Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

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Die Poststelle Bergfeld – von der Poststelle II bis zur Schließung 1995

Die Geschichte der Post in Bergfeld lässt sich nur in Bruchstücken rekonstruieren. Wann und wo die Bergfelder Post als sogenannte Poststelle II zuerst eingerichtet wurde, ließ sich bislang nicht ermitteln. Was bleibt, sind einzelne Spuren – und zwei Poststücke, die uns immerhin einen festen Anhaltspunkt in die Zwischenkriegszeit geben und nebenbei eine kleine Veränderung im Postbetrieb dokumentieren.

Zwei frühe Zeugnisse aus den 1930er Jahren

Das ältere der beiden Stücke ist eine Postkarte, abgestempelt am 10. Juli 1931. Sie trägt zwei Stempel: den violetten Poststellen-II-Stempel „Bergfeld – Vorsfelde Land” sowie den runden Tagesstempel des übergeordneten Postamtes Vorsfelde. Verschickt wurde sie von Bergfeld aus an den Buchhändler K. Pfankuch in Braunschweig.

Das zweite Stück, ein Umschlag mit einer Drucksache an die Firma Blumenschmidt in Erfurt, datiert auf den 15. März 1936. Auch hier finden sich der Poststellen-Kastenstempel und der Vorsfelder Tagesstempel – doch der Poststellenstempel hat sich verändert: Aus „Bergfeld – Vorsfelde Land” ist nun „Bergfeld – über Vorsfelde” geworden. Ein kleines, aber sprechendes Detail, das die Entwicklung der Bergfelder Poststelle innerhalb weniger Jahre festhält.

Vom Gasthaus „Zur Post” in die Luisenstraße

Über lange Zeit hatte die Bergfelder Post ihren Sitz im Gasthaus „Zur Post” – ein Name, der die enge Verbindung von Dorfgasthof und Postwesen schon im Schild trug. 1968 wurde die Poststelle von dort in die Luisenstraße 12 verlegt.

Posthalterin wurde Erika Grunert. In den Anfangsjahren versah sie nicht nur den Schalterdienst, sondern übernahm zugleich die Zustellung – beide Aufgaben lagen also in einer Hand. Mit ihrem Eintritt in den Ruhestand ging die Poststelle an ihre Schwiegertochter Jutta Grunert über, die schon zuvor die Vertretung für Schalterdienst und Zustellung übernommen hatte und so bestens eingearbeitet war.

Schrumpfende Schalterstunden und das Ende 1995

In den letzten Jahren machte sich in Bergfeld bemerkbar, was kleine Poststellen überall im Land traf: Die Kundenzahlen gingen zurück, und mit ihnen wurden die Schalterstunden immer weiter reduziert. Als die Schließung absehbar wurde, wechselte Jutta Grunert zum Postamt Wolfsburg. Den Dienst in Bergfeld versah in der letzten Zeit die ehemalige Posthalterin von Barwedel.

Endgültig geschlossen wurde die Poststelle Bergfeld im Jahr 1995 – das stille Ende einer Einrichtung, die das Dorfleben über viele Jahrzehnte begleitet hatte.

Gräfliche Försterei im Ehraer Holz – ein heute unbekannter Ort mitten im Wald

Die gräflich-schulenburgsche Försterei im Ehraer Holz existiert heute nicht mehr. Nur einige Fotos erinnern noch an die Gebäude, die einst dort am der Wegekreuzung nach Ehra-Bergfeld-Kiebitzmühle standen. Wann genau die Försterei das erste Mal erwähnt wurde, konnte wir bisher nicht herausfinden. Auch nicht, wann die Försterei abgerissen wurde.

Wer nähere Informationen oder gar noch Fotos hat, möge sich an den MHV Brome wenden.

Ausschnitt aus einer Karte aus dem Gräflichen Archiv Nordsteimke (Nr. 840) aus dem Jahr 1750. Ein Forsthaus ist im Ehraer Holz nicht eingezeichnet. Vermutlich wurde dieses nach 1750 errichtet.
Die gräfliche Försterei auf einem historischen Messtischblatt (oranger Kreis) an der Kreuzung der Weg nach Ehra, Kiebitzmühle und Bergfeld.
Gräfliche Försterei im Ehraer Holz
Wohngebäude der Försterei vor dem Abriss (undatiert)
Wohngebäude von der Giebelseite gesehen (undatiert)
Nebengebäude (undaiert)
Nebengebäude (undatiert)
Abriss des Wohnhauses (undatiert)

Postkarte von Bergfeld nach Altendorf

Am Samstag, 24. April 1909 hat Selma Lütge eine Postkarte mit der Einladung zu einer Radtour am nächsten Sonntag an Hermann Heling in Altendorf geschickt. Hermann Heling war der Sohn des Altendorfer Gastwirts Heinrich Heling Vermutlich ist mit dem Tag der Radtour der Sonntag, 2. Mai 1909 gemeint.

Selma Lütge war wohl die Tochter des Gastwirts H. Lütge, dessen Gasthaus auf der Postkarte zu sehen ist.

Der Text der Postkarte lässt sich nicht ganz entziffern, denn der mit Bleistift geschriebene Text wurde auf der linken Seite und unten links über die gedruckte Schrift geschrieben, so dass er heute kaum zusammenhängend entziffert werden kann.

Hier nun der lesbare Teil des Textes:

24/4.09

Lieber Hermann!

Teile Dir mit das es mir sehr angenehm ist mit der Radtur am schönsten geht es mir am nechsten Sonntag, wenn es Dir denn angenehm ist bist Du gleich nach Mittag hier.

Viele tausend Grüße

Selma Lütge

Die Postkarte trägt den Poststempel von Parsau mit Datum 24.4.09 und wurde zwischen 15 und 16 Uhr gestempelt. Vermutlich ist die Karte bereits am Sonntag, 25. April 1909 in Altendorf angekommen.

„Wölfe – auch schon damals“

Der letzte Wolf im Landkreis Gifhorn wurde im Jahre 1956 bei Boitzenhagen erlegt. Danach gab es Jahrzehnte lang in den heimischen Wäldern und Fluren keine Wölfe mehr, erst seit 2017 gilt ihre Rückkehr im hiesigen Raum als gesichert.

Die kontroverse Debatte darüber konnte man in verschiedenen Medien verfolgen, angefeuert von den jeweils unterschiedlichen Interessenlagen und Standpunkten.

Mich interessierte, welche Erfahrungen die Menschen unserer Region in früheren Zeiten mit dem Wolf gemacht hatten. Dazu bin ich bei dem Bromer Heimatforscher Karl Schmalz, der sich mit vielen Aufsätzen zur Heimatgeschichte verdient gemacht hat, fündig geworden.

In der Zusammenfassung seiner Aufsätze befinden sich die Berichte „Eine Wolfsjagd im Ehraer Holz“, „Wolfsplage vor 300 Jahren“, „Wolfsjagd zwischen Radenbeck und „Tesekendorf“ und „Wölfe – auch schon damals“.

Der Wolf hatte besonders damals, aber auch heute noch, für viele Menschen das Image des gefährlichen und blutrünstigen Raubtieres. Als Nahrungskonkurrent, der das kostbare Vieh der Bauern und der kleinen Leute riss, wurde er verfolgt und wenn möglich, zur Strecke gebracht. 

Auch wenn es in der Beschreibung über die Wolfsjagd in Ehra vor allem darum geht, wer damals das Jagdrecht in unseren heimischen Wäldern hatte, so erfährt man in der Vernehmung von Ehraer Bürgern durch den Knesebecker Amtmann im März 1702 doch etwas über die Methode dieser Jagd.

Dazu wurden Leinen mit Lappen versehen und zwischen Bäume gespannt, um die Tiere in eine bestimmte Richtung zu lenken. Konnte ein Wolf entwischen, war er „durch die Lappen gegangen“. Zwischen den Bäumen wurden zudem Netze aufgestellt, in die die Wölfe getrieben werden sollten. Jagdhelfer stiegen auf Bäume und hielten von dort oben Wache. Wurde ein Wolf gesichtet, sollte er in den nach und nach enger gestellten Netzen gefangen und erlegt werden.

So war auch der Plan damals in Ehra. Besonders erfolgreich war das in diesem Falle nicht, denn obwohl die Jäger acht Tage lang zum Schießen ausgezogen waren, bekamen sie keinen Wolf zu Gesicht und damit auch keinen vor die Flinte.

Eine andere Jagdmethode war die Jagd mit Wolfskuhlen. Dicht an der Grenze zur Bromer Gemarkung gibt es sowohl eine „Große Wolffs Kuhl“ als auch eine „Kleine Wolffskuhl“.  Die Bezeichnungen deuten darauf hin, dass die Jagd mit Fallgruben auch hier durchgeführt wurde.

In die getarnten Gruben (Kuhlen) wurde der Wolf getrieben und konnte aus eigener Kraft nicht mehr entkommen. Das gefangene Tier konnte entweder gleich getötet oder lebend entnommen werden und einer Jagdgesellschaft zugeführt werden.

Wolfsjagden waren ein Teil des adligen Lebens und erfreuten sich in diesen Kreisen großer Beliebtheit „… Eß werden die vf künfftigen vnserm Beylager zur Lust benöthigte Wölffe in Vnsern Landen nicht mehr zu erlangen stehen“, sorgte sich Herzog Christian Ludwig in einem Schreiben vom März 1653 an seinen Oberforst- und Jägermeister Georg von Wangenheim.

Die lebend gefangenen Wölfe wurden in extra hergerichteten Gehegen für dieses besondere „Jagdvergnügen“ solange gehalten, bis wieder eine herrschaftliche Wolfsjagd anstand.

Damit wurde deutlich, dass es längst nicht nur darum ging, das Vieh zu schützen, sondern „wieder einmal in Abenteuerlust die Aufregungen einer Wolfsjagd genießen zu können“, wie Karl Schmalz bilanzierte.

Bei den abkommandierten Jagdhelfern der adligen Jagd hielt sich die Begeisterung über den Einsatz dagegen in Grenzen.

Zur Wolfsjagd wurde stets ein starkes Aufgebot an Helfern benötigt. Weil die sich nur schwerlich freiwillig bereit fanden, griff der Adel zum verpflichtenden Mittel der „Landfolge“. Dazu gab es eigens aufgestellte Listen, in denen die zur Landfolge aufgestellten Männer aufgeführt wurden. Allein das Amt Knesebeck zählte im Jahre 1663 ganze 245 Mann, die unbefristet und ohne Entlohnung aufgerufen werden konnten.

Probleme hat es für die Bauern und Tierhalter durch den Wolf immer wieder gegeben. Die im März 1647 erfolgte Meldung durch einen Thomas Daume aus dem Amt Lüne berichtete sogar von einem Angriff auf eine Frau. Der Wolf soll ihr nach dem Aufstehen nach der Kehle gefasst haben und wurde von dem herangeeilten Gesinde erstochen.

In einem anderen Fall hatte der Pfarrer von Jeggau im Jahre 1659 ins Kirchenbuch eingetragen: „Ein Wolf hat… den Schulzen Hans Mumme beim Anfahren des Holzes für den Prediger, im Dorf angegriffen, so daß er elendiglich gestorben“.

Wie es zu den Zwischenfällen gekommen war, sowie die näheren Umstände der Attacken, wurde leider nicht festgehalten.

Bei zahlreichen früheren Berichten aus Geschichte und Literatur, in denen über Wolfsattacken auf Menschen durch bis zu 20 Tiere starke Rudel geschrieben wurde, handelt es sich ganz sicher um Übertreibungen.

Wölfe leben im Familienverbund, ähnlich dem Menschen. Im Alter von 11 bis 12 Monaten verlassen die Jungtiere ihr Rudel um sich ein neues Revier und einen Partner zu suchen, mit dem sie eine eigene Familie gründen können. Bei dieser Suche legen sie lange Strecken zurück. Thomas Pusch, der Sprecher des Landesfachausschusses Wolf beim Naturschutzbund in Nordrhein-Westfalen erklärte, „Ein Wolfsrudel besteht aus acht bis 10 Tieren, die auf einem Gebiet von 250 Quadratkilometern leben. Größer wird das Rudel nicht, denn „Es gibt eine Inzuchtsperre…“

In dem Aufsatz über die „Wolfsjagd zwischen Radenbeck und „Teskendorf“ wird davon berichtet, dass bei einer offenbar ungenehmigten Wolfsjagd ein zwölfjähriger Junge versehentlich angeschossen wurde, so dass er 5 Tage später verstarb. Ansonsten wird vermerkt „nichts gesehen, nichts gefangen und nichts geschossen“.

Aus dem vierten Bericht von Karl Schmalz über „Wölfe – auch schon damals“, erfahren wir, dass es in der hiesigen Gegend bis in die neuere Zeit immer wieder Wolfsjagden gegeben hat. So wurden ein „großer Ehraer Wolf“ im Dezember 1824 und ein Schönewörder Wolf 1871 bei Erpensen erlegt.

Schmalz vermutete, die Bezeichnung Wolf könnte früher allgemein als Synonym für wilde Tiere gebraucht worden sein, so dass nicht immer ganz eindeutig war, ob es sich bei dem „Übeltäter“ tatsächlich um einen Wolf handelte.

Aus unserer Natur ist der Wolf inzwischen nicht mehr wegzudenken. Weder sollten wir ihn romantisieren, noch unbegründete Ängste schüren. Ob Karl Schmalz das wohl auch so gesehen hätte? Wohl nicht, dazu war er, der 1966 gestorben ist, wohl doch zu sehr der Denkweise seiner Zeit verpflichtet, in der „der letzte Gifhorner Wolf“ als gefährliches Raubtier erlegt wurde.

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