Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Kategorie: Flecken Brome (Seite 20 von 26)

Die Landwehr bei Zicherie früher und heute

Die Westgrenze der Altmark zum Fürstentum Lüneburg hin war vermutlich bereits seit dem Mittelalter an einigen Stellen durch sogenannte Landwehren befestigt. Landwehren waren Graben-Wall-Anlagen, welche Lücken zwischen natürlichen der künstlich verstärkten Geländehindernissen schlossen. An der Westgrenze der Altmark waren natürlich Geländehindernisse z.B. die Stöckener Teiche sowie der Oberlauf der Ohre ab Haselhorst. Auch das Feuchtgebiet zwischen Zicherie und Böckwitz war ein natürliches Geländehindernis, welches allerdings durch einen Graben verstärkt wurde. Durch die Landwehren sollte ein ungehindertes Übertreten der Grenze verhindert werden. Hauptsächlich ging es darum, dass die geforderten Zolleinnahmen korrekt abgerechnet werden sollte. Schmuggel sollte also durch Landwehren verhindert werden.

An der Westgrenze der Altmark existierten nachweislich drei Landwehranlagen:

  1. Lübener Landwehr zwischen Langenbrügge und Lüben nördlich der Stöckener Teiche,
  2. Landwehr bei Rade zwischen Waddekath und Haselhorst sowie
  3. Nördlich von Zicherie im Bereich des Buchenberges (ehemalige Ziegelei Groth)

Die Lübener Landwehr bestand aus einem Einfachwall mit Graben an jeder Seite. Die Breite der Anlage betrug ca. 12 Meter. Die Landwehr bei Rade war ein vierfacher Landgraben und drei Wällen zwischen den Gräben. Die Breite betrug ca. 30 Meter.

Landwehr bei Rade (Foto: Jens Winter, Januar 2012)

Nach Bruno Ploetz wurde der südliche Abschnitt der Lüneburgischen Grenzlandwehr in der Hauptsache von der Ohre gebildet, also von Haselhorst bis zum Drömling. Hier gab es seiner Meinung nach nur drei Übergänge, von denen der südlichste zwischen Zicherie und Brome auf beiden Seiten durch einen Wall gesichert war – die Landwehr bei Zicherie. Der zweite wichtige Übergang im Bromer Bogen war durch die Bromer Burg geschützt. Ein dritter Übergang zwischen Zasenbeck und Hanum hatte wieder einen Wall. Das sind zumindest die Ergebnisse von Bruno Ploetz in seinem Aufsatz „Die Lüneburgische Grenzlandwehr“ aus dem Jahr 1966 zur Grenzlandwehr im Raum Brome.

Zu Überresten der Grenzlandwehr nördlich von Zicherie stellt er fest: [Es existiert] „ein kurzes Wallstück bei Zicherie, das wohl der spärliche Rest der Übergangssicherung ist.“ Diesem Hinweis aus dem Jahr 1966 soll nun nachgegangen werden.

Zunächst werden wir darlegen, welche historischen Belege es aus den uns vorliegenden Quellen für die Zicherier Landwehr gibt. Am Schluss werden wir dann anhand des Geländes noch immer existierenden Spuren der Landwehr aufspüren.

Grenzrezess aus dem Jahr 1543

Im Gutsarchiv von Weyhe zu Fahrenhorst ist ein Grenzrezess aus dem Jahr 1543 überliefert, der uns einige Informationen über den Grenzverlauf zwischen Brome und Zicherie-Böckwitz zur damaligen Zeit liefert. Damals gab es Streitigkeiten über den genauen Grenzverlauf zwischen denen von Bartensleben zur Wolfsburg, denen Böckwitz zu Lehen gegeben war, und Fritz VII. von der Schulenburg zu Brome. In dem Rezess vom 24. Februar 1543 wurde vereinbart, dass ein neuer Grenzgraben von der Ohre bis an den Steimker Kirchenweg gezogen wird. Auch sollte ein bereits existierenden Alter Graben so ausgeräumt und ausgebessert werden, dass eine Überfahrt nicht mehr möglich ist. An dem Weg von Steimke Richtung Braunschweig, unmittelbar neben dem Steimker Kirchenweg, sollte ein Schlagbaum errichtet werden, von dem ein Schlüssel in Brome und der andere in Steimke verwahrt werden sollte. Dies sollte den Einheimischen ihre Mühlenfuhren ermöglich. Ansonsten sollte dort aber kein Verkehr durchgehen, damit nicht Zollzahlungen verloren gehen.

Vom Ende des Alten Grabens sollte ein neuer Graben Richtung Zicherie gezogen werden, der bis an die „Tiefe Riede“ gehen sollte. Vermutlich ist damit der in der Karte von Strauß aus dem Jahr 1688 (siehe unten) bezeichnete Graben „Fuhle Riet“ gemeint. Von dort dann weiter bis an die Wiesen der Dörfer Böckwitz und Zicherie.

Es ist unklar, wo genau der Alte Graben begann. Fest steht allerdings, dass dieser Graben bereits vor als Grenzbefestigung existierte.

An anderer Stelle in dem Rezess ist auch die Rede von einem Wall – also möglicherweise der Landwehr! Es heißt in dem Text:

Und soll obgeschriebener Graben von der Ohre herab biß an den Wall zwischen Wischen und den Wall biß an den Knick, und den vordan der Knick biß zu dem Ende derselbigen, soferne der Graben gemacht, dies Orths die Landschnede seyn zwischen Marck zu Brandenburg und dem Lande Lüneburg.

Der neu anzulegende Graben sollte also bis an den Wall gehen, mit dem vermutlich die Landwehr gemeint ist. Am Ende der Landwehr sollte dann wieder ein Graben beginnen, der weiter in Richtung Zicherie-Böckwitz verläuft. Diese Grenzlinie wurde gleichzeitig auch als Landesgrenze angesehen! Klar ist auch, dass es am Wall auf jeder Seite einen Graben gab. Denn es heißt in dem Rezess:

Aber die Graben neben dem Wall durch die Wießen und Garten, auch die Graben neben dem Knicke, soll ein jeder Theil auf seine Seite machen.

Der Wall bildete also die Landesgrenze und jeder sollte den an den Wall angrenzenden Graben auf seiner Seite pflegen.

Karte von Strauß (1688)

Die Karte von Strauß aus dem Jahr 1688 ist eine sehr interessante und äußerst aussagekräftige historische Quelle für die Grenzmarkierungen im Raum Brome. Nicht nur die Eintragungen von Orten sind interessant, vielmehr hat Strauß auf der Karte 156 Zahlen eingezeichnet und mit dazugehörigen Eintragungen versehen. An dem für uns relevanten Kartenausschnitt finden wir die Zahlen 54 bis 64, die hier kurz wiedergegeben werden:

54. Grentz Knick od. Knick vor den Kleip Wischen

55. Der Kleip, ein Ellern Holtz

56. Steinstieg, welchen die Oldendorffer und Steimker Kirchenleute brauchen

57. Landgraben welcher vom Steinstieg nach dem Mühlenfarth geht.

58. Der Mühlenfahrt, alwo olim ein Schlagbaum gestanden

59. abermahl der Landgraben

60. Die Fuhle Rith

61. worin ein doppelter Landgraben ohngefehr 5 Ruten lang aufgeworffen

62. biß an Peter Knoen Knick

63. Cordt Döhmelands Knick

64. Carsten Schultzen Knick

Wir erfahren also die genauen Grenzmarkierungen vom Steinstieg an bis nach Zicherie-Böckwitz. Der Steinstieg wurde von den Steimkern benutzt, um zum Gottesdienst nach Altendorf, später Brome zu kommen, bevor sie eine eigene Kirche in Steimke hatten. Die heutige Straße von Brome nach Steimke existierte damals noch nicht. Vom Steinstieg Richtung Zicherie existierte demnach zunächst ein Landgraben, der von der Mühlenfahrt unterbrochen wurde. Einstmals hatte dort ein Schlagbaum gestanden, der 1688 aber nicht mehr existierte. Von dort weiter Richtung Zicherie folgte wieder der Landgraben, dann die Fuhle Riet (hochdeutsch: fauler Graben), worin sich ein doppelter Landgraben befunden hat. Von dort ging es weiter bis an Peter Knoken Knick. Knick bedeutet im Plattdeutschen Wörterbuch von Johann Friedrich Danneil „eigentlich eine Ecke, gebildet durch Gebüsch, das in einer längern Linie sich schmal ausdehnt“.

Die Landwehr in der Karte vn Strauß (1688). Die Zahlen wurden zur Verdeutlichung neu geschrieben. (Quelle: Hauptstaatsarchiv Hannover)

Karte von Spaldeholtz und Michaelsen (1754)

Auf der Grenzkarte von Spaldeholtz und Michaelsen aus dem Jahr 1754 ist an dieser Stelle eine Landwehr eingezeichnet. In Richtung Zicherie endete die Landwehr dann im alten Landgraben.

Die Zicherier Landwehr in der Karte von Spaldeholtz und Michaelsen (1754) (Quelle: Hauptstaatsarchiv Hannover)

Die Landwehr heute

Tatsächlich sind auch heute (2020) noch Spuren der alten Landwehr im Gelände zu finden. So ist an einer kurzen Stelle die alte Wallanlage noch gut zu erkennen. Auch der Graben zumindest auf einer Seite des Walls ist noch eindeutig vorhanden.

Der an die Landwehr südlich anschließende Graben ist ebenfalls noch vorhanden und im Gelände lokalisierbar.

Wenn wird nun GoogleMaps betrachten, fällt auf, dass nördlich von Zicherie am Buchenberg (ehem. Ziegelei Groth) ein „Grenzgraben nördlich Zicherie“ zu finden ist.

Überrest der Zicherier Landwehr. In der Mitte ist der Wall zu erkennen, links und rechts daneben existieren noch Gräben. (Foto: Jens Winter, Juli 2020)
Am Ende der Wallanlage beginnt der Graben Richtung Zicherie. Bei GoogleMaps ist er als Grenzgraben nördlich Zicherie zu finden. (Foto: Jens Winter, Juli 2020)

Verbannung aus Brome im Jahr 1677

Die Bromer Gerichtsprotokolle stellen ein wichtiges Zeugnis für die Rechtgeschichte in unserer Heimat dar. Das Gericht Brome hatte auch die sogenannten Halsgerichtsbarkeit inne. Hier konnte also auch Todesurteile und andere peinliche (d.h. entehrende Strafen) ausgesprochen und vollzogen werden. Über Todesurteile am Bromer Gerichtsplatz wurde in diesem Blog bereits einmal berichtet.

Zu den peinlichen Strafen zählte auch die Verbannung aus einem Ort. Eine Verbannung konnte entweder mit Staupenschlag oder ohne Staupenschlag vollzogen werden. Der Staupenschlag war eine körperliche Strafe, bei welcher der oder die Verurteile am Pranger geschlagen wurde. Das Urteil konnte mit damals üblichen Schlaginstrumenten vollzogen, z.B. einer Lederpeitscher oder auch einem Staupbesen, in den auch Metallsplitter oder Steine eingearbeitet. Da die Peitsche von einem Scharfrichter geführt wurde, wurde die oder der Verurteilte durch diese Berührung mit dem Scharfrichter entehrt. Deshalb war der Staupenschlag eine entehrende Strafe. Eine Verbannung ohne Staupenschlag dagegen war nicht entehrend, weil es keine Berührung mit dem Scharfrichter gab.

Aus dem Jahr 1677 ist eine in Brome vollzogene Verbannung in den Bromer Gerichtsprotkollen nachweisbar. Damals wurde „ein Weibstück“ aus Brome „auf ewig relegiret“ (d.h. verbannt). Hierfür hatte die Bromer Untertanen jeweils 9 ß (Pfennig) zu zahlen. (Gerichtsprotokoll 1691, S.347)

Wie es zu dieser Verbannung gekommen ist, steht an anderer Stelle in den edierten Gerichtsprotokollen (Gerichtsprotokolle 1691, S.180 und S.182). Dort heißt es, ein „fremdes Weib“ habe die Frau unseres Bürgermeisters in Brome für eine Hexe gescholten. Dazu heißt es in den Gerichtsprotokollen:

Ist andem, daß ein im Lande herumb vagadirendes Weib sich dieser Örter eine Zeit auffgehalten. Welche hin und wieder baldt wieder diesen, bald wieder jenen, allerhandt ehrenrühriege Worte undt Bezüchtigungen sich vernehmen laßen, insonderheit hiesiegen Fleckens Bürgermeister Günter Oldelands Frau bey verschiedenen Leuten, daß sie eine Hexe sey, daß sie den Rechtsteuffel habe und daß sie durch Hexerey ihren Nachbahren Schaden zugefüget, ungescheuet proclamiret.

Bürgermeister Günter Oldeland hat daraufhin Joachim Friedrich von Bartensleben um Hilfe gebeten. Nach einem Gutachten der Universität Helmstedt sollte die Beklagte vor öffentlichen Gerichten einen Widerruf tun und eine Urfehde abstatten. Anschließend sollte sie auf ewig aus diesem Gericht verwiesen werden.

Nach der Tat ist die Frau aus Brome geflohen und wurde in einem Brandenburgischen Gericht wieder aufgegriffen. Joachim Friedrich von Bartensleben ließ sie daraufhin nach Brome zurückbringen. Sie wurde in Brome dann ins Gefängnis gesperrt, konnte aber nicht überführt werden. Sie wurde dann durch den Scharfrichter ohne Staupenschlag weggewiesen. Die Inhaftierung und der Scharfrichter hatten insgesamt 14 Reichsthaler gekostet, die nun die Bromer Untertanen bezahlen mussten. Die Bromer verweigerten die Zahlung, weil ihrer Meinung nach die Klägerin die Kosten hätte tragen müssen. Joachim Friedrich von Bartensleben konnte und wollte diese Weigerung nicht hinnehmen und pfändete daraufhin die Bromer Bullen. Außerdem drohte er an, dass er auch aus den anderen vier Dörfern (Altendorf, Benitz, Nettgau und Zicherie) je zwei Pfande nehmen werde. Letztendlichen haben die Bromer Untertanen in dieser Angelegenheit sowie in andren Angelegenheiten Klage gegen Joachim Friedrich von Bartensleben erhoben. Das Ende des Prozesses ist nicht überliefert, aber sicherlich durften die Untertanen für die Kosten aufkommen.

Soldatenschicksale im 1. Weltkrieg – Fritz Eggert

Fritz Eggert wurde am 26. Mai 1893 geboren. Er war der älteste Sohn des Bromer Steinmetzmeisters Friedrich Eggert. Sein Bruder Hermann wurde am 25. Mai 1894 geboren und ist seit dem 4. Oktober 1915 vermisst. Beide Brüder haben des Beruf des Steinmetz erlernt.

Fritz Eggert war zunächst zu Beginn des 1. Weltkrieges fünf Wochen beim Infanterie-Regiment 77 in Celle. Von dort wurde wenig später versetzt zum Reserve-Infanterie-Regiment 208. Nachdem das Regiment am 10. September 1914 mobil gestellt war, wurde es neun Tage später zu Übungszwecken auf den Truppenübungsplatz Zossen verlegt. Am 6. Oktober 1917 schrieb Fritz Eggert eine Feldpostkarte an seine Schwester Lieschen, die damals bei dem Möbelfabrikanten Laufecker in Salzwedel arbeitete. Er schreibt:

L. Schwester! Sende Dir die besten Grüße von hier. Du mußt es wohl von zu Hause erfahren haben, daß ich seit 14 Tagen hier bin, war vorher 5 Wochen in Celle. Das Soldatentum gefällt mich sehr gut. In der Letefka, wie ich auf dieser Karte bin, werden wir die ersten 3 Wochen ausgebildet. Jetzt stehen wir schon mit voller Ausrüstung u. ziehen diese Woche noch ins Feld.

Auf Wiedersehen! Dein Bruder Fritz

Rechts Fritz Eggert in der erwähnten Litewka. Der andere Soldat links ist unbekannt. (Original: Sammlung Jens Winter)
Feldpostkarte von Fritz Eggert an seine Schwester Lieschen (Original: Sammlung Jens Winter)

Ab dem 20. Oktober 1914 begannen die Kampfeinsätze des Regiments an der Westfront in Flandern, bei denen etwa 1750 Soldaten fielen. Fritz Eggert hatte zunächst den Dienstgrad Musketier.

Fritz Eggert in der Uniform des Reserve-Infanterie-Regiments 208, zu erkennen an der 208 auf dem Überzug der Pickelhaube (Original: Sammlung Jens Winter)

Fritz Eggert war dann bis zu seinem Tode am 20. September 1917 als Soldat im Krieg. Bei welchen Einheiten er genau gedient hat, lässt sich nicht genau feststellen. Fest steht, dass er 1917 als Unteroffizier im Infanterie-Regiment 451 diente. Das Regiment wurde am 12. Januar 1917 vom Stellvertretenden Generalkommando im III. Armeekorps aufgestellt. Im Regiment hat folgende Verluste während der Kampfeinsätze an der Front erlitten: 52 Offiziere sowie 953 Unteroffiziere und Mannschaften.

Undatierte Fotografie von Fritz Eggert (Original: Sammlung Jens Winter)
Undatierte Fotografie von Fritz Eggert (Original: Sammlung Jens Winter)

Das Regiment wurden nach der Aufstellung an der Westfront eingesetzt, nämlich vom 30. März bis 20. Juni bei Kämpfen an der Siegfriedfront, vom 21. Juni bis 30. August 1917 in der Siegfriedstellung sowie vom 30. August bis 30. September 1917 in Flandern.

Fritz Eggert ist am 20. September 1917 in St. Julie in Flandern, wie aus auf dem Familiengrab heißt, gefallen. Vermutlich handelt es sich um den Ort Sint Juliaan in der Nähe von Ypern. In den Verlustlisten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist Fritz Eggert nicht verzeichnet. Sein Grab ist unbekannt.

Gedenkinschrift für Fritz Eggert auf dem Familiengrab der Familie Eggert auf dem Bromer Friedhof. (Foto: Jens Winter, Juli 2020)

Soldatenschicksale im 1. Weltkrieg – Hermann Eggert

Hermann Eggert wurde am 25. Mai 1894 geboren. Er war der jüngere Sohn des Bromer Steinmetzmeisters Friedrich Eggert. Wie sein Vater und auch sein ein Jahr älterer Bruder Friedrich Eggert erlernte er den Beruf des Steinmetz. Wann genau Hermann Eggert eingezogen wurde, ist bisher nicht bekannt. Laut der Inschrift auf der Familiengrabstätte Eggert war Hermann Musketier in der 12. Kompanie des Infanterie-Regiments 77, welches in Celle seinen Heimatstandort hatte.

Das Infanterie-Regiment 77 war bis 25. April 1915 an der Westfront eingesetzt. Vom 25. bis 30. April 1915 wurde es dann an die Ostfront verlegt, wo es auch bis 08. September 1915 blieb. Anschließend erfolgte die Verlegung zurück an die Westfront. Vom 27. September bis 18. Oktober 1915 kämpfte das Regiment in der Herbstschlacht in der Champagne mit, die vom 25. September bis 6. November 1915 andauerte. Hermann Eggert wurde seit dem 4. Oktober 1915 vermisst. Laut Inschrift im Familiengrab wurde er bei „St. Suple“ vermisst. Vermutlich handelt es sich bei diesem Ort um Saint Souplet. In den Verlustlisten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist sein Name nicht verzeichnet. Entweder wurde er als unbekannter Soldat auf einem Soldatenfriedhof bestattet, weil möglicherweise seine Identität nicht geklärt werden konnte, oder er liegt noch immer unerkannt auf den Schlachtfeldern der Herbstschlacht in der Champagne.

Grabinschrift für Hermann Eggert auf der Familiengrabstelle Eggert auf dem Bromer Friedhof. (Foto: Jens Winter)
Grabstelle der Familie Eggert auf dem Bromer Friedhof, die von Steinmetzmeister Friedrich Eggert selbst angefertigt wurde. Links am Rand die Inschrift für den 1915 gefallenen Hermann Eggert, rechts für den 1917 gefallenen Fritz Eggert. (Foto: Jens Winter, Juli 2020)

Die Nachricht vom Tode Hermann Eggerts hat sich bei anderen Bromern, die auch als Soldaten im 1. Weltkrieg mitkämpften, nicht so schnell herumgesprochen. Vermutlich haben viele Soldaten erst bei Heimaturlauben davon erfahren. Am 17. April 1916 schrieb Louis Buchmüller, Nachbar der Eggerts und ebenfalls Soldat an der Front, eine Feldpostkarte an Friedrich Eggert:

Geschrieben den 17ten April 1916

Sehr geehrter Herr Nachbar!

Werte Familie Eggert, heute erhielt ich die traurige Nachricht das Euer Sohn Hermann gefallen ist spreche hiermit meine herzliche Teilnahme aus und nehme an den traurigen Geschicken teil. Ich teile das Osterfest mit Euch allen. Ich muß Tag vor Ostern wieder in Stellung, bin bis jetzt noch gesund und munter, dieselbe hoffe ich von Euch daheim. Viele Grüße aus Feindesland sendet Euch Euer Nachbar Louis Buchmüller

Feldpostkarte von Louis Buchmüller an Friedrich Eggert (Original: Sammlung Jens Winter)

Am 29. Dezember 1916 schrieb Otto Bannier einen Feldpostbrief an Friedrich Eggert. Darin erkundigt er sich nach Hermann Eggert. Otto Bannier hatte auch über ein Jahr, nachdem Hermann Eggert vermisst wurde, keine Kenntnis von dessen Schicksal! Er schreibt:

29. Dezember 1916

Liebe Familie Eggert!

Für die herzl Weihnachtsgrüße und die freundlichen Gaben sage ich Ihnen meinen herzl Dank. Nun ist das dritte Kriegsweihnachtsfest vorüber und immer noch keinen Frieden. Aber wir hoffen doch daß uns das neue Jahr den Frieden bringen wird. Wie geht es Fritz? Der alte Schwede hat doch noch kein Wort von sich hören lassen. Hoffentlich braucht er nicht wieder mit raus.

In der Hoffnung daß es Ihnen allen recht gut geht sendet Ihnen die herzl Grüße und wünscht Ihnen ein frohes neues Jahr Ihr Otto Bannier

Feldpostbrief von Otto Bannier an Friedrich Eggert vom 29. Dezember 1916. (Original: Sammlung Jens Winter)

Soldatenschicksale im 1. Weltkrieg – Der Bromer Töpfermeister Heinrich Buhle

Vom Bromer Töpfermeister Heinrich Buhle, geboren am 18. März 1874 in Calbe an der Saale, sind insgesamt zwei Feldpostkarten erhalten. Eine schrieb er am 3. Mai 1917 an seine Familie in Brome. Die andere, leider undatierte Feldpostkarte schrieb er an seine Tochter Martha. Mit seiner Ehefrau Minna hatte er die beiden Töchter Martha und Lieschen. Sie wohnten in der Hauptstraße 30 in Brome. Erst mit 41 Jahren wurde Heinrich Buhle eingezogen und diente in der 4. Kompanie des Landsturm-Infanterie-Bataillons 22, I. Sein Einsatzgebiet war an der Ostfront. Heinrich Buhle ist am 22. Juli 1917 in Russland im Alter von 43 Jahren gefallen. In den Verlustlisten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist sein Name nicht verzeichnet. Der Ort seines Grabes ist unbekannt.

Hier nun die beiden erhaltenen Feldpostkarten. Die Texte der werden wie im Original wiedergegeben. Abkürzungen werden nicht aufgelöst. Auch Rechtschreibung und Zeichensetzungen werden beibehalten. Wir beginnen mit der undatierten Feldpostkarten an seine Tochter Martha.

Meine Liebe Martha!

Gestern erh. ich deinen lieben Brief, besten Dank. Es freut mich das Ihr jetzt gut lernt in der Schule. Da habt ihr nun wohl gar keine Zeit Schlittschuh zu laufen? Wie du schreibst kann Lieschen auch schon etwas, ich habe Angst wenn Sie erst richtig laufen kann das Sie mal zu weit läuft u. findet sich nicht wieder zu Hause, da paß man gut auf. – L. M. sieh zu das du das Kaspern gut lernst, wenn ich wieder komme reise wir nach die Jahrmärkte u. machen dann Kasperteater. Mit geht’s noch gut, Euch all wohl auch.

Herzl. Grüße u. Küsse sendet dir d. lieber Pappa

Grüße an Alle

Vorder- und Rückseite der undatierten Feldpostkarte von Heinrich Buhle an seine Tochter Martha (Original: Sammlung Jens Winter)

Im Felde, d. 3 Mai 1917

Meine Lieben! Im Fall wenn Ihr meinen Brief v. 1.5. nicht erh. habt schicke ich Euch noch eine Aufnahme. Euren Brief v. 27.4. erh. ich gestern, auch das Paket 18 mit Gellen, es schmeckt sehr schön. Es freut mich das ihr die Kartoffeln in die Erde habt. Wenn Großv. man das Graben nicht zu viel wird, freue mich aber das es Ihm wieder gut geht. Wie ist es denn mit Großmutter? nächstens mehr.

Wieder herzl Gr. u. K. Euer Heinrich u. Pappa

Vorder- und Rückseite der Feldpostkarte vom 3. Mai 1917. Vermutlich ist Heinrich Buhle einer der vier abgebildeten Soldaten. Leider können wir ihn wegen fehlender Vergleichsfotografien nicht identifizieren. (Original: Sammlung Jens Winter)
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