Wolfsburger Gerichtsprotokolle von 1711 bis 1724 als historische Quelle für Orte der Samtgemeinde Brome

Bereits im Jahr 2017 hat die Hobbyhistorikerin Maria Schlelein die Gerichtsprotokolle des Wolfburger Amtmannes Johann Ernst Selig aus der Zeit von 1711 – 1724 herausgegeben. Das rund 1800 Seiten starke Original des Protokollbuches lag lange Jahre in einer Vitrine des Stadtmuseums Schloss Wolfsburg und war der Heimatforschung mehr oder weniger unbekannt. In Gänze ausgewertet ist es bis heute nicht. Bis 1742 war die Familie von Bartensleben zu Wolfsburg der Lehensnehmer der Braunschweiger Herzöge über die Wolfsburg und die dazu gehörigen Dörfer. Ihr Gebiet erstreckte sich auch über weite Bereiche der heutigen Samtgemeinde Brome. Auf der Wolfsburg tagte auch das für die Dörfer zuständige Patrimonialgericht. Dort wurde Recht gesprochen u.a. über die Dörfer Brechtorf, Rühen, Eischott, Tiddische, Hoitlingen, Bergfeld sowie Parsau. Die Gerichtsbarkeit über Tülau-Fahrenhorst lag dagegen bei der Familie von Weyhe. Das Patrimonialgericht Brome sprach Recht über die Orte Brome, Altendorf, Benitz, Zicherie, Voitze und Croya; nach 1692 auch über Wiswedel, Ehra und Lessien.

Die Wolfsburger Gerichtsprotokolle sind für den südlichen Bereich der Samtgemeinde Brome eine wertvolle historische Quelle, die bisher nicht im Detail ausgewertet wurde. Zwar umfassen die Protokolle nur etwa 13 Jahre. Dennoch lässt sich ein gutes Bild über die damals herrschenden gesellschaftlichen Probleme herausarbeiten.

So verklagt z.B. der Rühener Rademacher Christoph Otto am 1. September 1720 einen gewissen Hanß Adam aus Brechtorf vor dem Wolfsburger Gericht. Christoph Otto klagt auf Bezahlung seiner Rademacherarbeit in Höhe von 1 Thaler 6 Groschen, die ihm der Beklagte schuldete. Der Beschuldigte gesteht die ausstehende Zahlung und sagt die Begleichung der Summe innerhalb von drei Wochen zu, womit der Prozess dann augenscheinlich auch beendet war.

In zahlreichen Gerichtsverhandlungen geht es um unrechtmäßig abgepflügte Ackerstücke, ausstehende Schulden, Aussteuerangelegenheiten und auch Beleidigungen.

Das vom Förderverein des Stadtmuseums Schloss Wolfsburg herausgegebene, insgesamt 526 Seiten umfassende Buch kann für 50 € im Stadtmuseum Wolfsburg erworben werden.

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