Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Kategorie: Flecken Brome (Seite 1 von 24)

Gemeinsamer Tiefbrunnen – Nachbarschaftliche Zusammenarbeit am Junkerende (1911)

Im Juli 1911 entstand in Brome am Junkerende eine kleine technische Revolution: Der erste Tiefbrunnen des Ortes wurde von den Brunnenbauern Willi Göke (Junkerende 9) und Hermann Dömland-Schulze (Junkerende 6) errichtet. Auftraggeber waren zwei Nachbarn, die sich die Kosten und Nutzung gemeinschaftlich teilten: Ofensetzermeister Heinrich Buhle (Hauptstraße 30) und der Maurer Karl Schulze (Junkerende 2).

Der Vertrag vom 1. September 1911

Am 1. September 1911 unterzeichneten beide Nachbarn einen detaillierten Vertrag, der ihre Rechte und Pflichten genau regelte:

Der Tiefbrunnen war 30 Meter tief und mit Mantelrohren ausgestattet – eine moderne technische Lösung für die damalige Zeit. Die Kosten bis zur Abzweigung der einzelnen Leitungen trugen beide Parteien jeweils zur Hälfte. Auch Reparaturen der Hauptleitung von der Oberkante des Mantelrohrs bis zum Filter sollten gemeinschaftlich getragen werden.

Eine bemerkenswerte Klausel sicherte die Kontinuität: Sollte eines der beiden Grundstücke verkauft werden, ging der Vertrag auf den Käufer über – die nachbarschaftliche Vereinbarung blieb also auch bei einem Eigentümerwechsel bestehen.

Das Bohrloch befand sich auf dem Hof von Heinrich Buhle, nur 1 Meter von der Grenze und 4 Meter von der Durchfahrt entfernt – eine Lage, die beiden Nachbarn gleichermaßen Zugang ermöglichte.

Der Vertrag wurde von Bürgermeister H. Schröder mit dem Siegel des Fleckensvorstehers zu Brome beglaubigt.

Ein Zeugnis guter Nachbarschaft

Dieser Vertrag ist mehr als nur ein technisches Dokument – er zeigt, wie Nachbarn am Junkerende gemeinsam in moderne Infrastruktur investierten und ihre Zusammenarbeit rechtlich absicherten. Der erste Tiefbrunnen Bromes markierte einen wichtigen Schritt in der Wasserversorgung des Ortes und steht exemplarisch für das pragmatische und kooperative Miteinander der Bewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Hier der Text des Vertrages:

Unterzeichnete der Ofensetzermeister Hr. Buhle und der Maurer Karl Schulze ließen gemeinschaftliche einen Tiefbrunnen anfertigen, derselbe ist 30 Mtr tief und mit Mantelrohren. Die Kosten bis zur Abzweigung der einzelnen Leitung trägt jeder die Hälfte. Etwaige Reparaturen der Hauptleitung von Oberkante Mantelrohr bis zur Filter haben beide gemeinschaftliche zu tragen. Sollte von den beiden Grundstücken Eins verkauft werden, dann geht der Vertrag auf den Käufer in derselben Weise weiter.

Das Bohrloch befindet sich auf den Hofe von H. Buhle und liegt 1 Meter von der Grenze und 4 Meter von der Durchfahrt.

Dieses erkennen durch eigene Nahmensunterschrift an

Hr. Buhle            Karl Schulze

Brome, den 1. September 1911

[Siegel des Fleckensvorstehers zu Brome]       [Unterschrift H.Schröder]

                                                                                   Bürgermeister

Der Wittinger Amtsmaurermeister Heinrich Falke (1817-1900)

Auf dem Stadtfriedhof Wittingen befindet sich bis heute das Grab des Amtsmaurermeistes Heinrich Falke. Er wurde am 15. Februar 1817 in Brome geboren und verstarb am 23. September 1900 in Wittingen. Verheiratet war der Marie Friederike Dorothee, geb. Klipp.

Heinrich Falke war der Sohn des Bromer Maurers Heinrich Christian Joachim Falke (1792-1843) und dessen Ehefrau Catharine Elisabeth geb. Behnecke. Sein Elternhaus war das Haus mit der heutigen Adresse Junkerende 4.

Haus der Familie Falke (Junkerende 4) im Jahr 1936

Der Amtsmaurermeister Heinrich Falke hatte mehrere Geschwister:

  • Johann Heinrich Christoph Falke (1822-1903)
  • Heinrich Wilhelm Christoph Falke (1826-1851)
  • Marie Wilhelmine Charlotte Dorothee Falke (1829-?)

Die drei Brüder Falke sind alle Maurermeister gewesen. Während die beiden jüngeren Brüder in Brome wirkten, ging Heinrich Falke nach Wittingen. Wann genau er nach Wittingen kam und dort Amtsmaurermeister wurde, muss noch geklärt werden.

Was der Lehrer Harms aus Ehra über Brände in Brome und Tülau schreibt (1911)

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Lehrer die Aufgabe gehabt, eine Schulchronik zu führen. In den Schulchroniken finden sich nicht nur Ereignisse, die das Schulleben betreffen, vielmehr wurden auch historischer Ereignisse aus den Ortschaften niedergeschrieben, für die wir heute keine weiteren Quellen haben.

So hat auch der Lehrer Harms von der Schule Ehra eine sehr ausführliche Schulchronik geführt, in der er auch Ereignisse der Ortsgeschichte festhält. So erfahren wir z.B., dass am 14. August 1898 eine neue Handdruckspritze an die Feuerwehr Ehra ausgeliefert wurde. Lehrer Harms schreibt dazu:

14. August [1898] Heute wurde die aus der Fabrik des Herrn Bräunert aus Bitterfeld gelieferte neue Feuerspritze abgenommen. Das Resultat der Prüfung war ein gutes. Die Spritze kostet über 1600 Mark.

Eine Handdruckspritze der Firma Bräunert schaffte auch die Freiwillige Feuerwehr Brome im Jahr 1891 für 1750 Mark an. Diese befindet sich heute im Museum Burg Brome.

Die im Jahr 1891 angeschaffte Handdruckspritze der Firma Bräunert beim 100jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Brome im Jahr 1972. Auf der Spritze steht langjährige Hornist und Feuerwehrkamerad Elektromeister Ferdinand Busse.

In der Schulchronik werden etliche Brände in Ehra dokumentiert, auf die in einem zukünftigen Blogbeitrag noch eingegangen wird. Interessant ist, dass auch Einsätze der Feuerwehr Ehra erwähnt werden, die außerhalb von Ehra stattgefunden haben. So hat Lehrer Harms am 2. August 1911 über die vorhergehenden Tage die Einsätze der Feuerwehr Ehra in umliegenden Ortschaften festgehalten:

Der 31. Juli [1911] war ein aufregender Tag. Schon in der Nacht vorher sah man nach Osten hin Feuerschein, der stets größer wurde. Es wurde Feuerlärm geblasen. Spritze u. Wasserwagen rückten nebst den dazu gehörigen Mannschaften aus. Das Feuer war in Brome, Schäfers Scheune u. Stallungen, 2 kleine Wohnhäuser und Gastwirt Müllers ganzes Gehöft wurden ein Raub der Flammen. Die Ehraer Spritze und die Löschmannschaften kamen erst am Morgen um 7 Uhr zurück. Bald nach 10 Uhr vormittags ertönte schon wieder das Feuerhorn. Im Osten fliegen wieder schwarze Rauchwolken auf. Die Spritze mußte gleich wieder fort. Es brannte in Tülau. Mehrere Abbauerstellen wurden in kurzer Zeit eingeäschert. Gleich nach Mittag sah man im Westen mächtige Rauchwolken aufsteigen. Wieder ertönte Feuerlärm u. die noch vorhandenen Mannschaften rückten zum Löschen aus. Man glaubte, das Feuer sei im Bockling, aber es war zwischen Stüde u. Westerbeck Heu-, Wald- und Moorbrand. Im Moore brennt es heute (am 2. Aug.) noch.

Auch in der Bromer Schulchronik wird der Brand erwähnt. Dort ist zu lesen, dass am 30. Juli Brände in Schäfers Scheune und Albert Müllers Hofwesen gewütet haben.

Wenn wir nun die Erkenntnisse aus den beiden Schulchroniken zusammenziehen, so wird klar, dass der Brand in der Nacht des 30. Juli 1911 entstanden ist und erst am darauffolgenden Morgen gelöscht wurde. Die Löschmannschaften aus Ehra waren am 31. Juli 1911 um 7 Uhr morgens zurück.

Über den Brand in Tülau haben wir bisher keine weiteren Informationen, die über den Schulchronikeintrag von Lehrer Harms hinausgehen. Nach Johann Dietrich Bödeker (S. 359) brannten 1911 in Tülau folgende Gebäude ab: die Abbauerstelle Nr. 42 (Schulze), das 1835 erbaute Fachwerkhaus des Abbauers Nr. 51 (Pakebusch), die Scheune des Abbauers Nr. 33 (Mühe) sowie das Gehöft Nr. 8 (Paasch). Ob diese Gebäude in einem Brandereignis ein Raub der Flammen wurden, lässt sich bei Bödeker nicht ablesen.

Zimmermeister Heinrich Böse (1810-1882)

Johann Heinrich Friedrich Böse wurde am 11. September 1810 als Sohn des Zimmermeisters und Grundsitzers Johann Christoph Böse (1783-1840) und dessen Ehefrau Catharina Marie geb. Meyer (1784-1850) in Brome geboren. Die Familie Böse war eine Grundsitzerfamilie in der Nähe der Bromer Burg. Heute hat das ehemalige Wohnhaus der Familie die Adresse Salzwedeler Straße 2.

Die adeligen Grundsitzer wurde dort um 1775 angesiedelt. Weitergehende Informationen dazu wird es in der Sonderausstellung zu der Entwicklung rund um das Junkerende ab April 2026 im Museum Burg Brome geben.

Das Besondere an Zimmermeister Heinrich Böse ist, dass bis heute Gebäude stehen, die ihm eindeutig zugeordnet werden können. So z.B. das Haus Dorfstraße 13 in Benitz sowie einige Gebäude in Brome, Wiswedel und Zicherie.

Hier nun zwei Beispiele für Gebäude, die von Zimmermeister Böse in Wiswedel errichtet wurden. Das erste Gebäude ist die Tordurchfahrt des Hofes Richter (früher Bratze).

Ausschnitt aus einer Postkarte von Wiswedel. Rechts unter dem gemalten Bild ist eindeutig „Zimmermeister Böse“ zu lesen. Es handelt sich um die Toreinfahrt zum Hof Richter (früher: Bratze).
Tordurchfahrt vor dem Abbau (um 1980)

Auf dem Foto ist die Inschrift eindeutig zu lesen:

Johann Heinrich Christoph Bratze Anne Marie Dorothe Behne

Errichtet den 8. Mai 1868

Rechts über der Malerei steht:

An Gottes Segen ist alles gelegen.

Die Malerei zeigt einen Ackermann, der mit zwei Pferden den Acker pflügt. Darauf steht das Wort „Gastwirtschaft“.

Auf dem Balken darunter hat sich der Zimmermeister persönlich verewigt:

Zimmermeister H. Böse

Der Erbauer Johann Heinrich Christoph Bratze (1815-1890) war Krüger und Ackermann. Er heiratete am 13. November 1840 Anne Marie Dorothe Behne (1815-1894). Sie war eine uneheliche Tochter von Anne Margarete Behne. Sie errichtete am 8. Mai 1868 die Tordurchfahrt zum Dorfplatz hin.

Sein Vater Christoph Behne (1789-1842) erbaute zusammen mit seiner Ehefrau Catharina Sophie geb. Knoke (1790-1868) im Jahr 1826 das Niedersachsenhaus, welches im Hintergrund des Fotos zu sehen ist und heute noch steht.

Die historische Toreinfahrt wurde um 1980 abgebaut und durch einen Neubau ersetzt. Das historische Gebälk ist derzeit eingelagert.

Das zweite Beispiel ist ein Gebäude, dessen Standort bisher nicht eindeutig identifiziert werden konnte. Zunächst wurde angenommen, dass es sich um das Haus Boitzenhagener Straße 1 handelt. Allerdings ist an dem Haus ein ganz anderer Spruch zu lesen und außerdem fehlt der Verweis auf Zimmermeister Böse. Die Inschrift des uns bisher unbekannten Hauses trägt nach der damalige Schülerin Ilse Semmler, die Anfang der 1950er Jahre die Balkeninschrift für ein Schulprojekt abgeschrieben, folgenden Text:

Fang dein Werk mit Jesu an, Jesus hat´s in Händen. Jesum ruf um Beistand an, er wird´s vollenden. Steh mit Jesu Morgens auf, geh mit Jesu schlafen. Führ mit Jesum deinen Lauf. Laß Jesum schaffen.
Johann Heinrich Behne
Elisabeth g. Hoppe
Errichtet den 30 April 1858 ZM Heinrich Böse

Der Ackermann und Ortsvorsteher von Wiswedel, Johann Heinrich Christoph Behne wurde am 4. September 1824 geboren und verstarb am 29. November 1882. Er war verheiratet mit Anne Marie Dorothe Elisabeth geb. Hoppe (geb. 25. Januar 1821 in Zasenbeck gest. 27. Februar 1889 in Wiswedel).

Sowohl die Tordurchfahrt des Hofes Richter als auch das Niedersachsenhaus des Hofes Behne wurden vom Bromer Zimmermeister Heinrich Böse errichtet.

Weitere Funde zu Häusern, die von Zimmermeister Heinrich Böse erbaut wurden, werden wir dann in der Sonderausstellung ab April 2026 im Museum Burg Brome präsentieren.

1682 – Die Klötzer mussten über Brome nach Wittingen fahren

Das Lüneburgische Amt Klötze in der benachbarten Altmark umfasste die Stadt Klötze, Kakerbeck, Lockstedt, Trippigleben, Breitenfelde (zur Hälfte), Röwitz, Kusey, das herrschaftliche Vorwerk Dönitz, die Försterei Gansau sowie den Krug Kickeritz. Das Amt Klötze war eine lüneburgische Exklave, die vollkommen von Brandenburg umschlossen war. Seit dem 14. Jahrhundert gehörte es zum Fürstentum Lüneburg und im Jahr 1815 an Preußen abgetreten.

Das Amt Klötze im Ämteratlas des Fürstentums Lüneburg von Johannes Mellinger (erschienen um 1600)

Wenn also die lüneburgischen Klötzer Untertanen in die nächste größere lüneburgische Stadt fahren wollten, dann mussten sie nach Wittingen, das zum Amt Knesebeck gehörte. Brome gehörte rechtlich nicht zum Amt Knesebeck, sondern war das eigenständige adelige Gericht Brome.

Das Amt Knesebeck – Brome und Fahrenhorst waren eigenständige adelige Gerichte und fehlen somit in dieser Karte von Johannes Mellinger (um 1600)

In einem Schreiben aus Celle vom 14. August 1682 wurde den Eingessenen des Amt Klötze mitgeteilt, dass sie, wenn sie nach Wittingen wollten, nicht den drei Meilen langen Weg quer durch die brandenburgische Altmark nehmen durften. Vielmehr wurden sie angewiesen, den Weg nach Brome zu nehmen, der nur eine Meile durch brandenburgisches Gebiet führt.

Der Klötze Weg von Brome über Immekath ist heute noch bekannt.

Zu finden ist diese Verfügung im Original im Landesarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg unter der Signatur Da 40, Nr. 78.

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