Ab Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Lehrer die Aufgabe gehabt, eine Schulchronik zu führen. In den Schulchroniken finden sich nicht nur Ereignisse, die das Schulleben betreffen, vielmehr wurden auch historischer Ereignisse aus den Ortschaften niedergeschrieben, für die wir heute keine weiteren Quellen haben.
So hat auch der Lehrer Harms von der Schule Ehra eine sehr ausführliche Schulchronik geführt, in der er auch Ereignisse der Ortsgeschichte festhält. So erfahren wir z.B., dass am 14. August 1898 eine neue Handdruckspritze an die Feuerwehr Ehra ausgeliefert wurde. Lehrer Harms schreibt dazu:
14. August [1898] Heute wurde die aus der Fabrik des Herrn Bräunert aus Bitterfeld gelieferte neue Feuerspritze abgenommen. Das Resultat der Prüfung war ein gutes. Die Spritze kostet über 1600 Mark.
Eine Handdruckspritze der Firma Bräunert schaffte auch die Freiwillige Feuerwehr Brome im Jahr 1891 für 1750 Mark an. Diese befindet sich heute im Museum Burg Brome.
Die im Jahr 1891 angeschaffte Handdruckspritze der Firma Bräunert beim 100jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Brome im Jahr 1972. Auf der Spritze steht langjährige Hornist und Feuerwehrkamerad Elektromeister Ferdinand Busse.
In der Schulchronik werden etliche Brände in Ehra dokumentiert, auf die in einem zukünftigen Blogbeitrag noch eingegangen wird. Interessant ist, dass auch Einsätze der Feuerwehr Ehra erwähnt werden, die außerhalb von Ehra stattgefunden haben. So hat Lehrer Harms am 2. August 1911 über die vorhergehenden Tage die Einsätze der Feuerwehr Ehra in umliegenden Ortschaften festgehalten:
Der 31. Juli [1911] war ein aufregender Tag. Schon in der Nacht vorher sah man nach Osten hin Feuerschein, der stets größer wurde. Es wurde Feuerlärm geblasen. Spritze u. Wasserwagen rückten nebst den dazu gehörigen Mannschaften aus. Das Feuer war in Brome, Schäfers Scheune u. Stallungen, 2 kleine Wohnhäuser und Gastwirt Müllers ganzes Gehöft wurden ein Raub der Flammen. Die Ehraer Spritze und die Löschmannschaften kamen erst am Morgen um 7 Uhr zurück. Bald nach 10 Uhr vormittags ertönte schon wieder das Feuerhorn. Im Osten fliegen wieder schwarze Rauchwolken auf. Die Spritze mußte gleich wieder fort. Es brannte in Tülau. Mehrere Abbauerstellen wurden in kurzer Zeit eingeäschert. Gleich nach Mittag sah man im Westen mächtige Rauchwolken aufsteigen. Wieder ertönte Feuerlärm u. die noch vorhandenen Mannschaften rückten zum Löschen aus. Man glaubte, das Feuer sei im Bockling, aber es war zwischen Stüde u. Westerbeck Heu-, Wald- und Moorbrand. Im Moore brennt es heute (am 2. Aug.) noch.
Auch in der Bromer Schulchronik wird der Brand erwähnt. Dort ist zu lesen, dass am 30. Juli Brände in Schäfers Scheune und Albert Müllers Hofwesen gewütet haben.
Wenn wir nun die Erkenntnisse aus den beiden Schulchroniken zusammenziehen, so wird klar, dass der Brand in der Nacht des 30. Juli 1911 entstanden ist und erst am darauffolgenden Morgen gelöscht wurde. Die Löschmannschaften aus Ehra waren am 31. Juli 1911 um 7 Uhr morgens zurück.
Über den Brand in Tülau haben wir bisher keine weiteren Informationen, die über den Schulchronikeintrag von Lehrer Harms hinausgehen. Nach Johann Dietrich Bödeker (S. 359) brannten 1911 in Tülau folgende Gebäude ab: die Abbauerstelle Nr. 42 (Schulze), das 1835 erbaute Fachwerkhaus des Abbauers Nr. 51 (Pakebusch), die Scheune des Abbauers Nr. 33 (Mühe) sowie das Gehöft Nr. 8 (Paasch). Ob diese Gebäude in einem Brandereignis ein Raub der Flammen wurden, lässt sich bei Bödeker nicht ablesen.
Im Archiv Museum Burg Brome befindet sich in den Wiswedeler Gemeindeakten ein Schreiben des Gerichts Wolfsburg an die Wiswedeler Untertanen, das auf den 26. März 1826 datiert ist. Es handelt sich um eine Zahlungsaufforderung, die von den Untertanen bis zum 10. April 1826 morgens um 9 Uhr zu begleichen war.
Bemerkenswert ist der Inhalt des Schreibens, denn darin werden 23 gerichtliche Untersuchungen aufgezählt, die von den Untertanen der Dörfer Sandkamp, der Dörfer des Boldecker Landes, dem Dorf Croya und den ehemaligen brandenburgischen Dörfern Ehra, Lessien, Wiswedel und halb Voitze zu bezahlen waren. Gleich unter Punkt 1 wird die gerichtliche Untersuchung eines in Voitze tot aufgefundenen Körpers aufgezählt. Diese muss im Jahr 1807 oder früher stattgefunden haben! Die Gebühren für die Untersuchung wurden aber erst 29 Jahre später abgerechnet. Unter Punkt 6 wird die Untersuchung eines weiteren toten Körpers, ebenfalls in Voitze aus dem jahr 1814 erwähnt. Unter Punkt 22 wird ein Brand in Jembke genannt. Vermutlich handelt es sich dabei um den Brand im Jahr 1824, nach dem auch die Bromer Bürger für die Abgebrannten gespendet hatten. Die anderen aufgezählten Untersuchungen sind leider nicht datiert.
Die Gesamtsumme für alle Döfer belief sich auf über 337 Reichstaler. Der Anteil der Wiswedeler Untertanen betrug 12 Reichstaler 12 Groschen 2 Pfennig. Den Erhalt dieser Summe quittierte der Gerichtsbote Böwing am 25. Juni 1826 im benachbarten Steimke.
Hier der Text des Dokuments:
Da die durch folgende Untersuchungen
wegen eines zu Voitze gefundenen toden Körpers, weshalb die Gemeinde Voitze auf das letzte Ausschreiben vom 8ten Sept. 1807 an Unkosten 14 Thlr. 9 ggr abgezogen hat,
wegen des Inquisiten Sauerwatd
wegen Dedekind
wegen einer Besichtigung zu Oslos wegen Tietge
wegen Worckmeister
wegen eines im Jahr 1814 zu Voitze gefundenen todten Körpers
wegen Bischof zu Tappenbeck
wegen einer im Zollhause entwendeten Uhr
wegen des Färber Krüger
wegen des Grosgebausschen Todtschlags
wegen des Pferdediebes Olfermann
wenige des bei Evers in Sandkamp verübten Diebstahls
für mehrmalige Bestellung und Jistierung der Sophie Lohmann nach Gifhorn
wegen des Brandes der Weihäuser Mühle
wegen eines Bäumediebstahls zu Sandkamp
wegen des zu Sandkamp arrestierten Daubert
wegen des Deserteur Koch zu Tappenbeck
wegen des mit einem Meßer verwundeten Kauschischen Kindes zu Jemcke
wegen des ehemaligen Soldat Müller zu Tappenbeck
wegen des Brandes zu Tappenbeck inso weit eine Erstattung nicht erfolgt ist,
wegen des Schraderschen Wagens in Jemcke
wenige des Brandes zu Jemcke
wegen des Franerschen Diebstahls zu Bockensdorf
verursachte, und sich auf
337 thlr 1 ggr – ch-
belaufende baare Auslagen wozu ein jeder der combinirten Unterthanen des Dorfs Sandcamp, Croye, des Boldeckerlandes und die der permutirten Dörfer, mit Ausnahme der ganz kleinen Leute zu Jemcke, Barwedel, Ehra und Croye, welche bei diesen Dörfern besonders aufgeführt werden sollen,
12 thlr 6 ggr 2 ch Covent Münze auf zu bringen hat, so wird den Eingeseßenen hierdurch anbefohlen, diese Vorschüße binnen 4 Wochen und spätestens in termino
den 10ten April Morgens 9 Uhr auf der Gerichtsstube zu Brome bey H. Landvoigt Krause ein zu bringen.
Seit über 200 Jahren ist Brome an das überregionale Postnetz angeschlossen. Seit 1790 gab es eine Botenpost nach Brome. Die Boten wurden sonntags und donnerstags von Uelzen aus über Bodenteich nach Wittingen geschickt. Von dort erfolgte dann die weitere Verteilung der Post u.a. nach Brome.
Ein Postablager wurde am 1. März 1826 in Brome eingerichtet und der erste nachweisbare Postwärter hieß H. Dierks. Leider wissen wir bisher nicht, in welchem Haus sich dieses Postablager damals befunden hat.
Am 1. Juli 1834 erfolgte die Aufwertung der Post Brome von einer Collection zu einer Spedition. Der bisherige Postwärter Dierks wurde zum Postspediteur ernannt. Seine Aufgabe war es, als Postspediteur mit Postkutschen bestimmte Postrouten zu fahren.
Am 26. September 1846 wurde Postspediteur Dierks auf eigenes Ersuchen aus dem Dienst entlassen. Neuer Postspediteur wurde M. Mauer. Auch von ihm wissen wir bisher nicht, in welchem Haus er wohnte.
Am 1. Oktober 1847 wurde die Fahrpost von Brome nach Gifhorn eingestellt. Dafür wurde eine Fahrpost von Brome über Wittingen und Bodenteich nach Uelzen eingerichtet.
Am 27. Dezember 1852 ist Postspediteur M. Mauer verstorben.
Am 21. Februar 1853 wurde Wilhelm Baucke (1810-1894) als Postinspekteur angestellt. Am 15. August 1854 erfolgte die Ernennung zum Posthalter und die Einrichtung eines Postrelais in Brome. Das Postbüro befand sich im Wohnhaus der Familie Baucke in der Hauptstr. 9.
Auf dem Foto, das vor 1877 entstanden ist, ist das Haus der Familie Baucke zu sehen, welches nach einem Brand neu errichtet wurde. Über der Haustür ist das Postschild zu erkennen. Das Gebäude wurde vor einigen Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen.
Am 20. August 1854 wurde die Personenpost Salzwedel-Vorsfelde über Brome eingerichtet. Vorher verlief die Strecke über Steimke. Dies änderte sich erst mit dem Bau einer neuen Straße von Mellin nach Brome.
Ab demn 14. Februar 1859 hielt die Personenpost Vorsfelde-Salwedel wöchentlich zwei Mal auch in Croya bei Gastwirt Winnecke sowie in Ahnebeck vor dem Hause des Gastwirts Haase. Ab dem 15. November 1857 fuhr diese Personenpost täglich.
Im Jahr 1860 war Wilhelm Baucke Postspediteur und Posthalter in Brome. Sein Sohn Louis (1839-1915) war sein Gehilfe. Die Postspedition hatte vier Pferde und es arbeiteten dort noch zwei Postillone.
Am 1. Oktober 1869 began die Landbriefzustellung durch die Postexpedition Brome in Altendorf, Benitz, Croya, Ehra, Fahrenhorst, Gödchenmühlen, Guleitz, Holzmühle, Kiebitzmühle, Lessien, Tülau, Voitze, Wiswedel, Zicherie, Ziegelei Groth und Zollhaus.
Im Jahr 1870 wurde der Postillon Böwing aus Brome wegen heimlicher Mitnahme von Personen oder Sachen aus dem Postdienst entlassen.
Am 10. Juli 1872 ging der Postexpediteur Wilhelm Baucke in Pension.
Im Jahr 1873 wurde der Postexpediteur Bartmer in Brome angestellt.
Am 1. Juli 1875 wurde die Personenpost Brome-Rohrberg aufgehoben. Stattdessen wurde eine tägliche Botenpost auf dieser Strecke eingerichtet.
Im Jahr 1879 erfolgte der Anschluss der Post Brome an das Telegraphennetz sowie das Fernsprechnetz.
Im Jahr 1885 werden als Postverwalter Bartmer und Posthalter Louis Baucke in Brome genannt.
Im Jahr 1888 wurde die Post zu Gastwirt Stampehl verlegt (Hauptstr. 18)
Im Haus des Gastwirts und Kaufmanns Stampehl (Hauptstr. 18) befand sich die Post von 1888 bis zum 30. Juni 1893.
Am 1. November 1889 wurde die Bahnstrecke Salzwedel-Oebisfelde mit einer Bahnpost eröffnet. Die nächstgelegene Bahnpost von Brome aus war der Bahnhof Kunrau. Die Personenpost Brome-Vorsfelde wurde am 1. Juli 1890 eingestellt. Dafür gab es eine Personenpost von Brome nach Kunrau, die einmal täglich verkehrte. Eine Botenpost Brome-Kunrau verkehrte zwei Mal täglich.
Am 1. Juli 1893 wurde die Post zu Brauereibesitzer Friedrich Schaefer (Hauptstr. 25) verlegt.
Das Kaiserliche Postamt befand sich von 1893 bis 1898 bei Friedrich Schaefer (Gebäude oben links auf der Postkarte).
Am 1. Mai 1894 wurde eine fahrende Post zwischen Brome und Ehra eingerichtet.
Im Jahr 1898 wurde ein neues Gebäude auf der Bahnhofstraße errichtet, in dem die Post bis 1934 verblieb.
Das Postgebäude in der Bahnhofstr. 7 (1898 bis 1934). Das Gebäude musste vor einigen Jahrzehnten dem Neubau der Sparkasse weichen.
Am 15. September 1909 wurde die Bahnstrecke Wittingen-Brome eröffnet. Damit waren die Personenpostlinien überflüssig geworden und wurden eingestellt.
In den Jahren 1929/30 gab es eine Autopost von Fallersleben über Ehra nach Brome. Diese wurde jedoch wegen Unrentabilität wieder eingestellt.
1934 wurde die Post in das Haus Bahnhofstr. 35 verlegt.
Postamt von 1934 bis 1972
1972 erfolgte die Verlegung der Post in einen Neubau direkt gegenüber.
Postamt Brome (1972-1999). Die Postfiliale Brome wurde am 22. März 1999 geschlossen.Seit 1999 befindet sich die Postagentur in diesem Gebäude Bahnhofstr. 34. Zunächst wurde sie von der Firma Bannier betrieben, ab 2003 befindet sie sich in dem Geschäft „Papier und mehr“.
Die älteste bisher bekannte Erwähnung der Kiebitzmühle findet sich im Buch über die Kornrechnung des Achaz von Bartensleben aus den Jahren 1634 bis 1640. Es heißt dort, dass der Kiebitzmüller von Ostern 1638 bis Ostern 1639 20 Himten Roggen im Wert von 18 Groschen als Pacht gezahlt hatte. Leider wird der Name des Müllers nicht genannt. Da die Akte, die sich im Archiv derer von der Schulenburg in Nordsteimke befindet, bisher nicht vollständig gesichtet wurde, ist es gut möglich, dass in einem der anderen dort verzeichneten Jahre der Names eines Müllers erwähnt wird!
In den Protokollen der Ehestiftungen und Verträge des adeligenGerichts Wolfsburg (1643-1655) ist die Ehestiftung des Hanß Meltzians zu Ehra zu finden, die am 27. Oktober 1653 besiegelt wurde. Hanß Meltzian heiratete Anne Kovaln, die Tochter des Kiebitzmüller Hans Covalen. Die Mühle wird als Erbmühle bezeichnet, d.h. die Familie wurde innerhalb der Familie Covaln vererbt, aber die Eigentümer waren die von Bartensleben zu Wolfsburg, an die die Erbmüllerfamilie Pachtzinsen zahlen musste. Hans Covalen gab seiner einer Tochter als Mitgift ein volles Landesrecht, inklusive Ehrenkleidern, Bettgewand, Kisten und Kistengeräten, mit sowie darüber hinaus noch 20 Reichsthaler.
Nach Theo Bosse (Mühlen im Landkreis Gifhorn, 1991) war im Jahr 1662 Hanß Kovally der Müller auf der Kiebitzmühle. Im Jahr 1677 hieß der dortige Müller Heinrich Niebuhr. Sein Name wird auch einige Jahre später im Kontributionsregister der Landreiterei Salzwedel aus dem Jahr 1684/85 erwähnt. Die Kiebitzmühle gehörte damals zu Ehra und lag vom Dorf eine halbe Meile entfernt. Es wird aufgelistet, dass Heinrich Niebuhr damals kein Pferd, aber acht Rinder und 40 Schafe hatte. Mit dieser Erwähnung ist auch klar, dass die Kiebitzmühle auf brandenburgischem Territorium lag. Erst mit dem Vertrag von Wallstawe im Jahr 1692 wurde sie lüneburgisch.
Auf der Karte von Strauss (1688) ist zu erkennen, dass die damalige Landesgrenze direkt an der Kiebitzmühle vorbei lief (braune gestrichelte Linie). Am Kiebitzteich, dem Mühlenteich, verlief ein Weg von Voitze kommend zum Wiesenland. Der Damm am Mühlenteich musste vom Kiebitzmüller so ertüchtigt werden, dass der Weg nutzbar blieb.
In einer Auflistung sämtlicher Schulenburgscher Güter aus dem Jahr 1748 wird die Kiebitzmühle erwähnt. Damals musste der Kiebitzmüller, dessen Name leider nicht genannt wird, jährlich 34 Himten Vorsfeldisches Maß an Kornpacht zahlen. Im Vergleich dazu fielen für die Gödchenmühle nur etwas mehr als 22 Himten jährliche Pacht an.
Die Kiebitzmühle gehörte also denen von Bartensleben zu Wolfsburg und mit Aussterben der Familie von Bartensleben im Jahr 1742 ging die Mühle dann, wie auch alle anderen Güter und Besitztümer derer von Bartensleben, an die von der Schulenburg zu Wolfsburg über.
Die Besitzer der Kiebitzmühle von 1775 bis 1812
In einem Schreiben der Gemeinde Voitze über den Kauf die Kiebitzmühle vom 9. Januar 1823 heißt es:
Die Gemeinde Voitze ist wie Ew. Hochgräflichen Gnaden bekannt seyn wird, seit 1 1/2 Jahren Eingenthümerin der Kiebitzmühle[,] indem sie selbige von dem Müller Georg Baucke für die Summe von 5.500 Thlr. gekauft hat. Es sind der Gemeinde bey dieser Gelegenheit sämtliche Documente und Papiere[,] welche die Mühle betreffen, und unter andern auch die Verkaufsurkunde[,] welche die Gebrüder und Gevetter von Bartensleben auf Wolfsburg im Jahre 1775 dem ersten Käufer der Mühle Joachim Kovhall ausgestellt haben[,] ausgehändigt.
Angeblich sollen die von Bartensleben die Kiebitzmühle im Jahr 1775 verkauft haben. Doch dies kann gar nicht möglich gewesen sein, da die Familie von Bartensleben mit dem Tode des Gebhard Werner von Bartensleben am 6. Januar 1742 im Mannesstamm erloschen ist. Alleinerbin war die Tochter Anna Adelheid Catharina, die seit 1718 mit Adolph Friedrich von der Schulenburg (1685-1741) verheiratet war. Ihre Kinder begründeten den Wolfsburger Zweig der Adelsfamilie von der Schulenburg. Adolph Friedrich von der Schulenburg erhielt am 7. Dezember 1728 den erblichen Titel Reichsgraf durch Kaier Karl VI.
Die von Bartensleben können also die Kiebitzmühle 1775 gar nicht verkauft haben. Wenn wir davon ausgehen, dass die Jahreszahl des Verkaufs stimmt, dann war der Verkäufer Gebhard Werner von der Schulenburg (1722-1788), der Begründer des Wolfsburger Zweiges des Beetzendorfer Astes des Adelsgeschlechts derer von der Schulenburg.
Die Gründe für den Verkauf der Mühle sind unklar. Der erste Käufer der Kiebitzmühle war Joachim Kovhall. Er war jedoch längstens bis März 1778 Eigentümer der Mühle.
Im März 1778 wird als Kiebitzmüller Johann Heinrich Mundschwitz genannt. Wann und wie genau er Mühlenbesitzer wurde, ist unklar. Fest steht, dass er 1778 gegen die Gemeinden Voitze und Wiswedel wegen der Befestigung des Mühlenteichdammes klagte. Der Kläger verlangte, dass sich die Gemeinden Voitze und Wiswedel an der Befestigung des Dammes beteiligen sollten. Jedoch wurde die Klage zu seinen Ungunsten entschieden. Das Gericht Brome verpflichtete den Müller, den Damm in einen so tüchtigen Zustande zu versetzen, dass das Wasser aus dem Teich den Fuhrweg nicht beschädigen könne. Müller Mundschwitz hatte den Mühlenacker an einen gewissen Wiesensee verpachtet.
Die Kiebitzmühle auf der Kurhannoversche Landesaufnahme (1779). Nördlich der Mühle ist der heute nicht mehr existierende Mühlenteich zu sehen.
Der Kiebitzmüller Mundschwitz verstarb wohl im Jahr 1799. Seine Witwe verpachtete die Mühle vermutlich am 24. Mai 1799 an den Müller Matthias Uhlenhaus, danach an den Müller Habekost. Er verstarb wohl im Jahr 1803.
Die Witwe Mundschwitz verpachtete die Mühle dann an den aus Tiddische gebürtigen Müller Gebhard Müller von 1803 bis 1809. Die Übergabe der Mühle verzögerte sich allerdings aus nicht genannten Gründen, in denen Müller weiterhin Pächter blieb. Der Müller Gebhard Müller scheint in dieser Zeit auch seinen Schwiegervater Leopold, der ebenfalls Müller war, auf der Kiebitzmühle beschäftigt zu haben. Er wird in einigen Zeugenaussagen als Pächter bzw. Mitpächter der Kiewitzmühle bezeichnet.
Mit auf der Kiebitzmühle lebte Anne Elisabeth Rentelmann, die im Jahr 1826 66 oder 76 Jahre alt gewesen sei, „daß wiße sie nicht genau“. Sie war 1826 in Miesterhorst wohnhaft und lebte vom Nähen und Spinnen. Sie lebte von 1796 bis 1816 auf der Kiebitzmühle. Der Müller Mundschwitz war mit ihrer Schwester verheiratet, er war also ihr Schwager. In den ersten vier Jahren wohnte sie bis zu seinem Tode mit in der Mühle und im Anschluss daran bis 1816 mit ihrer Schwester auf dem Altenteil. Ihre Schwester verstarb an Johanni (24. Juni) 1816 .
Die Mühle wurde 1812 verkauft an den Müllermeister Johann Georg Baucke. Gebhard Müller verließ im April 1812 die Kiebitzmühle und arbeitete bis mindestens Ende 1820 in der Hoitlinger Mühle.
Die Mühle im Besitz der Gemeinde Voitze
Am 18. Mai 1821 kaufte die neun Eingesessenen (Hofbesitzer) zu Voitze gemeinschaftlich die Kiebitzmühle aus der Konkursmasse des Müllers Johann Georg Baucke zum Preis von 5.500 Reichsthalern.
Die Eingesessenen verpachteten zunächst die Mühle an Wilhelm Rentelmann. Dieser Vertrag wurde aus bisher unbekannten Gründen 1827 nicht verlängert. Neuer Pächter wurde der Vorsfelder Müller Gebhard Masche (Ostern 1827 bis Ostern 1833). Die Pachtbedingungen lauteten:
jährlich 5 1/2 Wispel reinen Roggen an die Verpächter;
12 Gute Groschen Grundsteuer;
zwei Pfund Butter zu Ostern an den Bromer Pastor und
ein Viertel Schock (Schock = 60 Stück; also 15 Stück) Enteneier an das Gut Fahrenhorst.
Am 8. Februar 1834 verkauften die Eigentümer, nämlich die neun Voitzer Gemeindemitglieder, die Kiebitzmühle an Graf Gebhard Friedrich Werner von der Schulenburg-Wolfsburg für 3000 Reichsthaler in Gold und 500 Reichsthaler in konventioneller Münze.
Die Mühle im Besitz derer von der Schulenburg-Wolfsburg
Bis 1840 mussten die Besitzer der Kiebitzmühle (bzw. deren Pächter) jährlich ein Mandel Enteneier (Mandel = 15 Stück) an die von Weyhe in Fahrenhorst abgeben, nach der Behauptung des Berechtigen aber ein halbes Schock (Schock = 60 Eier) Hühnereier. Diese Abgabe wurde durch einen Ablösungsvertrag zwischen Graf Friedrich Werner von der Schulenburg und von Weyhe durch eine einmalige Zahlung von 4 Thalern 4 Groschen abgeschafft.
Die Familie Masche war bis kurz nach 1900 Pächter der Kiebitzmühle. Sie beendete den Pachtvertrag, zog nach Voitze und baute ein Haus am Ortsausgang nach Tülau.
Hier befand sich einst das Mühlrad der Kiebitzmühle. Zeichnung von Horst L. Weber (undatiert)Kiebitzmühle um 1960. Der Mühlenteich nördlich des Mühlengebäudes existiert heute nicht mehr.
Die Kiebitzmühle befindet sich heute nicht mehr im Besitz des Grafen von der Schulenburg-Wolfsburg. Sie wurde im April 1995 verkauft. Sowohl das ehemalige Wohnhaus als auch das Mühlengebäude werden heute (2024) als Wohnhäuser genutzt. Die Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.
Links waren einst der Zulauf aus dem Mühlenteich und das Wasserrad. Das Mühlengebäude präsentiert sich heute hübsch saniert. (Foto 2020)
Das exakte Alter der Bezeichnung Alter Postweg bei Ehra lässt sich nicht bestimmen. Fest steht, dass am 9. Dezember 1805 eine Postverbindung von Gardelegen über Klötze, Steimke, Gamsen, Ohof und Burgdorf nach Hannover eingerichtet wurde. Dafür wurde, wie auf der Karte unten zu erkenne ist, der Weg von Steimke über Voitze an Ehra vorbei nach Gifhorn genutzt. Mit der französischen Besetzung 1806 wurde diese Postverbindung jedoch wieder eingestellt und nach deren Ende 1815 wieder eingeführt, wurde dann jedoch am 1. September 1827 wieder eingestellt.
Am 1. März 1826 wurde eine Postverbindung von Gifhorn nach Brome eingerichtet, die bis 30. September 1847 bestand.
Am 1. Mai 1894 wurde eine fahrende Post von Brome nach Ehra eingerichtet, wie Kantor Harms in der Kirchenchronik schreibt. Wann genau diese eingestellt wurde, lässt sich nicht genau sagen.
Auf diesem Ausschnitt aus einer Postwegkarte aus dem Jahr 1805 ist eindeutig der Postweg von Steimke nach Gifhorn über Voitze, Ehra, Lessien, Grußendorf und Westerbeck zu erkennen.
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