Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Kategorie: Tülau-Fahrenhorst (Seite 1 von 5)

Fachwerkinschriften in Tülau-Fahrenhorst

Der Tülauer Lehrer Brand hat im Jahr 1934 eine interessante Auflistung von Bränden und Hausinschriften in der Schulchronik niedergeschrieben. So erfahren wir von vielen Hausinschriften, die heute nicht mehr existieren. Hier folgt nun der Text in voller Länge.

Brände in Tülau-Fahrenhorst seit 1830. Hausinschriften

Am 9. Oktober 1830 brannte die „Neue Reihe“, das sind die Grundsitzerstellen von No. 8 – 17, ab. Einige von den neuerrichteten Häusern stehen noch .

No. 10 (jetzt Schulze) hat folgende Inschrift:

Du hast mein Vater und mein Gott mich durch das Wort belehrt, daß deine Hand den frommen in Freude einst bekehrt und das ist alles, was mich kränkt auf dich der unser Sch. Erb. 9.10.

No. 11 (jetzt Klopp) hat folgende Hausinschrift:

Gott unsere Herzen bluten von deinen schweren Runte, es ist um uns geschehen das Feuer schlug die Flammen schnell über uns zusammen das niemand konnte wiederstehn.

Abg. d. 9.10. Geb. d. 24.7.1831

Das letzte Haus auf der Reihe, das Haus am Bache muß nicht mit abgebrannt sein. Das Haus zeigt die Inschrift: B. H. Johann Friedrich Erich Knok B. F. Marie Dorette 1754 (Bäk-Schulze).

Feststellen konnte ich, daß No. 9, 10, 11 und 12 abgebrannt sind.

Am 2. Juni 1834 (Bromer Pfingstmarkt) brannten sämtliche Bauern des Dorfes Tülau (Rundling) 10 Gehöfte ab. Das Feuer kam bei Bauer Wiswedel No. 9 auf. Beim Neubau ging der Rundling verloren. Inschrift vor dem von Bammel No. 6 erbauten Hause:

Oft sah ich keinen Ausgang mehr, dann weint ich laut und klagte sehr. Verlässest du mich mein Gott so ganz in meiner Angst und Not da hörst du o Gott mein Flehn und eilest bald bei mir zu stehn.

Inschrift an dem Haus Fischbeck No. 7:

Der 2. Juni bleibt mir ewig nun da schlugen die Flammen so auf mein Gebäude her kam alles in den Brand und half kein Rettungshand nun rief ich in Not mein Gott mein Flehn und du o Gott erhörtest auch.

Inschrift bei Melzian No. 3:

Wo sind doch unsere Häuser sie werden als die Reiser Verzeeret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut. Ach Gott bewache dieses Haus und alles die da gehen ein u. aus.

Lüthe No. 15 hat folgende Inschrift:

Hilf gnädig und ersetze auch durch deinen Reichen Segen was wind und Feuer Dampf und Rauch in Raub und Asche legen behüt uns schon an diesen Ort für Glut und Brand und sei hinfort Uns, treuer Vater gnädig.

Wiswedel No. 9 im Jahre 1898 zum 2x abgebrannt.

Behne No. 5 im Jahren 1907 zum 2x abgebrannt.

Packebusch No. 51 das vorige Haus abg. 25. Juli 1834, erbaut 6. Juli 1835 Bauherr Friedrich Christian Müller Frau Dorothe Kat. von Weyhe zum 2x abgebrannt 1911.

Böse No. 2 Das Haus zur Scheune 1902 umgebaut, zum 2x abgerannt 1927.

Böse No. 1 Das Haus 1912 zur Scheune umgebaut, zum 2x abgebrannt 1928.

Am 9. Mai 1863 wurden die 4 Bauernhäuser in Fahrenhorst, die in einer Reihe lagen, ein Raub der Flammen. Kinder sollen mit Streichhölzern gespielt haben. Durch einen Holzhaufen wurde das Strohdach des Bammelschen Hofes erfaßt. Im Nu standen alle 4 Bauernhäuser in Flammen. Die Inschrift des neuerbauten Hauses von Bammel No. 4 heißt:

Wo sind doch unsere Häuser! Sie werden als die Reiser verzehret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut. Erbaue was zerstöret und was die Glut verzehret ersetze diesen Brand so wollen wir von neuen uns deiner Güte freuen und ehren dankbar deine Hand.

Klein (jetzt Bromann) No. 5 hat folgende Inschrift:

O Jammer volle Tage, da lauer angst und Plage uns hart betroffen hat. ein großes Maß voll Tränen ist unter Ach und Sehnen jetzt unsre Speise früh und spat. Wo wind doch unsre Häuser sie werden als die Reiser verzehret durch die Glut wir suchen allerwegen wo wir doch bleiben mögen gleich wie ein armer Fremdling tut.

Bratze No. 6 brannte 1890 nochmals ab.

Wiswedel No. 7 hat folgenden Spruch an seinem Hause angebracht:

Gib wieder was zusammen wir in den heißen Flammen so schändlich haben eingebüst erfülle das Begehren wie solches deinen Ehren undunserer Wohlfahrt dienlich ist. erbaue was zerstöret und was die Glut verzehret ersetze diesen Brand so wollen wir von neuen uns deiner Güte freuen und Ehren dankbar deine Hand.

1897 wurde in Tagelöhnerhaus auf Melzians Hof durch Feuer zerstört.

1899 verbrannten die Doppelwohnung Boensch u. Taeger, Fahrenhorst.

1911 war wieder Großfeuer. Durch Feuer vernichtet wurden die Abbauerstellen Schulze No. 42, daß 1835 erbaute Fachwerkhaus mit Storchnest von Fr. Pakebusch, die Scheune von Abbauer Mühe No. 33, das ganze Gehöft von Bauer Paasch No. 8 (1834 zum 1x abgebrannt).

1913 brannte die neue Scheune H. Lüthe No.15, Tülau.

1916 brannte die neue Scheune Fr. Täger, Fahrenhorst.

1928 brannte das Gemeindehaus, an der Stelle wurde 1930 die Kirche erbaut.

1929 brannte die alte Schule.

1933 brannte die Doppelwohnung No. 36 H. Niemann und 26 H. Bammel gelegen neben Gastwirt Lange.

Die älteste Jahreszahl im Dorfe trägt das Schloß des Rittergutes Fahrenhorst. Vor 200 Jahren wurde der Fachwerkbau an seine jetzige Stelle gebracht, im Jahre 1737. Ursprünglich stand es am jenseitigen Ufer der kleinen Aller.

Inschrift:

Kein Sturm, kein Ungewitter, kein Feind, kein Trug und List kann dieses Haus erschüttern, wenn Gott der Schützer ist. Der beste Rat ist in der Not: Mensch hilf dir selber, so hilft auch Gott. Freund sieh auf dich und nicht auf mich und fehle ich, so bessre dich. Ich heiß willkommen, wer hier eintritt zu bringen den Frieden in Ehren die Sitt ein jedem steht offen jeder guter Gast findet hier Rat. Gah fröhlich ut gah fröhlich in. Sei draus und drin in Gottes Hut. Danach ringt das gelingt wenn Gott nicht seinen Segen bringt. Gott behüt mir vor Regen und Wind und vor Gesellen die langweilig sing. Kunst bringt Gunst.

Aufgeschrieben im Jahre 1934 von H. Brand.

Rest einer Hausinschrift am Gutshaus von Weyhe: Kunst Bringt Gunst. (Foto: Anita Meyer)
Hausinschrift am Gutshaus von Weyhe: Kein Sturm, kein Ungewitter, kein Feind, kein Trug und List kann dieses Haus erschüttern, wenn Gott der Schützer ist. (Foto: Anita Meyer)

Was der Lehrer Harms aus Ehra über Brände in Brome und Tülau schreibt (1911)

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Lehrer die Aufgabe gehabt, eine Schulchronik zu führen. In den Schulchroniken finden sich nicht nur Ereignisse, die das Schulleben betreffen, vielmehr wurden auch historischer Ereignisse aus den Ortschaften niedergeschrieben, für die wir heute keine weiteren Quellen haben.

So hat auch der Lehrer Harms von der Schule Ehra eine sehr ausführliche Schulchronik geführt, in der er auch Ereignisse der Ortsgeschichte festhält. So erfahren wir z.B., dass am 14. August 1898 eine neue Handdruckspritze an die Feuerwehr Ehra ausgeliefert wurde. Lehrer Harms schreibt dazu:

14. August [1898] Heute wurde die aus der Fabrik des Herrn Bräunert aus Bitterfeld gelieferte neue Feuerspritze abgenommen. Das Resultat der Prüfung war ein gutes. Die Spritze kostet über 1600 Mark.

Eine Handdruckspritze der Firma Bräunert schaffte auch die Freiwillige Feuerwehr Brome im Jahr 1891 für 1750 Mark an. Diese befindet sich heute im Museum Burg Brome.

Die im Jahr 1891 angeschaffte Handdruckspritze der Firma Bräunert beim 100jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Brome im Jahr 1972. Auf der Spritze steht langjährige Hornist und Feuerwehrkamerad Elektromeister Ferdinand Busse.

In der Schulchronik werden etliche Brände in Ehra dokumentiert, auf die in einem zukünftigen Blogbeitrag noch eingegangen wird. Interessant ist, dass auch Einsätze der Feuerwehr Ehra erwähnt werden, die außerhalb von Ehra stattgefunden haben. So hat Lehrer Harms am 2. August 1911 über die vorhergehenden Tage die Einsätze der Feuerwehr Ehra in umliegenden Ortschaften festgehalten:

Der 31. Juli [1911] war ein aufregender Tag. Schon in der Nacht vorher sah man nach Osten hin Feuerschein, der stets größer wurde. Es wurde Feuerlärm geblasen. Spritze u. Wasserwagen rückten nebst den dazu gehörigen Mannschaften aus. Das Feuer war in Brome, Schäfers Scheune u. Stallungen, 2 kleine Wohnhäuser und Gastwirt Müllers ganzes Gehöft wurden ein Raub der Flammen. Die Ehraer Spritze und die Löschmannschaften kamen erst am Morgen um 7 Uhr zurück. Bald nach 10 Uhr vormittags ertönte schon wieder das Feuerhorn. Im Osten fliegen wieder schwarze Rauchwolken auf. Die Spritze mußte gleich wieder fort. Es brannte in Tülau. Mehrere Abbauerstellen wurden in kurzer Zeit eingeäschert. Gleich nach Mittag sah man im Westen mächtige Rauchwolken aufsteigen. Wieder ertönte Feuerlärm u. die noch vorhandenen Mannschaften rückten zum Löschen aus. Man glaubte, das Feuer sei im Bockling, aber es war zwischen Stüde u. Westerbeck Heu-, Wald- und Moorbrand. Im Moore brennt es heute (am 2. Aug.) noch.

Auch in der Bromer Schulchronik wird der Brand erwähnt. Dort ist zu lesen, dass am 30. Juli Brände in Schäfers Scheune und Albert Müllers Hofwesen gewütet haben.

Wenn wir nun die Erkenntnisse aus den beiden Schulchroniken zusammenziehen, so wird klar, dass der Brand in der Nacht des 30. Juli 1911 entstanden ist und erst am darauffolgenden Morgen gelöscht wurde. Die Löschmannschaften aus Ehra waren am 31. Juli 1911 um 7 Uhr morgens zurück.

Über den Brand in Tülau haben wir bisher keine weiteren Informationen, die über den Schulchronikeintrag von Lehrer Harms hinausgehen. Nach Johann Dietrich Bödeker (S. 359) brannten 1911 in Tülau folgende Gebäude ab: die Abbauerstelle Nr. 42 (Schulze), das 1835 erbaute Fachwerkhaus des Abbauers Nr. 51 (Pakebusch), die Scheune des Abbauers Nr. 33 (Mühe) sowie das Gehöft Nr. 8 (Paasch). Ob diese Gebäude in einem Brandereignis ein Raub der Flammen wurden, lässt sich bei Bödeker nicht ablesen.

Foto vor der Gastwirtschaft „Zur grünen Eiche“ in Tülau (um 1930)

Im Archiv des Museums Burg Brome ist ein Foto zu finden, dass um 1930 vor der Gaststätte „Zur grünen Eiche“ in Tülau aufgenommen wurde. Der Anlass für das Foto ist nicht überliefert. Auch wissen wir bisher nur von zwei Personen die Namen: In der vorderen Reihe als dritter von rechts sitzt Wachtmeister Grünhagen. Als dritter von rechts steht Lehrer Brandt.

Wer noch Namen und weitere Informationen zum Foto beitragen kann, melde sich bitte beim MHV Brome!

Kriegsbegeisterung des Bromer Pastors Türnau (1915)

Bereits in einem früheren Blogbeitrag wurde über die Kriegsbegeisterung des Bromer Pastors Dr. Türnau berichtet. Nun haben wir dafür noch einen weiteren Beleg im Hauses Heling in Altendorf gefunden!

Am 2. August 1915 schrieb Pastor Dr. Türnau persönlich eine Postkarte an Hermann Heling, der im Reserve Infanterie Regiment 73 in der Reserve Maschinengewehr Kompanie mit dem Dienstgrad Gefreiter aktiver Soldat war. In derselben Kompanie diente auch sein Bruder Adolf Heling. Vermutlich haben damals alle aktiven Soldaten aus der Kirchengemeinde Brome-Altendorf diese Postkarte erhalten.

Die Postkarte wurde extra für die Soldaten gedruckt. Ausgeführt wurde der Druck vom Bromer Verleger und Buchhändler Wilhelm Süpke. Dass diese Postkarte extra als Feldpostkarte gedruckt wurde, lässt sich an zwei Aufdrucken erkennen: Zum einen ist über dem Adressfeld das Wort „Feldpostkarte“ bereits eingedruckt. Zum anderen findet sich oben auf der linken Seite der aufgedruckte Text:

Die Kirchengemeinde Brome-Altendorf grüßt ihre Söhne und Männer im Feld.

Auch einen persönlichen Gruß hat Pastor Türnau verfasst:

Herzlichen

Heimatgruß und

„Gott befohlen!“

sendet

Pastor Dr. Türnau

Links der handgeschriebene persönliche Gruß von Pastor Türnau, rechts die Adresse des Gefreiten Hermann Heling

Auf der Bildseite der Postkarte ist oben links ein von Pastor Dr. Türnau selbstgedichtes Gedicht zu lesen. Die beiden kolorierten Fotos zeigen die Altendorfer St. Pancratius-Kirche (links) und die Bromer Liebfrauenkirche (rechts). Das Foto der Bromer Kirche wurde vom ersten Stock des Pfarrhauses aufgenommen. Rechts weht eine Fahne (eventuell eine Reichsflagge) über dem heute nicht mehr existierenden Konfirmandensaal. Links am Bildrand ist der ebenfalls nicht mehr existierende Turm der Freiwilligen Feuerwehr Brome zu sehen.

Postkarte von Tülau-Fahrenhorst (1908)

Am 17. Juni 1908 schrieb Heinrich Heling (Altendorf) aus Tülau eine Postkarte an seinen Bruder Hermann Heling, der seinerzeit Soldat bei der Garde Maschinengewehr Abteilung Nr. 2 in Gr. Lichterfelde war. Er hielt sich wohl damals auf dem Truppenübungsplatz Döberitz auf, wie der Zusatz z.Z. in Döberitz vermuten lässt.

Der Text ist wenig spektakulär:

Lieber Bruder! Teile Dir hierdurch mit, daß ich von meiner Übung befreit worden bin. Soll nächstes Jahr aber bestimmt üben. Viele Grüße v. d. Hochzeit Dein Bruder Heinrich

Grüße v. G. Bromann

H. Ellenberg

Mit frdl. Gruß d. W. Jordan

Wir erfahren, dass Heinrich von einer Militärübung befreit wurde und er sich am Absendetag auf einer Hochzeit in Tülau befand. Wer geheiratet hat, wissen wir bisher nicht.

Grüße an den Empfänger fügten noch G. Bromann (aus Altendorf), H. Ellenberg und W. Jordan hinzu.

Zu erwähnen ist noch, dass es sich um einen Soldatenbrief handelte, der nicht frankiert werden musste. Der Poststempel von Tülau-Fahrenhorst zeigt das Datum 17.6.08 3-4N. – die Postkarte wurde demnach nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr gestempelt und abgeschickt.

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