Wer heute über den Hof der Burg Brome geht, ahnt kaum, welche Wandlungen das große Wirtschaftsgebäude auf dem Burghof hinter sich hat. In den 1930er Jahren wurde aus einem landwirtschaftlichen Nutzbau ein nationalsozialistisches Jugendheim – und bis heute haben sich Spuren aus beiden Epochen erhalten. Ein kurzer Gang durch die Geschichte dieses Gebäudes.

Der älteste Beleg: der Merian-Stich von 1654

Dass an dieser Stelle seit Jahrhunderten ein Gebäude steht, lässt sich bis weit in die frühe Neuzeit zurückverfolgen. Der älteste bildliche Beleg ist ein Kupferstich aus Matthäus Merians berühmter „Topographia … der Hertzogthümer Braunschweig und Lüneburg”, die 1654 erschien. Die Vorlage dazu zeichnete der Kupferstecher Conrad Buno, der um 1652 durch das Land reiste; gestochen und gedruckt wurde sie anschließend in Merians Frankfurter Werkstatt.

Der Stich trägt die zeittypische Unterschrift „Brom An der Ohr und Dremling” und zeigt eine Gesamtansicht des Ortes mit der Burg. Und tatsächlich ist an der Stelle des heutigen Wirtschaftsgebäudes schon auf diesem Stich ein Gebäude zu erkennen – ein Beleg dafür, dass der Burghof hier bereits vor über 350 Jahren bebaut war.

Ausschnitt aus dem Merian-Stich von Brome – Vor der Burg Brome sind Torhaus sowie Wirtschaftsgebäude an der Südseite zu erkennen.

Der Neubau von 1898

Das Wirtschaftsgebäude, das wir heute kennen, geht auf einen Neubau aus dem Jahr 1898 zurück. Es wurde als Ersatzneubau für das vorherige Wirtschaftsgebäude errichtet, einen Fachwerkbau, der an dieser Stelle gestanden hatte. Warum genau der Neubau stattfand, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen – möglich sind der bauliche Verfall des alten Fachwerks, veränderte Anforderungen des Gutsbetriebs oder schlicht der Wunsch nach einem größeren, moderneren Bau. Von diesem älteren Zustand haben wir noch ein Foto, das den Hof vor dem Neubau zeigt.

Links im Bild ist der Vorgängerbau des heutigen Wirtschaftsgebäudes zu sehen. Die Aufnahme ist vor dem Neubau 1898 entstanden und somit die älteste bekannte Fotografie der Burg Brome.

Mit dem Neubau erhielt das Gebäude die Gestalt, die es im Kern bis heute prägt. An die Stelle des alten Fachwerks trat nun ein solider, massiver Bau: Er ruht auf einem Sandsteinfundament, und seine Wände wurden in Ziegelmauerwerk ausgeführt. Das war ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem vergänglichen Fachwerk – ein Gebäude, das auf Dauer gebaut war. Ein historisches Foto aus der Zeit nach 1898 zeigt den stattlichen Bau, wie er dem Gutsbetrieb der Burg Brome nun diente – mit Stallungen, Remise und den übrigen Räumen eines großen landwirtschaftlichen Anwesens.

Wirtschaftsgebäude und Burg Brome (1965)

Dass der Bau tatsächlich aus diesem Jahr stammt, ist am Gebäude selbst verewigt: Die Jahreszahl 1898 hält den Zeitpunkt der Errichtung bis heute fest.

Die Jahreszahl 1898 findet sich auf der Südseite des Wirtschaftsgebäudes (Foto vom 23.08.2026)

1937: Umbau zum HJ-Heim

Rund vierzig Jahre später begann das wohl dunkelste Kapitel in der Geschichte des Gebäudes. Die Burg Brome mit ihrem Wirtschaftsgebäude gehörte damals der Familie von der Schulenburg-Wolfsburg. 1937 stellte Graf Günther von der Schulenburg die Burg dem preußischen Staat als Landjahrheim zur Verfügung, und das Stallgebäude wurde zu einem Heim der Hitlerjugend umgebaut.

Aus den einstigen Stallungen – Remise, Pferdestall, Futterkammer und Hühnerstall – entstanden nun Tagesräume, ein Krankenzimmer, eine Wache und eine Schreibstube. Im Landjahrlager Brome, das zunächst den Namen „Ulrich von Hutten” trug, lebten zunächst Jungen, ab 1940 dann Mädchen – überwiegend Kinder aus den Industriestädten des Bergischen Landes und des Ruhrgebiets. Die ausführliche Geschichte des Lagers erzähle ich in einer eigenen Podcastfolge.

Nach 1945: Kommandantur, Zoll und Museum

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für das Gebäude eine ganz neue Nutzungsgeschichte. Zunächst zog nach 1945 die britische Kommandantur in das Wirtschaftsgebäude ein – Brome lag nun unmittelbar an der Grenze zur sowjetischen Besatzungszone, was dem Ort eine besondere Bedeutung verlieh.

In den Jahrzehnten der deutschen Teilung diente das Gebäude dann dem Zoll: Bis zur Wiedervereinigung war hier das Zollkommissariat Brome untergebracht. Die unmittelbare Nähe zur innerdeutschen Grenze, die nur wenige Kilometer entfernt verlief, machte Brome zu einem wichtigen Standort der Grenz- und Zollüberwachung.

Nach dem Fall der Grenze verlor das Zollkommissariat seine Aufgabe – und das Gebäude fand seine heutige Bestimmung: Es wurde Teil des Museums Burg Brome. Heute beherbergt es unter anderem die Ausstellung der Druckwerkstatt und die Zollstube, deren Name an die jüngere Nutzungsgeschichte erinnert, sowie Lagerräume und die Werkstatt des Museums.

Was bis heute erhalten ist

Das Gebäude steht bis heute und prägt den Burghof.

Das Wirtschaftsgebäude der Burg Brome heute (Foto 23.08.2026)

Zum Umbau von 1937 gehörte auch die Errichtung eines kleinen Toilettenhäuschens. Es steht noch immer – und erfüllt bis heute denselben Zweck, für den es vor fast neunzig Jahren gebaut wurde. Die meisten, die daran vorübergehen, ahnen nicht, aus welcher Zeit es stammt.

Das 1937 für das Landjahrlager errichtete Toilettenhäuschen versieht bis heute dieselbe Aufgabe (Foto 23.08.2026)

So vereint dieses eine Gebäude die Spuren mehrerer Epochen: den ältesten Beleg auf dem Merian-Stich von 1654, den massiven Neubau von 1898, den Umbau zum HJ-Heim von 1937, die Nachkriegsjahre als britische Kommandantur und als Zollkommissariat an der innerdeutschen Grenze – und schließlich seine heutige Rolle als Teil des Museums Burg Brome. Wenige Bauwerke in unserer Gegend erzählen die Geschichte des 20. Jahrhunderts so dicht wie dieses. Es lohnt sich, beim nächsten Besuch der Burg genauer hinzusehen.