Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Autor: Jens Winter (Seite 18 von 31)

Ein Radio in Brome (1929)

Über die Benutzung von Elektrogräten in Bromer Privathaushalten vor dem 2. Weltkrieg ist bisher nur sehr wenig bekannt. Hier stellen wir nun eine Gebührenzettel über Rundfunkgebühren aus dem Jahr 1929 vor, der uns einige Details verrät.

Empfangsschein über Rundfunkgebühren vom 4. November 1929

Der in unserem Archiv vorliegende Empfangsschein für Rundfunkgebühren über 2 Reichsmark (RM) wurde am 3. November 1929 von Kölling unterzeichnet. Die Gebühren wurden damals beim jeweiligen Postamt bezahlt, in unserem Fall im Postamt Brome, wie oben links zu lesen ist. Damals arbeitete Erich Kölling als Postangestellter bei der hiesigen Post, wie wir aus der Bromer Häuserchronik erfahren. Kölling bewohnte das Haus Salzwedeler Str. 18.

Oben auf dem Gebührenzettel ist mit Bleistift Folgendes geschrieben: Busse Brome. Hierbei handelt es sich wohl um den Gebührenzahler.

Die Familie Busse war sehr technikaffin, den beiden Söhne des Bromer Klempners Ferdinand Busse (1863-1939) waren u.a. Elektriker. Sie hießen August und Ferdinand Busse. August Busse (Putti) führte die Klempnerei seines Vaters fort, aber sein Angebot umfasste auch Brunnenbau, Elektro-Installationen sowie Beregnungsanlagen mit Firmensitz Braunschweiger Str. 15 in seinem Elternhaus. Sein Bruder Ferdinand (Bussen Nante) war Elektromeister mit Firmensitz Bahnhofstr. 83.

Für welchen dieser drei Männer aus der Busse-Familie dieser Gebührenzettel nun ausgestellt wurde, ist nicht bekannt. Fest steht, dass Radios auch Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts noch nicht in jedem Haushalt verbreitet waren und somit ein Luxusgut darstellten.

Zur Geschichte der Rundfunkgebühren

Die erste Sendegesellschaft in Berlin nahm am 23. Oktober 1923 ihren Betrieb auf. Zum Jahresende 1923 gab es dann laut Wikipedia 467 zahlende Zuhörer. Zahlen musste jeder, der einen Radioempfänger besaß! Die Jahresgebürh wurde damals auf 25 Mark festgelegt. Schwarzhörer wurden mit Geldstrafen bis hin zu Gefängnisstrafen bestraft. Im Jahr 1924 wurde dann die Gebühr auf 2 Reichsmark monatlich festgelegt. Zum Jahresende 1924 hatten sich 548.749 Teilnehmer angemeldet. Im Dezember 1926 waren bereits 1,3 Millionen Hörer gemeldet.

Laut Gebührenzettel aus dem Jahr 1929 wurden in dem Jahr immer noch 2 RM monatlich als Rundfunkgebühr fällig. Der Rundfunkbeitrag war also zwischen 1924 und 1929 stabil und wurde nicht erhöht.

Altmärkische Lehranstalt für Landwirtschaft etc. zu Klötze – Winter-Semester 1907/08

Foto in der Wassermühle in Wiepke (Altmarkkreis Salzwedel)

In der Wassermühle in Wiepke (Altmarkkreis Salzwedel) hängt dieses gerahmte Foto, das den Titel „Altmärkische Lehranstalt für Landwirtschaft etc. zu Klötze – Wintersemester 1907/08“ trägt. Diese Fotografie ist ein Glücksfall für die Heimatgeschichte, denn unter dem Bild sind die Familiennamen der abgebildeten Personen aufgedruckt. Beim Lesen dieser Namen erfahren wir, dass auch Schüler aus dem Raum Brome diese Lehranstalt im benachbarten Klötze damals besucht haben.

In der hintersten Reihe als 5. von links steht Lüthe aus Zicherie, in der 1. Reihe der stehenden Schüler ist als 6. von links Reichardt aus Parsau zu sehen. In der vorletzten hinteren Reihe ist der 6. von rechts Müller aus Voitze (neben der Fahne).

Digitales Archiv des MHV Brome

Der Museums- und Heimatverein Brome e.V. ist immer auf der Suche nach neuen Archivalien für seine Sammlung zur Heimatgeschichte der Samtgemeinde Brome. In Zeiten der Digitalisierung freuen wir uns nicht nur über Originale, sondern auch über Scans und digitale Fotos, die wir dann für die Nachwelt archivieren. Unser digitales Brome-Archiv umfasst mittlerweile mehrere tausend Seiten an digitalisierten Akten und Urkunden und hunderten von digitalisierten Fotos. Wir sind immer auf der Suche nach neuen historischen Archivalien. Helfen Sie mit und erweitern Sie unser Archiv!

Adolf Falke (1888-1958) – Ein gebürtiger Bromer machte als Architekt Karriere in Hannover

Adolf Falke wurde am 28 Januar 1888 in Brome geboren. Sein Vater war der Maurermeiste rund Architekt Friedrich Falke (1850-1921), seine Mutter Julie Falke, geb. Eggerding (1853-1923). Zuerst wohnte die Familie am Junkerende 4, später dann in der Braunschweiger Str. 6. Im Jahr 1896 errichtete sein Vater ein Backsteinhaus mit prächtigem Treppengiebel in der Braunschweiger Str. 3.

Zunächst besuchte Adolf Falke die Schule in Brome, die sich in dem 1852 neu gebauten Gebäude rechts der Liebfrauenkirche befand. Sein Lehrer, der Kantor Georg Lindwedel (1846-1906) ermöglichte ihm den Wechsel an ein Gymnasium. Adolf Falke legte dann im Jahr 1910 im Alter von 22 Jahren sein Abitur an der Leibniz-Schule in Hannover ab. Anschließend nahm er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Hannover auf.

Da Adolf Falke mit acht Jahren an Kinderlähmung erkrankt war, wurde er aufgrund seines einen verkürzten Beines nicht als Soldat in den 1. Weltkrieg eingezogen. Er arbeitete nach seinem Studienabschluss als Architekt in Hannover. Im Jahr 1926 ging er als Sieger aus dem Wettbewerb „Aufstellung einer Normalzeituhr im öffentlichen Raum“ hervor. Dies ist die Geburtsstunde der sogenannten Falke-Uhren, die noch heute in Hannover stehen. Ursprünglich wurden davon in Hannover 20 Exemplare aufgestellt. Heute sind noch neun erhalten, die alle unter Denkmalschutz stehen.

Weitere wichtige Bauwerke Falkes waren z.B. die Bahlsen-Verkaufsstelle auf dem Kurfürstendamm in Berlin (1926), Liststadt in Hannover, eine Wohnsiedlung mit Künstlerateliers (1929-1931) sowie das Haus Hannoversche Presse (1957) ebenfalls in Hannover.

Adolf Falke starb am 6. Juni 1958 in Hannover.

Weitere Informationen zu Adolf Falke sind hier zu finden:

https://www.myheimat.de/hannover-mitte/kultur/adolf-falke-architekt-aus-leidenschaft-d2754495.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Falke

https://de.wikipedia.org/wiki/Falke-Uhr

Weihnachten 1917

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Fotoapparate in Privathaushalten noch nicht sehr verbreitet. Erst nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Fotografie zu einem Massenphänomen.

In der Familie von Klempner Ferdinand Busse sen. gab es bereits zur Zeit des 1. Weltkrieges einen Fotoapparat. Deshalb sind auch einzigartige Familienfotos erhalten, u.a. zahlreiche datierte und undatierte Weihnachtsaufnahmen. Hier zu sehen ist eine Aufnahme von Weihnachten 1917:

Rechts am Rand steht Elektrikermeister Ferdinand Busse jun., der zweite von links ist sein Vater Klempner Ferdinand Busse sen. In der Mitte hinten steht vermutlich August Busse, der Bruder des Elektrikermeisters Ferdinand Busse. Die anderen Personen konnten bisher nicht identifiziert werden.

Rechts auf einem Tisch steht der Weihnachtsbaum, der in einem Baumständer steht, der mit einem Schlüssel aufgezogen werden konnte und sich dann dreht. Geschmückt ist der Baum mit echten Kerzen, Ketten, Lametta, Kugeln und Vögeln.

Skandal in Brome – Schuhmacher Carl Kölling beleidigt den Bromer Gemeinderat (Silvester 1928)

Am Silvesterabend 1928 ereignete sich in Brome ein großer Skandal: Der Bromer Schuhmacher Carl Kölling soll in der Schmalzeschen Gastwirtschaft (Gasthaus Schmidt) den Bromer Gemeinderat beleidigt haben, indem er wiederholt laut rief: „Die Gemeindevertreter sind Gemeindeverräter.“

Bereits in der Ratssitzung am 3. Januar 1929 war diese Beleidigung Thema. Dazu heißt es im Protokoll:

Punkt 7. [Verschiedenes] b) Ernst Eicke trug vor, daß der Schuhmacher Carl Kölling am Sylvester Abend in der Schmalzeschen Gaststube den gesamten Fleckensausschuß in schwächlichster Weise beleidigt hätte, indem er wiederholt laut gerufen habe: Die Gemeindevertreter sind Gemeindeverräter. Der Fleckensausschuß beschließt einstimmig, gegen Kölling Strafantrag zu stellen.

Der Gemeinderat ergriff also Maßnahmen gegen Carl Kölling, indem er Strafantrag gegen denselben stellte. Es wurde ein Termin beim Schiedsmann vereinbart, bei dem Kölling seine Tat allerdings bestritt. Der Termin war also aus Sicht des Gemeinderates nicht erfolgreich. Dazu heißt es im Protokoll des Gemeinderates vom 22. Januar 1929:

zu Punkt 2. Gegen Kölling soll, da der erste Termin durch Köllings [Be]streiten den Gemeindeausschuß nicht beleidigt zu haben, negativ verlaufen ist, nochmals Termin beim Schiedsamt beantragt werden, als Zeugen meldeten sich freiwillig Ernst Eicke und Friedrich Beinhorn.

Kölling habe sich wenig später dann erboten, 10 Mark an die Kasse der Freiwilligen Feuerwehr zu zahlen und die anderen Kosten zu übernehmen, um sich so den zweiten Termin beim Schiedsmann zu ersparen. Dazu heißt es im Protokoll 1. Februar 1929:

zu Punkt 2. Der Fall Kölling wurde wie folgt zur Kenntnis genommen. Der Bürgermeister teilte mit, daß Kölling zum Bürgermeisteramt gekommen sei, habe sich erboten, die bisher entstandenen Kosten zu übernehmen und außerdem 10 M an die Kasse der freiwilligen Feuerwehr zu zahlen und somit sich den zweiten Termin [beim Schiedsamt] zu ersparen. Die Verpflichtung sei Kölling nachgekommen, die Sache ist somit erledigt.

Die Sache war damit erledigt. Das Thema wurde in den Ratssitzungen nicht wieder aufgegriffen.

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