Von der Kiebitzmühle nach Neuseeland

Die Besitzer der Kiebitzmühle von 1775 bis 1812

Die Kiebitzmühle zwischen Voitze und Ehra gehörte bis ins Jahr 1775 denen von Bartensleben, die sie an den Müller Joachim Kovhall verkauften. Wie lange er die Kiebitzmühle sein Eigen nannte, ist heute nicht genau zu ermitteln. Fest steht aber, dass ein gewisser Mundschwitz die Mühlen am 24. Mai 1799 an den Müller Matthias Uhlenhaut verkaufte. Dieser wiederum trennte sich von dem Objekt nach nicht einmal einem Jahr. Der neue Besitzer war ein Müller Habekost. Er verstarb wohl im Jahr 1803, so dass seine Witwe die Mühle an den aus Tiddische gebürtigen Müller Gebhard Müller von 1803 bis 1809 verpachtete. Bereits 1809 gab es anscheinend schon Pläne zum Verkauf der Mühle, aber diese verzögerten sich bis ins Jahr 1812. Mit dem Verkauf der Mühle an den Müllermeister Johann Georg Baucke verließ Gebhard Müller die Kiebietzmühle und arbeitete bis mindestens Ende 1820 in der Hoitlinger Mühle.

Die Kiebitzmühle 2016 (Foto: Detlev E. Deipenau)

Der Müllermeister Johann Georg Baucke

Der Müllermeister Johann Georg Baucke wurde 1769 in Immekath (bei Klötze / Altmark) geboren. Er war mit Anne Marie Strycks verheiratet, die vermutlich aus Audorf stammte. Seine älteste erwähnte Tochter Catharina Sophie Baucke wurde 1806 in Immekath geboren. Bereits vor dem Kauf der Kiebitzmühle hatte Johann Georg Baucke sich im Pfarrbezirk Brome aufgehalten, denn das Bromer Kirchenbuch verzeichnet am 3. Oktober 1811 die Geburt der Tochter Anne Maria Magdalena Baucke. Am 26. März 1814 wurde auf der Kiebitzmühle sein Sohn Johann Heinrich Christoph Baucke geboren, der sich 1842 als Missionar auf den Weg nach Neuseeland machte.

Bereits im Jahr 1814, also zwei Jahr nach dem Kauf der Kiebitzmühle, hat Müllermeister Baucke wohl in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt, denn er lieh sich am 29. Dezember 1814 von dem Ackermann Andreas Strycks aus Audorf 500 Reichsthaler Gold und 65 Reichsthaler Courant, die er laut Vertrag mit 4% jährlich verzinsen sollte. Ebenso lieh er sich von dem in Immekath gebürtigen Hamburger Kaufmann Heinrich Erdmann Baucke 400 Reichsthaler Courant und 700 Reichsthaler Pistolen, wobei allerdings der Beginn des Kredites nicht in den Akten überliefert ist.

Doch die Geschäfte liefen wohl auch in den folgenden Jahren nicht gut. Baucke bemühte sich intensiv um den Verkauf der Kiebitzmühle. Am 7. Februar 1821 wollte er diese an den Müllergesellen Christian Ernst Linnemann aus Borsum (bei Wolfenbüttel) verkaufen. Dieser konnte jedoch den vereinbarten Kaufpreis nicht aufbringen und tauchte daraufhin unter. Der Vertrag wurde aufgelöst und die Gemeinde Voitze kaufte die Mühle am 18. Mai 1821 zu einem Preis von 5.500 Reichsthalern.

Zwar hatte Baucke bei Abschluss des Kaufvertrages versichert, dass er mit dem Kaufpreis all seine Gläubiger bedienen konnte, aber just im Sommer 1821 kurz nach dem Verkauf der Kiebitzmühle an die Gemeinde Voitze tauchten Andreas Strycks und Hans Jochen Baucke (der als Bevollmächtigter für seinen in Hamburg lebenden Bruder Kaufmann Heinrich Erdmann Baucke auftrat) auf und machten ihre Forderungen geltend. Es stellte sich heraus, dass sich Müllermeister Baucke zwar das Geld mit dem Versprechen geliehen hatte, 4% Zinsen zu zahlen, aber bereits ab 1. Januar 1815 keine Geldzahlungen mehr an seine Kreditgeber geleistet hat.

Nach seinem Konkurs und dem daraus resultierenden Verkauf der Kiebitzmühle verließ Müllermeister Baucke den Raum Brome und zog in die Altmark zurück. Zu seinem weiteren Lebensweg gibt es nur spärlich Angaben in den Kirchenbüchern. So ist überliefert, dass seine vermutlich älteste Tochter Catharina Sophie Baucke, die 1806 in Immekath geboren wurde, 1832 in Rohrberg geheiratet hat. Dort ist zu lesen, dass die Brauteltern zu der Zeit in Audorf (bei Beetzendorf) lebten.

Der Missionar Johann Heinrich Christoph Baucke

Im Alter von rund sieben Jahren musste Johann Heinrich Christoph Baucke den wirtschaftlichen Niedergang seines Vaters mit ansehen. Anschließend verzog er mit seinen Eltern und den Geschwistern in die benachbarte Altmark. Zwar besuchte er dort die Schule, aber weil seine Eltern sehr arm waren, musste er in der Landwirtschaft als Knecht Geld verdienen. Mit ungefähr 20 Jahren begann er eine Lehre als Tischler. Mit 23 Jahren wurde er zur Preußischen Armee einberufen und diente beim 36. Infanterie-Regiment. Sein Bruder Jacob Christoph Baucke, von dem keine weiteren Lebensdaten überliefert sind, heiratete im Jahr 1838 im Perver (heute Salzwedel). Nach dem Tod seiner Mutter am 27. Juni 1839 entschloss sich Johann Heinrich Christoph Baucke dazu, sich verstärkt um die beiden jüngeren Brüder und seinen Vater zu kümmern. Sein Vater Johann Georg Baucke verstarb am 1. April 1840 in Kricheldorf (bei Salzwedel), wo er vermutlich bei seinem Sohn, dem Einwohner und Tischler Carl Friedrich Wilhelm Baucke (*12.1.1817 auf der Kiebitzmühle), lebte.

Nach dem Tod seine Vaters schloss sich Johann Heinrich Baucke der evangelisch-lutherischen Gossner-Mission in Berlin an. Am 13. Juni 1842 verließ er mit vier anderen Missionaren (Franz Schirmeister, Gottfried Engst, Oskar Beyer und David Müller) Berlin. Die Vorbereitung der Missionare auf ihren späteren Dienst in Neuseeland war mehr als unzureichend. Weder wurde ihnen im Voraus ein Missionsgebiet zugeteilt, noch wurden sie ausreichend über Neuseeland und die dort lebenden Ureinwohner aufgeklärt. Ihre finanziellen Mittel waren alles andere als ausreichend. So mussten sie auf dem Walfangschiff „Juliane“, mit dem sie von Deutschland nach Neuseeland aufgebrochen waren, aus Kostengründen tatkräftig mithelfen. Nach 28 Wochen auf See warf die „Juliane“ im Januar 1843 in der Otago-Bucht der Südinsel Neuseelands die Anker. Auf der Suche nach einem geeigneten Missions-Gebiet gelangten sie schließlich am 20. Februar 1843 auf die Chatham-Insel. Dort begannen sie mit ihrer missionarischen Tätigkeit.

Im Jahr 1846 sandte die Gossner-Mission drei Frau nach Neuseeland – als Ehefrauen für die dort ansässigen Missionare. Johann Heinrich Christoph Baucke heiratete am 8. April 1846 Maria Müller. Sie hatten insgesamt neun Kinder: Zwei Töchter und sieben Söhne. Ihr wohl bekanntester Nachkomme war der Linguist, Ethnologe, Journalist und Übersetzer Johann Friedrich Baucke (*7. Juli 1848 auf Chatham Island- †6. Juni 1931 Otorohanga). Er schrieb u.a. das Buch „Where the white man treads“ (Deutsch: „Wo der weiße Mann hintritt“), das auch heute noch als eines der Standardwerke über die Maori gilt. Er selbst hatte eine Maori zur Ehefrau und sprach fließend die Sprache der Maori.

Maria Baucke verstarb 1866 auf Chatham-Island. Ihr Ehemann, der Missionar Johann Heinrich Christoph Baucke, verstarb am 17. März 1908 im hohen Alter von 96 Jahren in Wellington (Neuseeland).

Johann Heinrich Christoph Baucke (*1814 auf der Kiebitzmühle - †1908 in Wellington/Neuseeland) - Aufnahme zwischen 1868 und 1875. Quelle: https://natlib.govt.nz/records/22907275 [Zugriff am: 14.06.2020]
Johann Heinrich Christoph Bauckes Haus auf Chatham-Island (1874). Quelle: https://natlib.govt.nz/records/22328399 [Zugriff am: 14.06.2020]

Weitere Informationen in Englisch zu Johann Friedrich Wilhelm Baucke sind hier zu finden: https://teara.govt.nz/en/biographies/3b16/baucke-johann-friedrich-wilhelm [Zugriff am: 14.06.2020]

Anmerkung:

Dieser Artikel ist zuerst erschienen im Gifhorner Kreiskalender 2014 (S. 47-49).

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