Eine Grabplatte mit Brome-Bezug in Langenapel (Altmark)

Die Geschichte der Familie von Bartensleben, die lange Zeit u.a. Wolfsburg und Brome zu Lehen hatte, ist bisher nicht gut erforscht. Joachim Friedrich von Bartensleben (gest. 1690), der die Wolfsburg und Brome zu Lehen hatte und seinen Wohnsitz wahrscheinlich in Brome genommen hatte, wo er wohl auch 1690 verstarb, war verheiratet mit einer gewissen Anna Elonora Rosen. Sein Frau war also von Geburt keine Adelige!

Über Anna Eleonore erfahren wir einige wenige Informationen von ihrer Grabplatte, die sich in der Kirche zu Langenapel (Altmark) befindet. Darauf heißt es:

A et O
FRAW ANNA ELEONORA ROSEN
DES WOLGEBOHRNEN HERREN
HERRN JOACHIM FRIEDERICH
VON BARTENSLEBEN
EHELIEBSTE
IST GEBOHREN 1623 DEN
24 JUNY GESTORBEN 1691
DEN 20 FEBRUARY IHRES
ALTERS 67 JAHR 8 MONAT
3 WOCHEN 2 TAGE

TEXTVS ∙ HIOB ∙ 5 ∙ V ∙ 17 ∙ 18 ∙ 19 ∙
SIEHE SELIG IST DER MENSCH DEN
GOTT STRAFFET DARUMB WEGERE
DICH DER ZÜCHTIGUNG DES ALLMÄCH
TIGEN NICHT DENN ER VERLETZET
VND VERBINDET, ER ZUSCHMEISET
UND SEINE HAND HEILET AUS SECHS
TRÜBSALN WIRD ER DICH ERRETTEN
UND IN DER SIEBENDEN WIRD DICH
KEIN UBEL RUEHREN: ∙

Grabplatte für Anna Eleonore Rosen, Ehefrau von Joachim Friedrich von Bartensleben in der Kirche zu Langenapel (Foto: Frank Moldenhauer)

Warum Anna Eleonore in Langenapel beigesetzt wurde, ist bisher ein Geheimnis. Im dortigen Kirchenbuch ist ihr Tod nicht verzeichnet.

Genaue Informationen über die Grabplatte sowie Fotos der Grabplatte gibt es in der Grabmälerdatenbank des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel zu sehen (www.altmarkgeschichte.de).

Doch neben seiner Ehefrau Anna Eleonore hatte Joachim Friedrich auch mindestens eine Geliebte, mit der er auch Kinder hatte, wie in dem Buch „Hexenverfolgung als juristischer Prozess“ von Christoph Gerst erwähnt wird. Bei GoogleBooks findet sich die Erwähnung auf den Seiten 295 und 296.

Die Bromer Wassermühle – Ein kurzer historischer Abriss

Bromer Wassermühle um 1890 (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Bromer Wassermühle im Jahr 1548. Weihnachten 1548 verkaufte Fritz VII. von der Schulenburg das Gut Brome an Christoph von dem Knesebeck.  Im Kaufvertrag heißt es:

„Er [Fritz VII.] verkaufte 27.12.1548 das Schloß mit Zubehör, mit Gericht, Jagd und allerlei Fischgerechtigkeit, Teichen und Kellern, dem stehenden Wasser, mit der Windmühle und Wassermühle mit freiem Zufluß und Abfluß und alle Holzung und Jagd im Drömling […] an Christoph v.d. Knesebeck.“

Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Bromer Wassermühle werden auch die Dienstpflichten der Bromer Bürger aufgezählt. So mussten die damals fünfzehn Bromer Bürger „die Mühlenfuhren von und auffs Hauß thun“, d.h. sie mussten Getreide und Malz zur Mühle und zurück zur Burg zu fahren. Auch „Wen an Mühlen was zu bauen“, mussten sie erscheinen und ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Diese Dienstpflichten bestanden bis ins 19. Jahrhundert fort.

Im Knesebecker Hausbuch (1670) heißt es zur Bromer Wassermühle: „1 Wassemühle in Brome mit 1 Grind, soll 3 Wispel Roggen Pächte geben.“ Die Wassermühle hatte also im ausgehenden 17. Jahrhundert einen Mahlgang und brachte denen von Bartensleben jährlich 3 Wispel Roggen an Pacht ein. Der Mühlenteich wird im Bericht als mit Rohr bewachsen beschrieben, so dass sich die Fischerei dort nicht lohnte.

Der erste namentlich fassbare Bromer Müller ist Zacharias Lüte. Er musste am 22.Juni 1691 vor dem Gericht Brome erscheinen. Carsten Beine aus Altendorf warf ihm vor, ihn einen Schelm und Dieb genannt zu haben. Da zwei Zeugen die Beschimpfung bestätigen konnten, wurde er zu einer Strafe von drei Talern wegen Ehrverletzung verurteilt. Außerdem musste er christliche Abbitte leisten.

In den folgenden Jahrhunderten wechselt die Mühle mehrmals ihren Pächter. Es werden u.a. folgende Namen genannt:  Müller Peter Dobberkau (1748), Erbzinsmüller Johann Christoph Wettstedt (1807), Erbzinsmüller Friedrich Schierhorn (1845).

Durch Ablösung, Separation und Verkopplung erhielt die Bromer Wassermühle 1855 insgesamt 24 Morgen und 73 Ruten an Grund und Boden. Die Mühle hatte danach zwei Mahlgänge.

1848 heiratete der Müllermeister Joachim Christian Mewes (1819-1876) die Witwe des Bromer Erbzinsmüllers Friedrich Schierhorn, Marie Dorothea geb. Täger. Deren Sohn, der Mühlenbesitzer Wilhelm Mewes (1855-1916), vererbte seinem 1881 geborenen Schwiegersohn, dem Müllermeister Walter Rehfeldt, die Mühle. Dieser fiel im 1. Weltkrieg.

Ab 1918 verpachtete die Witwe Martha Rehfeldt die Mühle, u.a. an die Landhandelsfirma Franz Erdmann. Die Mühle lief mit drei Walzenstühlen, angetrieben durch Wasser, danach durch Dampfmaschine und Elektromotor.

Bromer Wassermühle vor dem Brand 1948 (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

1948 zerstörte ein Brand das historische Mühlengebäude. Es wurde an gleicher Stelle ein dreigeschossiger Zweckbau aus weißem Kalksandstein errichtet. Adolf-Wilhelm Bödeker (1927-1996), der Enkel der Besitzerin Martha Rehfeldt,  erlernte das Müllerhandwerk, bestand 1952 seine Meisterprüfung mit „sehr gut“ und übernahm 1956 als neuer Besitzer den Mühlenbetrieb und führte ihn mit umfangreichem Landhandel fort. 1980 wurde das Mahlen von Mehl eingestellt und nur noch geschrotet. 1993 wurden die Nebengebäude abgerissen. Ab dem Jahr 2001 wurde das Mühlengebäude renoviert und umgebaut. Es beherbergt heute zwei Eigentumswohnungen und ein Café in Erd- und Kellergeschoss.

Mühle nach dem Neubau, ca. 50er Jahre (Foto: Digitale Sammlung MHV Brome)

Das Gutshaus derer von Weyhe in Fahrenhorst

In einem anderen Blogbeitrag haben wir bereits über die in der Altendorfer Kirchen vorhandenen Grabplatten der Familie von Weyhe berichtet. In der St. Pancratius-Kirche ist Johann Friedrich von Weyhe beerdigt (gest. 1753). Er hat das Gutshaus in Fahrenhorst im Jahr 1737 neu erbauen lassen. Wie das vorherige Gutshaus aussah, darüber haben wir leider bisher keine Nachrichten. Das Gutshaus aus dem Jahr 1737 kann auch heute noch bewundert werden. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Gutshaus durch Carl Ernst Wilhelm von Weyhe an der Südwestseite noch erweitert.

Der Haupteingang des Gutshauses von Norden (Foto: Jens Winter, August 2020)
Das Gutshaus von Südosten aus gesehen. Deutlich zu erkennen ist der Anbau aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts im Südwesten des Gutshauses von 1737.
Über der Tür an der Nordseite ist eine (Sandstein?-)Tafel mit dem Wappen derer von Weyhe gesäumt von zwei Engeln und folgender Inschrift angebracht: „Anno J: W: V: W: 1737.“ Diese Inschrift bedeutet: „Im Jahre Johann Wilhelm vom Weyhe 1737“. Das Gutshaus wurde also 1737 neu errichtet. Johann Wilhelm von Weyhe ist 1753 verstorben. Seine Grabplatte befindet sich heute noch in der Altendorfer St. Pancratius-Kirche. (Foto: Jens Winter, August 2020)

Das Kochbuch der Marie Pieper aus Brome

Links steht Heinrich Friedrich mit Ehefrau Marie, geb, Pieper und den Kindern Pauline, Marie und Martha.

Mit ihrem handgeschriebenen Kochbuch hat Marie Pieper aus Brome ihren heute ebenfalls in Brome lebenden Verwandten ein interessantes und aufschlussreiches Dokument hinterlassen.

Sie wurde am 11. Juni 1865 als Marie Henriette Dorothea Pieper in Brome geboren, heiratete am 11. November 1892 den Lackierer Johann Hermann Heinrich Friedrich und starb im Alter von 75 Jahren am 06. Juli 1940 in Brome.

Mit dem Datum 19. Juli 1887 auf der ersten Seite wird der Beginn der handgeschriebenen Aufzeichnungen festgehalten. Marie Pieper war 22 Jahre alt, als sie anfing, das Rezeptbuch zu schreiben.

An den Anfang hat sie einen Sinnspruch gesetzt, der einiges über die von dem sozialen Umfeld erwarteten Tugenden und das eigene Selbstverständnis der jungen Frau erkennen lässt.

Man betrachte ihn nur recht den schönen Ring und man findet darin die fünf Edelsteine: „Ordnung, Fleiß, Sparsamkeit, Genügsamkeit und Zurückgezogenheit.“ Alle fünf so geschmackvoll geordnet und gefasst, dass der Glanz des Einen immer den des Anderen erhöht und das Ganze immer herrlicher erscheint, je näher man es betrachtet.

Vereinigt sich reine Religiosität mit diesem unschätzbaren Sinn für Häuslichkeit; dann ist unser wahrer Herzensfriede für unsere … Lebensweise geliefert.

Betrachtet man die in deutscher Schrift geschriebenen Rezepte eingehender, kann man erkennen, dass es sich kaum um ein „Arme-Leute-Kochbuch“ gehandelt haben kann.

Johann Dietrich Bödeker führt in seiner Chronik „Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder“ an, dass die Landwirtschaft im 19. Jahrhundert u.a. durch den Einsatz von Kunstdünger und den Anbau von Zuckerrüben einen bedeutenden Aufschwung nahm.

1865 wurde in Brome auch ein Spar- und Vorschussverein gegründet, der das Kreditwesen ermöglichte und damit notwendige Investitionen erleichterte.

Sicher war unter dies en verbesserten Rahmen Bedingungen auch in Brome ein höherer Lebensstandard möglich.

Denkbar ist aber auch, dass das Buch für eine Anstellung in einem „besseren Haushalt“ benötigt wurde. Leider war über die Biografie der Marie Pieper – außer ihrem Geburts- Hochzeits- und Todestag – nichts Wesentliches zu erfahren.

Die Vielfalt der angeführten Speisen steht einem heutigen Kochbuch nicht nach. Nicht nur einheimische Zutaten wurden verwandt, Marie Pieper kannte 1887 auch Oliven, Trüffel und Morchel. Neben Hühnchen, Enten, Gänse, Puten und Tauben gab es Rezepte mit Kalb, Hase, Schwein, Hammel, Wild und dazu diverse deftige Bratenfüllungen.

Man verarbeitete Krebsbutter und Krebsschwänze zu leckeren Gerichten. Verschiedene Weine wurden zur Verfeinerung von Saucen und Speisen eingesetzt.

Auch auf Gefrorenes musste man nicht verzichten. Der Pudding à la Nesselrode, der in der Hauptsache aus Esskastanien besteht, musste unter beständigem Rühren in einer Eisbüchse gefrieren. Mit allen Zutaten versehen wurde er in Formen gefüllt und musste weitere 3-4 Stunden auf Eis gefrieren, Gefrierschränke gab es ja noch nicht.

Beim Lesen der Zutaten kann man sich vorstellen, dass Angst vor Übergewicht oder zu hohem Cholesterinspiegel unbekannt waren. In den Kuchenrezepturen werden zahlreiche Eier verarbeitet, in einem Biskuitpudding sogar 30 Stück.

Selbst für „Arme Ritter“ benötigte man 5 Eier und empfahl eine Weißweinsauce dazu. Einige Rezepte tragen Namen, die nicht mehr geläufig sind und meist aus dem Französischen stammen. Ein Fricandeau z.B. ist ein gespickter Kalbsbraten und in einer Cheaudeauxsauce werden Eier mit Weißwein aufgeschlagen.

Nicht herausfinden konnte ich, was genau „Maringo“, hier Maringo mit Huhn bedeutete.

Ebenso wenig kenne ich die Bezeichnung „Mattetottes“ in einem Gericht mit Karpfen und Nudeln.

Petersilie und Thymian wurden gebraucht, aber auch Portulak, Tripmadam und Dragon, das wir heute als Estragon kennen. Das Rezept für eine Zwetschensuppe ließ sich ebenso mit getrockneten Kirschen oder Hagebutten kochen.

Kaum auf unseren Tellern wird ein Mahl erscheinen, das aus Kalbsmilchen, das sind die Thymusdrüsen des Kalbes gekocht wurde.

Zur Zeit von Marie Pieper kamen diese in einer Reihe von Gerichten vor.

An Stelle von Gelatine verwendete man den “Stand von Kalbsfüßen“, d.h. den durch das Auskochen der Füße entstandenen Gallert.

Neben heute noch bekannten Maßen und Gewichten kommen auch vor:

1 Quart = 1,145 l (Preußisches Maß)

1 Lot = 14,606 g (Preußen)

4 Quentchen sind zusammen ein Lot

Einige der Rezeptüberschriften schrieb Marie Pieper in lateinischen Buchstaben. Allen gemeinsam ist, dass sie mit einem Punkt endeten. Manche Wörter wurden auch mit „th“ geschrieben, wie „ein Theil“, aber auch „man thut“. Die Sprache wirkt auf den heutigen Leser liebenswert altmodisch.

Ein Rezept aus dem Kochbuch der Marie Pieper: Hammelscotelettes à la Nelson

Das Buch endet mit einem Rezept gegen die Hölle:

„Man nehme 5 Lt. (Lot) Sanftmuth, 10 Lt. Geduld, 15 Lt. Freigiebigkeit, 125 Lt. Nächstenliebe, und eine Hand voll Demuth. Stoße es im Mörser des Glaubens mit dem Stempel der Stärke zu Pulver. Gebe ein Viertel der Hoffnung hinzu und siede es in der Pfanne der Gerechtigkeit. Rühre es oft mit einem Gebete um und bewahre es wohl auf im Gefäße der Beständigkeit, damit der Schimmel der Eitelkeit nicht hinzu dringe. Mit dieser Salbe reibe man sich Morgens und Abends ein, das hilft gegen die Hölle.“

Da kann man nur hoffen, dass dieses Rezept Marie Pieper, die ein so wunderbares Kochbuch hinterlassen hat, genützt hat.

Anmerkung:

Das gedruckte Kochbuch der Marie Pieper kann beim Museums- und Heimatverein Brome e. V. bestellt oder direkt im Museum Burg Brome für 8,50 € erworben werden.

Herzlich willkommen zum Geschichtsblog des MHV Brome!

Willkommen beim Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V. zur Bromer Geschichte!

In diesem Blog wollen wir über ausgewählte Themen der Bromer Geschichte berichten, wobei unser Fokus auf allen Orten der Samtgemeinde Brome liegt. Es wird in den Beiträgen sowohl um politische, als auch gesellschaftliche, kulturelle oder sportliche historische Ereignisse gehen. Jeder, der zu einem dieser Themen etwas beitragen möchte, ist herzlich zur Mitarbeit aufgerufen!