Wilhelm Brauns (1841-1914) – Vom Landapotheker in Brome zum Fabrikbesitzer in Quedlinburg

Wilhelm Brauns (1841-1914) , dessen Geburtsdatum sowie der Geburtsort uns immer noch unbekannt sind, erlernte die Pharmazie in der Apotheke seines Onkels Karl Theodor Friedrich Bracht im altmärkischen Osterburg. Wann genau er die Apotheke in Brome übernommen hat, ist leider bis heute nicht bekannt.

Apotheke Brome um 1930 (Quelle: Digitale Sammlung MHV Brome)

Die Apotheke Brome wurde im Jahr 1837 von Apotheker Wilhelm Dietrich Meyer gegründet. Bis heute befindet die Apotheke sich in diesem Gebäude. Ihm folgte der Apotheker Ernst Friedrich von Hadeln. Anschließend übernahm in einem uns unbekannten Jahr Wilhelm Brauns die Bromer Apotheke. Unsere Apotheke gilt als Geburtsstätte der Wilhelm Brauns GmbH, Anilinfabriken in Quedlinburg. In dem Vortrag Die deutsche Apotheke als Keimzelle der deutschen pharmazeutischen Industrie, den Georg Urdang auf der Hauptversammlung der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie 1931 in Wien gehalten hat, heißt es über Wilhelm Brauns:

Der junge Apothekenbesitzer Wilhelm Brauns, dem der wenig umfangreiche Apothekenbetrieb nur recht bescheidene Einnahmen brachte, hatte schon Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die deutsche Teerfarbenindustrie noch wenig entwickelt und die Auswahl des Brauchbaren nur gering war, die gewaltige Bedeutung dieser Farbstoffe für die Verwendung im Haushalt erkannt. 1874 stellte er in Brome die ersten für den Hausgebrauch zubereiteten Stoffarben her und brachte sie nach eigenhändiger Abfüllung in die bekannten Päckchen in seiner Apotheke zum Verkauf. Ende der siebziger Jahre siedelte er nach Quedlinburg über, um sich dort ganz der Herstellung dieser Stoffarben zu widmen. Der glückliche Gedanke und die ständige Verbindung mit den wissenschaftlichen Fortschritten auf dem Gebiete der Farbenchemie verschafften dem Unternehmen, in das Wilhelm Brauns im Jahre 1884 seinen Bruder Johannes und 1899 den erfindungsreichen Chemiker Dr. Weller als Teilhaber aufnahm, einen außerordentlichen Erfolg. Als sich Wilhelm Brauns im Jahre 1910 aus dem Betriebe zurückzog und gleichzeitig seinen Sohn Willibald als seinen Nachfolger einsetzte, konnte er mit Stolz auf die Entwicklung seiner Schöpfung zurückblicken. Er starb am 3. März 1914 im Alter von 73 Jahren.

Die Wilhelm Brauns GmbH war auf der Erfolgsspur. Bis Anfang der 30er Jahre hatte die Firma Filialen und Tochtergesellschaften in Berlin, Barcelona, Desio-Mailand, Reichenberg (frühere Tschechoslowakei), Chilli (früheres Jugoslawien), Warschau, Wien und Zürich, wie es am Ende des Heftes Brauns´ Neues Färbe-Lehrbuch aus den 30er Jahren heißt.

Nach dem 2. Weltkieg fusionieren die beiden Unternehmen Brauns und Heitmann. Dieses Unternehmen existiert auch heute noch. Weitere Informationen sind hier zu finden.

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