Die Projektierung der Bahnstrecke Wittingen-Oebisfelde war nach der Jahrhundertwende ein entscheidendes Infrastrukturprojekt für unseren Raum. Die Anliegergemeinden haben sich auch finanziell an diesem Infrastrukturprojekt beteiligt. Auch Ehra plante eine Beteiligung, aber es kam dann doch anders!
Der ursprüngliche Plan sah vor, dass die Bahnstrecke etwa 200 Meter westlich des ehemaligen Bromer Bahnhofs liegen sollte – also näher an Voitze und damit auch näher an Ehra. Doch dieser Plan wurde nach Einwänden der Gemeinde Brome und Altendorf revidiert, so dass der Bahnhof die erwähnten 200 Meter näher an Brome heranrückte. Dies konnte die Gemeinde Ehra nicht mittragen und beteiligte sich deshalb nicht an diesem Infrastrukturprojekt.
Hier Auszüge zu diesem Thema aus der Schulchronik Ehra eingetragen im Jahr 1905:
Eisenbahn Obisfelde-Wittingen
Der Plan, eine Kleinbahn von Obisfelde nach Wittingen zu bauen, scheint nun verwirklicht zu werden. Die dabei interessierten Ortschaften haben große Summen zum Garantiefonds gezeichnet, so daß der Bahnbau von dieser Bahn in finanzieller Hinsicht geführt ist. Ehra wird von dieser Bahn leider nicht den erhofften Nutzen haben, da der Bahnhof, der nach unserm Wunsche näher an Voitze liegen sollte, nun doch dicht beim s.g. Taterpfahl angelegt würde, so wollte die Gemeinde zum Garantiefonds 60000 M. zeichnen. Der Wunsch der Ehraer wurde nicht erfüllt. Der Bahnhof soll etwa 200 m westlich der Schröderschen Feldscheune angelegt werden. Die Ehraer wollten nun anfangs gänzlich zurücktreten, haben aber schließlich doch noch 40000 M. bewilligt.
Am Rande der Seite hat dann der damalige Lehrer Harms einen Nachtrag im November 1906 geschrieben:
Die Bahnlinie war bereits abgesteckt u. der Bahnhof 200 Meter diesseits der Schröderschen Scheune. Auf Betreiben der Gemeinden Brome u. Altendorf soll nun der Bahnhof 200 Meter näher nach Brome kommen. Die Ehraer haben darauf ihre Zinsgarantie ganz zurückgezogen.
Tatsächlich lässt sich die Verlegung der Strecke im Nivellement-Buch des Planers Ingenieur Bruns erkennen. Im Nivellement-Buch wurde die Strecke mit den dazugehörigen Grundstücken, Wegen und Straßen sowie mit den Höhenlinien eingezeichnet. Auf der rechten Seite ist die ursprüngliche Planung weiter westlich nach Voitze zu sehen. Sie sollte zwei Feldwege schneiden und dann auch die Landstraße von Brome Richtung Voitze.
Auf der linken Seite ist die neu geplante, näher an Brome liegende Trasse zu erkennen. Mit dem dort eingezeichneten Schuppen ist die Schrödersche Scheune gemeint. An dem einzeichneten Pfeil steht: 235 m von der alten Linie. Diese Verlegung führte dazu, dass die Gemeinde Ehra sich nicht finanziell am Bahnbau beteiligte.

Schreibe einen Kommentar