Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Kategorie: Flecken Brome (Seite 25 von 26)

Über die Brauerei Friedrich Schäfer in Brome

Biographie Friedrich Schäfer sen.

Carl Friedrich Eduard Schäfer wurde am 20. September 1842 in Brome geboren. Insgesamt sind nur spärlich Angaben zu seinem Lebenslauf überliefert, so dass es schwer ist, einen ausführlichen Lebenslauf zu verfassen. Die Eltern von Friedrich Schäfer betrieben in Brome eine Landwirtschaft. Ihnen gehörte die Hofstelle, die heute die Adresse Hauptstraße 25 trägt. Als Friedrich 9 ¼ Jahre alt war, verstarb sein Vater. Von ihm erbte er eine landwirtschaftliche Fläche von etwas mehr als 35 Hektar, wobei es sich hierbei meistens um schlechten Sandboden und Heide handelte. Bereits in den letzten Lebensjahren seines Vaters wurde dieser Acker aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes nicht mehr selbst bewirtschaftet und deshalb wurde das Land verpachtet. Friedrich lernte dann zunächst den Beruf des Klempners. Mit 24 Jahre, also ca. 1866, etablierte er sich auf seiner Hofstelle als Klempner. Im Jahr 1870 heiratete er Caroline Schäfer, geb. Munstermann aus Heisede bei Hildesheim. Im gleichen Jahr brach er das alte Schäfersche Haus ab und errichtete ein massives zweistöckiges Gebäude mit Stallungen und Scheune.

Irgendwann wurde die Schreibung des Namens Schäfer in Schaefer umgeändert. Wann genau, ist leider bisher nicht bekannt. Allerdings hat sich Friedrich Schäfer sen. auch in seinem Buch „Deutschlands Boden nährt und alle“ mit „ä“ geschrieben. Möglicherweise hat sein Sohn Friedrich die Schreibweise geändert. Auf den Postkarten unten ist der Name bereits mit „ae“ geschrieben.

Ton- und Glasflaschen der Brauerei Schaefer (Foto: Detlev E. Deipenau)

Bau der Gastwirtschaft „Zum Ausspann“

Im Jahr 1876 ereignete sich in Brome ein großer Brand und Friedrich Schaefer kaufte das abgebrannte Haus mit der heutigen Adresse Hauptstraße 26, um dort ein zweistöckiges massives Wohnhaus mit Gastwirtschaft „Zum Ausspann“ zu errichten – das spätere Hotel „Goldener Löwe“, das sich heute in einem äußerst desolaten Zustand befindet. Aus den Gemeindeprotokolle ist zu entnehmen, dass Schäfer im Jahr 1882 einen Antrag zur Erteilung der Konzession zu einer Schankwirtschaft gestellt hat. Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass Schäfer damals bereits Klempner und Brauer war. Wie genau er Brauer geworden ist, konnte bisher nicht ermittelt werden. Womöglich hatte er einen Brauer in seiner Brauerei angestellt, denn die Brauerei existierte im Jahr 1882 bereits. Es wurde dort damals Braunbier gebraut. Das Gebäude der Brauerei existiert heute noch und liegt hinter dem ehemaligen Schäferschen Haus (heute Hauptstr. 25) zwischen den beiden Ohreläufen.

Die Konzession wurde ihm von Amtswegen nicht erteilt und auch der Bromer Gemeinderat erkannte auf seinen Sitzungen vom 24 Juli 1882 und 14. November 1882 kein Bedürfnis für eine weitere Schankwirtschaft in Brome. Allerdings änderte sich die Meinung des Gemeinderates zwei Jahre später in der Sitzung vom 29. November 1884. Die Bedürfnisfrage wurde nun nur noch von zwei Ratsmitgliedern verneint, von 12 dagegen bejaht, so dass der Konzessionierung dann nichts mehr im Wege stand.

Übergabe an die nächste Generation

Friedrich Schäfer sen. übergab 1898 seinen Hof und die Brauerei an seinen ältesten Sohn Friedrich (*1874 †1931).  Friedrich sen. hatte in Bayern Bierbrauer gelernt, jedoch hatte er bei der Lehre einen schweren Unfall erlitten, so dass er armbehindert am 1. Weltkrieg nicht teilnehmen konnte.

Wann genau das Brauen in der Brauerei Schaefer eingestellt wurde, ist bisher nicht bekannt. Es ist zu vermuten, dass der Braubetrieb ungefähr zu Beginn des 1. Weltkrieges eingestellt wurde. Das Bier wurde sowohl in Tonflaschen, die vermutlich in Bromer Ziegelei gebrannt wurden, als auch in Glasflaschen verkauft. Heute zeugen nur noch einige erhaltene Bierflaschen und Postkarten von der Existenz dieser Bromer Brauerei.

Postkarte um 1900. Oben in der Mitte die Brauerei Schaefer, unten links die Gastwirtschaft "Zum Ausspann", unten rechts die Ziegelei Schaefer auf dem Sandberg
Postkarte von 1910. Oben links die Brauerei Schäfer (Mit falscher Beschriftung!), rechts Gastwirtschaft "Zum Ausspann"

Weitere Informationen zu Friedrich Schäfer sen. gibt es in dem Heft „Deutschlands Boden nährt uns alle“ zu lesen. Darin sind alle Texte veröffentlicht, die von Friedrich Schäfer sen. überliefert sind. Es ist 2017 beim MHV Brome erschienen und kann für 6,00 € beim MHV Brome bestellt oder im Museum Burg Brome erworben werden.

1853 – Brome wird an die Straße Salzwedel-Braunschweig angeschlossen

Brome war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht an das bedeutende überregionale Handelswegenetz angeschlossen, denn der damals noch unbefestigte Handelsweg von Salzwedel nach Braunschweig verlief nicht über Brome, vielmehr machte der Weg um Brome einen Bogen. Von Mellin führte der Weg direkt nach Steimke. Von Steimke aus dann nördlich der Ziegelei Groth vorbei an Brome, dann weiter zum Gerichtsfeld Richtung Croya.

Zu der Zeit war Deutschland auch kein vereinter Staat, vielmehr bestand das Gebiet des heutigen Bundesrepublik Deutschland aus zahlreichen Einzelstaaten mit unterschiedlichen Währungen und Maßeinheiten. So gehörte Brome damals zum Königreich Hannover, die benachbarten Orte Mellin und Steimke dagegen zum Königreich Preußen. Zwar wurde bereits im Jahr 1833 der Deutsche Zollverein gegründet, jedoch trat Hannover diesem erst 1854 bei. Der Flecken Brome war damals von Norden, Osten und Süden durch die Landesgrenze von den preußischen Nachbardörfern getrennt. Vor dem Beitritt Hannovers zum Deutschen Zollverein blühte das Schmuggelgeschäft in Brome (Blogeinträge zum Schmuggel in Brome werden folgen!).

Im Jahr 1853 verfasste der Königliche Landrat zu Salzwedel einen Brief an die hannoverschen Behörden, in dem er den Bau einer Straße von Mellin über Brome in nicht allzu ferner Zukunft sieht. Er schreibt: „Ich glaube indessen, da die Strecke über Brome nicht neu ist und die fallenden Zollschranken die beiden benachbarten Länder noch näher verbinden werden, daß man hier dem Plan nicht entgegentreten wird, über Brome zu bauen“. Bereits im Jahr 1853 plante das Königreich Preußen nämlich eine befestigte Straße von Salzwedel nach Braunschweig zu bauen, die über die Dörfer Rohrberg, Ahlum, Mellin und Steimke führen sollte – also an Brome vorbei.

Der damalige Bromer Bürgermeister Friedrich Stampehl setzte sich, als dieser preußische Plan öffentlich wurde, für den Bau der Straße über den Flecken Brome ein. Er begründete dies mit dem deutlich kürzeren und damit kostengünstigeren Streckenbau als über Steimke. Zum anderen sprach Stampehl auch das Problem des Postweges von Salzwedel nach Braunschweig an, denn damals wurde überlegt, die Poststation in Steimke zu schließen, die auch von sehr vielen Bromern genutzt wurde. Stampehl schreibt in seinem Brief an die Postdirektion zu Salzwedel hoffnungsvoll,  dass die Post gewiss genauso viel genutzt werde, wenn die Post statt über Steimke durch Brome ginge.  

Weder die preußischen, noch die hannoverschen Behörden hatten etwas gegen den Straßenbau über Brome einzuwenden. Die preußischen Behörden stellten allerdings die Bedingung, dass die Straßen auf hannoverschem Gebiet vollkommen ausgebaut werden müssen, damit der durchgehende Verkehr nach Braunschweig gewährleistet sei. Andernfalls wollten sie doch über Steimke bauen. Noch im Jahr 1853  stimmten die beiden Kreistage in Salzwedel und Isenhagen der Streckenführung über Brome zu. Sowohl der Isenhagener Kreistag als auch der Bromer Bürgermeister Stampehl erklärten sich bereit, den Straßenbau ab Mellin – also sogar auf preußischem Territorium – auszuführen. Dies zeigt deutlich die Wichtigkeit, die der Straßenbau damals für den Flecken Brome hatte. Im gleichen Jahr wurde dann auch mit dem Bau begonnen. Die Bromer Bürger mussten damals in Hand- und Spanndiensten beim Bau der Straße mithelfen. Für einen Tag Handdienst wurden sie mit 8 Groschen entschädigt, für einen Tag Spanndienst mit einem Thaler.

Die Hauptverkehrsstraße, die heutige B248, wurde also erst 1853 ausgebaut und durch den Flecken Brome geführt. Bereits Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, also rund 70 Jahre nach dem Bau, sorgte der viele durchgehende Verkehr dafür, dass eine Umgehungsstraße geplant wurde. Doch diese Geschichte werden wir in einem folgenden Blogeintrag beleuchten.

Zur Hinrichtung des Diebes Jürgen Wend 1596 in Brome

Französischer Kupferstich aus dem Jahr 1703. Zu sehen sind verschiedene Hinrichtungsarten: Köpfen, Erhängen, Rädern sowie Verbrennen. (Quelle: Sammlung Jens Winter)

Im Jahre 1596 wurde hier in Brome der Dieb Jürgen Wend hingerichtet. Was genau zu seiner Verurteilung geführt hat, wissen wir nicht. Das Urteil selbst liegt nicht vor, dagegen aber die Abrechnung über die Gerichtskosten. Darin sind auch die Kosten für die Vollstreckung aufgeführt. Aus dieser Rechnung geht hervor, dass das Urteil auch nicht am Bromer Gericht gefällt wurde, vielmehr wurde es in Helmstedt gefällt, vermutlich handelt es sich um ein Rechtsgutachten von der damals noch bestehenden Universität Helmstedt. Woher der Scharfrichter kam, ist nicht bekannt. Einen hier in Brome ansässigen Scharfrichter hat es vermutlich nicht gegeben. Eventuell kam dieser aus Gifhorn oder Celle nach Brome. Klar ist, dass der Verurteilte vor der eigentlichen Vollstreckung der Todesstrafe, in einer Tortur (der Folter) gequält wurde. Diese wurde vermutlich am hiesigen Gerichtsort, der Burg Brome, vollzogen. Anschließend wurde er dann vom Scharfrichter und seinen Knechten von der Burg zum Richtplatz gebracht. Vermutlich wurde er in Ketten geführt, denn in der Rechnung wird eine Diebeskette genannt. Eventuell wurde er auch daran am Galgen aufgehängt. Für Diebstahl wurde die Hinrichtung gewöhnlich durch Erhängen am Galgen vollstreckt. Der Scharfrichter bekam als Entlohnung 5 Thaler und zusätzlich für die Folter 1 1/2 Thaler 6 Groschen. Dazu wurden ihm auch noch zwei Mahlzeiten in einer hiesigen Gastwirtschaft mit insgesamt 3 Thalern 3 Pfennigen bezahlt. Der Knecht des Scharfrichters bekam 1 Thaler und für die Folter 8 Pfenning.

Begleichen mussten die Gesamtausgaben für das Urteil und die Vollstreckung in Höhe von 18 1/2 Thalern und 13 Pfenningen die 69 Männer aus den Orten Brome, Altendorf, Nettgau, Benitz, Zicherie und Boldam. Mit Männern sind die damaligen Hausbesitzer gemeint, so dass es in den genannten Orten insgesamt 69 Häuser gab.

Auch für die Errichtung und Instandhaltung des Galgens wurden die Bürger zur Bezahlung herangezogen. Manchmal musste sie auch bei der Errichtung des Gagens helfen. Der Richtplatz und jede Urteilsvollstreckung verursachten also für die hiesigen Bürger erheblich Kosten, die sie begleichen mussten.

Der Bromer Galgen

Bisher ist nicht allzuviel bekannt über den Bromer Galgen und vollstreckte Todesurteile im Gericht Brome. Sicher ist, dass der Bromer Galgen dort gestanden hat, wo die heutige Bundesstraße B244 von den Einkaufsmärkten kommend in Richtung Zicherie eine Linkskurve macht. Das dortige Flurstück wird auch heute noch als Gerichtsfeld bezeichnet. Ob der Galgen nun links oder rechts der heutige Straße befunden hat, ist nicht sicher.

In den historischen Akten zur Bromer Geschichte sind allerdings Hinrichtungen am Bromer Galgen zu finden. So wurde 1596 Jürgen Wendt wegen Diebstahls gehenkt. Aus dem gleichen Grund wurde 1602 auch der „Blinde Peter“ hingerichtet. Im Januar 1696 wurde dann ein namentlich nicht bekannter Bromer Bürger hingerichtet, der seine Frau mit dem Dreschflegel erschlagen hatte. Im Oktober 1696 dann der abgesetzte Küster aus Tylsen bei Salzwedel, der hier in Brome festgenommen und wegen seiner zahlreichen Delikte hingerichtet wurde.

Eine andere Art der peinlichen Strafen wurde am Bromer Galgen im Jahr 1677 vollstreckt. Eine namentlich unbekannte Frau wurde wegen uns nicht überlieferter Vergehen ohne Staupenschlag aus Brome verwiesen. Sie durfte also auf Lebzeit nicht mehr nach Brome kommen. Einen Staupenschlag kann man sich als Auspeitschung vorstellen. Diese Bestrafung war besonders entehrend, weil der Verurteilte ja durch die Peitsche indirekt in Berührung kam mit dem Scharfrichter. Die hier verurteilte Frau hatte also Glück, dass nicht zum Staupenschlag verurteilt wurde. Sie wurde durch ihre Strafe also nicht entehrt. Und auch die Schmerzen wurde ich natürlich erspart

Einen hier vor Ort lebenden Scharfrichter gab es allerdings nicht in Brome. Vielmehr wurde ein Scharfrichter aus einem anderen Ort geholt, um hier die Urteile zu vollstrecken. Woher genau, ist bisher nicht bekannt.

Auf mehreren historischen Karten ist der Bromer Galgen abgebildet. Als Beispiel sei hier nur die Karte von Strauß aus dem Jahr 1688 gezeigt. Das Original der Karte befindet sich im Hauptstaatsarchiv Hannover. Eine digitale Kopie ist im Archiv des MHV Brome zu bewundern.

Karte von Strauß (1688) - Links der Ort Brome, rechts am Weg Richtung Zicherie steht der Galgen. Vorsicht: Die Karte ist nicht eingenordet!

Bierbrauen in Brome

Erste urkundliche Erwähnung der Brauerei 1548

Die erste urkundliche Erwähnung des Bierbrauens im Flecken Brome findet sich im Vertrag über den Verkauf des Gutes Brome aus dem Jahr 1548. Damals verkaufte Fritz von der Schulenburg das Gut Brome an Christof von dem Knesebeck. In diesem Vertrag ist auch das Brauwesen, dass jährlich 100 Gulden Gewinn erwirtschaftete, erwähnt. Dazu heißt es: „Item die Brauwende, so mann op de Kröge browen will, kann mann wohl to dem wenigsten 100 Gulden des Jahrs veröwern und seinen freyen Druncke, so mann gelick Gersten und Hoppen kofft.“ Eine besondere Schwierigkeit für das Betreiben einer Brauerei in Brome lag darin, dass Gerste und Hopfen dazugekauft werden mussten. Denn besonders Gerste wurde nur in geringem Umfang auf dem Gut Brome angebaut. Dadurch waren die Herstellungskosten immer einem besonderen Druck ausgesetzt. Das war auch der Grund dafür, dass die von dem Knesebeck das Brauen nicht im großen Umfang betrieben haben, wie Hans Piper, der 70jährige Bromer Schweinehirte, im Jahr 1606 aussagte: „Die von Knesebeck hetten das Brauwerck nicht so starck treiben können, weil sie keinen fremden Gersten, besonders ihren Gersten, den sie alhier beym Hause gebauet, verbrauen.“ Wenn aber Gerste geerntet wurde, dann wurde das Bromer Bier auch von den drei Krügen im Flecken ausgeschenkt, so Piper. Ansonsten gab in den hiesigen Krügen Gardelegener oder Salzwedeler Bier.

Übernahme der Burg Brome durch die von Bartensleben 1584

Als die von Bartensleben die Burg Brome im Jahr 1584 von Jobst von dem Knesebeck erworben hatten, wurden ihnen laut Kaufvertrag auch die Braupfannen und anderen Braugeräte mit verkauft. Die von Bartensleben begannen sofort nach Erwerb mit dem Wiederaufbau der Burg Brome. Auch eine neue Brauerei wurde links im Erdgeschoss des Westflügels eingerichtet. Der noch heute erhaltene Kellerberg diente als Bierlager. Die Burg Brome diente nicht so sehr repräsentativen, als vielmehr wirtschaftlichen Zwecken.  Vor allem für die Pächter der Burg und des Gutes Brome war die Brauerei als zusätzliche Einnahmequelle sehr interessant. Hans Piper berichtet, dass Detmar Knorre, erster Pächter und Gerichtsschreiber unter denen von Bartensleben, das Brauwesen wieder in größerem Umfang betrieben hatte. Im Jahr 1594 erwarb er sogar einen der drei Bromer Krüge, nämlich den von Jürgen Allerstein, für einen Kaufpreis von 270 Thalern. Es scheint so, als ob er nur bis 1594 als Pächter  und Gerichtsschreiber tätig war und sich dann als Krüger in Brome niedergelassen hat. Wie lange er in Brome genau gelebt hat, ist aus den vorliegenden Quellen leider nicht zu erfahren. Wahrscheinlich ist er vor 1623 verstorben, denn in der Bierabrechnung des Jahres 1623 hat „Die Detmarsche“ ein Fass Bier bekommen. Nach Detmar Knorres Tod hat wohl seine Frau noch einige Zeit den Krug weiter betrieben und wurde als „die Detmarsche“ bezeichnet.

Von 1592 bis 1626 wurde die Brauerei mit einer Ausnahme  durchgehend betrieben. Der Gewinn und die Produktion unterlagen jedoch starken Schwankungen, vor allem wegen der stark schwankenden Gerstenpreise. Als Beispiel für die Entwicklung der Bierproduktion seien hier die Abrechnungen für die Bierproduktion zwischen 1592 – 1606 aufgeführt:

Jahr       Gewinn                Fass zum Verkauf

1592      42Th.                    ?

1593      35Th. 5gg.           ?

1595      79Th. 8gg.           ?

1599      50Th.                    50 Fass

1600      53Th. 2gg.           50 Fass

1601      34Th. 8gg.           50 Fass

1602      61Th.                    40 Fass

1606      209Th. 16gg.      54 Fass 1 Tonne

Im Jahr 1606 wurden insgesamt 54 Fass 1 Tonne vom Bromer Bier mit einem Gewinn von über 209 Thaler verkauft. Für das gleiche Jahr liegt eine Akziseabrechnung der Krüger im Brome Gericht vor, die uns darüber unterrichten, wie viel fremdes Bier in den Krügen in Brome, Altendorf und Zicherie ausgeschenkt wurde. Für das ausgeschenkte fremde Bier musste die Akzise an die von Bartensleben bezahlt werden. Detmar Knorre hatte demnach 44 ½ Fass Garley ausgeschenkt und musste dafür 4gg. pro Fass an Akzise bezahlen, insgesamt also 5 Thaler 18gg. Daniel Riesenberg schenkte 33 Fass aus, Karsten Hermes 8 ½ Fass, Christoff Maßien, Krüger in Altendorf, 25 Fass, Christoff Lüdeman, Krüger in Zicherie 2 Fass. Insgesamt wurden 113 Fass fremdes Bier ausgeschenkt und mit einer Summe von 14 Thaler 4gg. versteuert. Dem gegenüber stehen nur 54 Fass Bromer Bier. An diesen Zahlen wird deutlich, dass das in Brome gebraute Bier kaum ein Drittel des gesamten Bierausschanks ausmachte. Denn das Bier war, wie ich später noch ausführen werde, nicht sehr beliebt – weder bei den Krügern, noch bei den Kunden.

Das Braugeschäft in der Bromer Brauerei war großen Schwankungen unterworfen. Es gab sogar Jahre, in denen nicht oder nur für den Hausgebrauch gebraut wurde. So konnte für das Jahr 1610 kein Gewinn verbucht werden. Dazu heißt es in der Abrechnung: „So viel des Brauwerck auf diß Jahr belanget, hat solches nicht getrieben werden können, alldieweil der Gerste sehr hoch ins Geld gelauffen […].“ In dem Jahr wurde nur für den Hausgebrauch, aber nicht für den Verkauf an die Krüge gebraut, weil wegen des hohen Gerstenpreises ein wirtschaftliches Brauen nicht möglich war.

Im Jahr 1623 wurden in der Burg Brome insgesamt 90 ½ Fass Bier gebraut.  Davon wurden 43 Fass an die Krüger in Brome, Altendorf und Zicherie verkauft. Insgesamt 23 Fass wurden anderweitig verkauft. Der Rest decke den Eigenbedarf der Burg ab.

Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Burg Brome

Der Dreißigjährige Krieg (1618-48) hatte auch in Brome seine Spuren hinterlassen. Die Schäden durch durchziehende Truppen waren so groß, dass noch im Jahr 1661 noch immer fünf Bromer Halbhöfe wüst oder unbebaut waren. Die größte Katastrophe ereignete sich im Jahr 1626. Darüber berichtet der bartenslebensche Amtmann Johann Behrens:

„Den 3ten April Anno 1626 ist der Capitain Johann von Dießkau mit seiner Fräulein zu Brohme und etwa 50 Pferden angelanget. Und ist in solchen Durchzuge in währenden 10 Tagen aufm Haus Brohme aufgangen 4 Faß Haußbier zu 7 Thlr., ist sämtlich 28 Thlr., 2 Tonnen Bier des Capitains Hofemeister 6 Thlr. [Es ist zu] Schade und Ungelegenheit [gekommen], so aus dem Brande entstanden. Das Brauwerck ist dadurch niedergeleget.“

Durch den Durchzug der Truppen wurden Teile des Fleckens und der Burg in Schutt und Asche gelegt. In der Burg Brome wurde das Brauwerk zerstört, mit ihm möglicherweise auch Teile der Burg Brome. Auch im Flecken waren große Schäden zu verzeichnen. So brannte u.a. der Kirchturm ab.

Trotz der Schäden fand sich wieder ein Pächter für die Burg Brome. Im Jahr 1634 wurde sie an Güntzel Klingbeil verpachtet. Aber die von Bartensleben behalten sich den Zoll, das Brauwerk, die Amtssachen und Jagden zur eigenen Verwendung vor. Vereinbart wurde auch, dass die von Bartensleben 1/3 der durch durchziehende Truppen entstandenen Schäden übernehmen, der Pächter Klingbeil aber 2/3. Das Brauwerk wurde wahrscheinlich nach dem Brand nicht wieder in Stand gesetzt. Höchstwahrscheinlich wurde überhaupt kein Bier mehr gebraut. Erst im neuen Pachtvertrag von 1653 zwischen denen von Bartensleben und Klingbeil wird vereinbart, dass die von Bartensleben aus ihren „Pensionsgeldern“ notdürftig neues Braugerät kaufen sollten. Im Gegenzug erhielt der Pächter das Recht, Bier – also Zwangsbier – an die hiesigen Krüge zu verkaufen. Natürlich waren die Krüger damit nicht einverstanden und sie versuchten, sich gegen das Zwangsbier zu wehren. Klingbeil seinerseits zog im Jahr 1655 vor das Landgericht in Celle, um gegen die aufständischen Bromer Krüger zu prozessieren und bekam schließlich sogar Recht. Die Bromer Krüger wurde zur Abnahme des Bieres gezwungen. Die alte Ordnung war damit wieder hergestellt.

Schlechter Zustand der Burg Brome im 17. Jahrhundert

Die finanzielle Lage derer von Bartensleben war um die Mitte des 17. Jahrhunderts alles andere als gut. Sie hatten Schulden von insgesamt 8000 Thalern angehäuft und dachten deshalb über einen Verkauf der Burg Brome für eben diese Summe nach. Güntzel Klingbeil bekundete Interesse am Kauf. Er wollte die Notlage ausnutzen und bot deshalb nur 6000 Thaler, was selbstverständlich für die von Bartensleben ein unannehmbares Angebot darstellte. Sie selbst hatten die Burg im Jahr 1583 zu einem Kaufpreis von 16000 Thaler erworben. Innerhalb von nur 80 Jahren war der Wert um die Hälfte gesunken, was sicherlich auf die im Dreißigjährigen Krieg entstandenen Schäden zurück zu führen ist. Im Zuge der Verkaufspläne verfasste der Knesebecker Amtmann Wilhelm Schulze im Jahr 1661 einen sehr aufschlussreichen Bericht über den Zustand der Burg Brome, in dem er auch den Verkaufswert der Burg bestimmte. Den Zustand der Gebäude beschrieb er mit den folgenden schonungslosen und in keiner Weise beschönigenden Worten:

„Daß Wohnhauß mit einem Graben ümbzogen, etwas Bawfellig und sehr Tachloß. Vorwerck, Scheune und Schaffstall, alles zimblich Tachloß. Der übrigen und nottürfftigen stelle seindt nicht viel nutzbahr befindtlich.“

Die Gebäude der Burg waren also in einem jämmerlichen Zustand: baufällig und teilweise dachlos.

Auch das Brauwesen erwähnt Schultze in seinem Bericht:

„[Der Brauhandel] ist nicht sonderlich getrieben, Weil alhie kein Gerste wechßet, muß gekauffet werden, Eß fellet auch kein guht Bier, Unnd ist deßen kein Abgang, Die Leüte sein der Garley gewohnt, Dahero dies vast nicht höher alß auff die Notturfft fürs Gesinde zurechnen stehet.“

Der Zustand des Brauhandels in Brome war alles andere als gut. Zum einen war die Herstellung des Bieres kostspielig, weil Gerste teuer von außerhalb eingekauft werden musste. Zum anderen war die Qualität des Bromer Bieres schlecht, so dass es eigentlich nur vom Gesinde getrunken wurde – wenn es nicht zu umgehen war.

Der Verkauf an Klingbeil war gescheitert. So schnell wie möglich wollten die von Bartensleben nun ihren missliebigen Pächter loswerden. Allerdings konnte dieser nur durch einen  Gang vor Gericht wieder von der Burg Brome vertrieben werden. Als Klingbeil Jahre später über das Brauwesen in Brome befragt wurde, sagte er aus, „daß die Krügers das Haußbier bey Fäßern und Tonnen nehmen, man sie aber nur nicht damit überhäuffen müste.“ Die Bromer Krüger wollten das Bromer Bier einfach nicht verkaufen.

Von 1663 an wurde die Burg Brome an den Helmstedter Professor Doktor Hermann Conringen zu den gleichen Konditionen wie an Klingbeil verpachtet. Auch er setzt das Bierbrauen fort und versuchte den Bierzwang durchzusetzen. Später bewirtschaftete Joachim Friedrich von Bartensleben selbst das Gut Brome bis zu seinem Tode im Jahr 1690. Doch viel Wert legte er wohl nicht auf das Brauwesen, denn zu seiner Zeit wurde nur Braun- und Bitterbier gebraut. Auch gab es keinen eigenen Braumeister, wie im Jahr 1725 der alte Christoph Isensee, ein Mann von damals 67 Jahren, berichtete: „Einen Braumeister hätte [Joachim Friedrich von Bartensleben] […] nicht gehabt[,] sondern es wäre von des seel[igen] Vogts Kloppens Frau[,] auch dann und wann von den wolffsburgischen Braumeistern gebrauen worden.“

Dann pachtete der Amtmann Georg Gebhard Koven die Burg Brome (1691 – 98), setzte die Braunahrung fort und wollte den Bierzwang wieder einführen. Er war so sehr interessiert am Brauwesen, dass er sogar einen Braumeister eingestellt hatte. Er hat Breyhan, Merzen und Braunbier brauen lassen und es bis nach Lüchow, Dannenberg und Salzwedel verkauft. Natürlich wehrten sich die Bromer Krüger wieder gerichtlich gegen den Bierzwang. Zwar wurden sie nicht vom Bierzwang befreit, aber dennoch wurde ihnen im Urteil vom 22.August 1694 zugestanden, fremdes Bier ausschenken zu dürfen, solange sie die Akzise dafür entrichteten.

Niedergang der Produktion

In der Zeit von 1698 bis 1718 wurde in der Bromer Brauerei nicht mehr für den Verkauf, sondern nur noch in sehr eingeschränktem Maße für den Eigenbedarf gebraut. So heißt es in einem Bericht des Gutsverwalters Hergetius aus dem Jahr 1725: „Nachdem nun gedachter Amtmann Kove[n] von hier weggezogen, so wäre der Verwalter Hans Jacob [Hermes] seel[iger] hier [her]gekommen, welcher denn durch den jetzo noch lebenden alten Heinrich Kloppen, so damahls Dräscher aufm Hochadel[igen] Hause gedienet, das Brauen mitversehen laßen.“ Einen eigenen Braumeister hat es zu dieser Zeit nicht mehr gegeben. Vielmehr verstand sich der Drescher Heinrich Klopp auf das Bierbrauen.

Auch der neue Pächter Eduard Wiedemann (1718-24) setzte den Brauhandel nicht sonderlich fort, denn „solches ist wohl theils einer schlecht geführten Haushaltung, theils dem theuren Kornpreiße zuzuschreiben“.

Als die von Bartensleben im Jahr 1725 den Verwalter J.G. Hergetius einsetzten, führten sie das Brauwesen ohne Anzeige beim Amt Knesebeck fort. Darüber beschwerte sich der Knesebecker Amtmann Weinrebe, „daß man zu Brohme seit etlichen Jahren zu brauen angefangen, da doch seit 20 bis 30 Jahren daselbst nicht gebrauet sey und mithin der Brohmischen etwaige Befugniß [wegen Nichtgebraucht verfallen sei].“ Der daraufhin angestrengte Prozess zwischen dem Amt Knesebeck und denen von Bartensleben  zog sich bis 1734 hin. Die von Bartensleben konnten im Prozess ihren Besitz des Braurechts nachweisen. Dieses wurde aber durch den Nichtgebrauch  nicht unwirksam. Die Braurechte blieben bestehen. Daraufhin wurde der Prozess nicht weiter fortgesetzt.

Aussterben derer von Bartensleben 1742

Mit dem Aussterben derer von Bartensleben ging die Burg Brome im Jahr 1742 in den Besitz derer von der Schulenburg über. Das Brauen wurde im Jahr 1668 beendet und bis 1782 nicht wieder aufgenommen. Nachrichten über das Bierbrauen nach 1782 sind mir bisher nicht bekannt.

Spuren der Brauerei heute

Während der Sanierungsarbeiten an der Burg Brome wurden Reste der Brauerei im Erdgeschoss entdeckt. Diese Reste sind heute für Besucher der Burg Brome unter dem Glaspodest im Eingangsbereich sichtbar.

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