Ein Blog des Museums- und Heimatvereins Brome e.V.

Kategorie: Wiswedel (Seite 1 von 6)

Ein Brief an den Doktor — ein Postbeleg aus der Inflationszeit 1923

Manche Fundstücke erzählen ihre Geschichte erst auf den zweiten Blick. Ein schlichter Briefumschlag, adressiert an einen Bromer Arzt, abgestempelt am 23. März 1923 — auf den ersten Blick nichts Besonderes. Und doch führt dieser Beleg mitten hinein in ein Jahr, das den Menschen in Brome und im ganzen Deutschen Reich in Erinnerung bleiben sollte: das Jahr, in dem das Geld seinen Wert verlor.

Der Beleg

Vor uns liegt ein Umschlag, der als Drucksache verschickt wurde — der entsprechende Aufdruck ist oben auf der Vorderseite noch schwach zu erkennen. Adressiert ist er in schwungvoller Schrift:

An Herrn Dr. med. Andrae in Brome

Frankiert wurde die Sendung mit zwei Briefmarken zu je 10 Mark, zusammen also 20 Mark. Die roten Marken gehören zur Dauermarkenserie „Posthorn” (Michel-Nr. 206, verausgabt 3. Juni 1922) — einer der schmucklosen, rasch herzustellenden Freimarkenserien, mit denen die Reichspost auf die immer neuen Portoerhöhungen der Inflation reagierte. Entwertet sind sie mit einem Poststempel, dessen Ortsangabe sich als Hankensbüttel lesen lässt, mit dem Datum 23.3.23 9-10V (23.03.1923 um 9–10 Uhr Vormittag).

Die Rückseite trägt einen runden violetten Absenderstempel. Auch wenn er blass und teilweise verwischt ist, lässt er sich entziffern:

Landkrankenkasse für den Kreis Isenhagen in Isenhagen

Damit ist der Weg der Sendung geklärt: Sie ging von der Landkrankenkasse für den Kreis Isenhagen an den Bromer Arzt — ein ganz alltäglicher Vorgang im Schriftverkehr zwischen einer Krankenkasse und dem behandelnden Kassenarzt, und gerade deshalb ein aufschlussreiches Zeugnis.

Drucksache mit Stempel Hankensbüttel vom 23. März 1923 an Dr. med. Andrae in Brome (Sammlung Jens Winter)
Absenderstempel auf der Rückseite: Landkrankenkasse für den Kreis Isenhagen in Isenhagen

Der Empfänger: Dr. med. Gustav Andrae

Der Adressat ist Dr. med. Heinrich Gustav Andrae (Rufname Gustav), der über zwei Jahrzehnte hinweg das ärztliche Leben in Brome mitprägte. Nach den Ärzteverzeichnissen des Reichs-Medizinal-Kalenders erhielt er seine Approbation 1907 und ist in Brome durchgehend von 1912 bis mindestens 1935 nachweisbar. Er rückte damit um 1911/12 in eine Lücke nach, die der Tod des jung verstorbenen Dr. Walter Braun(e) gerissen hatte.

Zeit seines Wirkens teilte sich Andrae die ärztliche Versorgung des Fleckens mit Dr. Friedrich August Otto Hornhardt (approbiert 1896), der sogar noch länger — von 1903 bis mindestens 1935 — in Brome praktizierte. Zwei Ärzte für einen Ort, dessen Einwohnerzahl in diesen Jahren bei rund 1.100 lag: Das war eine für ländliche Verhältnisse durchaus ordentliche Versorgung.

Eine kleine Eigenheit am Rande: Der Familienname erscheint in den amtlichen Verzeichnissen in wechselnder Schreibung — mal Andrae, mal Andrä, mal Andräe. Das konstante Approbationsjahr 1907 sichert jedoch, dass stets dieselbe Person gemeint ist. Auf unserem Umschlag ist die Form „Andrae” gewählt.

20 Mark Porto – und was das über das Jahr 1923 verrät

Hier wird der Beleg zum Zeitdokument. 20 Mark Porto für eine Drucksache — das klingt nach viel und war zugleich schon fast nichts mehr wert. Genau 20 Mark kostete eine Drucksache bis 25 g seit dem 1. März 1923; unser Brief ist also portogerecht frankiert. Wie kurz diese Gültigkeit währte, zeigt der nächste Tarifschritt: Schon zum 1. Juli 1923 stieg dieselbe Drucksachengebühr auf 60 Mark — eine Verdreifachung binnen vier Monaten. Zum Vergleich: Für den einfachen Fernbrief galt in denselben Wochen ab dem 1. März 1923 ein Porto von 100 Mark.

Um die Größenordnung einzuordnen: Wenige Jahre zuvor, in der Portoperiode vom 1. August 1916 bis 30. September 1918, hätte eine solche Drucksache drei Pfennig gekostet. Im März 1923 waren daraus 20 Mark geworden — und das war erst der Anfang. Die eigentliche Hyperinflation beschleunigte sich erst ab dem Sommer 1923; im Herbst kletterten die Portosätze dann in astronomische Millionen- und Milliardenbeträge, bis zur Währungsreform im November/Dezember 1923, als die Rentenmark die entwertete Papiermark ablöste und das Briefporto wieder bei 10 Rentenpfennig lag. Unser Brief vom 23. März steht also gleichsam an der Schwelle: Das Geld war schon stark entwertet, aber der völlige Absturz kam erst.

Genau das macht solche Belege für die Regionalgeschichte so wertvoll. Es ist ein Alltagszeugnisse, das im Kontext der Post- und Wirtschaftsgeschichte die ganze Dramatik des Jahres 1923 zeigt. Eine Krankenkasse schreibt ihrem Kassenarzt — ein Vorgang, der sich hundertfach wiederholte. Und der aufgeklebte Wert von 20 Mark hält die damals ständig steigende Inflation fest.

Ein Stück Bromer Postgeschichte

Für die Heimatgeschichte ist ein solcher Umschlag ein doppeltes Fundstück: Er dokumentiert zum einen die Postgeschichte unserer Region in der Inflationszeit, zum anderen ein Stück Bromer Medizingeschichte — verkörpert im Namen des Dr. Gustav Andrae, der die Kranken des Fleckens durch diese unruhigen Jahre begleitete.

Anna Marie Dorothee Schulze (1869–1888) – Das älteste Grab auf dem Friedhof Wiswedel

Der Friedhof Wiswedel wurde 1882 eingerichtet. Das älteste noch erhaltene Grab der heutigen Anlage ist die letzte Ruhestätte einer jungen Frau, die nur 19 Jahre alt wurde: Anna Marie Dorothee Schulze.

Grab von Anna Marie Dorothee Schulze auf dem Friedhof Wiswedel. (Foto: Ulrich Schulze, Wiswedel)

Die Inschrift

Auf der Vorderseite des Steins steht:

Hier ruht in Gott

unsere liebe Tochter

Anna Marie

Dorothee Schulze,

geb. d. 17 März 1869

gest. d. 25. Novbr. 1888

Auf der Rückseite findet sich – heute nur noch schwer zu entziffern – ein Trauervers, wie er für Gräber junger, unverheirateter Frauen im 19. Jahrhundert typisch war:

Sie war so sanft, sie war so gut,

die jetzt in diesem Grabe ruht,

zu ihrer Eltern

Schmerz.

Der hoffnungsvollen

Knospe gleich

erblühte sie: und mild

und reich

war ihr ge-

treues Herz.

Das Bild der Knospe, die sich gerade erst entfaltet hat und dann abrupt vergeht, war eine gängige Metapher der Zeit – ein stilles Zeugnis für den Schmerz einer Familie, die ihr Kind viel zu früh verlor.

Wer war Anna Marie Dorothee Schulze?

Anna Marie Dorothee wurde am 17. März 1869 in Wiswedel geboren, als zweites Kind des Halbhöfners Johann Heinrich Schulze (1838–1903) und seiner Frau Marie Dorothee, geb. Kuhrs (1847–1915). Der Hof, aus dem die Mutter stammte, ist heute als Hof Klopp in Wiswedel bekannt.

Die Eheleute Marie Dorothee, geb. Kuhrs und Johann Heinrich Schulze vermutlich mit ihrer ältesten Tochter, über die keine weiteren Informationen überliefert sind. Im Hintergrund steht die Stiefmutter von Johann Heinrich Schulze, Catharina Dorothea Schulze, geb. Schröder.

Als junge Frau ging Dorothee als Haushaltslehrling in die Lehre bei Familie Stackmann in Wittingen – ein für die Zeit üblicher Weg, um sich auf die eigene Haushaltsführung vorzubereiten. Dort erkrankte sie an einer Blinddarmentzündung, die zu einer Bauchfellentzündung führte, an der sie am 25. November 1888 verstarb. Eine Appendektomie, wie sie heute jede Blinddarmentzündung folgenlos beherrschbar macht, war 1888 noch kein etablierter chirurgischer Eingriff – ein Durchbruch der Bauchhöhle mit nachfolgender Peritonitis verlief zu dieser Zeit fast immer tödlich.

Da Dorothee in Wittingen starb, ihre Familie sie aber auf dem heimatlichen Friedhof in Wiswedel beisetzen wollte, war für die Überführung ein amtlicher Leichenpass nötig – ein Dokument, wie es im 19. Jahrhundert für den Transport eines Leichnams über Gemeindegrenzen hinweg vorgeschrieben war und das bis heute erhalten ist.

Leichenpass zur Überführung des Leichnams von Anna Marie Dorothee Schulze von Wittingen nach Wiswedel, ausgestellt vom Königlichen Landrat des Kreises Isenhagen (26.11.1888).

Erhalten ist zudem ein Foto Dorothees, vermutlich anlässlich ihrer Konfirmation entstanden – eines der wenigen Bilder, die von ihr überliefert sind.

Foto von Anna Marie Dorothee Schulze – vermutlich anlässlich ihrer Konfirmation aufgenommen.

Der Zaun – eine Verbindung nach Brome

Ein besonderes Detail verbindet das Grab in Wiswedel mit dem Bromer Friedhof: Der schmiedeeiserne Zaun, der Dorothees Grabstelle umgibt, entspricht in Ausführung und Dekor genau jenem Zaun, der die Grabstelle der Familie Jaeger in Brome einfasst – angefertigt von der Bromer Schlosserei Junge. Die Werkstatt fertigte solche kunstvollen Grabeinfassungen offenbar nicht nur für Brome selbst, sondern auch für die umliegenden Dörfer – ein kleines, aber schönes Zeugnis dafür, wie eng die Region über solche Handwerksbetriebe miteinander verflochten war.

Grab von Anna Marie Dorothee Schulze mit dem geschmiedeten Zaun. Der gleiche Design findet sich auch am Grab der Familie Jaeger auf dem Bromer Friedhof. (Foto: Ulrich Schulze, Wiswedel)

Ein stilles Denkmal

Das Grab der Dorothee Schulze ist heute das älteste erhaltene Zeugnis auf dem Friedhof Wiswedel – und durch Inschrift, Leichenpass und den kunstvollen Zaun ein ungewöhnlich dicht dokumentiertes. Es erzählt von einem kurzen Leben, das durch eine Krankheit endete, die heute jeden Schrecken verloren hat, und von einer Familie, die ihrer Tochter mit einem Vers und einem gestalteten Grab ein bleibendes Andenken setzte.

Freiwillige Feuerwehr Wiswedel

Nachdem die Gemeinde Wiswedel im Jahr 1911 eine Feuerspritze angeschafft und im Jahr 1912 ein Feuerwehrhaus gebaut hat, existierte wohl auch ab 1911 eine Freiwillige Feuerwehr. Allerdings sind schriftliche Unterlagen über die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel zwischen 1913 und 1948 bislang nicht vorhanden.

Im Jahr 1949 berichtet die Wiswedeler Schulchronik über eine „Feuersbrunst“:

Feuersbrunst.

In der Nacht vom 11. zum 12. Juli 1949 brannte dem Bauern Martin Behne die auf dem Wirtschaftshofe gelegene Scheune, ein ziemlich baufälliges Gebäude, ab. Nur dem Umstand, das es eine windstille Nacht war, ist es zu verdanken, das die ebenso alten Nachbargebäude vom Feuer verschont blieben. Der Verdacht der Brandstiftung fiel auf einen Flüchtling, den bodenreformierten Bauern P. Heitzmann aus der Altmark, der im Hause Behne wohnt. Der Verdacht wurde aus dem Umstand hergeleitet, das Flüchtling u. Bauer nicht gerade freundschaftlich zu einander standen. Der Verdacht erwies sich als völlig grundlos. In der Scheune verbrannten eine neue Dreschmaschine u. andere wertvolle landwirtschaftliche Geräte. Wie man hört, soll der entstandene Schaden ausreichend durch Versicherung gedeckt sein.


Weil der Brunnen vor der Gastwirtschaft beim Löschen der Scheune nicht genug Wasser hergab, wurde vom Gemeinderat beschlossen, in der Nähe einen neuen bohren zu lassen. Bereits im Oktober 1949 wurde laut Isenhagener Kreisblatt an der Weggabelung Benitz-Voitze mit dem Brunnenbau begonnen.

Nach dem 2.Weltkrieg war nach Aussagen älterer Wiswedeler neben der Handdruckspritze auch eine Tragkraftspritze, TS-8 mit 2-Takt-Motor, vorhanden. Sie hatte jedoch erhebliche Startschwierigkeiten. Am Motor mussten häufig die Zündkerzen ausgewechselt und der Vergaser gereinigt werden.

In einer der Eichen neben dem Feuerwehrhaus war zum Schlauchtrocknen eine Rolle als Aufzug angebracht. Diese ist heute noch vorhanden.

Einige Männer von den in Wiswedel untergebrachten Flüchtlingsfamilien verstärkten zunächst die Mannschaft der Feuerwehr, zogen aber bald in andere Orte.

Am Teich in der Schweineweide wurde durch Befestigung der Böschung eine Wasserentnahmestelle eingerichtet.

Die Gemeinde Wiswedel beschaffte 1961 einen VW-Transporter als TSF-T und eine TS-8/8 von Metz mit VW-Motor.

Feuerwehr Wiswedel beim Festumzug zum 40 jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Radenbeck 1965
Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Wiswedel beim Feuerwehrfest in Radenbeck

Wegen Überalterung der Aktiven bekam die Ortswehr immer mehr Personalprobleme. Die Mindeststärke-Verordnung konnte nicht mehr erfüllt werden. Im Dezember 1974 lud das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr Brome die Wiswedeler Kameraden zur Versammlung ins Gasthaus Wiswedel ein. Die Anwesenden der Freiwilligen Feuerwehr Wiswedel beschlossen der Ortswehr Brome beizutreten.

Zum 1. Januar 1975 wurden fünf Ehrenmitglieder, fünf Altersabteilung und acht Aktive aus Wiswedel in die Freiwillige Feuerwehr Brome aufgenommen.

Die Dienstbeteiligung war jedoch zu gering, so dass alle ab Januar 1977 „Fördernde Mitglieder“ der Bromer Wehr wurden. Die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel wurde von der Samtgemeinde Brome aufgelöst und die vorhandene Ausrüstung und das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Brome übergeben.

Feuerwehrhaus Wiswedel vor dem Umbau – Es diente seit der Auflösung der Wiswedeler Feuerwehr der Bromer Feuerwehr als Lagerraum. Ab 2011 wurde es zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. (Foto undatiert)

Das Wiswedeler Tragkraftspritzenfahrzeug sollte verkauft werden. Es wurde der Samtgemeinde von den Bromer Feuerwehrkameraden abgekauft. Die damaligen Bromer Gerätewarte beseitigten alle Korrosionsschäden und bauten das TSF-T zum Mannschaftswagen um.

Ab August 1977 stand der Bromer Wehr ein neu lackierter VW-Bulli mit neun Sitzplätzen zur Verfügung. Das Fahrzeug wurde besonders von der Jugendfeuerwehr, aber auch vom Musikzug und den Aktiven benutzt. Weil die Samtgemeinde Brome sich nicht an einem Mannschaftswagen beteiligen wollte, wurden alle Betriebs- und Reparaturkosten aus der Kameradschaftskasse der Freiwilligen Feuerwehr Brome bezahlt. Nach zehn Jahren Dienstzeit in Brome bekam der VW-Bus keine TÜV-Plakette mehr. Die Reparaturkosten überstiegen den Zeitwert um ein Vielfaches und der Bulli mußte ausgemustert werden.

Im Feuerwehrhaus in Wiswedel wurde von der Feuerwehr Brome eine Zwischendecke eingezogen und das Tor regelmäßig gestrichen. Leider unterblieb seitens der Samtgemeinde Brome die bauliche Unterhaltung. Trotzdem konnten dort die Bromer Handdruckspritze von 1891 und die beiden ausgemusterten Feuerwehranhänger trocken und ohne Holzwurmbefall untergestellt werden.

Im Zuge der Dorferneuerung in Wiswedel erfolgte ab 2011 der Umbau des Feuerwehrhauses zum Gemeinschaftshaus.

Dorfgemeinschaftshaus Wiswedel (2019)

Bau des Feuerwehrhauses Wiswedel (1912)

Im Jahr 1912 wurde in der Gemeinde Wiswedel für die im Jahr zuvor beschaffte Handdruckspritze ein Spritzenhaus gebaut. Als Standort wurde ein Grundstück der Realgemeinde an der Straße nach Radenbeck neben der Hofstelle von Christoph Pohlmann ausgewählt. Den Auftrag erhielt Maurermeister Heinrich Meyer aus Radenbeck.

Einschließlich aller Material- und Frachtkosten wurden laut Kassenbuch der Gemeinde Wiswedel 1.475,20 Mark für die Erstellung des Spritzenhauses aufgewendet. Auch hierfür wurde laut Quittung von der Provinzial-Brandkasse ein Zuschuss gewährt. In der Regel erstattete sie 25 % Gesamtkosten. Demnach hätte die Gemeinde Wiswedel 368,80 Mark erstattet bekommen.

Das Holz für der Dachstuhl und das Tor kamen aus dem Wald der Gemeinde. Die Sparren und Deckenbalken wurden von den Zimmerleuten aus Tülau vor Ort behauen und errichtet. Aus gehobelten Lärchenholz fertigte der ortsansässige Tischler Friedrich Präger das Tor. Die Fenster hatte der Wiswedeler Schmiedemeister Heinrich Tepelmann aus Eisenprofilen geschweißt. Am Abrechnungstag der Gemeinde, immer der 27.12. jedes Jahr, wurden die Kosten der am Bau beteiligten Wiswedeler Bürger abgerechnet.

Maurermeister Heinrich Meyer (Radenbeck) erstellte für den Bau des Spritzenhauses in Wiswedel diesen Kostenanschlag. Er veranschlagte die Kosten auf 1098,56 Mark.

Die tatsächlichen Kosten für den Bau waren wie folgt:

DatumHandwerker und HelferZweckGoldmark
03.07.1912Heinrich MeyerKostenvoranschlag Feuerwehrhaus1.038,56


Maurerarbeiten725,14


Zimmererarbeiten164,20


Dachdeckerarbeiten120,50


Eisenwaren28,72




03.06.1912
Fracht für 300 Mauersteine29,75
04.06.1912
Antrag Provinzialgenossenschaft Hannover0,10
05.06.1912
Baugenehmigung für Spritzenhaus0,20
09.06.1912
Fracht für 200 Mauersteine19,70
14.06.1912
Fracht für 200 Mauersteine19,70
14.06.1912
Fracht für Eisenträger (Bahnhof-Baustelle)0,40
14.06.1912Otto FehseZimmererlohn37,68
15.06.2012
Mauersteine443,00
20.06.1912
Antrag auf eine Beihilfe zum Spritzenhaus0,10
19.11.1912Maurermeister Heinrich MeyerArbeitslohn für Maurerarbeiten282,18
02.12.1912Dachdeckermeister KellerArbeitslohn für Dachdeckerarbeiten50,12
11.12.1912Eisen SiemerEisenträger für Spritzenhaus18,85
27.12.1912Friedrich PrägerSpritzenhaustür angefertigt25,00
27.12.1912Christoph PohlmannDachlatten gefügt4,50
27.12.1912Gastwirt KloppKalk und Nägel5,27
27.12.1912Schmiedemeister H. TepelmannSchmiedearbeiten am Spritzenhaus28,30
11.01.1913
Quittung Spritzenhausbeihilfe erhalten0,35






Mauersteine440,00


Dachziegel70,00






Bau eines Spritzenhauses1.475,20

Die Originalbauzeichnung des Feuerwehrhauses Wiswedel ist erhalten:

Nach Fertigstellung stellte die „Elektrische Überlandzentrale Kreis Salzwedel e.G.m.b.H.“ an die Gemeinde in Wiswedel einen Antrag zum Bau eines Trafohäuschen am Spritzenhaus.

Diesen stimmte der Gemeinderat am 28. August 1913 zu. Hier das Protokoll der Sitzung:

In der Wiswedeler Schulchronik wurde festgehalten, dass sich dann auch Wiswedeler Haushalte an das neue Stromnetz haben anschließen lassen:

Im Jahre 1913 schlossen sich mehrere Ortseinwohner der Überlandzentrale Kreis Salzwedel G.m.b.H. an[,] erhielten im Herbste desselben Jahres elektrisches Licht. Viele kauften auch einen elektrischen Kraftmotor, der die Dreschmaschine, Kreissäge, Schrotmühle und andere Maschinen in Betrieb setzte. Im März 1919 erhielt auch die Schule eine elektrische Lichtanlage.

Es dauerte einige Jahre bis alle Anwesen in Wiswedel am Stromnetz angeschlossen waren. Laut Chronik bekam die Schule Wiswedel erst 1919 einen Stromanschluss.

Durch Rechnungen im Kleinbahnarchiv ist belegt, dass der Bahnhof Benitz-Wiswedel erst 1937 einen Stromanschluss bekam. Für den Leitungsbau von Wiswedel zum Bahnhof an Holzmasten entlang der Benitzer Straße entstanden Kosten von 1473,95 Mark. Hinzu kam die Elektroinstallation durch Fa. Hermann Bublitz aus Wittingen von 354,67 Mark.

Als es in den Dörfern noch keine Freiwillige Feuerwehren gab

Im Archiv Museum Burg Brome ist eine Feueranzeige aus Wiswedel aus dem Jahr 1885 vorhanden. Daraus geht hervor, dass es trotz gesetzlicher Feuerordnungen und anderer vorbeugende Maßnahmen zur Brandverhütung kaum eine Möglichkeit gab Brände in Gebäuden wirkungsvoll vor Totalschaden zu bewahren.

Erst mit Gründung der Freiwilligen Feuerwehren in den Landgemeinden konnten auch hier wirksame Brandbekämpfungen durchgeführt werden.

Feueranzeige aus Wiswedel an das Königliche Landratsamt in Isenhagen vom 5. November 1885

In der Feueranzeige heißt es:

Gehorsamer Bericht des Ortsvorstehers Christoph Behne in Wiswedel: Eine Feuersbrunst betreffend.

Einem Königlichen Landrats-Amte mache ich hiermit die geforderte Anzeige, daß am letzten Mittwoch, abends 10 Uhr bei dem Ackermann H. Schulze in Wiswedel, aus unbekannten Gründen Feuer ausgebrochen ist.

Nach Aussage des in der Nähe gewesenen Nachtwächters ist das Feuer zuerst in der Scheune entstanden. Trotz dem gleich viele Menschen zur Stelle waren, wurde doch die Scheune und das Wohnhaus in Asche gelegt.

Königliches Landrats-Amt wolle das Weitere verfügen,

gehorsamst C. Behne Gemeindevorsteher.


Die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel

Vermutlich wurde die Freiwillige Feuerwehr Wiswedel im Jahr 1911 oder 1912 gegründet. Schriftliche Unterlagen liegen darüber bislang nicht vor. Belegt ist, dass bei der Feuerspritzenfabrik Louis Tidow in Hannover-Badenstedt eine Handdruckspritze beschafft wurde.

Laut Kassenbuch der Gemeinde Wiswedel von 1911 wurde am 5. September eine 1. Rate über 835,00 Mark und am 4. Dezember die 2. Rate von 822,40 Mark an Louis Tidow gezahlt.

Einschließlich aller Nebenkosten hatte die Gemeinde 1693,48 Mark gezahlt. Die Brandkasse Hannover gewährte einen Zuschuss von 25 % und erstattete der Gemeinde Wiswedel 423,37 Mark.

Friedrich Klopp (Gastwirt) hatte sie am 4. Dezember 1911 aus Hannover abgeholt.

Von Firma Lipinski, Wittingen, wurde im September 1911 vor der Gastwirtschaft Klopp ein erster Tiefbrunnen gebohrt. Die Kosten hierfür betrugen 891,50 Mark.

Die Handdruckspritze wurde Anfang der 1970er Jahre verschrottet. Eine Schlauchhaspel ist heute noch vorhanden.

Übersicht der Ausgaben der Gemeinde Wiswedel (1911). Links oben in der zweiten Zeile von oben ist die Summe von 895 Mark an die Firma Tidow erwähnt.
Eine baugleiche Handdruckspritze von Firma Tidow hatte die Gemeinde Wiswedel 1911 beschafft. (Foto mit freundlicher Genehmigung der Feuerwehr Bierde)

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