Bereits in einem vorhergehenden Blogeintrag wurde der Bromer Apotheker Langebartels erwähnt. Besonders verdient hat er sich um den Bau einer Bahnstrecke durch Brome gemacht.

Gründung eines Eisenbahnkomitees

In Brome wurde 1890 ein Eisenbahnkomitee gegründet. Ihm gehörten Kaufleute, Handwerker, Bauern und Freischaffende an. Der Apotheker Albert Langebartels war ihr Vorsitzender, Kaufmann und Gastwirt Friedrich Stampehl sein Stellvertreter und Kantor Georg Lindwedel ihr Schriftführer.

Vertreter vom Eisenbahnkomitee Brome nahmen am 18. Januar 1891 an einer Besprechung mit der Königlichen Eisenbahndirektion Magdeburg in Stendal teil. Zu ihrer Enttäuschung hatte die Genehmigung der Bahnlinie Uelzen-Oebisfelde keine Chance. Es wurde einer Bahnverbindung von Kläden nach Celle über Beetzendorf und Wittingen zugestimmt. Sie sandten ein Telegramm an den Kaufmann Remmler in Brome: 18.1.1891, 4.30 Uhr Nachmittags, Große Majorität, Petition Kläden Wittingen Celle unterschrieben, Diskussion war ausgeschlossen, Lang[ebartels]. Für diese nun genehmigte Bahnlinie hatte sich der Graf von der Schulenburg aus Beetzendorf starkgemacht, er bewirtschaftete in Beetzendorf ein Gut. Seine guten Beziehungen bei den Staats- und Provinzialregierungen in Berlin und Magdeburg wirkten sich hierbei vorteilhaft aus. Diese Strecke Bismark-Beetzendorf wurde später vom Preußischem Militär auf deren Kosten projektiert.

Der Land- und Forstwirtschaftlichen Verein für Brome und Umgegend lud am 19. Januar 1891 zu einer Versammlung nach Brome ein, um den Bau einer Bahnlinie Uelzen-Oebisfelde über Wittingen und Brome beim preußischen Staatsminister für öffentliche Arbeiten einzufordern. Schon am nächsten Tag wurden vom Vereinsvorstand und dem Bromer Eisenbahnkomitee Resolutionen an Seine Exzellenz, dem Preußischen Staatsminister, Ritter hoher Orden, Herrn von Maybach im Berlin abgeschickt.

Die Bromer Resolution vom 19. Januar 1891

Resolution

Die am 19ten d. Mts. im Stampehlschen Gasthause in Brome tagende Versammlung, zu der nach vorhergegangener Einladung etwa 460 Personen aus Brome und Umgegend erschienen waren, verhandelten über den Ausbau der Eisenhahnlinie zwischen Oebisfelde-Uelzen, mit den Bahnhöfen Brome, Wittingen, Bodenteich. Dieselbe gewann die Überzeugung, daß zur Hebung der Landwirtschaft und Industrie in hiesiger Gegend der Ausbau dieser Linie nicht nur erforderlich, sondern nothwendig sei, und beschloß einstimmig in Rücksicht auf die unentgeldliche bereits bewilligte Hergabe des Grund und Bodens in den Kreisen Isenhagen und Uelzen, an maßgebender Stelle für die Herstellung dieser Eisenbahn dringend vorstellig zu werden.

[Unterschriften A. Langebartels – F. Stampehl – G. Lindwedel]

Besichtigung des geplantes Streckenabschnitts

Am 28. Februar 1891 empfahl der Landrat des Kreises Uelzen, Herr von Tzschoppe, das Bahnprojekt der preußischen Regierung und dem Staatsminister an. Einige Monate später fand eine Besichtigung des geplanten Streckenabschnitts statt. An der Bereisung nahmen u.a. teil: der Oberpräsident der Provinz Hannover, der Präsident der Königlichen Eisenbahndirection Magdeburg, die Landräte von Uelzen und Isenhagen, und andere örtliche Vertreter. Die Bevölkerung der Region hoffte wieder, dass die Verwirklichung des Eisenbahnprojektes näher gerückt war. Im Juni 1892 wurde für den hiesigen Raum eine umfangreiche Verkehrsanalyse vorgelegt, die einem Eisenbahnprojekt Uelzen-Oebisfelde gute Verkehrszahlen und Gewinne voraussagte.

Beginn der Vorarbeiten 1896

Im Jahr 1896 wurden dann Vorarbeiten für den Bau einer Staatsnebenbahn von Wittingen an einen geeigneten Punkt der Strecke Oebisfelde-Salzwedel in Auftrag gegeben. Die unbestimmte Fassung des Auftrages über den Endpunkt der Strecke rief Irritationen hervor. Darauf entschied das Ministerium, die Strecke bis Kunrau oder einen anderen Punkt in der Nähe Oebisfeldes anzuschließen. Inzwischen hatte der Kreistag in Isenhagen den Bau von Wittingen nach Kunrau genehmigt, so dass Geldmittel für den Grunderwerb im Kreis Isenhagen zur Verfügung standen. Graf von der Schulenburg-Wolfsburg erhob im Februar 1898 Widerspruch gegen diese Streckenführung. Er wollte die Bahnstrecke direkt in Oebisfelde anschließen. Auch das preußische Ministerium für öffentliche Arbeiten störte sich jetzt daran, dass nur die Linienführung nach Kunrau und nicht die nach Oebisfelde durchgeplant wurde. Es erklärte am 6. August 1897: Die Entscheidung, ob die allgemeinen Vorarbeiten auch auf die direkte Linienführung von Brome nach Oebisfelde auszudehnen sind, behalte ich mir bis nach Eingang der Vorarbeiten vor, sehe aber noch einer gutachterlichen Äußerung entgegen, welcher ungefährer Unterschied in Baukosten und Ertragsberechnung die direkte Linienführung gegenüber der bereits bearbeiteten ergeben würde.

Wieder fand eine Bereisung des Isenhagener Landes durch Regierungsvertreter statt. In dem Einladungsschreiben hierzu schrieb Landrat von Pufendorf an den Oberpräsidenten: In Brome würde eine eineinhalb- bis zweistündige Mittagspause zu machen sein. Von dort wünscht Herr Graf von der Schulenburg-Wolfsburg Euer Excellenz nebst Begleitung in seinem Wagen über Zicherie und Croya durch den ihm gehörenden Kaiserwinkel (Hannoverscher Drömling) in der Richtung auf Oebisfelde und zwar je nach der zur Verfügung stehenden Zeit von Kaiserwinkel oder Breitenrode oder Oebisfelde aus zu seinem Schlosse nach Wolfsburg zu fahren, wo die Ankunft spätestens gegen 8 Uhr erfolgen würde. Herr Graf von der Schulenburg hat in unserer gestrigen Besprechung mich ersucht, Euer Excellenz und die übrigen Herren zu bitten, bei Ihm in Wolfsburg einzukehren und die Nacht sowie, wo möglich, den folgenden Sonntag dort bei ihm zu Gaste zu sein […]. Diese Fahrt durch die Kreise Celle und Isenhagen müssen beim Oberpräsidenten einen starken Eindruck hinterlassen haben. In seinem Bericht an den Minister für öffentliche Arbeiten in Berlin schrieb er u.a. Hier könne man einem in der Kultur zurückgebliebenen Bereich durch den Bau der Eisenbahn einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung verleihen. Er müsse allerdings einräumen, dass die beiden Kreise nicht in der Lage seien, die Baukosten für die Kleinbahnen zu erschwingen, es sei denn, dass der Staat durch eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Beihülfe eintritt.

Obgleich Körperschaften und Kommunalverbände sich um den Ausbau dieser Strecke als staatliche Vollbahn bemühten, erklärte 1900 das Ministerium in Magdeburg, daß mit dem Bau einer Voll- oder Nebenbahn von Wittingen nach Oebisfelde in absehbarer Zeit nicht zu rechnen sei, dagegen stände einer Genehmigung zum Ausbau einer vollspurigen Kleinbahnstrecke nichts im Wege.

Das Scheitern des Projektes

Wieder scheiterte der Bahnbau nach unserer Überzeugung daran, dass Wittingen zur Provinz Hannover und Oebisfelde zur preußischen Provinz Sachsen gehörte. Denn aus den Vorschlägen zur Errichtung von Eisenbahnlinien von Nord nach Süd wurde dann 1898 bis 1900 die Bahnlinie Uelzen-Wittingen-Gifhorn gewählt, gebaut und am 1. Dezember 1900 eröffnet. Sie liegt vollständig in der Provinz Hannover.

Die Bemühungen gehen weiter

Das Bekanntwerden der Bauentscheidung für die Staatsbahn Uelzen-Gifhorn rief bei den Bewohnern des Ohretales zunächst Enttäuschung hervor, da sie hiermit ihre Bemühungen um die Erschließung ihrer Region als aussichtslos betrachteten. Hoher Regierungsbesuch gab ihnen dann wieder Mut. Bei Baubeginn beglückwünschte der damalige Oberpräsident von Bennigsen die Bürger des Kreises Isenhagen in Wittingen zur ersten Eisenbahn im Kreis. Außerdem sagte er, dass die anderen Bahnen von Wittingen nach Oebisfelde und nach Celle früher oder später doch kommen müßten, dass die Bahn Uelzen – Gifhorn wohl nicht gekommen wäre, wenn Oebisfelde-Wittingen-Uelzen als Staatsbahn zuerst ausgebaut wäre. Seine Prophezeiung traf ja später ein.

Der Plan, eine Kleinbahn anstelle einer Staatsbahn zu bauen, wurde jetzt von der Bevölkerung entlang der geplanten Strecke allerorts diskutiert.