Hinter vielen Einzelgeschichten dieses Blogs steht dieselbe Familie: die Helings aus Altendorf. Über Marie Heling und ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Mann Otto Damke ist an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet worden. Sie heiratete nach dem Ersten Weltkrieg am 30. September 1919 in Brome den Lehrer Richard Karl Ehle (1886-1942). Aus der Ehe gingen hervor ein Sohn und eine Tochter.

Marie war jedoch nur eines von mehreren Kindern eines Ehepaares, dessen Geschichte einen eigenen Blick verdient – eine Geschichte, die vom Einheiraten in einen Gasthof erzählt, von den Wechselfällen der Inflationsjahre und von einer Zufallsbegegnung auf dem Weg zum Notar.

Das Ehepaar

Am 4. August 1882 heiratete Johann Heinrich Heling (1857–1914) die Altendorferin Luise Sophie Marie Massien (1860–1922). Er heiratete dabei in den Hof und die Gastwirtschaft seiner Frau ein – der Betrieb blieb also in der Hand der Familie Massien und wurde unter dem Namen Heling fortgeführt. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, die den weiteren Verlauf dieser Familiengeschichte prägen sollten.

Die Kinder

Das älteste Kind war Heinrich Heling (1883–1926), gefolgt von Hermann Heling (1886–1957), Adolf Heling (1891–1958), Marie Heling (1894–1981) und schließlich Frieda Heling (1897–1971).

Heinrich und Hermann

Heinrich Heling verstarb am 22. März 1926. Seine Witwe Luise, geborene Jürgens, heiratete anderthalb Jahre später, am 7. Oktober 1927, ihren Schwager Hermann Heling. Solche Verbindungen zwischen einer Witwe und dem Bruder des verstorbenen Mannes waren im ländlichen Milieu jener Zeit keineswegs selten: Sie sicherten den Fortbestand des Hofes und hielten Besitz und Familie zusammen.

Adolf

Adolf Heling blieb unverheiratet. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1958 mit der Familie seines Bruders auf dem Hof – eine im bäuerlichen Alltag verbreitete Konstellation, in der ledig gebliebene Geschwister fest zum Haushalt und zur Arbeit des Hofes gehörten.

Frieda

Die jüngste Tochter, Frieda Heling, erlebte einen besonders bewegten Lebensweg. Um 1920 heiratete sie einen wohlhabenden Bauern namens Kummert, der möglicherweise aus Ahlum stammte. Das Glück währte nur kurz: Bereits nach neunzehn Tagen verstarb ihr Mann plötzlich. Frieda wurde Alleinerbin des Bauernhofes.

Mit dem Hof selbst wusste sie jedoch nichts anzufangen. Sie verkaufte ihn für rund 200.000 Goldmark. Da die Käufer diese Summe nicht aufbringen konnten, wurde offenbar eine Ratenzahlung vereinbart. Was in guter Absicht getroffen wurde, geriet zum finanziellen Verhängnis: Das restliche Geld erhielt Frieda erst während der Inflation in einer Summe ausgezahlt – zu einem Zeitpunkt, als es praktisch wertlos geworden war.

Zu dieser Zeit ereignete sich die Begegnung, die ihr weiteres Leben bestimmen sollte. In Beetzendorf, auf dem Weg zum Notar, wurde Frieda von dem dortigen Polizisten angesprochen, ob er ihr behilflich sein könne. Es handelte sich um Johann Hermann Schulz, geboren am 26. April 1884 in Plothow, Kreis Grünberg in Schlesien. Um es abzukürzen: Die beiden verliebten sich ineinander und heirateten am 25. Oktober 1921 in Berlin. Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor.

Frieda Heling verstarb am 9. Juni 1971, ihr Mann am 8. Januar 1972.

Ein Familienbild

Erhalten hat sich ein Fotografie der Familie Heling mit den Eltern und den Kindern – ein stilles Zeugnis jener Generation, deren einzelne Lebenswege sich in den Briefen, Anzeigen und Dokumenten des Museumsarchivs bis heute nachverfolgen lassen.

Familie Heling in Altendorf – Von links: Marie, Hermann, Luise Marie Sophie geb. Massien, Frieda, Adolf, Heinrich jun. und Heinrich sen.

Für das Familienfoto und viele der obigen Angaben danken wir Roger Müggenburg, einem Enkel von Hermann Schulz und Frieda Schulz geb. Heling.