Ein Kaiser in Eile
Ende April 1376 steht Kaiser Karl IV. auf dem Markt von Tangermünde und will sofort aufs Pferd. Sein Gefolge kommt kaum hinterher, nur ein Diener bringt ihm seinen Zelter nach. Zwei Magdeburger, der Stadthauptmann Ludolf von Alvensleben und Mowe von Calbe, helfen ihm in den Sattel und halten den Steigbügel. Das Ziel des Ritts: Brome.
Die Szene steht in der Magdeburger Schöppenchronik. Sie ist die ausführlichste Nachricht über den Tag, an dem ein Kaiser nach Brome kam. 2026 jährt sich dieser Ritt zum 650. Mal.
Dieser Beitrag stellt den Quellentext mit einer neu durchgesehenen Übersetzung vor. Er datiert den Ritt genauer, als es bisher geschehen ist, und ordnet ihn in Karls Politik an der Westgrenze der Altmark ein. Er stützt sich dankbar auf die Vorarbeit von Dr. Johann Dietrich Bödeker, der die Quelle für die Bromer Geschichte erschlossen hat.
Kaiser Karl IV. und die Mark Brandenburg
Karl IV. erwarb die Mark Brandenburg 1373 im Vertrag von Fürstenwalde von den Wittelsbachern. Ihm ging es vor allem um die brandenburgische Kurstimme. Zusammen mit der böhmischen sollte sie die Wahl seines Sohnes Wenzel zum römisch-deutschen König sichern.
Im September 1373 zog Karl in die Burg Tangermünde ein und baute sie zu seiner märkischen Residenz aus. Der Ort war von Böhmen aus bequem auf der Elbe zu erreichen. Im Juni 1374 hielt er dort einen großen Hoftag ab, auf dem die Vereinigung der Mark mit der Krone Böhmen bestätigt wurde.
Danach ordnete Karl das Land. 1375 besuchte er Lübeck, als erster Herrscher seit Friedrich Barbarossa. Zugleich ließ er das Landbuch der Mark Brandenburg anlegen, eine Bestandsaufnahme von Burgen, Städten, Dörfern und Einnahmen. Am 10. Juni 1376 erreichte er sein Ziel: Die Kurfürsten wählten Wenzel in Frankfurt zum König, am 6. Juli wurde er in Aachen gekrönt. Der Ritt nach Brome fällt in die Wochen davor.
Brome vor 1376: eine umstrittene Grenzburg
Brome war eine welfische Grenzburg zwischen dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, der Mark Brandenburg und dem Erzstift Magdeburg. 1360 verpfändete Herzog Magnus von Braunschweig Burg und Ort an die von Bartensleben. Später saßen dort Angehörige der Familie von dem Knesebeck.
In Magdeburg hatte Brome einen schlechten Ruf. Vor der Fastenzeit 1367 nahm Ludolf von dem Knesebeck Magdeburger Bürgern Kaufmannsgut im Wert von rund 800 Mark ab und brachte es nach Brome. Er begründete das mit Schäden, die ihm Leute des Erzbischofs zugefügt hätten. Erst nach einer Belagerung der Burg seines Bruders und Verhandlungen in Oebisfelde gab er das Gut gegen 200 Mark zurück.
Das Landbuch von 1375 rechnet Brome bereits zur Altmark. In der Beschreibung der Mark heißt es, sie reiche nach Westen bis an das Herzogtum Braunschweig. Unter den Burgen werden genannt: die Wolfsburg im Besitz der von Bartensleben, Brome („Brumme“) und Knesebeck im Besitz der von dem Knesebeck. Karl beanspruchte Brome also schon, bevor er es kaufte.
Ob er sich dabei auf den Vorsfelder Vertrag von 1309 berief, in dem Brome an Brandenburg abgetreten worden war, ist möglich, aber nicht belegt. Offen bleibt auch, wie sich die Bartenslebener Pfandschaft von 1360 zum Besitz der Knesebecks verhielt, die das Landbuch nennt.
Die Quelle: der Ritt nach Brome in der Schöppenchronik
Die Magdeburger Schöppenchronik ist die Stadtchronik Magdeburgs, verfasst im Auftrag der Schöffen und fortgeführt bis ins 15. Jahrhundert. Der niederdeutsche Text folgt der Ausgabe von Karl Janicke (1869, S. 269 ff.) in der Wiedergabe bei Bödeker. Die hochdeutsche Übersetzung ist neu durchgesehen.
Die Klage des Bischofs
Na godes gebort 1300 und 76 jare achte dage na paschen, do kam keiser Karl to Tangermunde und leit wien sine capellen up dem hus. to der capellen wiinge quam de bischop van Magdeborch und sin ebbede und prelaten unde andere bischope und vele heren. Des sulven dages to deme etene stunt de bischop van Magdeborch up mang allen vorsten und heren und clagede dem keiser over de borger van Magdeborch, dat se om und sinem godeshuse deden grote gewalt, und wolde he on dar nicht over richten, se vordorften om sin godeshus al to malen.
Im Jahr 1376, acht Tage nach Ostern, kam Kaiser Karl nach Tangermünde und ließ seine Kapelle auf der Burg weihen. Zur Weihe kamen der Erzbischof von Magdeburg mit seinen Äbten und Prälaten, andere Bischöfe und viele Herren. Am selben Tag stand der Erzbischof beim Mahl unter allen Fürsten und Herren auf und verklagte die Magdeburger Bürger beim Kaiser: Sie täten ihm und seiner Kirche große Gewalt an. Wenn der Kaiser nicht darüber richte, würden sie sein Stift ganz zugrunde richten.
dar velen vele rede twischen, dar men nicht wares van schriven mochte. sunder de borger worden to rade dat se sik vorantworden wolden, und sanden dar Hansen van Evendorpe den borgermester und andere ut dem rade, als on gud duchte, und den schriver mede, und voren de Elve nedder und legen des nachtes to water an einen werdere mit den deneren.
Darüber wurde viel geredet, wovon man nichts Verlässliches schreiben kann. Die Bürger aber beschlossen, sich zu verantworten. Sie schickten den Bürgermeister Hans von Evendorp und andere Ratsherren, wie es ihnen gut schien, dazu den Stadtschreiber. Sie fuhren die Elbe hinab und lagen nachts mit ihren Dienern auf dem Wasser an einem Werder.
Der Brief des Kaisers
Karl van gots gnaden, romischer koning, to allen tiden merer des rikes und koning to Behmen, dem borgermestere und rad der stad to Magdeborch unsen und des rikes leven getruwen. uns heft vor gelecht de erwerdige Peter biscop to Magdeborch dat gi om in sines godeshuses vriheit und rechte gegrepen hebben und gi om rechtes dar umme weigert. dar umme begere wi und dunket uns ernstliken geraden sin dat gi to uns senden etlike ut dem rade up den negesten dinxdach. so wille wi versoken, eft wi ju gutliken konnen berichten. gegeven to Tangermunde ec.
Karl, von Gottes Gnaden römischer König, allzeit Mehrer des Reiches und König von Böhmen, an Bürgermeister und Rat der Stadt Magdeburg, unsere und des Reiches liebe Getreue. Der ehrwürdige Peter, Bischof zu Magdeburg, hat uns vorgetragen, ihr hättet in die Freiheit und die Rechte seiner Kirche eingegriffen und ihm deswegen das Recht verweigert. Darum begehren wir und halten es ernstlich für geraten, dass ihr uns zum nächsten Dienstag einige aus dem Rat schickt. Dann wollen wir versuchen, ob wir euch gütlich vergleichen können. Gegeben zu Tangermünde.
Der Aufbruch nach Brome
Also kemen unse ratmanne dar vor den keiser, . . . meinden se to gnaden. alse se ut der herberge gingen up den market, do quam on de keiser hastigen jegen up den market, also dat om lutting gut imant van manschop volgede, sunder ein de bracht om sin teldene pert na. do was dar rede bi unser stad hovetman, her Luder van Alvensleven, und Mowe van Calve, de des jares vor stadmester hadde wesen. de hulpen dem keiser up dat pert und heilden om den stegereip.
So kamen unsere Ratsherren vor den Kaiser, … in der Hoffnung auf seine Gnade. Als sie aus der Herberge auf den Markt gingen, kam ihnen der Kaiser eilig entgegen, so schnell, dass ihm kaum jemand von seinem Gefolge folgen konnte. Nur einer brachte ihm seinen Zelter nach. Sogleich waren unser Stadthauptmann, Herr Ludolf von Alvensleben, und Mowe von Calbe zur Stelle, der im Jahr zuvor Stadtmeister gewesen war. Sie halfen dem Kaiser aufs Pferd und hielten ihm den Steigbügel.
do sprak de keiser ‚wor sint de borger?‘ de hovetman sprak ‚se sint ein deil in der herberge.‘ ‚sendet nach on und segget on dat se uns volgen jegen Brome: dat hebbe wi rede inne‘, wente he hadde dat gededinget umme penninge und wolde dat hus entpfangen. dar na sede der hovetman ‚her keiser, wi sint to water komen und hebben hir neine perde.‘ do sprak de keiser, ‚sendet dar na: dat is mi wol to danke.‘
Da sprach der Kaiser: „Wo sind die Bürger?“ Der Hauptmann sagte: „Ein Teil ist in der Herberge.“ „Schickt nach ihnen und sagt ihnen, sie sollen uns nach Brome folgen. Das haben wir schon in der Hand.“ Denn er hatte es gegen Geld erhandelt und wollte die Burg übernehmen. Darauf sagte der Hauptmann: „Herr Kaiser, wir sind zu Wasser gekommen und haben hier keine Pferde.“ Der Kaiser sprach: „Schickt danach, das ist mir recht.“
alsus schreven se hinder sik an ore kumpane ut dem rade, dat se on verdige und vrische wepener senden to perde van stund an. und ein schutte kam mit dem breve spade hir in de stad, dat men de jungen knechte und borgerkinder bi nacht vorboden mosten. se worden reide ein michel deil und reden to Borch to und to Jerechow und quemen herliken to Tangermunde up de vere und hadden mit sik der stad spelelude, do se overvoren. dat sach de keiserinne ut einem venstere van dem huse und vornam dat dat ed de Magdeburgeschen weren. do enbod on de keiserinne wedder dat de keiser wedder queme van Brome.
So schrieben sie nach Hause an ihre Kollegen im Rat, man solle ihnen sofort gerüstete, frische Bewaffnete zu Pferd schicken. Ein Schütze kam mit dem Brief spät abends in die Stadt, so dass man die jungen Knechte und Bürgersöhne bei Nacht aufbieten musste. Ein großer Teil war rasch bereit. Sie ritten über Burg und Jerichow und kamen stattlich nach Tangermünde an die Fähre, die Spielleute der Stadt dabei, als sie übersetzten. Das sah die Kaiserin aus einem Fenster der Burg und erfuhr, dass es die Magdeburger waren. Da ließ sie ihnen sagen, der Kaiser komme schon wieder aus Brome zurück.
Der Empfang vor Tangermünde
Als de keiser vor Tangermunde vol na was, reden om de borger wol gewapent enjegen. do reit Hans van Evendorp und her Ludolf van Alvensleven unser stad hovetman dem keiser jegen ut dem hupen went an sinen wagen und spreken ‚here, her keiser, hir sint juwe deiner de borger van Magdeborch, de hedden ju gerne gevolget. nu seen se wol dat gi wedder keren.‘ de keiser sprak ‚ed hedde mi lef gewesen, und is uns wol to danke.‘
Als der Kaiser schon nahe vor Tangermünde war, ritten ihm die Bürger wohlbewaffnet entgegen. Hans von Evendorp und Herr Ludolf von Alvensleben, unser Stadthauptmann, ritten aus dem Haufen bis an seinen Wagen und sagten: „Herr Kaiser, hier sind Eure Diener, die Bürger von Magdeburg. Sie wären Euch gern gefolgt, nun sehen sie, dass Ihr zurückkehrt.“ Der Kaiser sprach: „Es wäre mir lieb gewesen, und es ist uns recht so.“
so leten unse borger den keiser vor hen teen in dat dor, und bischop Peter van Magdeborch was noch dar hindene und hadde wenich volkes, und unser borger hupe was vele groter. und als sin ding und der borger stunt in unvruntschop, so vrochte sik bischop Peter, doch leiten on de borger vor hen teen, und he neich on nicht und sloch sin hovet nedder und toch ok in de stad. unse borgere weren de lesten und quemen in or herberge und deden sik ut, und dat behagede den gemeinen luden uter mate wol.
Unsere Bürger ließen den Kaiser vorausziehen ins Tor. Bischof Peter von Magdeburg kam noch dahinter und hatte wenig Leute bei sich, der Haufe unserer Bürger war viel größer. Weil seine Sache und die der Bürger in Feindschaft standen, war Bischof Peter bange. Doch die Bürger ließen ihn vorbeiziehen. Er neigte sich nicht vor ihnen, senkte den Kopf und zog ebenfalls in die Stadt. Unsere Bürger kamen als Letzte, gingen in ihre Herberge und legten die Rüstung ab. Das gefiel den einfachen Leuten über die Maßen.
Der Ausgang
Des anderen dages, als de sondach bedagede, toch dat volk wedder to hus, und de borgermester mit den de ute dem rade weren bleven dar, de dar vorantwerden scholden de sake vor dem keiser, dar de bischop den borgeren umme tosprak. doch konden se de sake nicht entrichten twischen dem bischope und on, mer den borgeren wart ein utschrift der sake des biscopes: der artikele und stucke weren wol vertich. de copien brochten se to hus, und scheideden van dem keiser, also dat se sik under enander vormechtigeden, wenn dat he leddich were, so wolde he aver na on senden.
Am nächsten Tag, als der Sonntag anbrach, zog das Volk wieder heim. Der Bürgermeister und die Ratsherren blieben, um die Sache vor dem Kaiser zu verantworten, derentwegen der Bischof die Bürger verklagt hatte. Doch sie konnten den Streit zwischen dem Bischof und sich nicht beilegen. Vielmehr erhielten die Bürger eine Abschrift der bischöflichen Klage, es waren wohl vierzig Artikel und Punkte. Die Abschriften brachten sie nach Hause und schieden vom Kaiser mit der Abrede: Wenn er Zeit habe, wolle er wieder nach ihnen schicken.
Wann war der Kaiser in Brome?
Der Ritt lässt sich auf die letzte Aprilwoche 1376 eingrenzen, wahrscheinlich auf die Tage vom 22. bis 26. April. Bisher wurde er nur auf das Jahr datiert.
Ostern fiel 1376 auf den 13. April. „Acht Tage nach Ostern“ meint die Osteroktav, Sonntag, den 20. April. An diesem Tag wurde die Kapelle geweiht, und beim Festmahl klagte der Erzbischof. Der Kaiser bestellte die Ratsherren auf den „nächsten Dienstag“, also den 22. April.
Die Rückkehr aus Brome fiel auf den Tag vor einem Sonntag, denn „am nächsten Tag“ brach der Sonntag an. Das spricht für Samstag, den 26. April. Für gut 80 Kilometer pro Richtung und die Übergabe der Burg reichen vier Tage. Ganz ausschließen lässt sich eine Woche später nicht. Sicher ist: Der Ritt lag sechs Wochen vor der Königswahl Wenzels.
Was die Quelle über Brome verrät
Die Chronik erzählt den Ritt aus Magdeburger Sicht. Ihr eigentliches Thema ist der Streit zwischen der Stadt und Erzbischof Peter, einem Vertrauten Karls. Die Szenen sind darauf angelegt, die Bürger als kaisertreu und wehrhaft zu zeigen: der nächtliche Aufbruch, die Spielleute auf der Fähre, der Erzbischof mit wenig Leuten hinter dem großen Haufen der Bürger. Wahrscheinlich waren die Magdeburger auch deshalb so eifrig, weil sie den Kaiser für ihren Rechtsstreit günstig stimmen wollten.
Für Brome liefert der Text trotzdem drei feste Angaben:
- Karl hatte die Burg vorher gegen Geld erworben („gededinget umme penninge“).
- Er kam persönlich, um sie zu übernehmen („wolde dat hus entpfangen“).
- Er brach so eilig auf, dass ihm sein Gefolge kaum folgen konnte. Die Magdeburger erreichten Brome nie, der Kaiser war schon auf dem Rückweg.
Einen Beiklang hat die Szene für Bromer Leser: Ausgerechnet die Magdeburger wollten den Kaiser nach Brome begleiten. Neun Jahre zuvor war ihr Kaufmannsgut genau dorthin verschleppt worden.
Zur Übersetzung
An zwei Stellen weicht die Übersetzung von Bödeker ab. „Dat hebbe wi rede inne“ gibt Bödeker mit „das haben wir rasch inne“ wieder. Rede heißt im Mittelniederdeutschen aber meist „bereits“, und die Begründung des Chronisten passt dazu: Der Kaiser hatte Brome schon gekauft. Bei „vrochte sik bischop Peter“ steht bei Bödeker „ärgerte sich“. Das Verb vruchten bedeutet jedoch „fürchten“, der Erzbischof war angesichts der bewaffneten Bürger also eher besorgt.
Brome als Teil der Mark Brandenburg 1376-1377
Brome war kein Einzelkauf. Es war der Anfang einer Reihe von Rückkäufen, mit denen Karl die Westgrenze der Altmark sicherte. Das Landbuch und die Schöppenchronik nennen weitere Fälle:
- Um den 18. Oktober 1376 löste Karl den Elbzoll von Schnackenburg von den von der Schulenburg ein.
- Kurz vor Martini 1376 kaufte er die verpfändete Burg Altenhausen zurück und schlug sie der Mark zu.
- In Salzwedel löste er Einkünfte von Gerhard von Alvensleben und Friedrich von Wustrow aus.
In denselben Zusammenhang gehört ein Feldzug, den die Schöppenchronik schildert. Karl zog vor die Burgen Pretzetze bei Dannenberg und Hitzacker, die vom Sachsen-Lauenburger Herzog Erich gehalten wurden. Magdeburg schickte den Stadthauptmann, 20 Schützen und seine Büchsen. Pretzetze brannte am dritten Tag nieder, Hitzacker hielt stand. Bödeker setzt den Zug direkt nach dem Bromer Besuch an. Die Chronik sagt aber nur „unterdessen“. Wegen der Nähe zu Schnackenburg kommt auch der Herbst 1376 in Frage.
Wie Brome danach verwaltet wurde, zeigt eine Verfügung des Kaisers, die dem Landbuch vorangestellt ist. Die Dispositio castrorum ist datiert auf den Dienstag nach dem Luciatag 1377, also den 15. Dezember 1377 (Bödeker: 13. Dezember). Sie verteilt die märkischen Burgen auf Amtleute und legt deren Bezüge fest.
Brome erscheint dort als „Brume cum suis pertinenciis“, Brome mit seinem Zubehör. Es bildet zusammen mit Gardelegen und Salzwedel eine Gruppe, die einem Amtmann namens Scriberstorff zugeordnet ist. Er erhielt daraus 130 Schock Groschen, die gesamten Einkünfte schätzte der Schreiber auf 160 Schock. Brome war damit Teil eines Verwaltungsbezirks an der Westgrenze der Altmark. Name und Umfang der Gruppe sind noch zu prüfen.
Das Ende der brandenburgischen Zeit
Bromes Zugehörigkeit zur Mark Brandenburg dauerte höchstens neun Jahre. Karl IV. starb am 29. November 1378. Sein Sohn Wenzel überließ die Mark seinem Bruder Sigismund, der sich kaum um sie kümmerte und sie 1388 an Jost von Mähren verpfändete. Ritter und Städte fehdeten nach Belieben, die landesherrliche Ordnung zerfiel.
Im Herbst 1383 und Frühjahr 1384 lag Brome im Kampfgebiet eines Grenzkriegs zwischen dem Lüneburger Herzog Albrecht und der Altmark. Die Rechnung des Vogts auf Schloss Bodenteich nennt Boten nach Salzwedel, Brome und Beetzendorf. Sie verzeichnet auch 12 Mark, die „ein Mann aus Brome“ zahlte, vielleicht ein Lösegeld. Wer die Burg in diesen Monaten hielt, geht daraus nicht hervor.
Spätestens 1385 war Brome wieder lüneburgisch. Nach Bödeker belegt eine Urkunde vom 13. Juni 1385, dass die Lüneburger Herzöge Brome an die Stadt Lüneburg verpfändet hatten. Andere Darstellungen nennen spätere Daten für den Übergang an Lüneburg, darunter 1428 und eine Pfandschaft der Stadt von 1438 bis 1489. Vermutlich folgten mehrere Verpfändungen aufeinander, das wäre an den Urkunden zu klären.
Zeittafel
| Datum | Ereignis |
| 13. Juni 1385 | Brome als lüneburgisches Pfand der Stadt Lüneburg belegt |
| 1383–1384 | Brome im Grenzkrieg zwischen Lüneburg und der Altmark |
| 29. November 1378 | Tod Karls IV. |
| 15. Dezember 1377 | Dispositio castrorum: Brome mit Gardelegen und Salzwedel einem Amtmann unterstellt |
| Oktober/November 1376 | Rückkäufe von Schnackenburg und Altenhausen |
| 10. Juni 1376 | Wahl Wenzels zum römisch-deutschen König |
| um 22.–26. April 1376 | Ritt Karls IV. nach Brome und Übernahme der Burg |
| 20. April 1376 | Kapellenweihe in Tangermünde, Klage des Magdeburger Erzbischofs |
| 1375 | Landbuch rechnet Brome zur Altmark |
| 1373 | Karl IV. erwirbt die Mark Brandenburg |
| vor Fastnacht 1367 | Ludolf von dem Knesebeck verschleppt Magdeburger Kaufmannsgut nach Brome |
| 1360 | Verpfändung von Burg und Ort an die von Bartensleben |
Spuren in Prag
In Prag, Karls Residenzstadt, sind der Kaiser und der Sohn, für den er die Mark erwarb, bis heute gegenwärtig. Die eindrücklichste Darstellung beider entstand nur wenige Jahre nach dem Ritt nach Brome.

Wenzel ist hier als König dargestellt. Genau diese Königswürde hatte Karl im Juni 1376 mit Hilfe der brandenburgischen Kurstimme gesichert, wenige Wochen nach seinem Besuch in Brome.



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