Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Autor: Jens Winter (Seite 28 von 29)

Über die Brauerei Friedrich Schäfer in Brome

Biographie Friedrich Schäfer sen.

Carl Friedrich Eduard Schäfer wurde am 20. September 1842 in Brome geboren. Insgesamt sind nur spärlich Angaben zu seinem Lebenslauf überliefert, so dass es schwer ist, einen ausführlichen Lebenslauf zu verfassen. Die Eltern von Friedrich Schäfer betrieben in Brome eine Landwirtschaft. Ihnen gehörte die Hofstelle, die heute die Adresse Hauptstraße 25 trägt. Als Friedrich 9 ¼ Jahre alt war, verstarb sein Vater. Von ihm erbte er eine landwirtschaftliche Fläche von etwas mehr als 35 Hektar, wobei es sich hierbei meistens um schlechten Sandboden und Heide handelte. Bereits in den letzten Lebensjahren seines Vaters wurde dieser Acker aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes nicht mehr selbst bewirtschaftet und deshalb wurde das Land verpachtet. Friedrich lernte dann zunächst den Beruf des Klempners. Mit 24 Jahre, also ca. 1866, etablierte er sich auf seiner Hofstelle als Klempner. Im Jahr 1870 heiratete er Caroline Schäfer, geb. Munstermann aus Heisede bei Hildesheim. Im gleichen Jahr brach er das alte Schäfersche Haus ab und errichtete ein massives zweistöckiges Gebäude mit Stallungen und Scheune.

Irgendwann wurde die Schreibung des Namens Schäfer in Schaefer umgeändert. Wann genau, ist leider bisher nicht bekannt. Allerdings hat sich Friedrich Schäfer sen. auch in seinem Buch „Deutschlands Boden nährt und alle“ mit „ä“ geschrieben. Möglicherweise hat sein Sohn Friedrich die Schreibweise geändert. Auf den Postkarten unten ist der Name bereits mit „ae“ geschrieben.

Ton- und Glasflaschen der Brauerei Schaefer (Foto: Detlev E. Deipenau)

Bau der Gastwirtschaft „Zum Ausspann“

Im Jahr 1876 ereignete sich in Brome ein großer Brand und Friedrich Schaefer kaufte das abgebrannte Haus mit der heutigen Adresse Hauptstraße 26, um dort ein zweistöckiges massives Wohnhaus mit Gastwirtschaft „Zum Ausspann“ zu errichten – das spätere Hotel „Goldener Löwe“, das sich heute in einem äußerst desolaten Zustand befindet. Aus den Gemeindeprotokolle ist zu entnehmen, dass Schäfer im Jahr 1882 einen Antrag zur Erteilung der Konzession zu einer Schankwirtschaft gestellt hat. Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass Schäfer damals bereits Klempner und Brauer war. Wie genau er Brauer geworden ist, konnte bisher nicht ermittelt werden. Womöglich hatte er einen Brauer in seiner Brauerei angestellt, denn die Brauerei existierte im Jahr 1882 bereits. Es wurde dort damals Braunbier gebraut. Das Gebäude der Brauerei existiert heute noch und liegt hinter dem ehemaligen Schäferschen Haus (heute Hauptstr. 25) zwischen den beiden Ohreläufen.

Die Konzession wurde ihm von Amtswegen nicht erteilt und auch der Bromer Gemeinderat erkannte auf seinen Sitzungen vom 24 Juli 1882 und 14. November 1882 kein Bedürfnis für eine weitere Schankwirtschaft in Brome. Allerdings änderte sich die Meinung des Gemeinderates zwei Jahre später in der Sitzung vom 29. November 1884. Die Bedürfnisfrage wurde nun nur noch von zwei Ratsmitgliedern verneint, von 12 dagegen bejaht, so dass der Konzessionierung dann nichts mehr im Wege stand.

Übergabe an die nächste Generation

Friedrich Schäfer sen. übergab 1898 seinen Hof und die Brauerei an seinen ältesten Sohn Friedrich (*1874 †1931).  Friedrich sen. hatte in Bayern Bierbrauer gelernt, jedoch hatte er bei der Lehre einen schweren Unfall erlitten, so dass er armbehindert am 1. Weltkrieg nicht teilnehmen konnte.

Wann genau das Brauen in der Brauerei Schaefer eingestellt wurde, ist bisher nicht bekannt. Es ist zu vermuten, dass der Braubetrieb ungefähr zu Beginn des 1. Weltkrieges eingestellt wurde. Das Bier wurde sowohl in Tonflaschen, die vermutlich in Bromer Ziegelei gebrannt wurden, als auch in Glasflaschen verkauft. Heute zeugen nur noch einige erhaltene Bierflaschen und Postkarten von der Existenz dieser Bromer Brauerei.

Postkarte um 1900. Oben in der Mitte die Brauerei Schaefer, unten links die Gastwirtschaft "Zum Ausspann", unten rechts die Ziegelei Schaefer auf dem Sandberg
Postkarte von 1910. Oben links die Brauerei Schäfer (Mit falscher Beschriftung!), rechts Gastwirtschaft "Zum Ausspann"

Weitere Informationen zu Friedrich Schäfer sen. gibt es in dem Heft „Deutschlands Boden nährt uns alle“ zu lesen. Darin sind alle Texte veröffentlicht, die von Friedrich Schäfer sen. überliefert sind. Es ist 2017 beim MHV Brome erschienen und kann für 6,00 € beim MHV Brome bestellt oder im Museum Burg Brome erworben werden.

1853 – Brome wird an die Straße Salzwedel-Braunschweig angeschlossen

Brome war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht an das bedeutende überregionale Handelswegenetz angeschlossen, denn der damals noch unbefestigte Handelsweg von Salzwedel nach Braunschweig verlief nicht über Brome, vielmehr machte der Weg um Brome einen Bogen. Von Mellin führte der Weg direkt nach Steimke. Von Steimke aus dann nördlich der Ziegelei Groth vorbei an Brome, dann weiter zum Gerichtsfeld Richtung Croya.

Zu der Zeit war Deutschland auch kein vereinter Staat, vielmehr bestand das Gebiet des heutigen Bundesrepublik Deutschland aus zahlreichen Einzelstaaten mit unterschiedlichen Währungen und Maßeinheiten. So gehörte Brome damals zum Königreich Hannover, die benachbarten Orte Mellin und Steimke dagegen zum Königreich Preußen. Zwar wurde bereits im Jahr 1833 der Deutsche Zollverein gegründet, jedoch trat Hannover diesem erst 1854 bei. Der Flecken Brome war damals von Norden, Osten und Süden durch die Landesgrenze von den preußischen Nachbardörfern getrennt. Vor dem Beitritt Hannovers zum Deutschen Zollverein blühte das Schmuggelgeschäft in Brome (Blogeinträge zum Schmuggel in Brome werden folgen!).

Im Jahr 1853 verfasste der Königliche Landrat zu Salzwedel einen Brief an die hannoverschen Behörden, in dem er den Bau einer Straße von Mellin über Brome in nicht allzu ferner Zukunft sieht. Er schreibt: „Ich glaube indessen, da die Strecke über Brome nicht neu ist und die fallenden Zollschranken die beiden benachbarten Länder noch näher verbinden werden, daß man hier dem Plan nicht entgegentreten wird, über Brome zu bauen“. Bereits im Jahr 1853 plante das Königreich Preußen nämlich eine befestigte Straße von Salzwedel nach Braunschweig zu bauen, die über die Dörfer Rohrberg, Ahlum, Mellin und Steimke führen sollte – also an Brome vorbei.

Der damalige Bromer Bürgermeister Friedrich Stampehl setzte sich, als dieser preußische Plan öffentlich wurde, für den Bau der Straße über den Flecken Brome ein. Er begründete dies mit dem deutlich kürzeren und damit kostengünstigeren Streckenbau als über Steimke. Zum anderen sprach Stampehl auch das Problem des Postweges von Salzwedel nach Braunschweig an, denn damals wurde überlegt, die Poststation in Steimke zu schließen, die auch von sehr vielen Bromern genutzt wurde. Stampehl schreibt in seinem Brief an die Postdirektion zu Salzwedel hoffnungsvoll,  dass die Post gewiss genauso viel genutzt werde, wenn die Post statt über Steimke durch Brome ginge.  

Weder die preußischen, noch die hannoverschen Behörden hatten etwas gegen den Straßenbau über Brome einzuwenden. Die preußischen Behörden stellten allerdings die Bedingung, dass die Straßen auf hannoverschem Gebiet vollkommen ausgebaut werden müssen, damit der durchgehende Verkehr nach Braunschweig gewährleistet sei. Andernfalls wollten sie doch über Steimke bauen. Noch im Jahr 1853  stimmten die beiden Kreistage in Salzwedel und Isenhagen der Streckenführung über Brome zu. Sowohl der Isenhagener Kreistag als auch der Bromer Bürgermeister Stampehl erklärten sich bereit, den Straßenbau ab Mellin – also sogar auf preußischem Territorium – auszuführen. Dies zeigt deutlich die Wichtigkeit, die der Straßenbau damals für den Flecken Brome hatte. Im gleichen Jahr wurde dann auch mit dem Bau begonnen. Die Bromer Bürger mussten damals in Hand- und Spanndiensten beim Bau der Straße mithelfen. Für einen Tag Handdienst wurden sie mit 8 Groschen entschädigt, für einen Tag Spanndienst mit einem Thaler.

Die Hauptverkehrsstraße, die heutige B248, wurde also erst 1853 ausgebaut und durch den Flecken Brome geführt. Bereits Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, also rund 70 Jahre nach dem Bau, sorgte der viele durchgehende Verkehr dafür, dass eine Umgehungsstraße geplant wurde. Doch diese Geschichte werden wir in einem folgenden Blogeintrag beleuchten.

Zur Hinrichtung des Diebes Jürgen Wend 1596 in Brome

Französischer Kupferstich aus dem Jahr 1703. Zu sehen sind verschiedene Hinrichtungsarten: Köpfen, Erhängen, Rädern sowie Verbrennen. (Quelle: Sammlung Jens Winter)

Im Jahre 1596 wurde hier in Brome der Dieb Jürgen Wend hingerichtet. Was genau zu seiner Verurteilung geführt hat, wissen wir nicht. Das Urteil selbst liegt nicht vor, dagegen aber die Abrechnung über die Gerichtskosten. Darin sind auch die Kosten für die Vollstreckung aufgeführt. Aus dieser Rechnung geht hervor, dass das Urteil auch nicht am Bromer Gericht gefällt wurde, vielmehr wurde es in Helmstedt gefällt, vermutlich handelt es sich um ein Rechtsgutachten von der damals noch bestehenden Universität Helmstedt. Woher der Scharfrichter kam, ist nicht bekannt. Einen hier in Brome ansässigen Scharfrichter hat es vermutlich nicht gegeben. Eventuell kam dieser aus Gifhorn oder Celle nach Brome. Klar ist, dass der Verurteilte vor der eigentlichen Vollstreckung der Todesstrafe, in einer Tortur (der Folter) gequält wurde. Diese wurde vermutlich am hiesigen Gerichtsort, der Burg Brome, vollzogen. Anschließend wurde er dann vom Scharfrichter und seinen Knechten von der Burg zum Richtplatz gebracht. Vermutlich wurde er in Ketten geführt, denn in der Rechnung wird eine Diebeskette genannt. Eventuell wurde er auch daran am Galgen aufgehängt. Für Diebstahl wurde die Hinrichtung gewöhnlich durch Erhängen am Galgen vollstreckt. Der Scharfrichter bekam als Entlohnung 5 Thaler und zusätzlich für die Folter 1 1/2 Thaler 6 Groschen. Dazu wurden ihm auch noch zwei Mahlzeiten in einer hiesigen Gastwirtschaft mit insgesamt 3 Thalern 3 Pfennigen bezahlt. Der Knecht des Scharfrichters bekam 1 Thaler und für die Folter 8 Pfenning.

Begleichen mussten die Gesamtausgaben für das Urteil und die Vollstreckung in Höhe von 18 1/2 Thalern und 13 Pfenningen die 69 Männer aus den Orten Brome, Altendorf, Nettgau, Benitz, Zicherie und Boldam. Mit Männern sind die damaligen Hausbesitzer gemeint, so dass es in den genannten Orten insgesamt 69 Häuser gab.

Auch für die Errichtung und Instandhaltung des Galgens wurden die Bürger zur Bezahlung herangezogen. Manchmal musste sie auch bei der Errichtung des Gagens helfen. Der Richtplatz und jede Urteilsvollstreckung verursachten also für die hiesigen Bürger erheblich Kosten, die sie begleichen mussten.

Geschichte der Grenzsperranlagen in Zicherie (1945 bis 1961)

Die Geschichte der Sperranlagen an der innerdeutschen Grenze zwischen dem niedersächsischen Ort Zicherie (früher: Britische Besatzungszone) und dem sachsen-anhaltinischen Ort Böckwitz (früher: Sowjetische Besatzungszone) beginnt nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Jahr 1945. Wann genau die erste Straßensperre zwischen den beiden Orten errichtet wurde, lässt sich aus den bis heute eingesehenen Unterlagen und Bildern nicht genau rekonstruieren. Ein Schlagbaum trennte damals die beiden Orte Zicherie und Böckwitz.

Im Mai 1952 verschärfte sich die Lage an der deutsch-deutschen Grenze. Auf DDR-Seite wurde damit begonnen, entlang der Grenze einen gepflügten 10-Meter-Kontrollstreifen, dem sogenannten K 10, anzulegen. Gleichzeitig damit wurde auch die Bewachung der Grenze umgestellt. Das sowjetische Militär wurde von der Grenze abgezogen und die Überwachung von DDR-Grenzpolizisten übernommen. Der illegale Grenzverkehr ging durch diese Maßnahmen schlagartig zurück.

Gleichzeitig mit diesen Maßnahmen wurde zwischen den Orten Zicherie und Böckwitz ein drei Meter hoher Bretterzaun angelegt, der selbst Sichtkontakte zwischen den Einwohnern der beiden Orte unmöglich machte. Häuser, die in unmittelbarer Nähe der Grenze lagen, wurden geräumt und später abgerissen. Die Bewohner wurden in der sogenannten „Aktion Ungeziefer“ zwangsausgesiedelt.

Im August 1956 wurde der Bretterzaun entfernt und durch einen Stacheldrahtzaun ersetzt.

Blick von Zicherie auf den Bretterzaun. Dieser trennt Zicherie und Böckwitz bis August 1956. Aus: unmenschliche Grenze. Herausgegeben von der Niedersächsischen Landeszentrale für Heimatdienst. 1958
Blick von Zicherie nach Böckwitz (Aufnahme von 1957). Aus: unmenschliche Grenze. Herausgegeben von der Niedersächsischen Landeszentrale für Heimatdienst. 1958

Der Verlauf der innerdeutschen Grenze war allerdings bis zum 13. August 1961 nicht überall durch Schilder bzw. Sperranlagen markiert. Auf westdeutscher Seite wurde eine neue Verbindungsstraße zwischen Zicherie und Kaiserwinkel gebaut, die weitgehend parallel zur innerdeutschen Grenze verlief. Die Grenze verlief unmittelbar in der Grabenmitte östlich der Straße. Sie war hier weder durch Schilder, noch durch Sperrmaßnahmen markiert.

Straßen von Zicherie nach Böckwitz. Links neben der Straße ist der Grenzgraben. Gleich dahinter der geeggte 10-Meter-Streifen auf DDR-Gebiet. Aus: unmenschliche Grenze. Herausgegeben von der Niedersächsischen Landeszentrale für Heimatdienst. 1958

Zuständig für die Überwachung der innerdeutschen Grenze auf DDR-Seite im Bereich von Steimke bis Kaiserwinkel war die Grenzkompanie Jahrstedt, die der Grenzbereitschaft Gardelegen unterstellt war. Die Ausrüstung der Kompanie Jahrstedt kann bis Anfang der 60er Jahres des 20. Jahrhunderts als sehr bescheiden beschrieben werden. Im Jahr 1950 besaß die Einheit 10 Fahrräder. Im Jahr 1952 kamen 10 Fahrräder und ein Motorrad mit Beiwagen dazu. Im Jahr 1961 verfügte die Einheit über insgesamt 28 Fahrräder und ein Motorrad mit Beiwagen. Die Stabsstelle in Kunrau verfügte Anfang der 50er Jahre über einen VW-Kübel, einen IFA F8 Kombi Krankenwagen und einen Garant LKW. Sowohl die Kompanie Jahrstedt als auch die Stabsstelle Kunrau verfügten über Telefon, allerdings nicht über Fernschreiber und Funkgeräte. Die einzige Möglichkeit zur Alarmierung der Kompanie von der Grenze war das Grenzmeldenetz, das im Hinterland der Grenze verlief und in das sich die Grenzsoldaten mit entsprechenden Geräten einklinken und Meldung machen konnten. In der Nähe der Stelle, an der Kurt Lichtenstein am 12. Oktober 1961 erschossen wurde, befand sich kein Einwählpunkt ins Grenzmeldenetz, so dass die Alarmierung der Kompanie Jahrstedt auf anderem Wege erfolgen musste.

Als Waffen für die Grenzpolizisten standen in der Kompanie Jahrstedt Pistolen vom Typ Parabellum, Karabiner Mauser 98 K sowie Maschinenpistolen (MPi) zur Verfügung.

Nach dem 13. August 1961, dem Tag des Mauerbaus, verschärfte sich die allgemeine Lage an der innerdeutschen Grenze. Eine Kontaktaufnahme zwischen Zoll und Bundesgrenzschutz (BGS) mit Offizieren der Grenztruppen, wie sie zu dem Zeitpunkt üblich war, war nicht mehr möglich. Es wurde an der Grenze von DDR-Seite ein neues System der Grenzsicherung eingeführt. An Stellen, an denen sich noch kein Drahtzaun befand – wie z.B. an der Stelle, an der Kurt Lichtenstein die Grenze überschritten hatte und erschossen wurde – wurden Holzpfähle eingeschlagen, die verdrahtet wurden. 

Anmerkung:

Diese kurze Geschichte der Grenzsperranlagen bei Zicherie wurde zuerst in dem Buch „Kurt Lichtenstein – getötet am 12.10.1961. Tragischer Tod eines Grenzgängers“ von Jens Winter veröffentlicht. Das Buch ist beim MHV Brome erhältlich!

Der Bromer Galgen

Bisher ist nicht allzuviel bekannt über den Bromer Galgen und vollstreckte Todesurteile im Gericht Brome. Sicher ist, dass der Bromer Galgen dort gestanden hat, wo die heutige Bundesstraße B244 von den Einkaufsmärkten kommend in Richtung Zicherie eine Linkskurve macht. Das dortige Flurstück wird auch heute noch als Gerichtsfeld bezeichnet. Ob der Galgen nun links oder rechts der heutige Straße befunden hat, ist nicht sicher.

In den historischen Akten zur Bromer Geschichte sind allerdings Hinrichtungen am Bromer Galgen zu finden. So wurde 1596 Jürgen Wendt wegen Diebstahls gehenkt. Aus dem gleichen Grund wurde 1602 auch der „Blinde Peter“ hingerichtet. Im Januar 1696 wurde dann ein namentlich nicht bekannter Bromer Bürger hingerichtet, der seine Frau mit dem Dreschflegel erschlagen hatte. Im Oktober 1696 dann der abgesetzte Küster aus Tylsen bei Salzwedel, der hier in Brome festgenommen und wegen seiner zahlreichen Delikte hingerichtet wurde.

Eine andere Art der peinlichen Strafen wurde am Bromer Galgen im Jahr 1677 vollstreckt. Eine namentlich unbekannte Frau wurde wegen uns nicht überlieferter Vergehen ohne Staupenschlag aus Brome verwiesen. Sie durfte also auf Lebzeit nicht mehr nach Brome kommen. Einen Staupenschlag kann man sich als Auspeitschung vorstellen. Diese Bestrafung war besonders entehrend, weil der Verurteilte ja durch die Peitsche indirekt in Berührung kam mit dem Scharfrichter. Die hier verurteilte Frau hatte also Glück, dass nicht zum Staupenschlag verurteilt wurde. Sie wurde durch ihre Strafe also nicht entehrt. Und auch die Schmerzen wurde ich natürlich erspart

Einen hier vor Ort lebenden Scharfrichter gab es allerdings nicht in Brome. Vielmehr wurde ein Scharfrichter aus einem anderen Ort geholt, um hier die Urteile zu vollstrecken. Woher genau, ist bisher nicht bekannt.

Auf mehreren historischen Karten ist der Bromer Galgen abgebildet. Als Beispiel sei hier nur die Karte von Strauß aus dem Jahr 1688 gezeigt. Das Original der Karte befindet sich im Hauptstaatsarchiv Hannover. Eine digitale Kopie ist im Archiv des MHV Brome zu bewundern.

Karte von Strauß (1688) - Links der Ort Brome, rechts am Weg Richtung Zicherie steht der Galgen. Vorsicht: Die Karte ist nicht eingenordet!
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