome nicht länger vorstehen. Deshalb übergaben sie ihren Hof an die Brautleute Johann Klopp, den Bruder von Jürgen Jordans Ehefrau aus Boitzenhagen, und Margarethe Jordan, der unverheirateten Schwester von Jürgen Jordan. Die Braut brachte den Jordanschen Hof in die Ehe ein, der Bräutigam Johann Klopp aus seinem Besitz 100 Thaler Bargeld, zwei Ochsen, eine Kuh, 50 Köpfe Schafe, fünf Stöcke Bienen und eine Tonne Honig sowie ein halbes Landesrecht, welches ihm sein Bruder aus dem väterlichen Hof in Boitzenhagen schuldig war.

Anmerkung:

Dieser Text ist zuerst in dem Heft 11 der Bromer Schriften zur Volkskunde erschienen. Es trägt den Titel Zur Bienenhaltung im Raum Brome im 17. und 18. Jahrhundert. Das Heft kann im Museum Burg Brome oder beim MHV Brome für 5,00 € erworben werden.

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Die Landwehr bei Zicherie früher und heute

Die Westgrenze der Altmark zum Fürstentum Lüneburg hin war vermutlich bereits seit dem Mittelalter an einigen Stellen durch sogenannte Landwehren befestigt. Landwehren waren Graben-Wall-Anlagen, welche Lücken zwischen natürlichen der künstlich verstärkten Geländehindernissen schlossen. An der Westgrenze der Altmark waren natürlich Geländehindernisse z.B. die Stöckener Teiche sowie der Oberlauf der Ohre ab Haselhorst. Auch das Feuchtgebiet zwischen Zicherie und Böckwitz war ein natürliches Geländehindernis, welches allerdings durch einen Graben verstärkt wurde. Durch die Landwehren sollte ein ungehindertes Übertreten der Grenze verhindert werden. Hauptsächlich ging es darum, dass die geforderten Zolleinnahmen korrekt abgerechnet werden sollte. Schmuggel sollte also durch Landwehren verhindert werden.

An der Westgrenze der Altmark existierten nachweislich drei Landwehranlagen:

  1. Lübener Landwehr zwischen Langenbrügge und Lüben nördlich der Stöckener Teiche,
  2. Landwehr bei Rade zwischen Waddekath und Haselhorst sowie
  3. Nördlich von Zicherie im Bereich des Buchenberges (ehemalige Ziegelei Groth)

Die Lübener Landwehr bestand aus einem Einfachwall mit Graben an jeder Seite. Die Breite der Anlage betrug ca. 12 Meter. Die Landwehr bei Rade war ein vierfacher Landgraben und drei Wällen zwischen den Gräben. Die Breite betrug ca. 30 Meter.

Landwehr bei Rade (Foto: Jens Winter, Januar 2012)

Nach Bruno Ploetz wurde der südliche Abschnitt der Lüneburgischen Grenzlandwehr in der Hauptsache von der Ohre gebildet, also von Haselhorst bis zum Drömling. Hier gab es seiner Meinung nach nur drei Übergänge, von denen der südlichste zwischen Zicherie und Brome auf beiden Seiten durch einen Wall gesichert war – die Landwehr bei Zicherie. Der zweite wichtige Übergang im Bromer Bogen war durch die Bromer Burg geschützt. Ein dritter Übergang zwischen Zasenbeck und Hanum hatte wieder einen Wall. Das sind zumindest die Ergebnisse von Bruno Ploetz in seinem Aufsatz „Die Lüneburgische Grenzlandwehr“ aus dem Jahr 1966 zur Grenzlandwehr im Raum Brome.

Zu Überresten der Grenzlandwehr nördlich von Zicherie stellt er fest: [Es existiert] „ein kurzes Wallstück bei Zicherie, das wohl der spärliche Rest der Übergangssicherung ist.“ Diesem Hinweis aus dem Jahr 1966 soll nun nachgegangen werden.

Zunächst werden wir darlegen, welche historischen Belege es aus den uns vorliegenden Quellen für die Zicherier Landwehr gibt. Am Schluss werden wir dann anhand des Geländes noch immer existierenden Spuren der Landwehr aufspüren.

Grenzrezess aus dem Jahr 1543

Im Gutsarchiv von Weyhe zu Fahrenhorst ist ein Grenzrezess aus dem Jahr 1543 überliefert, der uns einige Informationen über den Grenzverlauf zwischen Brome und Zicherie-Böckwitz zur damaligen Zeit liefert. Damals gab es Streitigkeiten über den genauen Grenzverlauf zwischen denen von Bartensleben zur Wolfsburg, denen Böckwitz zu Lehen gegeben war, und Fritz VII. von der Schulenburg zu Brome. In dem Rezess vom 24. Februar 1543 wurde vereinbart, dass ein neuer Grenzgraben von der Ohre bis an den Steimker Kirchenweg gezogen wird. Auch sollte ein bereits existierenden Alter Graben so ausgeräumt und ausgebessert werden, dass eine Überfahrt nicht mehr möglich ist. An dem Weg von Steimke Richtung Braunschweig, unmittelbar neben dem Steimker Kirchenweg, sollte ein Schlagbaum errichtet werden, von dem ein Schlüssel in Brome und der andere in Steimke verwahrt werden sollte. Dies sollte den Einheimischen ihre Mühlenfuhren ermöglich. Ansonsten sollte dort aber kein Verkehr durchgehen, damit nicht Zollzahlungen verloren gehen.

Vom Ende des Alten Grabens sollte ein neuer Graben Richtung Zicherie gezogen werden, der bis an die „Tiefe Riede“ gehen sollte. Vermutlich ist damit der in der Karte von Strauß aus dem Jahr 1688 (siehe unten) bezeichnete Graben „Fuhle Riet“ gemeint. Von dort dann weiter bis an die Wiesen der Dörfer Böckwitz und Zicherie.

Es ist unklar, wo genau der Alte Graben begann. Fest steht allerdings, dass dieser Graben bereits vor als Grenzbefestigung existierte.

An anderer Stelle in dem Rezess ist auch die Rede von einem Wall – also möglicherweise der Landwehr! Es heißt in dem Text:

Und soll obgeschriebener Graben von der Ohre herab biß an den Wall zwischen Wischen und den Wall biß an den Knick, und den vordan der Knick biß zu dem Ende derselbigen, soferne der Graben gemacht, dies Orths die Landschnede seyn zwischen Marck zu Brandenburg und dem Lande Lüneburg.

Der neu anzulegende Graben sollte also bis an den Wall gehen, mit dem vermutlich die Landwehr gemeint ist. Am Ende der Landwehr sollte dann wieder ein Graben beginnen, der weiter in Richtung Zicherie-Böckwitz verläuft. Diese Grenzlinie wurde gleichzeitig auch als Landesgrenze angesehen! Klar ist auch, dass es am Wall auf jeder Seite einen Graben gab. Denn es heißt in dem Rezess:

Aber die Graben neben dem Wall durch die Wießen und Garten, auch die Graben neben dem Knicke, soll ein jeder Theil auf seine Seite machen.

Der Wall bildete also die Landesgrenze und jeder sollte den an den Wall angrenzenden Graben auf seiner Seite pflegen.

Karte von Strauß (1688)

Die Karte von Strauß aus dem Jahr 1688 ist eine sehr interessante und äußerst aussagekräftige historische Quelle für die Grenzmarkierungen im Raum Brome. Nicht nur die Eintragungen von Orten sind interessant, vielmehr hat Strauß auf der Karte 156 Zahlen eingezeichnet und mit dazugehörigen Eintragungen versehen. An dem für uns relevanten Kartenausschnitt finden wir die Zahlen 54 bis 64, die hier kurz wiedergegeben werden:

54. Grentz Knick od. Knick vor den Kleip Wischen

55. Der Kleip, ein Ellern Holtz

56. Steinstieg, welchen die Oldendorffer und Steimker Kirchenleute brauchen

57. Landgraben welcher vom Steinstieg nach dem Mühlenfarth geht.

58. Der Mühlenfahrt, alwo olim ein Schlagbaum gestanden

59. abermahl der Landgraben

60. Die Fuhle Rith

61. worin ein doppelter Landgraben ohngefehr 5 Ruten lang aufgeworffen

62. biß an Peter Knoen Knick

63. Cordt Döhmelands Knick

64. Carsten Schultzen Knick

Wir erfahren also die genauen Grenzmarkierungen vom Steinstieg an bis nach Zicherie-Böckwitz. Der Steinstieg wurde von den Steimkern benutzt, um zum Gottesdienst nach Altendorf, später Brome zu kommen, bevor sie eine eigene Kirche in Steimke hatten. Die heutige Straße von Brome nach Steimke existierte damals noch nicht. Vom Steinstieg Richtung Zicherie existierte demnach zunächst ein Landgraben, der von der Mühlenfahrt unterbrochen wurde. Einstmals hatte dort ein Schlagbaum gestanden, der 1688 aber nicht mehr existierte. Von dort weiter Richtung Zicherie folgte wieder der Landgraben, dann die Fuhle Riet (hochdeutsch: fauler Graben), worin sich ein doppelter Landgraben befunden hat. Von dort ging es weiter bis an Peter Knoken Knick. Knick bedeutet im Plattdeutschen Wörterbuch von Johann Friedrich Danneil „eigentlich eine Ecke, gebildet durch Gebüsch, das in einer längern Linie sich schmal ausdehnt“.

Die Landwehr in der Karte vn Strauß (1688). Die Zahlen wurden zur Verdeutlichung neu geschrieben. (Quelle: Hauptstaatsarchiv Hannover)

Karte von Spaldeholtz und Michaelsen (1754)

Auf der Grenzkarte von Spaldeholtz und Michaelsen aus dem Jahr 1754 ist an dieser Stelle eine Landwehr eingezeichnet. In Richtung Zicherie endete die Landwehr dann im alten Landgraben.

Die Zicherier Landwehr in der Karte von Spaldeholtz und Michaelsen (1754) (Quelle: Hauptstaatsarchiv Hannover)

Die Landwehr heute

Tatsächlich sind auch heute (2020) noch Spuren der alten Landwehr im Gelände zu finden. So ist an einer kurzen Stelle die alte Wallanlage noch gut zu erkennen. Auch der Graben zumindest auf einer Seite des Walls ist noch eindeutig vorhanden.

Der an die Landwehr südlich anschließende Graben ist ebenfalls noch vorhanden und im Gelände lokalisierbar.

Wenn wird nun GoogleMaps betrachten, fällt auf, dass nördlich von Zicherie am Buchenberg (ehem. Ziegelei Groth) ein „Grenzgraben nördlich Zicherie“ zu finden ist.

Überrest der Zicherier Landwehr. In der Mitte ist der Wall zu erkennen, links und rechts daneben existieren noch Gräben. (Foto: Jens Winter, Juli 2020)
Am Ende der Wallanlage beginnt der Graben Richtung Zicherie. Bei GoogleMaps ist er als Grenzgraben nördlich Zicherie zu finden. (Foto: Jens Winter, Juli 2020)

Erich Harling: Das Ende des Dritten Reiches in Brome

Der Museums- und Heimatverein Brome e.V. freut sich, die Erinnerungen von Erich Harling von 1929 bis in die Nachkriegszeit veröffentlichen zu können. Leider kann dies nicht im Rahmen einer Museumsplauderei geschehen. Deshalb werden wir hier einen Auszug aus den Erinnerungen der Öffentlichkeit präsentieren – nämlich den April 1945 mit dem Einmarsch der Amerikanischen Truppen.

Das 52 Seiten umfassende Heft kann für 6,00 € im Museum Burg Brome oder beim 1. Vorsitzenden Jens Winter erworben werden!

Als der Monat April 1945 begann, wurde die Zeit immer unruhiger. Deutsche Truppen, das heißt, was noch übriggeblieben war, Flüchtlinge und zu hunderten russische Kriegsgefangene fluteten vor den Amerikanern und Engländern zurück in Richtung Osten. Um den 8./9. April 1945 kam der Befehl, alle Männer des Ortes mussten sich zum Bau von zwei Panzersperren in Brome melden. Hierdurch sollten die feindlichen Panzer aufgehalten werden. Es war zum Lachen. Dicke Bäume wurden gefällt und eingegraben. Dazwischen ein Hohlraum von ca. zwei bis drei Metern. Dieser Hohlraum wurde mit Sand und alten Wagenachsen aufgefüllt. Es hieß, es gäbe Feindpanzer, die vorne eine Säge hätten und Holzsperren zersägten. Eine Sperre stand zwischen den Wohnhäusern Otto Dörries und Albert Wieblitz in der Bahnhofstraße und eine Sperre zwischen dem heutigen Blumenhaus Bröcker und dem Haus von Schuh-Franke in der Braunschweigerstraße. Ein noch in der Mitte bestehender schmaler Durchlass für etwa noch zurückgehende deutsche Verbände sollte dann kurz vor der Besetzung durch die Amis geschlossen werden.

Als dann in der Nacht vom 10. zum 11. April 1945 zwei deutsche Jagdpanzer die Bahnhofsstraße herunterfuhren, lag die halbe Sperre um. Die beiden Panzer hielten in der Nacht vor unserer Haustür. Die Besatzung fragte meinen Vater, der aus dem Fenster schaute, nach dem Weg nach Kusey. Kusey ist Sammelpunkt gewesen. Die beiden Kolosse drehten dann bei Dr. Andrae. Hierbei wurden mehrere Bordsteine herausgerissen. Am 11. April hielten um die Mittagszeit nochmals mehrere Panzer an der Kreuzung in der Ortsmitte. Da ich immer noch statt einer Mütze ein „Keppi“ Schiffchen von der Marine Hitlerjugend bei der Arbeit trug, riet mir der Panzersoldat, das Ding schnell abzusetzen, denn die Amerikaner seien bald hier und ich könnte als Soldat behandelt werden und Schwierigkeiten bekommen. Das Ding hab ich dann sicherheitshalber gleich abgesetzt.

Was ist nun aus den beiden Sperren geworden? Wehe, die Amerikaner hätten sie entdeckt. Brome wäre dann bestimmt ein Trümmerhaufen geworden. Gott sei Dank gab es in Brome einige tapfere und beherzte Männer. Einer war Reinhold Schaefer. Er rief alle Männer zusammen, um die Panzersperren abzureißen. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Otto Bannier, wollte ihn daran hindern. Reinhold Schaefer hat dann eine Pistole gezogen und auf Bannier einen Schuss abgegeben. Das hat ihn dann doch geschockt. Ich musste noch am 11. April 1945 wegen der Sperre, die in der Bahnhofstraße stand, einen Brief von Herrn Dörries an seinen Bekannten Herrn Mennicke nach Nettgau senden. Herr Mennicke müsste sofort anspannen und die Angehörigen von Herrn Dörries abholen. Es ging hierbei um die große Gefahr, die von der Panzersperre ausging. Ich war heilfroh, als ich Brome wieder erreicht hatte, denn in Wendischbrome randalierten bereits die Kriegsgefangenen. Hier angekommen zogen bereits die letzten deutschen Soldaten zu Fuß, per Fahrrad noch zum Teil motorisiert durch Brome. Gegen Mittag machten wir dann die Werkstatt dicht. Zu Hause angekommen schliefen in unserem Wohnzimmer zwei deutsche Soldaten. Es sind zwei Fahrer einer deutschen Funkstation gewesen, die sich auf dem Balkon des Blumenhauses Bröcker (früher Wohnhaus Franz Erdmann) eingenistet hatten. Plötzlich kam der Befehl, dass diese Funkstation Brome sofort verlassen musste. Der eine Soldat sagte noch zu meiner Mutter: „Nun müssen sie sich dem fügen, was auf sie zukommen wird.“ Nachdem die beiden noch schnell ein paar Happen gegessen hatten, haben sie Brome als letzte deutsche Soldaten verlassen.

Am späten Nachmittag des 11. April hörten wir dann ein fernes Grummeln. Durch einen Anruf, den Bäcker Heinrich Böhm von Fritz Lange aus Zicherie erhielt, sprach es sich dann in Brome schnell herum, dass die amerikanischen Panzer von Bergfeld-Parsau kommend bereits durch Zicherie in Richtung Jahrstedt-Kunrau fuhren. Bestätigt wurde dann am Abend diese Meldung von dem Polen „Midjeslaus“, der sich von meinem Vater ein Fahrrad geliehen und sich die Amerikaner angeschaut hatte. Das Fahrrad hat er prompt zurückgebracht. Midjeslaus hat mich dann ein paar Tage später gewarnt, ich sollte mich lieber verstecken, die Amis könnten mich als 16jährigen unter Umständen mitnehmen. Am 12. April war Brome immer noch feindfrei. Also trieb auch mich die Neugierde nach Zicherie. Mit mir fuhr der kleine Ferdinand Busse, genannt „Nante“. Beide mit dem Fahrrad. Oben bei Neumanns lag ein ausgebrannter PKW. Als wir die ersten Häuser in Zicherie erreicht hatten, schaute eine Frau aus dem Giebelfenster und rief uns zu, wir sollten schnell kehrt machen, denn in Zicherie sei strengste Ausgangssperre von den Amerikanern angeordnet worden. Dem aber nicht genug. Am Nachmittag bin ich dann mit Heinz Lüthe nochmal nach „Grothen Schweineweide“ gegangen. Hier sind wir in einen Baum geklettert, von wo wir die Straße Böckwitz-Jahrstedt gut übersehen konnten. Das Bild werde ich nie vergessen. Panzer auf Panzer, LKWs und Jeeps. Immer Richtung Jahrstedt. Als wir nach Brome zurückkamen, herrschte immer noch Ruhe.

Doch das sollte sich am Morgen des 13. April 1945 ändern. Ein herrlicher Frühlingstag mit hochsommerlichen Temperaturen. Es war der Geburtstag von Reinhold Schaefer, als morgens gegen 9 Uhr zwei amerikanische „Sankas“ Sanitätsfahrzeuge von Voitze kommend die Braunschweigerstraße in Richtung Zicherie befuhren. Diese sollten mit ihrem großen roten Kreuz wohl auskundschaften, ob Brome feindfrei ist. Denn schon eine halbe Stunde später kamen die ersten drei Panzer aus Richtung Voitze. Einer kam die Bahnhofsstraße heruntergefahren. Am Tülauer Feldweg, der sogenannte „Taterpfahl“, bogen zwei nach rechts ab, Richtung Wohnhaus Neumann. Jetzt fuhr einer langsam die Braunschweigerstraße hinunter. Der dritte Panzer fuhr den Gifhorner Weg weiter nach Steimke bis zum „Vietchen Busch“ an der Bromer Straße und dann Richtung Brome. Dieses hat mir damals Walter Neumann erzählt, der dies gesehen hat. Diese drei Panzer waren amerikanische „Shermans“. Sie fuhren alle drei langsam die Ortsmitte an. Ich höre noch heute das Gequake in ihrem Sprechfunk. Die Auspuff-Endrohre zeigten nach unten. Wenn sie Gas gaben, war alles eine Staubwolke. Jetzt näherten sich die ersten LKWS mit aufgesessener Infanterie. Hier sah ich dann den ersten Neger. Immer zwei Soldaten gingen von Haus zu Haus und fragten: „Niks Soldat, niks Pistol?“ Zu uns kamen zwei verwegene Burschen mit bunten Halstüchern. Aber es ging alles gut. Wenn einer ein Jagd- oder Luftgewehr abgab, schlugen sie es über die Bordsteinplatten an der Straße in Stücke. Angst hatten sie gewaltig. Um die Mittagszeit ging es dann los. Panzer auf Panzer immer die Bahnhofstraße hinunter, ums Kriegerdenkmal herum, die Wasserstraße entlang in Richtung Steimke. Es dauerte nicht lange, da brach die Ohrebrücke bei Schuhmacher Mosel zusammen. Ein Halbkettenfahrzeug lag nun in der Ohre. Jetzt wurden die Fahrzeuge umgeleitet. Es ging um Blumes Eck herum, dann bis kurz vor der damaligen Baptisten-Kapelle links herum, um Lüthen Ecke wieder Richtung Steimke. Durch das Drehen der Panzer in den Kurven wurden nach kurzer Zeit die ersten Pflastersteine aus dem Straßenpflaster herausgerissen. Gegen Abend hatten sich dann fast einen Meter tiefe Löcher gebildet. Auf den Hausdächern lag der Staub zentimeterdick.